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Foto: stefan-h

Welche Montierung für mein Teleskop?


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Die Frage nach der Montierung wird so oder ähnlich in den verschiedenen Foren für Astronomie immer wieder gestellt.

Welche Montierung trägt das Teleskop xy denn noch stabil? Kann man mit der Montierung xy auch Astrofotografie betreiben?

Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Die Hersteller bzw. die Anbieter geben für die Montierungen zwar eine Traglast an, aber man kann diese nicht einfach als Wert für die mögliche Belastbarkeit hernehmen?

Der Grund dafür: der wirkende Hebel, den das Teleskop auf die Montierung ausübt. Nehmen wir als Beispiel eine Skywatcher EQ-5. Dafür findet man z.B. diese Angabe bei einem der Händler: Die EQ5 trägt Newtonteleskope bis 200mm Öffnung und Refraktor Teleskope bis 150mm Öffnung. Sie ist mit Teleskopen bis ca. 10kg Eigengewicht belastbar.

Kann man also einen 200mm Netwon für Astrofotografie damit ausreichend stabil montieren? Wohl kaum, jedenfalls nicht jeden.

Die Bewerbung bis 200mm Öffnung verführt dazu. Aber es gibt da einen 200/1200, einen 200/1000 und auch einen 200/800. Abgesehen vom unterschiedlichen Gewicht ändern sich die Hebelverhältnisse, je kürzer der Tubus desto näher sitzt der schwere Spiegel am Montierungskopf. Die Schwingneigung wird dadurch kleiner. Der große dicke Tubus erhöht auch die Anfälligkeit gegen Wind durch seine größere Angriffsfläche.

Auch die reine Angabe bis ca. 10kg Eigengewicht muss man genauer betrachten. Bei einem 10kg schwerer Tubus eines 200mm Newton sitzt der Schwerpunkt (Tubuslängsachse) deutlich höher über dem Montierungskopf als bei einem gleichschweren Refraktor mit angenommen nur 100mm Öffnung.

Bei einem größeren Abstand des Schwerpunkts über dem Montierungskopf muss auch das Gegengewicht erhöht oder weiter nach außen verschoben werden. Auch das erhöht dann die Schwingneigung.

Und wie ist es damit? Refraktor Teleskope bis 150mm Öffnung- gut, da man bekommt einen 150/750, einen150/1200 und vielleicht auch einen 150/1500. Hier ist dann zu beachten- je länger der Tubus desto größer auch die Schwingneigung.

Beim Refraktor noch zu beachten- der Einblick bzw. die am OAZ montierte Kamera sitzt hinten und damit bei einer gewissen steileren Stellung des Teleskops auch entsprechend tief. Bei visueller Nutzung muss man also die Stativbeine entsprechend weit ausziehen, auch fotografisch ist das angenehmer, da man so leichter an die Kamera kommt oder an dieser das Display betrachten kann. Und lang ausgezogene Stativbeine führen ebenso zu Instabilität und damit zu Schwingungen.

Klar ist- die EQ-5 wird auch dann noch nicht zusammenbrechen, wenn jemand einen 20kg schwerden 300/1500 Newton auf die Montierung aufsetzt. Das größte Problem für den Fall wäre wohl das Gegengewicht. Die GG-Stange dürfte sich schon sichtbar biegen, vorausgesetzt man bekommt überhaupt genug Gewicht auf die Stange drauf.

Man sollte auch immer die gewünschte Anwendung betrachten. Für rein visuelle Nutzung wird die EQ-5 einen 200/1000 Newton noch stabil (aber nicht ganz zitterfrei) genug tragen. Fotografisch für Deepsky dagegen wird dabei sehr viel Ausschuss herauskommen, für Videoaufnahmen der Planeten dagegen genügt das durchaus.

Fazit: die reine Tragkraftangabe kann man visuell gut ausschöpfen, bei einem dickeren Tubus treten aber auch da schon Einschränkungen auf. Für Deepskyfotografie sollte man nur max. 2/3 der Tragkraftangabe belasten, auch hier wieder die Hebelverhältnisse mitbetrachten, der dicke oder sehr lange Tubus wirkt einfach mit größerem Hebel.

Und auch nicht allein das Tubusgewicht betrachten- Rohrschellen, Halteschiene, Zenitspiegel, Leitrohr/Sucher und auch die Kamera erhöhen das Gewicht nicht gerade unbeträchtlich.

(Verfasser: stefan-h | Datum: 26. November 2015 | Geändert: 26. November 2015 | Fehler melden)



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