Ähnlich dem »stillen September« bleibt auch der Oktober für den größten Teil des Monats ein wenig aktiver Meteorstrom-Monat. Neben spärlichen Fallraten, die in der ersten Monatshälfte  allnächtlich aus verschiedenen Radianten des Nordhimmels auftauchen, wird erst der Oktober um den 20. aussichtsreicher. Mit dem Aktivitätsmaximum der Orioniden Sternschnuppen im Oktober passiert die Erde im »Erntemond« die stärkste Spur eines Mutterkörpers.

Die erste Monatsdekade: Fast täglich ein Aktivitätsmaximum

Die Fallrate der »Sextantiden« erreicht in der Nähe des Himmelsäquators, für Mitteleuropa im Herbst nicht sichtbar, ihr Aktivitätsmaximum zwischen 30. September und 04. Oktober.

Aus dem Radianten des Sternbilds »Walfisch« kommt ein ebenso schwacher Meteorstrom, die »Eta Cetiden« (01. bis 05. Oktober) und in der letzten Nacht gelegentlich Sternschnuppen der »Oktober Cetiden«. Die Mutterkörper solch unbekannter Ströme sind zumeist Kometen mit langen Umlaufperioden.

Das Sternbild »Schwan« steht etwas höher über dem Himmelsäquator, so dass wenige Sternschnuppen des Meteorstroms aus diesem Radianten, die »Oktober Cygniden«, in den Nächten vom 04. bis 09. Oktober auch in Mitteleuropa leichter zu entdecken sind.

Wenn auch spärlich, so sind während des Aktivitätsmaximum die »Delta Aurigiden« (Sternbild »Fuhrmann«, 06. – 15. Oktober) und der »Draconiden« (Sternbild »Drache«, 09./10. Oktober) gelegentlich am Nordhimmel sichtbar.

Die geringe Fallrate der »Arietiden« (Sternbild »Widder«, 08. – 09. Oktober) ist den Astronomen besser von Radiowellenentdeckungen bekannt. Jeden Mai kreuzt die Erde die Spur des Mutterkörpers so, dass die Sternschnuppen dann nur tagsüber aktiv sind und nur mit Detektoren erkannt werden können.

Abschluss der Sternschnuppen im Oktober mit den Orioniden

Außer vom »Fuhrmann« wird es in Sachen Fallraten am Nordhimmel nun richtig still. Kaum zu erhaschen sind Sternschnuppen, die in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober als Meteorstrom der »Nördlichen Pisciden« (Sternbild »Fische«, Ekliptik) im Aktivitätsmaximum erscheinen.

Nach einer Woche Pause kreuzt die Erde sodann am stärksten die Bahn des Mutterkörpers, dessen Reste aus dem Radianten im Sternbild »Zwillinge« als Epsilon Geminiden aufglimmen.

Einen letzten Auftakt und das bekannteste Aktivitätsmaximum des Monats gibt es in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober. Die Fallrate des Meteorstroms der »Orioniden« beträgt in Spitzenjahren um die 25 Meteore pro Stunde.

Zu verdanken haben wir den Sternschnuppen»regen« dem Mutterkörper, dem »Halley’schen Kometen«. Seine weit verstreute »Hinterlassenschaft« sehen wir aus dem Radianten im Sternbild »Orion«, das auf dem Himmelsäquator zu finden ist.

Draconiden – Meteorschauer im Oktober

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Komet 21/P Giacobini-Zinner, ein kurzperiodischer Komet, vom französischen Astronomen Giacobini entdeckt. Der Wissenschaftler errechnete eine Wahrscheinlichkeit der Wiederkehr nach 6 ½ Jahren. Doch erst 13 Jahre später tauchte der Schweifstern erneut im Fokus der Beobachter auf.

Kommt er während seines Umlaufs auf dem Weg zur Sonne der Erde sehr nahe, dann passiert anschließend die Erde die Restpartikel seines Schweifes, und der Himmel wird von einem Meteorstrom,  dem Sternschnuppen-Regen der »Draconiden«, erleuchtet.

Herkunft und Erscheinung der Draconiden

Nach ihrem Mutterkörper, dem Kometen 21/P Giacobini-Zinner, trägt dieser episodische Meteorstrom, der zwischen dem 07. und 11. Oktober die Erde erreicht, den Namen »Giacobiniden«. Allerdings lautet – nach dem Radianten nahe des Sterns Delta-Draconis (Etamin) im Sternbild »Drache« – der richtige astronomische Name »Delta-Draconiden«. 

In guten Jahren ist kurz nach der Erdbahnpassage des Kometen das Maximum der Aktivitäten, der 08./09. Oktober, spektakulär. Das intensivste aufgezeichnete Sternschnuppenjahr war 1933 mit einer ZHR (»Zenithal Hourly Rate«, Fallrate von Meteoren pro Stunde bei guten Bedingungen) von über 6.000 bis 10.000 Sichtungen in der Zenitstunde des Meteorstroms. In Jahren, in denen der Komet weiter entfernt ist, bleiben die Draconiden lichtschwach und nahezu unbeachtet.

Forschung und Vorhersagen zu Kometen können, müssen aber nicht immer stimmen. Der nächste Meteorstrom dieser Herkunft ist erst für das Jahr 2098 vorhergesagt. Einige Wissenschaftler sind sich dagegen sicher, dassbereits früher eine Fallrate der Draconiden von ca. 600 Meteoren pro Stunde zu erwarten ist. Trifft das zu, stehen die Chancen auf einen dichten Sternschnuppenregen um das Fünffache besser als bei einem durchschnittlichen Fall der Perseiden im August. 

Sternschnuppen im Oktober

Das Sternbild »Drache« gehört zu den zirkumpolaren (ganzjährig sichtbaren) Sternbildern. Erdbeobachter können sowohl den Radianten, aus dem der Komet seine Bahn zieht, als auch den Meteorstrom aus dieser Richtung  die ganze Nacht lang beobachten. Allerdings ist das Schauermaximum nur sehr kurz. Während die Fallrate der Draconiden kurz vor 22:00 h stark ansteigt, sinkt sie gleich danach wieder rapide. 

Möglicherweise ist die Spitze des Meteorstroms weniger gut zu sehen. Da die Draconiden zu den lichtschwächeren Sternschnuppen gehören, wird vermutlich der größere Teil vom fast vollen Mond überstrahlt. Dennoch bleiben mehr Leuchtobjekte übrig als beim besten Perseidenschauer, so dass sich ein nächtlicher Sternschnuppenausflug allemal lohnen wird.