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Uranus kennt Sie nicht!


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Neulich ist es mir wieder passiert. Ein paar Leute, ein paar Bekannte, ein paar Neue, wie das halt so ist auf Partys. Bei einem dieser Abtastgespräche (Kommst du auch von hier? Seid Ihr mit dem Auto da? Und was machst du so?), kam die Frage auf Hobbies.

Unvorsichtig, wie ich immer wieder bin, habe ich mein Gegenüber wissen lassen, dass ich meine Freizeit gern mit Astronomie ausfülle. Hätte ich nicht tun sollen, oder mir den guten Mann mit dem ich da redete zumindest vorher etwas genauer betrachten sollen. Über das Gesicht meines Gesprächspartners huschte ein wissendes Lächeln und er drehte sich zu seiner Lebensgefährtin um und verkündete "Der Frank hier, der macht Horoskope. Das interessiert dich doch immer." Und dann an mich gewandt: "Wie stehen denn ihre Sterne so? Sie ist übrigens Waage!"

Das sind so Augenblicke, die jeder Berufs- oder Hobbyastronom lebhaft nachvollziehen kann. Das ist uns wahrscheinlich allen schon passiert.

Und obwohl man einfach das bisschen Größe besitzen sollte bei Leuten, die sich sich nicht mit dem Thema befassen einfach drüber hinweg zu sehen, freundlich "Prima Scherz" zu sagen, um unverzüglich nach neuen Smalltalkern Ausschau zu halten, konnte ich bei dem hier umhin, ihm das zu verdeutlichen.

Mein Hobby heißt Astronomie, nicht Astrologie!

Ersteres ist eine Naturwissenschaft, die sich mit der Erforschung des Universums befasst, letzteres ist betrügerischer Unsinn.

Dass das immer wieder verwechselt wird, liegt sicher an der Ähnlichkeit der Begriffe, aber auch daran, dass Astrologie viel stärker im Bewusstsein der Menschen ist. Das ist zwar außerordentlich bedauerlich, aber kein Wunder, wenn man bedenkt dass Illustrierte und Kommerzsender im Fernsehen völlig damit verseucht sind.

Zwar sollte sich jeder Mensch selbst bei einfachster Betrachtung klar machen können, dass sein persönliches Schicksal einem Lichtjahre entfernten Gasball nicht nur furzegal ist, sondern ein Stern aufgrund seiner Natur als eben dieser Gasball weder etwas bestimmen, noch lenken oder beeinflussen kann. Genau so wenig, wie die Stellung von Planeten zueinander in irgendeiner Weise dafür sorgt, dass Sie morgen viel Geld verlieren oder Ihrer Oma der Wellensittich davon fliegt. Planeten sind Ansammlungen aus Gas, Geröll, Wasser und Eis im Weltraum. Die können sich ebenso wenig für etwas interessieren wie Backsteine (Okay, das sieht man bei Feng-Shui anderes, aber das Zeug fällt in die selbe Sparte)!

Wenn Ihnen also die Telefonhotline für 1.49 € / min. anbietet, Ihre Zukunft aus der Stellung irgendwelcher Gestirne heraus zu lesen, ist das Bullshit.

Und wenn in der Frau im Koma oder wie die Dinger auch immer heißen mögen, unter Löwe steht, dass die nächste Woche Glück haben werden, dann trifft das sicher auf einen gewissen Teil der in den Monaten Juli und August geborenen Menschen zu. 33%, würde ich mal sagen. Weitere 33% werden Pech haben und die letzten 33% weder Glück noch Pech.

Überhaupt, Tierkreiszeichen! Das ist ja auch so ein Müll, mit dem Astrologen an Ihre Brieftasche wollen. Hierzu kann man feststellen:

Ja, es ist richtig, dass Menschen, die in unterschiedlichen Jahreszeiten geboren wurden, geringfügig unterschiedliche Charakterausprägungen haben können.

Ja, es ist auch richtig, dass Menschen, die zur gleichen Jahreszeit das Licht der Welt erblickt haben, übereinstimmende Charaktereigenschaften haben können. Das hängt damit zusammen, dass die klimatischen Bedingungen und Lichtverhältnisse die Schwangerschaft, die ersten Lebensmonate sowie Verhalten und Stimmung der Eltern beeinflussen.

Nein, es ist schlichte Dummheit anzunehmen, dass das mit Formationen am Sternenhimmel in Zusammenhang steht. Sterne haben mit unseren Eigenschaften nix zu tun!

Wenn Ihnen also das nächste Mal wieder einer sagt "Typisch Fisch!", fragen Sie ihn einfach, wie er darauf kommt, Sie mit einem Nahrungsmittel auf eine Stufe zu stellen.

(Verfasser: JustFrank | Datum: 18. Oktober 2014 | Fehler melden)



Kommentare 

Am 08.12.2014 00:44:15 schrieb Bradyon:

Die og. Argumente sind den echten Astrologiefans wohlbekannt, und sie haben dazu immer ihre standardantworten parat.
Es gibt andere, subtilere Argumente gegen die Astrologie, wobei mir zwei am Wichtigsten erscheinen: Erstens wurde die A. um etwa 2000 AC kodifiziert und seitdem passen durch die Präzession der Erdachse die Stern_bilder_ nicht mehr zu den Stern_zeichen_. (Nimm einfach mal 'nen A.-Gläubigen mit nach draußen, zeige ihm, daß Jupiter in Löwe steht, und schau dann im A.-Progrämmchen nach (höchst unterhaltsam)) Zweitens gibt die A. sich gerne als mathematisch präzise "Wissenschaft", denn ein Horoskop wird ja bekanntlich errechnet. Dabei ist die A. eine riesige Grabbelkiste, woraus sich jeder ganz nach Belieben bedienen kann: Unterschiedliche "Häuser"-Systeme, Massenweise "Aspekte", "Häuser-Herrscherketten", Planeten, die "erhöht" oder "im Exil" sind usw. usf. Insofern ist die A. um keinen Deut genauer oder 'mathematischer' als Kaffeesatz oder Tarotkarten lesen.
Seid aber gewarnt, die A. ist eine echte Ersatzreligion und ihre Gläubigen können schnell sehr wütend werden, wenn man an den Grundfesten rüttelt ;-)

Am 08.12.2014 21:14:29 schrieb Bradyon:

Auch ulkig: Die 'Rollen' der sieben sg. klassischen Planeten sind traditionell wohldefiniert. Z.B. steht der Mond für das Unterbewußte (Sonne und Mond sind in der (geozentrischen) A. Planeten, die Erde nicht). Merkur, der Flinke Planet, ist der Botschafter, Jupiter ist der König usw.
Aber wie ist nun mit den 'Neuankömmlingen', den "transsaturnialen" Planeten zu verfahren? Dafür nimmt man den Zeitgeist, oder was der Astrologe dafür hält, zum Zeitpunkt der Geburt, will sagen, Entdeckung. Also, Uranus für das Umwälzende (wg. Französischer Revolution). Neptun für das Mystische (in England war zu der Zeit der Spiritismus angesagt). Und Pluto, der Herrscher der Unterwelt steht für das Untergründige und Böse im Menschen (der Nationalsozialismus).
Es wird also versucht, die Entdeckungen der Astronomie zu vereinnahmen, um den Anschein der Wissenschaftlichkeit aufrecht zu erhalten. Nun würde man meinen, daß der Verlust des Planeten-Status von Pluto, der in vielen Horoskopen eine ganz gewichtige Rolle spielt, für die Astrologie ein herber Rückschlag sein müßte. Aber weit gefehlt, der kleine Racker geistert nach wie vor durch die allermeisten Horoskopen. Und die möchtegern wisschenschaftlichen Atrologen damit aufzuziehen, ist wirklich lohnend. Aber jetzt genug geplaudert, ich wünsche viel Vergnügen beim fortgesetzten Myth Busting!

Am 10.12.2014 09:00:52 schrieb Wikie:

Die Astrologie ist die Mutter der Astronomie!
sagte wer?
Damit möchte ich sagen, das die Astronomie über Generationen eine brotlose Wissenschaft war. Viele Astronomen waren auch Astrologen. Mit Sicherheit nicht aus Überzeugung, aber Sie konnten gutes Geld damit verdienen und ihre astronomischen Studien damit finanzieren.
Zum Glück hat sich die Gesellschaft geändert. Also ich bin ja Jungfrau und habe Kinder... heiße aber nicht Maria;)
Wikie


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