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Canon 15x50 IS WP; Bildstabilisiertes Fernglas


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Freitag, den 3. Februar 2006

Das Wetter scheint heute auf der Alpensüdseite schön zu sein und ich beschliesse nach Rücksprache mit meinem Sternenfreund Claudio den rund 2,5 Stunden dauernden Fahrweg auf die Sternwarte „Adler“ der Astronomischen Gesellschaft Oberwallis (AGO) auf dem 2000 müM liegenden Simplon unter die Räder zu nehmen.

Es findet heute der - allmonatlich statt findende - öffentliche Beobachtungsabend statt, der rund 20 Besucher anlockte. Ich komme gegen 20.30 Uhr an und nach einer Stunde Kaffee und Kuchen in der warmen Stube der Sternwarte sind die meisten Besucher gegangen und die Sternwarte „gehört“ den noch anwesenden AGO- Mitgliedern.

Mich interessiert vor allem, den kürzlich gekauften Canon Feldstecher mit Bildstabilisator hier an diesem dunklen und nahezu von Lichtverschmutzung verschonten Nachthimmel auszuprobieren und auch die Meinungen der „Profis“ zu erfahren.

Der Canon 15x50 IS WP ist komplett gummiarmiert und soll auch eine Stunde in einem Meter tiefem Wasser schadlos überstehen. Ich bin geneigt, dies zu glauben und verzichte auf einen Tauchversuch.

Das Fernglas verfügt für die Fokussierung über einen Mitteltrieb und zwecks Ausgleich verschieden starker Augen bietet das rechte Okular die entsprechende Verstellmöglichkeit.

Es gibt noch das Schwesternmodell mit 18- facher Vergrösserung. Ich habe mich aber für die um 40% grössere Austrittspupille und das entsprechend grössere Gesichtsfeld entschieden. Dies muss aber jeder für sich selber entscheiden.

Für den Betrieb des Bildstabilisators benötigt es zwei Batterien der Grösse „AA“ (UM3, R6, Mignon). Ich habe Lithiumbatterien gewählt, da erfahrungsgemäss der Bildstabilisator energieintensiv arbeitet und dadurch die Alkalinezellen rasch zu Neige gehen und bei den wenigen Grad über Null, die heute vorliegen, noch rascher erschöpft sein werden.

Als erstes nehme ich den hoch prangenden Saturn ohne Bildstabilisierung ins Gesichtsfeld. Eine kleine sehr helle Scheibe ist ersichtlich. Jetzt drücke ich kurz den Einschaltknopf der Bildstabilisierung. Ein leises, kurzes und trockenes Klacken ist zu hören und das kleine helle Scheibchen steht ruhig im Gesichtsfeld. Phantastisch! Bei intensiverem Beobachten ist eindeutig erkennbar, dass das Scheibchen nicht rund sondern „ausgebeult“ ist. Analog zum grossen italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei hat Saturn „Ohren“. Man erkennt im Ansatz die Saturnringe!

Kollege Peter bestätigt diese Erkenntnisse nach einem seinerseitigen Blick durchs Gerät.

Noch ein Hinweis bezüglich Einschaltknopf: Bei einem kurzen Antippen des Schaltknopfes schaltet sich die Bildstabilisierung ein und bei einem weiteren kurzen Antippen wiederum aus. Bei längerem Gebrauch schaltet die Bildstabilisierung selbständig aus und muss wieder aktiviert werden. Wird der Einschaltknopf dauernd gedrückt, bleibt die Bildstabilisierung eingeschaltet, bis der Knopf los gelassen wird.

Nach dem Rückerhalt des Fernglases von Peter, visiere ich Albireo im Sternbild Schwan an und kann eine schöne, saubere Trennung des Doppelsternsystems in die blaue und orange Komponente betrachten. Ich streife mit dem Fernglas etwas weiter zum Sternbild Vulpecula (Füchschen) und der Hantelnebel (M27) steht wie ein leuchtender Wattebausch felsenfest im Gesichtsfeld. Ich kann mich fast nicht satt sehen an diesem Anblick. Das grosse Gewicht von 1200 Gramm des Canons ruft einem aber wieder in die Realität zurück. Ich muss meine Arme eine zeitlang nach unten nehmen.

Nun nehme ich mir die Plejaden (M45) vor. Wie Diamanten auf einem schwarzen Samtkissen! Kein noch so kleines sekundäres Farbspektrum stört die Sternenabbildungen. Die Sterne sind allesamt Nadelstiche, bis an den Rand des Gesichtsfeldes. Canon scheint da eine Optik gelungen zu sein, die sich mit Zeiss und Co absolut messen kann.

Etwas störend wirkt die grüne Kontroll- LED, die den Betrieb der Bildstabilisierung in Dunkelheit sehr aufdringlich dokumentiert. Eine rote LED wäre wünschenswert. Ein weiterer Nachteil, der vorwiegend in die Arme geht, ist das ansehnliche Gewicht von 1200 Gramm. Da bringen auch die gegenüber den Alkalinebatterien bedeutend leichteren Lithiumbatterien keine nennenswerte Gewichtseinsparung. Auch der Okularschutz mit zwei einzelnen, runden Okulardeckeln, wie es auch die billigsten Okulare aus China aufweisen, ist für ein solches Spitzengerät etwas dürftig, umsomehr diese auch sehr leicht verloren gehen können und dann in der Dunkelheit ein oder gar zwei schwarze Kappen suchen...

Erfreulich sind aber wiederum die objektivseitigen Gewinde. Diese bieten durch den Einsatz von Deepsky- , bis zu Sonnenfiltern interessante Möglichkeiten. Diese müssen leider allesamt doppelt angeschafft werden. Das vorhandene Gewinde für das Montieren auf einem Fotostativ ist wohl nur der Vollständigkeit halber vorhanden. Oder ist es nach dem Einfangen eines Muskelkaters in den Armen vorgesehen?

Wie auch immer: Ab sofort ersetzt mir dieses fantastische Fernglas den bisherigen Zeiss Victory 8x56.

(Verfasser: ursusmajor | Datum: 30. September 2010 | Fehler melden)



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