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Foto: ursusmajor

Erfahrungen mit dem Binoaufsatz Denkmeier II


8/10
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Seit längerem interessiere ich mich für einen Binoansatz und bildete mich in Foren und anderen Quellen - vorwiegend im WWW - diesbezüglich weiter.

In deutschen Foren sind etliche Beiträge darüber zu finden; viele leider mehr emotional als rational abgefasst.

Erfahrungsberichte habe ich zwar gefunden, aber leider auch mit Widersprüchen. Ob da eher Emotionen oder individuelle Gegebenheiten reinspielen, kann ich nicht beurteilen.

Der Binoaufsatz hat mich aber nie richtig losgelassen und ich fahre heute nach Zürich zu Galileo, wo ich mit dem dortigen Verkäufer - Zoltan Molnar - gestern Freitag für heute abgemacht habe, die vorrätigen Geräte testen zu dürfen.

Einziges Hinkebein ist, dass dies am Tage stattfinden muss. Als Telekope stehen mir ein 4"- Bresser, ein 5" Skywatch, ein 8"- GSO- Dobson und ein 10"- SC von Meade zur Verfügung.

Die Oklure: 20mm LV von Vixen, 32mm Plössl von Celestron und 24mm Panoptic von Televue.

Binoansätze sind der DenkmeierII mit PowerXswitch, der Baader Mark V und das TS Bino von Teleskopservice.

Bei den ersten Durchblicken bestätigt sich wieder einmal die Regel, dass man meistens (bei optischen Instrumenten jedenfalls) für mehr Geld auch mehr bekommt.

Ich probiere zuerst das TS und finde dieses gut. Mit den 32 mm Celestron Okularen ergibt sich ein Bild, dass die Blätter des etwa 200m entfernten Baumes kontrastreich, scharf und plastisch abbildet. Am Bildrand verliert sich die Schärfe etwas und es zeigt sich am Rand des Gesichtsfeldes eine Verdunkelung (Vignettierung?), die mich aber nicht weiter stört, da ich mich so oder so auf die Bildmitte konzentriere.

Beim Baader und Denkmeier sind die Bilder eindeutig "plastischer". Kontrast und "Farbenpracht" sind eindeutig besser. Es gibt keine Bildabdunklung und beim Vixen Okular ist - für mich jedenfalls - kein Schärfeabfall erkennbar.

Dies bestätigt sich auch mit den beiden anderen Okularpaaren, wobei bei den Celestron ein leichter Schärfeverlust im Randbereich ersichtlich ist. Nicht weiter störend, aber eben erkennbar....

Ich will hier den TS nicht schlecht machen, dieser Binoaufsatz ist für Interessenten, die nicht 1500 bis 2000 Franken für einen "Bino" ausgeben wollen oder können eine echt gute Alternative. Schliesslich hat auch nicht jeder einen Vollapo und ist mit seinem nicht ganz perfekten Equipment trotzdem glücklich.

Ich entschliesse mich dazu, den Denkmeier zu kaufen. Ich kann zwar selber keinen Unterschied zwischen diesem und dem Baader erkennen. Der Ausschlag gibt der "PowerXSwitch" beim Denkmeier. In der 2"- Ausführung kann man mit diesem genialen und praktischen "Switch" drei Barlow's dazu- oder weg- "schalten". Damit bekommt man mit einem Okularsatz drei Brennweitenverstärkungen (0,75 - 2,3), die je nach Einsatz in einem Refraktor, SC oder Newton etwas differieren.

Mit einem Okularsatz können so die allermeisten Einsätze abgedeckt werden, wenn bei der Brennweite "intelligent" gewählt wird. Dazu ist der Denkmeier mit allen Anpasselementen für Refraktor, SC und Newton in einem stabilen Alukoffer untergebracht. Rundweg eine saubere Sache.

Der PowerXswitch bringt auch den weiteren Vorteil, dass der üblicherweise zu geringe Backfokus bei Refraktoren durch die Brennweitenverlängerung ausgeglichen wird.

Bei den Okularen bin ich als Brillenträger mit starker Kurzsichtigkeit und starker Hornhautverkrümmung auf ein angenehmes Einblickverhalten angewiesen. Auch ein grosser Augenabstand ist sehr wichtig, damit ich nichts vom vorhandenen Gesichtsfeld verliere. Mit den bereits vorhandenen LV- Okularen von Vixen bin ich sehr glücklich und dies bestätigte sich auch beim Bino - bei allen drei Modellen. Ich habe jetzt zwei 20mm LV Okulare von Vixen.

Das 32mm Plössl von Celestron erscheint im Vergleich äusserst günstig, überzeugt mich aber mehr als das fast fünf mal teurere 24mm Panoptic von Televue. Bei diesem muss der Augenabstand penibel genau eingehalten werden, damit es keine Abschattungen gibt. Das Celestron ist diesbezüglich bedeutend unempfindlicher.

ws folgt ein paar Tage später der Nachteinsatz am Teleskop:

Heute Donnerstag, den 31. August 2006 ist eine herrliche Nacht und ich will endlich den vor einer Woche angechafften Denkmeier II mit Powerswitch ausprobieren.

Gegen Mitternacht nehme ich die hochstehende Vega im Sternbild Leier mit dem Telrad ins Visier und blicke in den vorher am Meade ED-127/f9 montierten Binoansatz. In diesen eingesetzt sind die beiden 32mm- Plössl- Okulare von Celestron. Um den Bino überhaupt in den Fokus zu kriegen, muss die von Denkmeier mitgelieferte Barlowlinse (zusätzlich zum Powerxswitch!) in das Filtergewinde des Bino eingeschraubt werden.

Vega ist nun im Bino als grosse, leuchtende Scheibe ersichtlich und kann problemlos in den Fokus gebracht werden. Aber was ist das? Ich sehe zwei Vegas! Trotz Verstellens der Augendistanz kann ich es nicht schaffen, nur eine Vega zu sehen, oder nur dann, wenn ein Auge nicht mehr im Bereich der Austrittspupille des betreffenden Okulars ist.

Ich lege meine Brille beiseite und kann nach einigem Üben mit der Augenstellung (schielen) endlich Vega als Einzelstern erkennen. Aber wegen meiner starken Hornhautverkrümmung ist diese eher ein Kometchen. Ich lege die Brille wieder auf und versuche erneut, das Doppelbild in den Griff zu bekommen.

Nach etlichen Versuchen gelingt es mir. Irgendwie müssen Augen, Hirn und was weiss ich noch alles „eingeschult“ werden. Am Tage beim Verkäufer hatte ich diese Probleme nicht. Dann aber kommt die Faszination: Vega hängt schön im Vordergrund und im Hintergrund - wie Groupies - die schwächern Sterne.

Anscheinend interpretiert mein zwischen den Ohren liegender Prozessor das Sehende mit „Heller Stern = vorn; dunkler Stern = hinten“. Ich wandere mit fünf- facher Sterngeschwindigkeit im Gebiet um Vega herum und kann mich gar nicht satt sehen. Es ist wirklich so, wie wenn ich in einem Raumschiff aus dem Fenster schauen würde. Obwohl real nicht vorhanden, erscheinen die dunkleren Sterne weiter weg als die helleren, die sich im Vordergrund zu bewegen scheinen.

Mich würde interessieren, ob andere Binobenutzer auch dieses „Erlebnis“ haben.

Das beidäugige Beobachten ist eindeutig entspannender. Das Zukneifen des linken Auges entfällt und der Sichtbereich, obwohl nicht so, erscheint weiter.

Nach etwa zehn Minuten „Raumfahrt“ beschliesse ich, Vega als Referenz zu nehmen und mit Goto zum „nahe“ liegenden M57 zu schwenken. Die Linsen im Powerxswitch, zusammen mit der montierten Barlowlinse erlauben mit den 32mm Okularen effektive Brennweiten von 23, 14 und 8mm. Leider sind die „Umschaltungen“ nicht homofokal; d.h. bei jedem „Umschalten“ von der einen auf die andere Brennweite muss nachfokussiert werden; und dies nicht zu knapp!

Ich versuche mich nun mit den drei vorhandenen Brennweiten. Diese geben beim verwendeten Meade Vergrösserungen von 50, 90 und 140-fach. Bei allen Vergrösserungen ist M57 eindeutig als nebliger Ring erkennbar. Bei 140- fach bewirkt die vorhandene Luftunruhe ein leichtes „Wabbern“.

Nun ersetze ich den Bino mit einem 15mm Okular (Vixen LV) und habe damit einen nahezu 1:1- Vergleich. Das Bild mit dem Einzelokular ist eindeutig etwas heller. Mehr Einzelheiten kann ich aber nicht erkennen. Was aber im Einzelokular negativ auffällt, ist der grössere Einfluss des Seeings. Das „Wabbern“ ist bedeutend stärker als im Bino. Ob da das Hirn irgendwie „filtert“?

Leider sind Mond, Jupiter und Saturn bereits vor oder knapp nach Sonnenuntergang im Westen verschwunden. Ich stelle mir ein binomässiges Wandern über die Mondoberfläche als besonderes Vergnügen vor.

Fazit: Der Denkmeier liet preislich im Bereich eines kleinen Apo; die notwendigste Anschaffung ist er sicherlich nicht. Eher ein "nice to have"- Produkt, das aber eine deutliche Verbesserung der Beobachtungsqualität eines visuellen Astronomen bewirkt.

(Verfasser: ursusmajor | Datum: 25. September 2010 | Fehler melden)



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