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Foto: Winfried Berberich

Intes MN-68 (Makrutow-Newton) Testberichte 1+2


10/10
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Testbericht Teil 1 eines Maksutov-Newtons MN-68

Seit längerer Zeit war ich auf der Suche nach einem Planetengerät. Einiges habe ich mir angeschaut, viele Refraktoren hätten mir gefallen, das meiste davon lag aber weit über meinem Buget. Natürlich ist ein Tak das wahre, aber leider auch dementsprechend teuer.

Mehr durch Zufall stieß ich bei meinem Händler auf den Intes MN68.
Also auspacken, auf die Montierung stellen und raus vor den Laden.

Die ersten äußerlichen Eindrücke:
Das Gerät ist russisch-massiv und mit 11,3 kg nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Das gemessene Gewicht bezieht sich auf den Tubus mit Rohrschellen, GP-Schiene, sehr massiver Adapterplatte dazu, den Metall-8x50 Sucher mit Halterung, Auszug mit Zwischenadaptern bis auf 1-1/4“ sowie den Fotoanschluß PiggyPack.
Man sieht bereits, dieses Gerät hat in seiner Grundausstattung schon einiges zu bieten.
Neben der sehr massiven Bauweise fällt optisch (beim Ansehen, nicht Durchsehen) folgendes auf:
Die Verarbeitung lässt nicht auf russisch brutal schließen, sondern auf filigrane Feinarbeit, die ich diesem Gerät nicht angedacht hätte. Nichts wackelt, alles ist sauber verarbeitet mit einigen angenehmen Schmankerln. So ist der Fotoadapter bereits fest angebaut und rastet in 2 gefrästen Nuten mit den beiden Stellschrauben, versehen mit Gummipuffern, ein. Ebenso der Sucher, der mit 2 kleinen Rohrschellen à la Losmandy (auch in der Qualität!), beide mit je 3 kunststoffbewehrten Stellschrauben, daherkommt. Die Justage des Suchers ist damit erheblich besser und genauer als die gewohnten Durchlichtsucher.
Der Tubus besteht aus kräftigem Metall und erscheint recht stoßfest. Man kann beim Transport im Auto seine Sachen einfach daraufwerfen, da passiert nichts. Die Tubusfarbe ist mit einem chremeweiß angenehm und neutral, sauber lackiert. Der Hammer jedoch sind die drehbaren (!) Rohrschellen aus massivem Aluminium, die eine hervorragende Verarbeitungsqualität besitzen. Damit beim Öffnen der Schellen nichts passieren kann, ist der haltende Gegenring auf dem Tubus fest verschraubt. Einmal festgezogen, können die Schellen mittels eines Stellrades so eingestellt werden, dass sich der Tubus von leicht bis schwer verstellen lässt oder ganz fest sitzt. Auch diese Teile sind sehr sauber verarbeitet. Die beiden miteinander verbundenen Schellen haben einen genügend großen Abstand, um den Tubus auf der Montierung ausballancieren zu können, denn das Gegenstück der Rohrschellen ist ja fest auf den Tubus geschraubt und nicht verstellbar.

Der optische Tubus
Gefällt mir ausgezeichnet. 152mm Öffnung, 1200 mm Brennweite, f:8 mit einem 25mm großen Fangspiegel. Der Blick von vorne in das Rohr überzeugt. Sehr viele, gut angeordnete Innenblenden und eine gute Innenschwärzung lassen ihn kontrastreich erscheinen. Der Clou sind 10 zusätzliche Innenblenden im 8mm Abstand gegenüber des Auszugs, eine gut durchdachte Lösung. Einziges Manko: die Schrauben des Suchers und des Auszugs sind blank und leider nicht geschwärzt, das muß ich selbst noch verbessern. Zudem dürften alle Schrauben, die noch in den Tubus ragen, etwas kürzer sein.
Der vordere Teil des Geräts trägt die voll vergütete Korrektorplatte, in der auch der Fangspiegel sitz. Dadurch entfallen die Streben. Rund um die Korrektorplatte ist die Fassung des gut geschwärzten vorderen Abschlusses mit vielen Bohrungen versehen, die ich, solange ich dieses Gerät nur von Fotos her kannte, für „Design“ hielt. – In Wahrheit dienen sie der Be- und Entlüftung des geschlossenen Tubus. Wobei wir bei diesem Thema wären: Die Rückseite des Tubus ist vollständig geschlossen (Metall), mittig, eingelassen im Metallgehäuse sitz der (SAUGENDE !) Lüfter. Warum können das eigentlich weder die Chinesen noch die Taiwanesen?? Der Lüfter ist mit einem Schraubdeckel aus Metall verschlossen, um dem Staub bei der Aufbewahrung und beim Transport keine Chance zu geben. Sinnvoll finde ich.
Am ganzen Gerät befindet sich nicht ein einziges Plastikteil, alles ist aus massivem Metall oder Aluminium gefertigt und macht einen sehr robusten und durchdachten Eindruck.

2. Die Optik am Stern

Der Sterntest, ein erster und kurzer Versuch.
In der Dämmerung konnten wir Saturn beobachten. Das Bild überzeugte. Trotz mäßigem Seeing und vielen Luftverwirbelungen gelangen einige Beobachtungen in ein paar ruhigen Sekunden. Die Cassini-Teilung war bei 300x (4mm TeleVue Radian) hervorragend zu sehen, unzählige pastellfarbene Streifen auf Saturn (Juli 2008).
Jupiter kam zwar noch über den Horizont, war aber nicht unbedingt eine Augenweide und musste ausgelassen werden.
Wega zeigte sich als nadelfeiner Punkt, Epsilon Lyra war wunderbar zu trennen und weitaus besser und schärfer als in meinem SC. Albireo ging dann auch noch, sehr schön die farbliche Trennung, die mir eindeutiger erschien als ich sie bislang kannte.

3. Montierung
Verwendet wurde bei diesem ersten Test die Losmandy G-II, die wohl meine Montierung werden wird. Logischerweise stand der MN-68 auf dieser Montierung mit den kurzen Füßen bombenfest und stabil.
Zuhause angekommen, sattelte ich ihn noch in der Nacht auf meine Vixen GP-DX, für die wir noch am Sonntag eine Schiene angefertigt hatten, da die Bohrungen der Losmandy-Schiene 3“ andere Abstände hatte.
Überraschenderweise trägt die GP-DX dieses doch mit einem langen Hebel versehene und nicht gerade leichte Teleskop recht gut. Im Gegensatz zu vielen Meinungen in diversen Foren wackelt da nichts, die Ausschwingzeit beträgt weniger als 2 Sekunden. Allerdings sitzen auf der Gegengewichtsstange satte 12 kg Gegengewichte, 2 davon als Hantelscheiben. Ein Berlebach-Holzstativ würde die Sache noch einmal merklich verbesser können.

4. Nicht ganz so schön...
sind die blanken Schrauben des Auszugs und des Suchers, die zudem zu weit in den Tubus hineinragen. Der ansich sehr gute Auszug, ähnlich einem kurzbauendem Crayford, besitzt eine Friktionsschraube, mittels derer man die Friktion den Okularen anpassen kann. Leider sind die Scharfstellräder filigran und für meine großen Hände etwas schwierig zu bedienen. Da sie sehr nahe am Tubus sitzen, lassen sich keine größeren anbringen. Dafür ist der gesamte Auszug durchgehend geschwärzt, auch daran hat man gedacht. Da der Auszug sehr kurzbauend ist, benötigt man Verlängerungshülsen. 2 Stück waren bereits dabei, aber für einige meiner Okulare brauche ich noch etwas längere.

Dies ist mein erster Eindruck dieses Geräts, das, so glaube ich, mein endgültiges Planetengerät werden wird. Ich bin von der Verarbeitung und der Optik überzeugt, was die ersten Eindrücke anbelangt. Natürlich kann man nach einer, noch dazu nur halben Nacht unter aufgehelltem Himmel noch nicht viel sagen, aber es lässt sich vielversprechend an.

Teil 2:
Der Intes-Micro Maksutov-Newton MN68 auf der Vixen GP-D
X

Mein erster Bericht bezog sich auf die ersten Eindrücke mit diesem Gerät, das ich auf meine serienmäßige GP-DX montierte. Da zuvor ein kleinerer Refraktor diese Montierung schmückte, war die Balance nicht so recht gegeben. Ein kleines sowie ein großes Gegengewicht reichen nicht aus, um den MN68 in die Balance zu bringen. Zwei zusätzliche Hantelscheiben à 2,5kg sorgten für den Ausgleich. Nun befindet sich das Gerät in ausgeglichenem Zustand in allen Positionen, die Montierung läuft ruhig und ohne Anstrengung und führt dieses doch recht lange und mit 11,4 kg schwere Gerät sauber am Himmel nach. Die Positionierung bei 32x ruckelt nicht, das Scharfstellen funktioniert ohne Gezitter. Entgegen der landläufigen Meinung, dieses Gerät benötige eine Synta EQ6, kann ich feststellen, dass die alte und bewährte GP-DX dieses Gerät klaglos und stabil zu tragen in der Lage ist.

Beobachtung mit dem MN68

Ich bezeichne dieses Teleskop als ein Planetengerät, ebenso geeignet für Sonne und Mond sowie enge Doppelsterne. Auf diese Anforderungen hin wurde das Teleskop getestet. Für Deep-Sky Beobachtungen verwende ich Newtons in Dobsonmontierungen und auf meiner Sternwartenmontierung.

Epsilin Lyrae, 4-fach Stern
Bereits im 14mm UWA Okular (Meade, alte Ausführung) war das 4-fach System getrennt (85x Vergrößerung). Doch im Meade UWA 8,8mm (136x) zeigte es seine volle Auflösung. Man konnte sozusagen ein Streichholz zwischen die jeweils sehr eng stehenden Doppelsysteme dieses Vierfachsystems stecken. Während die waagerecht stehenden Komponenten gleich hell erschienen, scheint bei den Senkrechten Komponenten der äußere Stern etwas lichtschwächer zu sein (Mag: 4,6 zu 4,9). Alle besitzen die gleiche Farbe.
Alle vier Sterne waren absolut punktförmig und ohne jegliche Überstrahlung.

WDS bei 4-Teta-Borealis, Mag 10,0, Abstand 0,7“
Eine Herausforderung an jedes Teleskop. Mit 0,7“ Abstand nicht einfach zu trennen. Trotzdem konnte auch dieses Sternenpaar sauber und mit Zwischenraum getrennt werden. Allerdings war hier das Televue Radian mit 4mm die Voraussetzung dazu. Beide Komponenten stoßen leicht aneinander, sind aber als Einzelsterne erkennbar. Im Meade 8,8mm erkennt man deutlich eine waagerecht liegende Acht.

M13 und M92
Was für enge Doppelsterne gut ist, muß auch für offene- und Kugelsternhaufen gut sein!
Also wanderte der Blick zum Kugelsternhaufen M13, eines der wohl am meisten beobachteten Objekte der nördlichen Hemisphäre. 32mm SWA-Okular und er erscheint als verwaschenes Fleckchen mit leichten franzigen Ausläufern. Das 14mm habe ich mir erspart und sofort auf das 8,8mm Meade UWA gewechselt. Der Anblick ist atemberaubend, nadelpunktfeine Sterne, der Haufen aufgelöst bis ins Zentrum. Der Anblick gleicht dem im Takahashi 130F (130/1000, f:7,7). Ein Unterschied ist kaum auszumachen, vielleicht mag der Tak ein klein wenig härter sein, meine Augen sehen dies aber kaum als Unterschied.

Der Mond
Aus Versehen wartete ich nun sogar auf den Mond, obwohl man doch meist froh ist, stört er uns nicht bei der Beobachtung lichtschwacher Objekte. Aber der MN68 sollte mir zeigen, was er in der Lage ist, mir am Mond zu zeigen. Nach 4 Tagen war es soweit. Die Mondsichel des 6. Tages nach Neumond zeigte sich. Der 6. Tag ist mein „Lieblingstag“ am Mond, zeigt er doch meine Lieblingskrater Theophilus, Catharina und Cyrillus.
Eingestellt, 14mm UWA und warten. Wir haben Hochsommer, vor einigen Tagen mit 34 Grad den heißesten Tag des bisherigen Jahres. Dazu gestern einige Gewitter. Die Luft riecht nach Gras, es liegt Feuchtigkeit in der Luft und die Krater wabern. Selbst im 14er. Doch ab und zu steht die Luft, Schichten haben sich ausgetauscht und neue warten auf dem Weg nach oben. Für 4-6 Sekunden zeigt sich die wahre Schärfe.
Wie nicht anders zu erwarten, brillant und knackscharf! Also wechsle ich auf das 8,8mm UWA. Feinste Details sind auszumachen, die Zentralberge werfen klar getrennte Schatten, Rillen und Formationen sind an den Kraterböden auszumachen. Das Warten hat gelohnt. Ein Versuch mit dem Meade UWA 4,7mm schlug fehl. Zu unruhig war die Luft in dieser Nacht, die wenigen Sekunden der Luftruhe reichten zum Scharfstellen, das beim Auszug des MN68 nicht ganz einfach ist, nicht aus, da die Scharfstellknöpfe recht klein ausgefallen sind und nahe am Tubus liegen.

Dies mag als erster Eindruck genügen, der MN68 hat seine Feuertaufe grandios bestanden und „darf“ in der Sternwarte zusammen mit dem 14“ Newton auf die große Montierung. Ich habe für mich mein Planetengerät gefunden, das mich von nun an in die unendlichen Weiten des Weltraums in der Sternwarte begleiten wird.

Gerchsheim, im Juli 2008

(Verfasser: Winfried Berberich | Datum: 05. Oktober 2010 | Fehler melden)


Beschriebene Teleskope



Kommentare 

Am 23.09.2012 13:08:16 schrieb Winfrird Berberich:

Nachtrag im September 2012:
Der MN68 lag zwischenzeitlich mal für ein halbes Jahr im Keller, da die Sternwartenmontierung neue Motore bekommen soll und eine modernere Steuerung. Seit einer Woche nun ist er wieder in Betrieb.
Manche Geräte gingen wieder, neue kamen hinzu, der MN68 aber bleibt. Was sich im Leufe der Zeit herausstellte, war die doch etwas schlampige Verarbeitung des russischen OAZ`s. Er wackelt ohne Ende, war nach 3 Jahren komplett ausgeleiert und kaum noch nutzbar. Nun schmückt ein passender, kurzbauender Fethertouch Okularauszug das immernoch begeisternde Gerät. Zwischenzeitlich kostet der MN, der nur noch auf Bestellung gebaut wird, rund € 1800.-

Gerchsheim, am 23.9.2012


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