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Foto: ursusmajor

Okular ETHOS von Televue mit 100° Gesichtsfeld


3/10
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Ein rechter Brocken dieses 13mm "Ethos" von Televue. Mit seinen 560 Gramm kann es ein kleineres Teleskop schon aus dem Gleichgewicht bringen und mit einem Preis von um die 730 Schweizer Franken (2008) auch ein Budget.

Obwohl das Ethos auf den ersten Blick ein 2"- Okular - analog des legendären 31mm Nagler desselben Herstellers - vermuten lässt, handelt es sich aber um ein 1,25"- Okular. Sinnvollerweise wurde der durch das optische Design erforderliche, grosse Aussendurchmesser von 63mm mit einer Zusatzhülse ergänzt, die es nun ermöglicht, das Ethos sowohl in einem 1,25"- OAZ wie auch in einem 2"- OAZ einzusetzen. Die Feldblende weist eine Grösse von 22,3mm auf. Die Länge bewegt sich im Rahmen üblicher 2"- Okulare.

Das Ethos ist auch für den Gebrauch mit einem Astigmatismus- Korrektor (Dioptrx) vorbereitet.

Ich verfüge über keine optischen Messinstrumente und muss mich auf meine persönlichen - sicher nicht untäuschbaren - Eindrücke verlassen. "Testen" werde ich das Ethos am Lichtenknecker HA150/F15 und am Meade ED 102/f9, beide sind für heutige Verhältnisse eher langbrennweitige Teleskope.

Vorweg noch ein paar einleitende Gedanken:

Beim Lichtenknecker wird sich die Vergrösserung mit 170- fach an der oberen Grenze des Sinnvollen bewegen. Mit 70- fach deutlich im sinnvollen Bereich beim Meade.

Als Vergleichsokular ziehe ich das seit langem bei meiner Sternwarte erfolgreich im Einsatz stehende Vixen LV 15mm hinzu. Dieses Okular weist ein scheinbares Gesichtsfeld von 50° auf. Diesbezüglich bietet das Ethos mit seinen 100° gerade mal das Doppelte (!!!) an Gesichtsfeld an.

Noch ein paar Worte zu wahrem und scheinbarem Gesichtsfeld: Blickt man mit 50- facher Vergrösserung durch ein Okular mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von 50°, so überblickt man von Rand zu Rand des Okular- Gesichtsfeldes einen 1°- Abschnitt vom wahren Gesichtsfeld. Beim Ethos mit 100° scheinbarem Gesichtsfeld überblickt man denselben Himmelsausschnitt mit 100- facher Vergrösserung, bzw. den doppelten - also 2° - bei 50- fach.

Am 21. Juni 2008 peile ich mit dem Televue Nagler 31mm im Lichtenknecker gegen 23.30 Uhr M13 im Sternbild Herkules als erstes Vergleichsobjekt an. M13 ist der grösste Kugelsternhaufen in der nördlichen Hemisphäre und ist trotz des aufgehellten Himmels infolge hohen Sonnenstands und aufgehendem Mond gut sichtbar. Die Luft ist sehr unruhig. Nach der Zentrierung es Objektes wechsle ich zum Vixen LV 15mm und muss den Schärfepunkt neu suchen. Die Luftunruhe wirkt störend und für eine seriöse Beobachtung ist die Brennweite dieses Okulars bei den gegebenen Sichtverhältnissen eindeutig zu klein. Es geht mir aber um einen ersten Vergleich und schliesslich sind die (schlechten) Bedingungen für beide Okulare dieselben.

Die Sterne in der Randregion sind problemlos trennbar und bei längerem Beobachten sind zwischendurch und kurz auch weit in die Mitte hinein einzelne Sterne sichtbar. Das gesamte Kugelsternhaufensystem nimmt das Gesichtsfeld des LV- Okulars fast ganz in Anspruch.

Nun der Wechsel zum Ethos 13mm. Das grosse Gesichtsfeld lässt M13 auf den ersten Blick kleiner erscheinen, da Etliches mehr an Umgebung sichtbar wird - obwohl die Vergrösserung im Vergleich zum 15mm- Okular um rund 15% grösser ist. Ansonsten kann ich keine Unterschiede in der Auflösung erkennen. Die Luft ist einfach zu unruhig. Das Einblickverhalten ist sehr angenehm und bietet auch bei aufgesetzter Brille den vollen Umfang des Gesichtsfeldes. Um an den Rand des Gesichtsfeldes blicken zu können, muss man regelrecht um die Ecke blicken. Phänomenal dieser Eindruck ohne begrenzenden Rand.

Gegen 00.15 Uhr ist Jupiter aus der Horizontnähe heraus aufgestiegen und ich beschliesse, dieses sehr helle Objekt mit eingestecktem Ethos anzupeilen. Jupiter und drei seiner Monde auf der einen Seite (Io, Europa, Ganymed) und Kallisto auf der anderen Seite passen gerade in das 100° Gesichtsfeld des Ethos. Jupiter zeigt schwach Wolkenbänder und ist im Vergleich zu M13 erstaunlich "ruhig". Der Wechsel zum LV 15mm lässt es dann trotz der etwas geringerer Vergrösserung nicht mehr zu, alle vier Monde gleichzeitig ins 50°- Gesichtsfeld zu bekommen. Mir erscheint aber das Bild im LV etwas "knackiger". Die Wolkenbänder erscheinen mir kontrastreicher. Ein mehrmaliges Wechseln zwischen den beiden Vergleichskandidaten bestätigt diesen Ersteindruck.

Nun wechsle ich zum Meade ED102/f9. Mit dem 15mm LV erscheint nun der deutlich kleinere Jupiter etwas kontrastreicher, zeigt aber keine weiteren Details. Das Ethos bildet Jupiter in derselben "Qualität" ab. Ausser dem grosszügigerem "Umfeld" ist kein Unterschied in Kontrast und Details im Vergleich zum LV zu erkennen.

Offensichtlich ist der Lichtenknecker bei den vorhandenen Sichtbedingungen im Vergleich zum Meade mit seiner doppelten Vergrösserung bei nur 50% grösserer Öffnung "überfordert".

Meine Montierung hat einen Schneckenfehler von rund 8". Während beim LV dieser Schneckenfehler gross genug war, um beim Liniengebilde von Jupiter und seinen vier Monden - die zufälligerweise ziemlich genau auf die Stundenachse ausgerichtet sind -. entweder Kallisto oder dann Ganymed aus dem Gesichtfeld zu bugsieren, blieb das gesamte Jupitersystem immer innerhalb des 100°- Gesichtsfeldes des Ethos.

Die Randschärfe ist bei beiden Okularen sehr gut und auch sonstige Aberrationen kann ich weder beim LV 15mm von Vixen noch beim 13mm Ethos von Televue feststellen. Bei einem Versuch mit einer mittels Filzschreiber erstellten Gitterstruktur auf einem Blatt Papier kann ich bei beiden Okularen eine Verzeichnung erkennen. Bei den anstehenden Bildern ist auch das deutlich grössere Gesichtsfeld unübersehbar. Während beim Vixen 9 Quadrate quer ins Gesichtsfeld passen, sind es beim Ethos - trotz fast 15% kleinerer Brennweite - 15 Quadrate!

Fazit: Ohne Zweifel ein sehr gut verarbeitetes Okular, das auch neue Massstäbe setzt, dieses Ethos 13mm; was man bei einem Preis von um die 750 Franken eigentlich auch erwarten darf. Was es in einem Vergleich zu einem drei mal günstigeren Okular bringt, ist eine deutlich grössere "Übersicht", was jedem Dobson- Nutzer unbestreitbare Vorteile bringen wird. Planeten- und Detailbeobachtungen bei hellen Deepskyobjekten werden bei einem Dobson oder bei einemTeleskop auf einer AYO einfacher möglich sein, da das Objekt weniger oft wieder in das Gesichtsfeld "geschubst" werden muss.

Bei einem nachgeführten Teleskop muss aber die Frage erlaubt sein, was man mit einem Ethos im Vergleich zu einem dreimal billigeren 50°- Okualar an Gewinn bekommt. Das muss jeder für sich entscheiden. Nicht alles was technisch möglich ist, kann auch sinnvoll eingesetzt werden.

Ein weiterer positiver Eindruck hinterlässt der grosse Gewinn an Weite, mit dem dieses edle Stück aufwartet. Plejaden z.B. können bei grösserer Vergrösserung noch als Gesamtes ins Gesichtsfeld kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass mit einer Zusatz- Investition von 1500 Franken bezüglich eines guten Binoaufsatzes ein enormer Eindruckszuwachs über die Weiten des Alls gewonnen werden kann.

(Verfasser: ursusmajor | Datum: 26. September 2010 | Fehler melden)



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