Mond | 97% | Vollmond
Suche

Foto vergrößernFoto downloaden
Foto: Winfried Berberich

Multiculti auf der Montierung


1/10
x gelesen

Multiculti auf der Montierung...
Der Russe gegen den Japaner

So, das hier beschriebene first light sollte wohl für die kommenden Jahre das letzte sein. Irgendwie dachte ich, was machst du mit dem dritten Gegengewicht der WAM 400cc Montierung? Einfach in der Kiste verstauben lassen? – Nein. Auf der Montierung geht ja noch was!
Und nun sitzt er drauf, mein zweites Traumgerät: Der Takahashi FS 102 fluorid, ein Zweilinser. Seltsamerweise zeigt sich kein Wölkchen am Himmel, irgendetwas stimmt hier nicht, haben`s die da oben nicht mitbekommen?

Auf der großen Grundplatte war er schnell befestigt, ich hatte ja schon Vorarbeit geleistet. Einen Zenitspiegel in wirklich guter Qualität habe ich zwar noch nicht dafür, also musste der Standard Zenitspiegel von TS, der ansonsten am 120/600 Richfielder seinen Dienst tut, herhalten. Genug für einen ersten Eindruck.

Zum Tubus:
Dazu gibt es wenig zu sagen, die mechanische Qualität von Takahashi ist ja bekannt. Der Rack and Pinion Auszug arbeitet spielfrei und genau und lässt sich sehr feinfühlig auf die entsprechenden Okulare einstellen. Die Taukappe ist bei dieser Ausführung fest montiert, was mich nicht stört, da er fest montiert wird. Und wo nichts verschiebbar ist kann auch nichts ausleiern. Die Rohrschelle (er hat nur eine, dafür aber sehr massiv) lässt sich leicht öffnen und so einstellen, dass man den Tubus gut drehen kann, an sauberem Filz hat man hier nicht gespart. Obenauf befindet sich noch ein Kameraanschluß in Form eines 1/8 Gewindes mit Schraube und einer runden Kameraaufnahme von rund 5cm Durchmesser. Das Tubusgewicht liegt bei 4kg, also recht leicht. 820mm Brennweite sind moderat und lassen sich dank Fuoridlinse sicherlich auch stark vergrößern. Die schwächste mir mögliche Vergrößerung mit dem 31mm Nagler liegt bei 26x, die größte mit dem 3,7mm Ethos bei 220x, also gut ausreichend für Planeten.

Da ich mich selbst nicht verunsichern wollte, rief ich Uwe aus dem Nachbardorf an und er kam auch gleich rüber, um am ersten Test teilzunehmen. 4 Augen sehen bekanntlich mehr als 2...

Zu aller erst wurde ein mittelgroßer Stern im Tak eingestellt, um die Kollimation zu prüfen. Intra- sowie Extrafocal das gleiche, saubere Bild. Sicherlich hätte Wolfgang Rohr noch einen kleinen Fehler hie und da entdeckt, aber für uns als Nichtoptiker zeigte sich eine perfekt justierte Optik.

Erster Test am Stern/Planeten:
Wie immer, Epsylon Lyra musste mal wieder daran glauben, zumal er genau im Zenit steht. Als Vergleichsmöglichkeit ist neben dem TAK mein Intes MN68 montiert, der mein bislang bevorzugtes Planetengerät ist. Das Manko der Situation ist leider, daß, bedingt durch die unterschiedlichen Konstruktionen, der Einblick mal von unten und mal von oben erfolgt, aber das wusste ich ja bereits vorher.

Takahashi FS 102 fluorid:
Epsylon war im 8mm Ethos sauber aufgelöst und alle 4 Komponenten waren voneinander getrennt (102,5x). Die senkrecht stehenden enger, die waagerechten weiter mit deutlichem Abstand zwischen den Komponenten. Das 6mm Ethos brachte noch einmal eine deutliche Verbesserung (136,6x), aber wir wollten ja die Grenzen ausloten.

Intes Micro Maksutow-Newton MN68, 6“ bei 1200mm Brennweite:
Bestückt mit dem 13mm Ethos (92x) zeigte er im unteren Paar eine sich leicht öffnende acht, das waagrechte Paar war bereits getrennt. Hier war einfach die Vergrößerung zur 100%.igen Trennung zu schwach. Im 8mm (150x) waren beide Komponentenpaare einwandfrei getrennt. Leider besitze ich kein Okular, das mir für beide Geräte die gleiche Vergrößerung liefert.

Zur Schärfe: Beide Geräte zeigen eine fast unnatürliche Schärfe. Wie von vielen beschrieben, „nadelfeine Sterne auf schwarzem Samtgrund“. Doch zugegebenermaßen war der MN68 keinen Deut schlechter! Man würde ihn für einen Refraktor halten, würde man mit verbundenen Augen an den Okularauszug geführt werden.

Der erste Eindruck und Vergleich war geschaffen, nun stand Jupiter in Reichweite und für diese Saison halbwegs hoch genug. Das Seeing war annehmbar, aber nicht überwältigend, einige Luftschlieren, keine klare Durchsicht. Auf das fst verzichte ich hier, der Mond war bereits aufgegangen, was die Planetenbeobachtung nicht stört, zudem steht der Mond recht weit im Osten, Jupiter fast im Süden, also ungestört.

Anblicke am Jupiter
Takahashi FS 102 fluorid gegen MN68:
Das 6mm Ethos in den TAK eingesteckt und warten...Uwe stand „oben“ auf der Leiter am MN68, das mit dem Ethos 8mm bestückt war. Jedesmal, wenn die Luft für einen Moment ruhig stand, riefen wir uns die Ergebnisse zu.
Der Tak zeigte ein sauberes, absolut farbreines Bild und viele Details auf Jupiter, die ich so aber auch vom MN68 kannte. Uwe war „oben“ begeistert vom Anblick im MN. Glücklicherweise konnte wir an diesem Abend mit Ganymed und Europa zwei „Doppelsterne“ in sehr engem Abstand beobachten, der sich immer weiter verringerte, bis beide Monde aneinander vorbeischrammten. Ein herrlicher Anblick in beiden Geräten. Und wieder das gleiche Spiel, weder Uwe noch ich konnten uns für ein Gerät entscheiden. Bedingt durch die etwas größere Öffnung hatte der MN sogar leicht die Nase vorn, so unser beider Eindruck. Über die wahre Schärfenleistung läßt sich aber nichts genaues sagen, wir hatten Jupiter beide schon erheblich besser gesehen.

Zwischenzeitlich war es kurz vor Mitternacht und Uwe mußte gehen, da er morgen sehr früh aus den Federn muß. Also spielte ich noch etwas an den Geräten herum. Als Abschluß hatten wir uns noch gemeinsam M15 angeschaut, mal wieder mit der Feststellung, in beiden Geräten das gleiche schöne Bild gesehen zu haben, hier aber im MN etwas mehr aufgelöst dank größerer Öffnung.

Anblicke am Mond
Takahashi FS 102 fluorid gegen MN68:
Das letzte Objekt sollte der Mond sein. Gegen 01 Uhr stand er hoch genug, um ihn beobachten zu können. Gemütlich fing ich erst einmal mit dem Ethos 17mm am TAK an (48x). Der Mond vollformatig im Bildfeld, sehr starke Kontraste an der Licht-Schattenseite, ein Bild, das manchen wohl vom Hocker haut. Doch auch hier das gleiche Bild im MN68, kein Unterschied, keinerlei Kontrasteinbußen! – Eben wieder - dasgleiche!
Ich schraubte Stück für Stück die Vergrößerung hoch und verwendete den kompletten Ethos-Satz an beiden Geräten. Leider ist (am MN68) mit dem 6mm Ethos bei 200x Schluß, der Mond hätte auch mehr Vergrößerung vertragen.

Ein Beispiel zur Nachahmung und zur Betrachtung: Rimae Ritter. Hier die Daten als dem Virutual Moon atlas:

RIMAE RITTER
Typ: Rillen Netzwerk
Grösse:
Breite: 100x3Km / 61x2Mi
Höhe: 0
Verhältnis Höhe/Breite: 0

Beschreibung:
System aus vier parallelen Rillen im Norden von Dyonisus.
Orientiert in Richtung Süd-Ost Nord-West. entlang der Rima
Ariadaeus und Krater Ritter B C & D umgebend.

Empfohlenes Instrument: 200 mm Reflektor

Position:
Länge: 18.0° Ost
Breite: 3.0° Nord
Quadrant: Nord-Ost
Bereich: Ost Teil von Mare Tranquillitatis

Detaillierter Name: Rillen von Ritter - Karl Ritter
19. Jhd. deutscher Geograph geboren in Deutschland
geboren in Quedlinburg im Jahre 1779
Gestorben in Berlin im Jahre 1859

Dies zur Verdeutlichung, um was es sich hier handelt und um selbst mal nachzuschauen, was man hier im eigenen Teleskop sieht.

Wie im Mondatlas angegeben, empfiehlt man hier einen 20cm Reflektor, also für beide zu testenden Geräte bereits eine Herausforderung. Ich mußte gut eine viertel Stunde pro Gerät beobachten, die Luft waberte nun zusehens mehr und machte im höheren Vergrößerungsbereich Schwierigkeiten. Auch stellte ich fest, daß es wärmer wurde. Trotzdem war die komplette Rillenformation sehr gut zu beobachten (in den Sekunden der Luftruhe) und hob sich deutlich von der Umgebung ab. Man konnte die Rillen gut abfahren. Auch hier, wie zuvor am Doppelstern und am Jupiter geben sich beide Geräte absolut nichts, beide zeigten eine absolute Schärfe bei hohem Kontrast und excellenter Brillanz.

Mein Fazit:
Beim visuellen Beobachten ist der Eindruck in beiden Geräten hervorragend und wohl kaum zu toppen. Ich denke nicht, daß ein anderes, drittes Gerät eine bessere Abbildung würde zeigen können.
Doch was nun machen?
Der MN-68 wiegt satte 12 kg samt drehbaren Rohrschellen, der Takahashi dagegen nur 4 kg. Somit wird der MN68 auf der dicken WAM-400cc Montierung seinen Stammplatz behalten und der TAK wird mit mir auf Reisen gehen, denn den MN möchte ich nicht mehr von Teleskoptreffen zu Teleskoptreffen fahren. Summa summarum: ich werde beide behalten...

(Verfasser: Winfried Berberich | Datum: 05. Oktober 2010 | Fehler melden)



Kommentar hinterlassen 





Ich möchte bei neuen Kommentaren benachrichtigt werden.