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76/700 TCM "Tchiboskop" - Ein klares Nein für den Einsteiger


7/10
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Dieses Teleskop ist unter einer Vielzahl von Handelsnamen erhältlich, bekannt ist es vor allem unter dem Namen "Tchiboskop" weil es beim gleichnamigen Kaffeeröster immer wieder für 49,- € verkauft wird.

Vor allem bei Ebay tummelt sich dieses Teleskop inflationär oft, und ebenso oft wird es dort auch wieder gebraucht verkauft.

Im Jahre 2007 orderte ich ein solches um es gegen das zweite bekannte günstige Einsteigerteleskop, den 70/700 Skylux Refraktor, zu vergleichen.

Lieferumfang:

Optischer Tubus mit 76mm Spiegel und 700mm Brennweite

3 Alibi Okulare einfachster Bauart

Azimutale Montierung mit Aluminium Stativ

Peilsucher

Erster Eindruck:

Die Original "Montierung" lässt bereits beim Aufbau schlimmes vermuten, es handelt sich um eine einfache Plastikgabel in der das Teleskop hoch und runter bewegt werden kann. Nach dem Befestigen bestätigt sich: Das ist extrem wackelig, ein Scharfstellen ist durch das Wackeln kaum möglich.

Nun soll die Justage geprüft werden, die meisten Neueinsteiger die sich ein Teleskop dieser Preislage kaufen haben kaum die Möglichkeit dies zu prüfen. Der Laserstrahl trifft nich einmal den Hauptspiegel sondern landet am Tubus! Extreme Dejustage führt zu einer sehr schlechten Abbildung, das Teleskop bleibt so weit hinter seinen Möglichkeiten.

Die mitgelieferten Okularen (Typ Huygens) sind mit Plastiklinsen geschlagen und liefern ein sehr maues, kaum scharfes Bild mit Aufhellungen und einem insgesamt "neblig" wirkenden Eindruck.

Sehr positiv finde ich, dass hier bereits ein Peilsucher mitgeliefert wurde, er ist zwar nicht besonders hochwertig aber er tut seinen Dienst, ein intuitives Anpeilen ist damit (nach Justage zum Hauptrohr) möglich.

Beobachtungen/Verbesserungen:

Als erstes erfährt das Teleskop eine Grundjustage. Bei den Beobachtungen um die wahre Qualität des Spiegels zu beurteilen kommen höherwertige Okulare wie Speers Waler zum Einsatz. Mit diesen beiden Maßnahmen zeigt sich: So schlecht ist das Teleskop nicht, im Vergleich zum 70/700 Refraktor ist besonders im Bereich Deepsky (M35, M45, M31) kein prägnanter Unterschied auszumachen (ausser den typischen Unterschieden zwischen Newton und Refraktor). Bei der Planetenbeobachtung (Saturn) hat der Skylux die Nase etwa vorn. Ich meine im Rahmen seiner (kleinen) Öffnung ist der Spiegel an sich schon tauglich für erste Beobachtungen.

Mechanisch ist das Gerät in seinem Kaufzustand leider ein Desaster und wird kaum zu wirklichen Beobachtungen motivieren können, so flog die Montierung auf den Sperrmüll und eine einfachste Rockerbox übernahm ihren Dienst. Der Umbau war mit 5,- € zwar ein Schnäppchen aber in meinen Augen ist das natürlich keine Alternative für die große Schar der Neueinsteiger die sich ihr erstes Teleskop kaufen möchten.

Fazit:

Wenngleich das Teleskop nach ordentlicher Justage und mit höherwertigen Okularen durchaus einiges zeigen kann, ist es in meinen Augen für den unbedarften Neueinsteiger nicht geeignet, zu viel Wackel- und damit Frustpotential, sehr schlechte Okulare, die kaum etwas abseits der Mondbeobachtung zulassen, dazu ein Justagezustand der eine Beobachtung ohne Überprüfung/Verbesserung praktisch keine Beobachtung zulässt.

(Verfasser: BennyH | Datum: 28. August 2010 | Fehler melden)


Beschriebene Teleskope



Kommentare 

Am 04.07.2014 01:30:05 schrieb antje neumann:

hallo liebes tcm team,
gibt es die möglichkeit bessere okkulare zu bestellen
Nette Grüsse antje neumann

Am 14.07.2014 22:47:45 schrieb andy123:

Hallo Antje,

leider komme ich erst jetzt dazu, zu Deiner Frage zu schreiben. Im Prinzip kann man natürlich Okulare bestellen (bei allen Herstellern), wenn diese 1,25 Zoll besitzen. Aber ist dies auch zweckmäßig? Schon ein einfaches Plössl-Okular übersteigt die 50 Euro-Grenze, wirklich gute Okulare ein mehrfaches. Das steht in keinem Verhältnis zum Preis und zur Leistungsfähigkeit des 76/700 Teleskops, von der mechanischen Instabilität ganz zu schweigen.

Für ein brauchbares Einsteigerteleskop werden 500 - 700 Euro fällig. Das wäre z.B. die Nexstar oder LCM Klasse von Celestron.
Ich würde Dir hierbei zu einem Refraktor raten, da entfallen sämtliche optischen Justierprobleme.

Grüße Andreas

Am 09.08.2014 13:36:52 schrieb Marcus:

Hallo Allerseits :-)

@Benny: Schöner Bericht, wie immer. Nach dem Umbau sind die wirklich als Dobson ganz brauchbar... Nur wohin mit dem Stativ-Gerümpel? Habe mittlerweile drei von den Dingern...

@Andy:
Hallo Andy, wo hast du denn die Preise her? ;-)
Also 500-700 Euro finde ich schon arg übertrieben.
Im Gewissen Maße sind die Tischteleskope zu empfehlen, Firstscope, National Geographic 114/500, und insbesondere das Heritage 130p wenns nicht 50€ kosten muss und gleich was einigermaßen brauchbares sein soll. Für 500€ gibts ja schon das 8" Dobson-Set von ICS Plus Literatur und weiterer Ausrüstung.
Aber auch das umrüsten eines Tchibotorpedo kann lohnen, wenn man das Ding schon länger hat und es nicht mehr umtauschen kann.
Dann tun es aber auch die Seben/Orbinar Plössl (30mm 16€, ~10mm 9€) Plus Barlow (€13,49). Fragt sich nur ob man dann nicht gleich auf ein besseres Teleskop spart.

Hallo Antje,
hast du zwischenzeitlich schon etwas gekauft? :-)

Am 10.08.2014 12:29:27 schrieb andy123:

@ Marcus

Ein Einsteigerteleskop sollte meiner Meinung nach leicht zu handhaben sein, keine optischen Probleme machen und eine Nachführung besitzen (Go-To muss nicht, kann aber sein). Diese Anforderungen erfüllen die von mir beschriebenen Nexstar-Teleskope bei den angegebenen Preisen.
Klar bekommt man ein Dobson für das Geld, aber ist dieses wirklich für den Einsteiger, der sich oftmals am Himmel noch zurechtfinden lernen muss, geeignet?
Ja, die Okulare. Das sind Preise für ein einzelnes Okular. Ich kenne nicht das Okularset zum Dobson. Vier Okulare für 100 Euro - ich weiß nicht recht, lasse mich aber hinsichtlich der Qualität gern eines Besseren belehren.

Grüße Andreas

Am 10.08.2014 13:24:05 schrieb Marcus:

Hallo Andreas,
ich habe selbst die Nexstar SLT Montierungen.
Ansich ganz nett, aber trotz Auto-Alignment wird man nicht um etwas lesen herum kommen.
Ich selbst habe ohne Nachführung und Goto angefangen, und trotz EQ Platform gehe ich meistens ohne Beobachten.

Die 130/650, 102/1300 oder 127/1500 in dem Preissegment sind nette Teleskopsets, aber das meiste Geld geht eben in die Technik.
Hast Du schon mit Telrad und Deepsky-Reiseatlas beobachtet?
Die anteiligen 200€, 300€ der Montierung lassen sich meiner Meinung nach in bessere Okulare und eben mehr Öffnung investieren.
Wenn der geneigte Einsteiger vorwiegend an Deepskybeobachtungen interessiert ist, wird ihm bei begrenztem Budget der Dobson einfach mehr zeigen. Und die Bedienung ist ja nun wirklich sehr einfach.
Dass die Technik einer motorisierten Montierung einen Einsteiger nebst Okularen, Fokussieren und Co auch überfordern kann, sieht man gerade aktuell im Astrotreff. Pauschal lässt sich also nicht sagen, dass Dobsons schwieriger wären.
Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall, aber dass muss eben jeder für sich entscheiden. Umso wichtiger ist es eben sich vorab mal ein paar Teleskope anzusehen, und sich nicht auf Online-Erfahrungsberichte oder Reviews zu verlassen.
Wenn man beispielsweise bei Amazon die Erfahrungsberichte zu den dem Tchibotorpedo ähnlichen bis identischen 76/700Az Sets liesst, wundert man sich über die 4 und 5 Sterne Bewertungen :-)

An Okularen nutze ich z.T. auch Goldkanten, Plössl und HR Planetary. Zwischen den "Markenokularen" und den baugleichen habe ich keine Unterschiede feststellen können, aber vielleicht hàtte ich Glück. Die Seben-Plossl und Erfle funktionieren für kleines Geld aber hervorragend, ideal um aus solchen 76mm Newtons noch etwas heraus zu holen.

An f/5 wie Beim 130SLT muss man dann aber eigentlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Beim 127SLT mit 25mm, Max. 32mm Plössl hat man als Anfänger dann wirklich ein sehr kleines Feld, da muss man schon genau gearbeitet haben um selbst mit dem Plastik-Goto gleich alle Objekte in der Mitte vorzufinden.

Am Dobson hast du im Einstiegssegment unkritische f/6-f/8, (meist) einen 2" OAZ und mit Telrad und Karten ist das Auffinden jetzt wirklich sehr einfach. Bis da vor Allem am Anfang goto eingerichtet und verstanden ist, hat der engagierte Neuling auch die drehbare Sternkarte verstanden und schon das erste Objekt im Visir.

Wenn jetzt ein Wiedereinsteiger, Schüler etc. sein erspartes zusammenkratzt, und nach einem Tchibotorpedo öder Aldirefraktor dann sein hart erspartes Geld in ein 90SLT Mak oder den kurzen Refraktor investiert, sieht er auch nicht wirklich mehr.
Wenigstens ist der dann stabiler montiert.

Am 12.08.2014 00:43:01 schrieb andy123:

Hallo Marcus,

das war ja ein wirklich ausführlicher Kommentar. Ich kann auch nicht ganz ausschließen, dass ich mit der Einschätzung eines Dobson für Anfänger etwas voreingenommen war. Du hast recht, wer Astronomie ernsthaft betreiben will, sollte sich am Sternhimmel auskennen - auch ohne Goto. Da aber viele Neueinsteiger die Möglichkeit kennen - und auch nutzen wollen - habe ich diese Teleskope erwähnt. Sie sollen z. B. das Auffinden der lichtschwächeren Objekte erleichtern, aber keineswegs die Grundlagenkenntnisse ersetzen.

Was mich betrifft, so sollte ich mich vielleicht "altersmäßig" outen (Weil Du gefragt hast, ob ich schon mal Objekte mit Telrad und Atlas aufgesucht habe.)

Also, ich bin Jahrgang 1958. Meine instrumentellen "Meilensteine":

Mit ungefähr 12 Jahren Beobachtungen mit Fernglas 8 x 30 , was eben machbar war.
Dann "Refraktor-Bastelsatz "mit 50 mm Objektiv und 16 und 25 mm Huygens-Okular
1982 - Endlich das Telementor 2 63/840 im ZEISS-Laden in Jena erstanden.
Zwei Jahre später Modifiezierung Sucher/motorische Nachführung (220V/50 Hz-Synchronmotor)
Ja, und ab diesem Zeitpunkt brauchte ich keinen Sternatlas mehr, die Montiereung war mechanisch absolut stabil - Sternzeit ausrechnen (noch mit Taschenrechner), Koordinaten einstellen - fertig.
Erst 2006 Nexstar als mobiles Instrument, Telementor habe ich auf einem Adapter ortsfest genutzt.

So, das war mein astronomischer Werdegang. Wie Du siehst, habe ich alle Fortschritte der Technik mitgenommen. Für mich ist Goto einfach komfortabel, mehr aber auch nicht.

Ich habe eben bei meinen Ausführungen an die jüngere Generation gedacht, die sich nun mal mehr für Computer & Co. interessiert. Und wenn in diesem Fall zwischen Computer und Telskop eine Art Symbiose entsteht, halte ich dies für einen Gewinn für die Amateurastronimie.

Was die Goto- Positionierung beim Nexstar angeht: Die funktioniert bei mir super. Die eigentliche Nachführung lässt da schon etwas mehr zu wünschen übrig.

Alle Wünsche lassen sich leider nicht erfüllen und ein Kompromiss wird auch der Einsteiger in Kauf nehmen müssen - und nicht nur er ...

Grüße Andreas

Am 12.10.2015 11:29:06 schrieb champollion:

Die meisten Käufer von Discountkettenteleskopen machen den Fehler, Hauptrohr und Sucherrohr zu verwechseln. Das ist mir endlich klar geworden, als ich jemanden traf, der mich fragte, wozu das lange Rohr gut sei, unterhalb des schönen kleinen Fernrohrs, ob es lediglich die Halterung dafür sei.
marc

Am 05.06.2016 17:15:30 schrieb Eddy001:

Hallo ihr Lieben,

ich habe vom Nachbarn ein TCM 700/76 geschenkt bekommen. Dabei sind 3 Okulale, wie ihr sie nennt. H 20 MM, SR 4 MM + H 12.5 MM + 1.5 Ereting Eyeplece.

Der Zusammenbau brachte mir keine Schwierigkeiten. Habe tagsüber mit dem H 20 MM gearbeitet. Konnte dabei sehr gut etwas erkennen. Bloß mit andren beiden konnte ich nichts erkennen. Auch mit dem 1.5 Ereting Eyeplece konnte ich nichts anfangen.

Habe gestern Abend den Nachthimmel mit bloßem Auge beobachtet. Dabei konnte ich stark leuchtende Sterne erkenn. Aber bloß nicht mit TCM nicht. Wer kann mir da weiter helfen?

Gruß Eddy
aus Delmenhorst

Am 05.06.2016 18:12:18 schrieb Marcus:

Hallo Eddy :-)

Das 1.5x erecting eyepiece und eigentlich auch das 4mm kann man kaum gebrauchen - Leider. Das Bild wird nur sehr dunkel und Kontrastarm. Weniger ist manchmal mehr.

Konntest du mit dem 12.5mm tagsüber auch nichts anfangen? Das sollte eigentlich noch relativ brauchbar sein.

Hast Du das Sucherfernrohr am Tage justiert (aber natürlich nie in die Sonne blicken)? Bei niedrigster Vergrößerung (20mm Okular) mittig einstellen, dann das 12.5mm hinein, und wieder mittig einstellen.

Selbst mit dem 20mm Okular sollte Jupiter sichtbar sein (derzeit einer der hellsten Lichtpunkte am Nachthimmel), zu erkennen an der Reihe an kleineren Punkten (seinen hellsten Monden). Schau auch mal im Kostenlosen Programm Stellarium (natürlich sind die Bilder da detailreicher als im Teleskop).

Ohne gut eingestellten Sucher wird es schwierig, da so ein Teleskop selbst bei niedriger Vergrößerung nur 1-2° Feld vom Himmel zeigt. Über den Tubus oder der Nase nach Peilen ist schwierig bis unmöglich :-)

Mit dem 12.5mm Okular hättest du rund 60x, das reicht gerade so um die Ringe vom Saturn zu erkennen und ggf. die zwei mittleren Wolkenbänder auf Jupiter, Ein 6-7mm Okular wäre praktisch, doch die günstigeren (Plössl) haben einen sehr kurzen Augenabstand, die besseren kosten gleich wieder 50 Euro (ausser man bestellt sie via eBay oder Aliexpress, ca. 20€ also unter dem Zoll/Steuerfreibetrag, bei Interesse poste ich einen Link). Barlows die halbwegs etwas taugen und die Vergrößerung verdoppeln kosten ca. 20€.

Auf der Website von den deepsky-brothers gibt es eine Sommertour, da kannst du mal vorbei schauen. Da finden sich Informationen und Karten zu einigen Deepsky-Objekten (Nebel, Galaxien, Sternhaufen) die in einem 76mm Teleskop relativ gut zu beobachten sind :-)

Klare Nächte!


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