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Sternenhimmel im April - Beobachtungstipps für Sterne und Planeten


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Die nun geltende Sommerzeit und der Lauf der Sonne um die Erde bewirken, dass sich der Sternhimmel gegenüber dem Vormonat nun merklich verschoben hat.

Nach Einbruch der nautischen Dämmerung haben sich die Wintersternbilder fast alle schon verabschiedet. Es sind die Zwillinge und der Fuhrmann, die noch in mittlerer Höhe im Südwesten stehen und uns im Frühling noch eine Weile begleiten werden. Der Himmelsjäger Orion und sein treuer Begleiter, der Große Hund, sind dagegen schon im Begriff, die Horizontlinie zu überschreiten.

Der Himmel in Richtung Süden wird dominiert durch das Sternbild des Löwen. In ihm finden wir mit Gamma Leonis einen schönen Doppelstern, der im Fernrohr in die beiden Komponenten mit 4,7 Bogensekunden Distanz aufgelöst werden kann. Im Südosten in niedriger Höhe beginnend, reckt sich die Wasserschlange mit ihrem Kopf bis in mittlere Höhen im Südwesten empor. Das am weitesten ausgedehnte Sternbild überhaupt ist nun vollständig zu sehen.

Etwa in der Mitte des langgestreckten Sternbildes gibt es ein Objekt mit der etwas kuriosen Bezeichnung „Jupiters Geist“. Dabei handelt es sich um den planetarischen Nebel NGC 3242. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass er ungefähr dieselbe Winkelausdehnung wie Jupiter hat und zudem wie dieser oval erscheint. Bereits mit einem kleinen Fernrohr ist „Jupiters Geist zu erkennen. Die Vergrößerung sollte dabei aber mindestens 100 x betragen. Große Amateurfernrohre machen dann auch den 12 mag hellen Zentralstern sichtbar, der den Nebel zu einem bläulichen Leuchten anregt.

Inmitten der an hellen Sternen armen Gegend zwischen dem Raben und der Jungfrau ist es die Sombrero-Galaxie, die ein lohnendes Objekt für Deep Sky-Beobachter ist. Wir schauen hier auf die Ebene des Spiralsystems. Das die Galaxie umgebende dunkle Band aus kosmischem Staub stand Pate für die Namensgebung. Das Messier-Objekt mit der Nummer 104 ist 8,3 mag hell bei einer Ausdehnung von knapp zehn Bogenminuten. In Wirklichkeit ist dieses 30 Millionen Lichtjahre entfernte Sternsystem dreimal so groß wie unsere eigene Galaxis. Über all diesem Geschehen wacht der Löwe, der in dieser Region durch seine auffällige Konstellation die Aufmerksamkeit des nächtlichen Beobachters auf sich zieht.

Der Südosten bietet ein fast unerschöpfliches Betätigungsfeld für den Deep-Sky-Beobachter. Es sind die Sternbilder Jungfrau und das Haar der Berenike, in denen unzählige Galaxien darauf warten, vom ambitionierten Beobachter "entdeckt" zu werden. Bekannt ist diese riesige Ansammlung von Sternsystemen unter der Bezeichnung Virgo-Galaxienhaufen und Coma-Galaxienhaufen, benannt nach der lateinischen Bezeichnung des Sternbildes, in dem sie stehen. Jeder dieser Haufen ist die Heimat von weit über 1000 Sternsystemen. Der Virgo-Galaxienhaufen ist von uns 54 Millionen Lichtjahre entfernt, der Coma-Galaxienhaufen noch sechsmal weiter. Hier offenbart sich auf beeindruckende Weise die Weite und großräumige Struktur unseres Universums. Umso faszinierender ist die Tatsache, dass diese so weit entfernten Objekte dank moderner Technik heute auch dem Amateurastronomen zugänglich sind. Es bedarf natürlich einer sehr großen Öffnung und guter CCD-Aufnahmetechnik, um diese Objekte zu erfassen.

Hoch über uns, nahe dem Zenit, hat der Große Bär Position bezogen, um uns bis zum Spätherbst als der im Volksmund bekannte Große Wagen zu begleiten. Schon für unsere Vorfahren hatte dieses Sternbild eine große Bedeutung, lässt sich mit ihm doch auf einfache Weise der Polarstern und damit die genaue Nordrichtung finden. Dazu werden die beiden hinteren "Kastensterne" einfach fünfmal in einer scheinbaren Linie verlängert. Der dann in einer sternarmen Gegend stehende Polar- oder Nordstern, gleichzeitig Hauptstern des Kleinen Bären, weist uns wie den Seefahrern früherer Jahrhunderte den Weg in Richtung Norden.

Der Osthimmel begrüßt uns mit dem Bootes, dem Bärenhüter der griechischen Mythologie. Ihm benachbart ist die einen Halbkreis bildende Nördliche Krone, ein kleines und dennoch markantes Sternbild. Die beiden in ihm befindlichen veränderlichen Sterne R und T Coronae Borealis sind starken Helligkeitsschwankungen unterworfen. Die als Ursache vermuteten Fusionsprozesse stehen im Fokus astrophysikalischer Forschungen.

Wenn unser Blick weiter über dem Horizont in Richtung Norden schweift, finden wir im Nordosten einen hellen funkelnden Stern. Es ist Wega, der Hauptstern der Leier. Die niedrige Höhe des typischen Sommersternbildes zeigt uns, dass wir uns mit dessen Beobachtung und dem erwarteten Beginn der warmen Jahreszeit noch etwas gedulden müssen.

Die Planeten im April

Der Merkur beschert uns Ende April die beste Abendsichtbarkeit in diesem Jahr. So kann der scheue Planet bereits etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang über dem nordwestlichen Horizont aufgesucht werden. Ein reizvoller Himmelsanblick ergibt sich, wenn Merkur zwischen dem 30. April und 1. Mai in ca. 2,5° Abstand am hellen Sternhaufen der Plejaden vorbeizieht. Um beide Objekte gleichzeitig im Gesichtsfeld sehen zu können, ist ein Fernglas das geeignete Instrument. Die Venus hat sich nun endgültig zum Glanzpunkt am abendlichen Himmel entwickelt. Lange bevor die ersten Sterne sichtbar werden, ist der Abendstern als auffällig helles Objekt im Westen sichtbar. Mit -4 Größenklassen ist sie nach dem Mond das hellste Gestirn am nächtlichen Firmament. Ähnlich wie Merkur, wird sie auch ihre Bahn an den Plejaden vorbeiführen, wobei dieses Rendezvous bereits am Abend des 11. April stattfinden wird.

Mars entfernt sich zusehends von der Erde. Zudem versinkt der Planet immer früher in den Strahlen der untergehenden Sonne, so dass eine Beobachtung kaum noch möglich ist.

Wenn es im April dunkel geworden ist, hat der Jupiter, hoch am Himmel stehend, den Meridian bereits überschritten. Bis in die frühen Morgenstunden bleibt uns Zeit, den Riesenplaneten zu beobachten. Ein Fernrohr zeigt uns die Wolkenstrukturen des Planeten und bereits mit jedem Fernglas lässt sich das Wechselspiel der vier hellen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto täglich neu verfolgen. Saturn bleibt vorerst ein Objekt der zweiten Nachthälfte. Doch schon nach Ablauf der ersten Monatsdekade wird der Ringplanet bereits vor Mitternacht den Horizont im Südosten überschreiten.

Uranus und Neptun stehen in unmittelbarer Nähe unseres Tagesgestirns und bleiben deshalb im April unsichtbar.

(Verfasser: Astronomie | Datum: 30. März 2013 | Geändert: 23. März 2015 | Fehler melden)



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