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Sternenhimmel im Juli - Beobachtungstipps für Sterne und Planeten


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Das Erhabenste, was der Sommersternhimmel zu bieten hat, ist die Milchstraße. Es sind die Myriaden weit entfernter Sterne in den Spiralarmen unserer eigenen Galaxis, auf die wir blicken und als leicht schimmerndes Band wahrnehmen. Da wir auf die Symmetrieebene schauen, können wir hier besonders viele Deep-Sky-Objekte beobachten.

Unsere "Wanderung" auf der Milchstraße beginnen wir im nördlichen Teil des Schützen. Unter der Messier-Nummer 17 finden wir den bekannten Omeganebel. Dabei handelt es um einen 6 mag. hellen Emissionsnebel, der sich in einem Gebiet aktiver Sternentstehung befindet.

Ein besonders reizvolles Objekt ist der von M 17 südwestlich gelegene Lagunennebel. M 8 ist der für unsere Breiten zweithellste Gasnebel, bei einer Winkelausdehnung von 40 X 60 Bogenminuten erscheint er mit einer visuellen Helligkeit der 6. Größenklasse. In ihm eingebettet ist NGC 6530, ein junger offener Sternhaufen, der den Nebel zum Leuchten anregt. Für die Beobachtung sind alle lichtstarke Optiken mit geringer Vergrößerung gleichermaßen geeignet. Fotografisch lässt sich der Lagunennebel bereits mit relativ kurzen Belichtungszeiten abbilden. Durch den Einsatz von H-Alpha-Filtern werden auch die filigranen Strukturen in den Ausläufern des Nebels sichtbar.

Wenn wir der Milchstraße folgen, gelangen wir über den Adler zum Schwan. Zwischen diesen beiden Sternbildern, im unscheinbaren Sternbild Füchschen, können wir auch mit kleineren Teleskopen den Hantelnebel M 27 aufsuchen. Mit Öffnungen ab 10 cm zeigt dieser 7,5 Größenklassen helle planetarische Nebel dann seine typische Hantelform. Ein sehr reizvolles, wenn auch nicht ganz einfach zu beobachtendes Objekt befindet sich im Schwan, der inzwischen fast den Zenit erreicht hat. Hinter der Bezeichnung NGC 7000 verbirgt sich der oft beschriebene sog. Nordamerikanebel. Dieser diffuse Gasnebel wird teilweise von Dunkelwolken verdeckt. Dadurch erscheint er dem Beobachter ähnlich wie die Umrisse des nordamerikanischen Kontinentes. Um ihn sehen zu können benötigen wir einen dunklen Himmel, gute Augenadaption und etwas Geduld. Hier beenden wir vorerst unseren Ausflug, denn die nördlichen Bereiche der Milchstraße sind Objekte des Wintersternhimmels und bis dahin hat es noch ein wenig Zeit.

Eine Stunde vor Mitternacht sind die Frühlingssternbilder Jungfrau und Bootes immer noch sichtbar, doch neigen sie sich am Westhorizont allmählich dem Untergang zu. Direkt über unseren Köpfen, im Zenit, erblicken wir den Kopf des Drachen. Zwischen Kleinem und Großem Bär schlängelt sich das Ungetüm, dessen Sterne jedoch nicht allzu hell sind. Der lichtschwächste Kopfstern ist ein sehr schöner Doppelstern. Die beiden Komponenten sind gleich hell. In 120 Lichtjahren Entfernung umkreisen die beiden Sterne ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Mit 62 Bogensekunden Abstand reicht für die Beobachtung bereits ein Fernglas. Unweit des Drachenkopfes können wir einen der schönsten, gut strukturierten planetarischen Nebel bewundern. Es ist der Katzenaugennebel NGC 6543. Die Helligkeit beträgt um die 9. Größenklasse. Damit ist er ein dankbares Beobachtungsobjekt für große Spiegelteleskope mit kleinem Öffnungsverhältnis, die dem Beobachter die komplexe Struktur offenbaren.

Das südöstliche Firmament steht ganz im Zeichen des Sommerdreiecks und wird von diesem ganz in Anspruch genommen. Für den historisch interessierten Sternfreund kann es reizvoll sein, im Schwan den Stern 61 Cyg aufzusuchen. An ihm gelang es erstmals, die Entfernung eines Sterns mittels seiner Parallaxe zu bestimmen. Es war der bekannte Astronom Friedrich Wilhelm Bessel, dem diese Messungen 1837 und 1838 an der Sternwarte Königsberg gelangen.

Hier im Schwan finden wir ein weniger bekanntes, aber dennoch sehr schönes Dreifachsystem. Omikron Cygni ist ein 3,8 mag heller orangefarbener Stern, sein 337 Bogensekunden entfernter Begleiter hat eine Helligkeit von 4,8 mag und erscheint bläulich. Die beiden unterschiedlichen Spektralklassen bescheren uns einen reizvollen und intensiven Farbkontrast. Der dritte Begleiter steht in geringerem Abstand zu Omikron, hat ebenfalls eine blaue Farbe, ist mit der 7. Größenklasse jedoch wesentlich lichtschwächer. Mit einer geringen Vergrößerung lassen sich alle drei Sterne gemeinsam im Gesichtsfeld eines Teleskops bewundern.

Wenden wir uns in Richtung Osten, offenbaren sich schon die ersten Vorboten des Herbstes unseren Blicken. Es sind die Andromeda und das sich anschließende Viereck des Pegasus, die gerade über dem östlichen Horizont emporsteigen. Fast genau im Norden, dicht über dem Horizont macht ein heller, funkelnder Stern auf sich aufmerksam. Dabei handelt es sich um Capella, die sich als Hauptstern des Sternbildes Fuhrmann auf dem tiefsten Punkt ihrer zirkumpolaren Bahn befindet.

Die Planeten im Juli

Der Merkur steht in diesem Monat zu nahe bei der Sonne, um ihn in unseren Breiten mit Erfolg zu beobachten. Die Venus erreicht am 10. Juli mit -4,7 Größenklassen ihre maximale Helligkeit, die Astronomen sprechen hierbei vom „Größten Glanz“. Am 1. Juli gegen 22:00 Uhr MESZ kommt es zu einer engen Begegnung von Venus und Jupiter. Dabei wandert der helle Abendstern in nur 0,4 Grad Abstand - das ist weniger als der Vollmonddurchmesser - südlich am Riesenplaneten vorbei. In den folgenden Wochen steuert Venus in schnellem Tempo auf die Sonne zu. Die Beobachtungsdauer verkürzt sich erheblich, und schon in der letzten Monatsdekade werden wir vergeblich nach der Venus Ausschau halten.

Der rote Planet Mars befindet sich immer noch zu nahe bei der Sonne und bleibt im Juli weiterhin unsichtbar.

Jupiter ist im Begriff, sich vom Abendhimmel zu verabschieden. Nur in den ersten drei Wochen werden wir den Riesenplaneten unter günstigen Beobachtungsbedingungen noch für kurze Zeit nach Sonnenuntergang tief über dem Westhorizont erspähen können. Saturn hingegen bleibt uns als Objekt der ersten Nachthälfte erhalten. Erst gegen Monatsende verlegt der Ringplanet seine Untergangszeit in die erste Stunde nach Mitternacht.

Die Beobachtung des Uranus ist den frühen Morgenstunden vorbehalten. Ende Juli geht der 5,8 mag helle Planet dann erstmals vor dem Beginn des neuen Tages auf. Die Beobachtungsbedingungen für Neptun werden allmählich besser. Zum Monatsbeginn geht der sonnenfernste Planet kurz nach Mitternacht auf, Ende Juli bereits ca. 22:05 MESZ. Der derzeit im Wassermann stehende Neptun steigert seine Helligkeit auf 7,8 Größenklassen. Für eine erfolgreiche Beobachtung der beiden Planeten Uranus und Neptun reicht bereits ein gutes Fernglas aus, doch sollte solange gewartet werden, bis die Planeten aus den horizontnahen Dunstschichten heraus getreten sind.

(Verfasser: Astronomie | Datum: 28. Juni 2013 | Geändert: 19. Juni 2015 | Fehler melden)



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