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Foto: ursusmajor

H-alpha-Sonnenteleskop Conorado-PST


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Sonnenbeobachtung im H-alpha Licht eröffnet neue Perspektiven. Seit entsprechende Filter von Conorado, Day Star, Solarspektrum u.a. auf dem Markt sind, haben betuchtere Amateurastronomen die Möglichkeiten, die Oberfläche der Sonne in einem buchstäblich neuen Licht zu sehen. Protuberanzen, Flares, Spikulen, Fibrillen, Filamente, Granulation und aktive Regionen um Sonnenflecken können mit diesen sehr teuren Filtern - im Gegensatz zu einem Protuberanzenansatz, der bei sehr präziser Justierung und Nachführung "nur" die Beobachtung von Protuberanzen zulässt - alles gleichzeitig beobachtet werden.

Conorado hat nun für Amateurastronomen, die sparsam mit Geld umgehen müssen aber unter anderem auch eine Sonnenbeobachtung im H-alpha Licht auf ihrer Wunschliste haben, ein preislich sehr interessantes Gerät auf den Markt gebracht, das ich bereits - einem Kollegen mit Praktikum un USA sei Dank - vor seiner Markteinführung in Europa mein Eigen nennen durfte: Das Personal Solar Telescope - kurz P.S.T.

Das "Gesamtpaket" besteht aus einem stabilen und handlichen Köfferchen, wo neben dem eigentlichen H-alpha- Teleskop mit seiner Öffnung von 40mm und der Brennweite von 400mm, einer optionalen Dreibeinstütze, die es erlaubt, das Sonnenrohr auf einem Tisch oder Ähnlichem einzusetzen, einer 2- fach Barlow und drei 1,25"- Okularen (25, 18 und 12mm) - letztere vier Teile von Cmax und auch optional - ihren Platz finden.

Der Aufbau des P.S.T. entspricht einem Refraktor; das Objektiv ist zweilinsig (achromatisch) und beinhaltet für die Wärmedämmung des Sonnenlichtes ein entsprechendes Filter. Der schwarze Kasten beinhaltet ein optisches Prisma - zum Einten wird das Bild seitenrichtig und aufrecht um 90° zur Okularaufnahme umgelenkt und zum Zweiten dient dieses zur Fokussierung. Alle 1,25" Okulare können aufgenommen werden. Die von Conorado vertriebenen Cmax sollen speziell für H-alpha- Licht berechnet worden sein. Der Blockfilter hat eine Grösse von 5mm und der eigentliche - preistreibende, schmalbandige H-alpha Filter (Etalon) ist nicht wie vom Solarmax her gewohnt vor dem Objektiv, sondern nahe beim Okular zu finden und wird damit deutlich kleiner (knappe 25mm) und entsprechend billiger.

Heute Samstag, den 10. Juni 2006, habe ich - bei schönstem Wetter - endlich die Zeit gefunden, mich mit dem neuen Gerät zu beschäftigen.

Die Handhabung ist sehr einfach. Ich benutze nicht die Original Tischdreibeinstütze, sondern die von mir modifizierte AYO- Montierung. Vorher musste ich noch eine entsprechende Schwalbe am PST anpassen und befestigen.

Diese "Deutsche" AYO richte ich ungefähr gegen Norden aus und befestige das P.S.T.. Der praktische, im P.S.T. eingebaute "Lochsucher" mit Mattscheibe (darauf achten, dass die Hände nicht das Sonnenlicht von demselben fernhalten...) lässt mich die Sonne sofort darin "finden" und ein Blick durch das 25mm Okular zeigt bereits die unscharfe Sonne, die ich umgehend in die Mitte des Gesichtsfeldes rücke. Das Fokussieren geschieht mit einer kleinen Rändelschraube am unteren Teil des "Zenitspiegels". Diese Schraube verschiebt das Prisma und rückt damit den Brennpunkt an die richtige Stelle. Ich sehe bereits bei "Sieben Uhr" eine Protuberanz. Mit Hilfe des am hinteren Ende liegenden Gummringes - des "Tuners" - kann der "Kontrast" entsprechend verändert werden, bis die Protuberanz klar und deutlich vor dem total schwarzen Himmelhintergrund steht. Auffallend ist, dass sich der maximale Kontrast mit dem "Tuner" wie ein Fenster über die Sonnenscheibe bewegt. Dadurch verschwindet die Protuberanz bei "Sieben Uhr" und es erscheint eine andere, etwas kleinere, bei "15 Uhr". Es ist also nicht möglich, alle Protuberanzen am ganzen Sonnenrand auf einmal sehen zu können. Auffallend ist diese "Eigenschaft" beim Beobachten der Granulation auf der Sonnenoberfläche. Wird der "Tuner" langsam gedreht, wandert die maximale Erkennbarkeit der Globulen deutlich über die Sonnenscheibe. Ein Tributt an das günstige Design.

Mit einiger Übung ist es möglich, die ganze Sonnenfläche problemlos zu beobachten. Mit dem Tuner "verfolgt" man die Blickrichtung des Auges oder umgekehrt.

Nun wechsle ich auf das 18mm Okular. Die Sonne wird deutlich grösser und vor allem die Granulation ist deutlicher zu erkennen. Für mich wird das 18-er zum Lieblingsokular. Auch bei den Protuberanzen und Sonnenflecken sind Details besser zu erkennen. Noch das 12mm Okular: Die Sonne ist merklich dunkler geworden, eher schon unangenehm. Das Einblickverhalten ist deutlich schlechter als beim 18mm Okular. Die einzelnen Objekte auf der Sonne sind zwar etwas grösser, aber nach meinem Dünken entsteht keine erhöhte Erkennbarkeit von Details. Dazu kommt, dass die Sonne rasch aus dem Gesichtsfeld wandert, was aber dank der parallaktischen Aufstellung kein Problem darstellt; wohl eher beim Originaldreibeinstativ, wo in zwei Achsen nachgefahren werden muss. Die 2- fach Barlow finde ich nicht notwendig. Zusammen mit dem 18mm und erst recht 12mm Okular wird die Sonnenscheibe zu dunkel und auch die ganze Handhabung mit dem Nachführen lässt dann nicht gerade Freude aufkommen. Ich kann auch keine Steigerung der Detailfülle attestieren. Mit einem 25mm und 18mm Okular ist man beim P.S.T. bestens bedient. Meine Empfehlung: das beiliegende 12mm Okular geringer Qualität raschmöglichst mit einem guten Plössl in der Gegend um 15mm Brennweite ersetzen.

Wichtig finde ich eine über den Kopf gezogene Decke. Diese schirmt das sehr stark störende Streulicht wirksam ab. Es wird zwar verdammt heiss unter dem Ding aber die dadurch erreichte Qualitätsverbesserung im Okular macht dies mehr als wett.

(Verfasser: ursusmajor | Datum: 26. September 2010 | Fehler melden)



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