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Startseite -> Astronomie News, Veröffentlicht am: 19. Oktober 2011
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Foto: ESO

VISTA entdeckt neue Kugelsternhaufen


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Zu gerade mal 158 bislang bekannten Kugelsternhaufen in unserer Milchstraße sind zwei weitere Exemplare hinzugekommen. Sie wurden im Rahmen des Via Lactea-Programms (VVV) in neuen Aufnahmen des ESO-Durchmusterungsteleskops VISTA entdeckt. Mit diesem Programm wurde außerdem der erste Sternhaufen weit hinter dem Zentrum der Milchstraße ausfindig gemacht, dessen Licht mitten durch die dichten Gas- und Staubwolken im Herzen unserer Galaxis zu uns gereist ist.

Der Kugelsternhaufen UKS 1, der den Astronomen schon vor den VISTA-Aufnahmen bekannt war und hier in besonders heller Pracht zu sehen ist, dominiert die rechte Hälfte in der ersten der hier gezeigten neuen Infrarotaufnahmen (Bild a), die das Durchmusterungsteleskop VISTA der ESO am Paranal-Observatorium in Chile aufgenommen hat. Schaut man allerdings genauer hin, dann kann man in dieser sternreichen Himmelsgegend eine Überraschung entdecken – dort verbirgt sich ein zweiter, noch weitaus lichtschwächerer Kugelsternhaufen, der jetzt in einer der VISTA-Himmelsdurchmusterungen entdeckt wurde. Allerdings ist VVV CL001, wie er genannt wurde, selbst in diesem lichtstarken Bild alles andere als auffällig. Er tritt als kleine Ansammlung von Sternen in der linken Bildhälfte in Erscheinung, links oberhalb der Bildmitte.

VVV CL001 ist allerdings nur die erste von VISTAs „kugeligen“ Entdeckungen. Seine Entdecker haben noch ein zweites Objekt ausfindig gemacht, das entsprechend lVVV CL002 getauft wurde und auf dem zweiten der jetzt veröffentlichten Bilder (Bild b) zu sehen ist. Diese kleine, lichtschwache Sternansammlung könnte der dem Zentrum der Milchstraße am nächsten gelegene bekannte Kugelsternhaufen sein.

Die Entdeckung eines neuen Kugelsternhaufens innerhalb der Milchstraße ist sehr selten. Das letzte Exemplar wurde 2010 entdeckt. Vor den beiden hier vorgestellten Neuentdeckungen belief sich die Anzahl der in unserer Heimatgalaxie bekannten Kugelsternhaufen auf 158.

Die beiden neu entdeckten Sternhaufen gehören zu den ersten Ergebnissen der Himmelsdurchmusterung „VISTA Variables in the Via Lactea“ (zu deutsch „Veränderliche Sterne in der Milchstraße mit VISTA“, abgekürzt VVV), die den Zentralbereich unserer Milchstraße systematisch untersucht. Das VVV-Team wird von Dante Minniti von der Pontificia Universidad Católica de Chile und Philip Lucas vom Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire in Großbritannien geleitet.

Neben den Kugelsternhaufen hat VISTA auch viele offene Sternhaufen gefunden, die üblicherweise weniger, aber dafür jüngere Sterne enthalten als Kugelsternhaufen und wesentlich häufiger sind (eso1128). Bei einer weiteren Neuentdeckung, VVV CL003, dürfte es sich dementsprechend wohl um einen offenen Sternhaufen handeln, allerdings um einen ganz besonderen: dies ist das erste Mal, dass Astronomen einen Sternhaufen nachweisen konnten, der von der Erde aus hinter der Zentralregion unserer Milchstraße liegt – und zwar gleich 15.000 Lichtjahre.

Bedenkt man, wie lichtschwach die neu entdeckten Sternhaufen sind, dann verwundert nicht, dass sie so lange unbemerkt geblieben sind. Bis vor wenigen Jahren war UKS 1, der helle Sternhaufen aus Bild a, der die beiden Neuentdeckungen bei weitem überstrahlt, der lichtschwächste bekannte Kugelsternhaufen in der Milchstraße.  Aufgrund von Absorption und Rötung des Sternlichts durch interstellaren Staub können Objekte wie diese beiden Kugelsternhaufen nur im Infrarotlicht beobachtet werden. VISTA, das weltgrößte Durchmusterungsteleskop, ist wie gemacht für die Suche nach unbekannten Sternhaufen, die  sich hinter dem dichten Staub des Zentralbereichs der Milchstraße verbergen [2].

Es besteht die Möglichkeit, dass VVV CL001 gravitativ an UKS 1 gebunden ist. Die beiden Kugelsternhaufen wären dann der erste Doppelkugelsternhaufen in der Milchstraße. Genauso gut können die beiden allerdings auch nur entlang derselben Sehlinie liegen und weit voneinander entfernt sein.

Die hier gezeigten VISTA-Aufnahmen sind aus Einzelbildern erstellt worden, die mit den Breitband-Nahinfrarotfiltern  J (dargestellt in blau), H (dargestellt in grün) und Ks (dargestellt in rot) gewonnen wurden. Die Bilder stellen nur kleine Ausschnitte aus viel größeren Übersichtsaufnahmen dar, wie sie mit VISTA aufgenommen werden.

Endnoten

[1] Die Entdeckung der zusätzlichen neuen Sternhaufen wurde erst kürzlich auf der ersten binationalen Konferenz der chilenischen und argentinischen astronomischen Gesellschaften in San Juan (Argentinien) bekanntgegeben.

[2] Kleine Staubkörner, die sich innerhalb von Galaxien zu riesigen Wolken zusammenklumpen, streuen das blaue Licht viel stärker als rotes oder infrarotes Licht. Deshalb können Astronomen viel besser mithilfe der Infrarotstrahlung durch die Wolken hindurch sehen als im für unsere Augen wahrnehmbaren sichtbaren Licht.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.?

Links

Fachartikel bei Astronomy & Astrophysics

  • Minniti et al A&A, 527, 81
    Moni-Bidin et al. astro-ph:1109.1854

  • Fotos von VISTA

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    Quelle

    http://www.eso.org/public/germany/news/eso1141/

    (Datum: 19. Oktober 2011 | Fehler melden)


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