Asteroid 2024 YR4: Entwarnung – kein Einschlag auf Erde oder Mond

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

2024 YR4 ist ein erdnaher Asteroid, der im Dezember 2024 entdeckt wurde und Anfang 2025 wegen einer zeitweise erhöhten Einschlagswahrscheinlichkeit weltweit Schlagzeilen machte.

✅ Aktueller Stand – Entwarnung: Asteroid 2024 YR4 trifft weder die Erde noch den Mond. Ein Einschlag auf der Erde wurde bereits Ende Februar 2025 praktisch ausgeschlossen.

Im März 2026 haben Beobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop auch den zuvor noch möglichen Einschlag auf dem Mond ausgeschlossen: Am 22. Dezember 2032 fliegt YR4 in rund 21.200 Kilometern Abstand an der Mondoberfläche vorbei (NASA, 5. März 2026). Unten steht, wie es zu der Aufregung kam und was ein Einschlag bewirkt hätte.

Der Asteroid 2024 YR4 hat Anfang 2025 wochenlang für Unruhe in der Fachwelt gesorgt. Mit jeder neuen Bahnberechnung stieg die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf der Erde am 22. Dezember 2032 zunächst weiter an – bevor neue Messungen sie auf praktisch null drückten.

Ende Januar 2025 nannte die NASA 1,2 Prozent, am 18. Februar 2025 erreichte der Wert mit 3,1 Prozent seinen Höchststand – so hoch lag er noch nie für einen Asteroiden dieser Größe. Wenige Tage später, Ende Februar 2025, schlossen NASA, ESA und NEODyS einen Einschlag auf der Erde praktisch aus.

Asteroid 2024 YR4 Einschlag
Das am 31. Januar 2025 von der NASA veröffentlichte Foto zeigt den Asteroiden 2024 YR4, aufgenommen am 27. Januar 2025 mit dem 2,4-Meter-Teleskop der Magdalena Ridge des New Mexico Institute of Technology. © AFP PHOTO / NASA/Magdalena Ridge 2.4m telescope/New Mexico Institute of Technology/Ryan

Entdeckung im Dezember 2024

Erstmals beobachtet wurde Asteroid 2024 YR4 am 27. Dezember 2024 vom Observatorium El Sauce in Chile. Aus seiner Helligkeit schätzten Wissenschaftler anfangs einen Durchmesser zwischen 40 und 90 Metern; Wärmemessungen des James-Webb-Teleskops ergaben im März 2025 rund 60 Meter (plus/minus 7 Meter).

Als mögliches Einschlaggebiet wurde damals ein Streifen über den östlichen Pazifik, das nördliche Südamerika, den Atlantik, Afrika, das Arabische Meer und Südasien diskutiert (Quelle: IAWN).

Wie das Risiko stieg und fiel

Dass eine Einschlagswahrscheinlichkeit zuerst steigt und dann auf null fällt, ist der normale Verlauf: Solange die Bahn ungenau bekannt ist, liegt die Erde noch im Unsicherheitsbereich, und jede neue Messung verkleinert ihn. Fällt die Erde am Ende heraus, sinkt der Wert schlagartig.

Für den 22. Dezember 2032 blieb danach nur noch ein möglicher Treffer auf dem Mond, im Frühjahr 2025 mit rund 4 Prozent berechnet. Die Webb-Aufnahmen vom 18. und 26. Februar 2026 haben auch das ausgeschlossen (Quelle: NASA Planetary Defense, 5. März 2026).

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Blick in die Vergangenheit: Verheerende Asteroideneinschläge

Vor etwa 66 Millionen Jahren löste ein rund zehn Kilometer großer Einschlag einen globalen Winter aus, der das Aussterben der Dinosaurier begünstigte. Bereits ein deutlich kleinerer Himmelskörper richtete 1908 im Gebiet von Tunguska in Sibirien enorme Schäden an, als er in der Atmosphäre explodierte und rund 80 Millionen Bäume auf einer Fläche von 2.000 Quadratkilometern zerstörte (Quelle: ESA).

Zu beachten ist allerdings, dass Asteroid 2024 YR4 mit rund 60 Metern in der Größenklasse des Tunguska-Objekts lag – gefährlich für eine Region, nicht für die Erde als Ganzes.

Was ein Einschlag bewirkt hätte

Ein Asteroid mit rund 60 Metern Durchmesser ist so groß wie ein 15-stöckiges Haus und würde beim Aufprall auf die Erde eine enorme Zerstörungskraft entfalten.

Im Vergleich zum rund 20 Meter großen Tscheljabinsk-Meteor, der 2013 über Russland explodierte, zahlreiche Gebäude beschädigte und über 1.000 Menschen verletzte, hat ein 60-Meter-Objekt eine vielfach höhere Energie und damit ein deutlich größeres Gefahrenpotenzial. Nachfolgend zwei konkrete Szenarien:

Einschlag auf dem Festland

  • Energie und Explosion
    Für 2024 YR4 wurde die Energie eines Einschlags auf rund 7,7 Megatonnen TNT-Äquivalent geschätzt. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen – das wäre rund 500-mal so viel gewesen.
  • Kraterbildung und Zerstörung
    Ein direkter Einschlag könnte einen Krater von bis zu einem Kilometer Durchmesser in den Boden reißen. Dabei würden Gestein und Erdreich kilometerweit in die Atmosphäre geschleudert. In den direkt angrenzenden Gebieten kollabieren Gebäude, Straßen reißen auf, und ganze Stadtteile könnten unbewohnbar werden.
  • Hitzewelle und Stoßwellen
    Durch die beim Aufprall entstehende Hitze würden Brände in der Umgebung ausgelöst. Eine extrem starke Stoßwelle breitet sich kreisförmig aus und zerstört in einem Umkreis von mehreren Kilometern Fenster, Infrastruktur und Bäume. Zum Vergleich: Beim Tunguska-Ereignis 1908 (rund 40–60 Meter großes Objekt) wurden in Sibirien schlagartig über 2.000 Quadratkilometer Wald vernichtet.

Einschlag im Meer

  • Wassersäule und Druckwelle
    Trifft ein Asteroid dieser Größe auf die Wasseroberfläche, würde eine gigantische Wassersäule in die Höhe geschleudert. Diese verdrängte Wassermasse erzeugt starke Druckwellen in alle Richtungen.
  • Entstehung von Tsunamis
    Die größte Gefahr geht von den möglichen Flutwellen aus, die sich in alle Richtungen ausbreiten. Befindet sich der Einschlagsort in Küstennähe, könnten Tsunamis mit mehreren Metern Höhe auf das Festland treffen und Küstenregionen überfluten. In flach gelegenen, dicht besiedelten Gebieten kann das verheerende Schäden und hohe Opferzahlen verursachen.
  • Auswirkungen auf Schifffahrt und Klimasystem
    Neben den direkten Schäden durch einen Tsunami könnte ein solcher Einschlag auch die Schifffahrtswege kurzfristig lahmlegen. Theoretisch wäre zudem eine Aufwirbelung von Partikeln möglich, die in die Atmosphäre gelangen. Zwar wäre dies in der Regel weniger schlimm als bei einem großen Asteroiden (mehrere hundert Meter), aber in Küstennähe könnten Kühlwassereinrichtungen von Kraftwerken beschädigt werden, was wiederum indirekte Folgen (etwa Stromausfälle) hätte.

Planetare Verteidigung: Wissenschaftler sind vorbereitet

Der Fall YR4 war die erste echte Probe für das internationale Warnsystem: Die Weltraumagenturen haben ihn nach festen Regeln verfolgt, und bis 2032 wäre Zeit für Gegenmaßnahmen geblieben.

Mehrere Raumfahrtorganisationen arbeiten seit Jahren an Strategien zur planetaren Verteidigung, wie Ablenkungsmissionen oder gezielte Sprengungen (Quelle: Johns Hopkins Applied Physics Laboratory). Andrew Rivkin, Astronom an diesem Labor, erklärt, dass Projekte zur Abwehr großer Objekte im All bereits in konkreter Planung sind.

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Fazit

Asteroid 2024 YR4 hat Anfang 2025 mit einer Einschlagswahrscheinlichkeit von zeitweise 3,1 Prozent viel Aufmerksamkeit erregt. Heute ist klar: Er trifft 2032 weder die Erde noch den Mond. Gezeigt hat der Fall vor allem, dass die Überwachung funktioniert – ein gefährliches Objekt wird Jahre vorher entdeckt, und neue Messungen klären die Lage schnell.