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Sternenhimmel im Juni - Beobachtungstipps für Sterne und Planeten


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Für ausgedehnte Beobachtungen bleibt im Juni aufgrund der kurzen Nächte nur wenig Zeit. Wenn es gegen 22:45 Uhr MESZ nahezu dunkel geworden ist, haben die Frühlingssternbilder Löwe, Jungfrau und Bootes den Meridian bereits überschritten. Der Große Bär ist nun in idealer Höhe im Nordwesten zu beobachten. Eine gedachte Verlängerung von Gamma UMa über Alpha UMa führt uns zu den dicht beieinander stehenden Galaxien M81 und M82. Beide Systeme sind physikalisch gebunden und befinden sich mit 12 Mio. Lichtjahren mehr als viermal so weit von uns entfernt wie der bekannte Andromedanebel. M81 zeigt eine typische Spiralstruktur, die von M82 erscheint dagegen irregulär, doch wurden mittels hochaufgelöster Aufnahmen auch hier Anzeichen von Spiralarmen gefunden. Mit einer Helligkeit von 6,9 und 8,6 Größenklassen sind diese Galaxien mit größeren Optiken ab 10 cm auch visuell zu erfassen.

Zwei interessante Objekte finden wir im Sternbild des Schlangenträgers. Es sind die beiden Kugelsternhaufen M 10 und M 12 mit ihrer bemerkenswerten Entdeckungsgeschichte. Während M 10 am 29. Mai 1764 von Charles Messier gefunden wurde, konnte dieser bereits einen Tag später ein weiteres, nur drei Grad entferntes Objekt desselben Typs entdecken. Die beiden Sternhaufen sind mit 6,0 mag und 6,6 mag etwa gleich hell. M 10 erscheint uns mit einem Durchmesser von 20 Bogenminuten, sein kleinerer Bruder bringt es auf die halbe Vollmondgröße.

Im Süden fällt uns in geringer Höhe ein heller, orangefarbener Stern auf. Es ist der Hauptstern des Skorpions. Antares, so sein Name, bedeutet so viel wie „Gegenmars“, denn dieser zu den roten Überriesen zählende Stern zeigt eine ähnliche Färbung und Helligkeit wie unser äußerer Nachbarplanet. Antares hat über alle Spektralbereiche eine 65.000 fache Sonnenleuchtkraft. An den Ort unserer Sonne versetzt würden seine äußersten Schichten bis über die Marsbahn hinausreichen. Rechts oberhalb des Antares reckt der Skorpion seinen Stachel steil in den Himmel, die übrigen Teile des Sternbildes bleiben uns in Mitteleuropa leider weitgehend verborgen.

Wenn wir unser Instrument vom hellen Antares ein reichliches Grad nach Westen schwenken, können wir den uns am nächsten gelegenen Kugelsternhaufen beobachten. Da M 4 "nur" 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist, bringt er es auf eine Winkelausdehnung knapp über Vollmondgröße. Mit 5,8 mag ist das Objekt relativ hell, seine geringe Höhe über dem mitteleuropäischen Horizont verlangt jedoch einen absolut klaren und dunklen Himmel. Dann ist M 4 bereits mit einem Fernglas zu sehen und die höheren Vergrößerungen eines Teleskops machen es möglich, den Kugelsternhaufen bis fast ins Zentrum in Einzelsterne aufzulösen.

Wenn unsere Blicke nach Osten wandern, können wir feststellen, dass die Sternbilder des Sommerdreiecks nun vollständig aufgegangen sind. Der Adler ist noch nicht allzu hoch über dem Osthorizont zu sehen, doch schwingt er sich allmählich in größere Höhen und damit der Kulmination entgegen. Zwischen diesem und dem schon etwas höher fliegenden Schwan finden wir eine etwas sternärmere Gegend, die dennoch Heimat dreier kleinerer Sternbilder ist. Es sind das Füchschen, der Pfeil und der Delphin, die dort etwas unscheinbar ihren Platz am Himmel gefunden haben. Auch im Zeitalter computergesteuerter Teleskope ist es sinnvoll, diese Sternbilder in eigener Anschauung zumindest einmal aufzusuchen. Hoch über unseren Köpfen strahlt ein sehr heller Stern. Es ist die Wega, der Hauptstern der Leier. Sie hat genau die 0. Größenklasse, zählt damit zu den hellsten Sternen und ist als einer der ersten sichtbar, wenn die Dämmerung herein bricht.

In der Leier finden wir zwei gut zu beobachtende Mehrfachsternsysteme. Beta Lyrae besteht aus drei Komponenten. Der 6,7 Größenklassen helle Begleiter ist bereits mit einem Fernglas zu erkennen, der dritte im Bunde mit 9 mag. erfordert den Einsatz eines kleinen Teleskops. Noch interessanter ist Zeta Lyrae, hier haben wir es mit einem vierfachen System zu tun. Es handelt sich dabei um zwei Doppelsternsysteme, die sich um den gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Richten wir ein Fernglas auf diesen Stern, so sehen wir, dass dieser in Wirklichkeit doppelt ist. Machen wir das Ganze mit einem Fernrohr, so stellen wir fest, dass diese zwei Doppelsterne wiederum aus zwei Komponenten bestehen. Ein sehr lohnenswerter Anblick, sowohl für kleine als auch größere Optiken.

Die Planeten im Juni

Merkur wird während des gesamten Monats unseren Blicken verborgen bleiben. Die Venus hingegen begleitet uns weiterhin durch die nun hellen Sommernächte als strahlender Abendstern. Als innerer Planet zeigt Venus im Prinzip die gleichen Phasen wie unser Mond. So wird der Beobachter am Fernrohr feststellen, dass das Planetenscheibchen jetzt halb beleuchtet erscheint - die sog. Dichotomie ("Halbvenus") ist eingetreten.

Mars steht am 14. Mai in Konjunktion zur Sonne, zieht mit ihr gemeinsam über den Taghimmel und bleibt somit unsichtbar. Jupiter bietet uns weiterhin gute Beobachtungsbedingungen in den Abendstunden. Da die Dämmerung jedoch immer früher einsetzt, nimmt die Dauer der Sichtbarkeit drastisch ab, gegen Ende des Monats geht der immer noch -1,8 mag helle Jupiter bereits unter, bevor der neue Tag beginnt. Saturn ist nun während der gesamten Nacht sichtbar. Nach Einbruch der Dunkelheit steht der „Herr der Ringe“ bereits in optimaler Position am Südosthimmel. Seine relativ weite Ringöffnung von 24° ermöglicht es auch den Besitzern kleinerer Fernrohre, den Ring des Saturns deutlich zu sehen. Dabei wird der aufmerksame Beobachter feststellen, dass dieser zweigeteilt erscheint. Dazwischen liegt die „Cassinische Teilung“, eine Lücke innerhalb des Systems der Saturnringe. Bereits ein Fernglas zeigt uns mit Titan den größten und hellsten (8,3 mag) Mond des Saturns. Mit einem Teleskop werden uns auch die Monde Rhea, Dione, Thetis und Japetus zugänglich, deren Helligkeit um die 10. Größenklasse liegt.

Uranus und Neptun haben sich allmählich aus den Strahlen der Sonne befreit. Im Juni bleiben die beiden Gasplaneten jedoch noch den Beobachtern in den Stunden vor dem Einsetzen der morgendlichen Dämmerung vorbehalten.

(Verfasser: Astronomie | Datum: 27. Mai 2013 | Geändert: 21. Mai 2015 | Fehler melden)



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