Merkur

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

Merkur ist der kleinste und sonnennächste der acht Planeten unseres Sonnensystems: ein Gesteinsplanet mit 4.879 km Durchmesser, ohne Mond, der die Sonne in nur 88 Tagen umrundet.

⭐ Kurz gesagt: Eine Kraterwelt zwischen Glut und Frost mit riesigem Eisenkern. Mit bloßem Auge sichtbar – aber nur wenige Wochen im Jahr, tief in der Dämmerung. Nächste gute Chance: Ende November 2026 am Morgenhimmel (so findest du ihn).
Merkur

Steckbrief Merkur

  • Gesteinsplanet und erster Planet im Sonnensystem
  • Keine Monde bekannt
  • Nachbarplaneten: Venus
  • Durchmesser: 4.879 km
  • Masse und Volumen (i.V. zur Erde) 0,05
  • Alter: ca. 4,5 Mrd. Jahre
  • Mittlere Oberflächentemperatur: +170°C
  • Atmosphäre: Sauerstoff (40%), Natrium (30%), Wasserstoff (20%), Helium (5%)
  • Häufigste Elemente: Silizium, Eisen, Nickel

Merkur im Steckbrief: alle Daten auf einen Blick

Merkur vereint Extreme: der kleinste Planet, das kürzeste Jahr und die größte Temperaturspanne des Sonnensystems – und trotz seiner Sonnennähe liegt in den ewig beschatteten Polkratern Wassereis.

MerkmalWert
Position im Sonnensystem1. Planet, der kleinste des Sonnensystems
TypGesteinsplanet – mit dem größten Eisenkern im Verhältnis zur Größe
Durchmesser4.879 km – kleiner als der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan
Masse3,301 · 1023 kg = 0,055 Erdmassen
Mittlere Dichte5,43 g/cm³ – nach der Erde der zweithöchste Wert
Schwerebeschleunigung3,70 m/s² – rund 38 % der Erdschwere
Mittlere Entfernung zur Sonne57,9 Mio. km = 0,387 AE
Sonnennächster / -fernster Punkt46,0 / 69,8 Mio. km – die exzentrischste Planetenbahn
Entfernung zur Erde77,3 bis 221,9 Mio. km
Umlaufzeit88 Erdtage – das kürzeste Jahr im Sonnensystem
Rotationsdauer58,6 Erdtage – in 3:2-Resonanz zur Umlaufzeit
Sonnentag176 Erdtage – zwei Merkurjahre dauert ein Merkurtag
Achsneigung0,03° – praktisch keine Jahreszeiten
Temperatur−173 °C in der Nacht bis +427 °C am Mittag – die größte Spanne im Sonnensystem
Atmosphärepraktisch keine – nur eine dünne Exosphäre aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff
Monde0
Magnetfeldja, aber schwach – rund 1 % der Erdfeldstärke
Alterrund 4,5 Mrd. Jahre – so alt wie das Sonnensystem
Scheinbare Helligkeit−2,5 bis +7,2 mag
RaumsondenMariner 10 (1974/75), MESSENGER (2011–2015), BepiColombo (Orbit ab 21. Nov. 2026)

Merkur beobachten: So findest du ihn

Merkur entfernt sich am Himmel nie weiter als etwa 28 Grad von der Sonne. Deshalb siehst du ihn nur in der Dämmerung tief über dem Horizont – und nur rund um seine größten Elongationen, also die Tage, an denen er am weitesten neben der Sonne steht. Dann steht er ein bis zwei Wochen lang entweder morgens tief im Osten oder abends tief im Westen, etwa 60 bis 40 Minuten vor Sonnenaufgang beziehungsweise nach Sonnenuntergang.

Ein freier Horizont ist Pflicht – eine Hausreihe oder ein Waldrand genügt, um das Fenster zu schließen. Welches Fenster gerade offen ist, steht in unserer monatlichen Himmelsvorschau: Sternenhimmel im September 2026.

Am besten funktioniert die Merkur-Jagd mit einem Fernglas: Damit findest du das helle Pünktchen in der aufhellenden Dämmerung deutlich schneller als mit bloßem Auge. Wichtig: Das Fernglas nie Richtung aufgegangener Sonne richten!

Merkur-Sichtbarkeiten 2026 und 2027: die Termine

Nicht jede größte Elongation ist in Deutschland auch eine gute Sichtbarkeit. Entscheidend ist, wie steil die Ekliptik – die Bahn von Sonne und Planeten am Himmel – zum Horizont steht: abends im Winter und Frühjahr, morgens im Herbst steht Merkur am höchsten. Die Tabelle haben wir für die Mitte Deutschlands (50,5° N) nachgerechnet; die Höhe gilt für das Ende beziehungsweise den Beginn der bürgerlichen Dämmerung (Sonne 6° unter dem Horizont).

Gut sichtbar (Höhe ≥ 5°)Wann und woGrößte ElongationMax. HöheBewertung
– (Okt. 2026)abends, Südwest12.10.2026 (25,2°)unter 0°bei uns nicht sichtbar
11.11. – 5.12.2026morgens, Südost21.11.2026 (19,6°)11°gut – beste Chance 2026
25.1. – 12.2.2027abends, Südwest3.2.2027 (18,3°)9°gut
– (März 2027)morgens, Ost17.3.2027 (27,6°)2–3°praktisch nicht sichtbar
10.5. – 6.6.2027abends, Westnordwest28.5.2027 (22,9°)10°gut – beste Abendsichtbarkeit 2027
17.7. – 27.7.2027morgens, Ostnordost15.7.2027 (20,7°)6°schwierig, nur mit Fernglas
– (Sept. 2027)abends, Südwest25.9.2027 (26,3°)unter 0°bei uns nicht sichtbar
26.10. – 18.11.2027morgens, Ostsüdost4.11.2027 (18,8°)11°gut

Die beste Merkur-Chance der nächsten Monate liegt Ende November 2026: Gegen 7 Uhr steht er dann rund 11° hoch im Südosten und ist mit etwa −0,5 mag heller als die meisten Sterne. Genau am Tag seiner größten Elongation, dem 21. November, soll auch die Raumsonde BepiColombo in die Umlaufbahn um Merkur einschwenken. Was sonst gerade am Himmel steht, zeigt unsere Seite Planeten heute sichtbar.

Tipp: Such Merkur zuerst mit dem Fernglas knapp über dem Horizont, etwa eine Handbreit links (morgens) oder rechts (abends) über der Stelle, wo die Sonne auf- oder untergeht. Hast du ihn einmal gefunden, siehst du ihn meist auch mit bloßem Auge. Im Teleskop zeigt er wie der Mond Phasen, bleibt mit höchstens 13 Bogensekunden aber winzig.

🔭 Unsere Empfehlung für die Merkur-Jagd

Celestron UpClose G2 10x50 Porro (aktuell 62 €) – lichtstark und handlich: ideal, um Merkur in der Dämmerung aufzuspüren, und nebenbei ein Milchstraßen-Traum.
Bei Astroshop ansehen* →

Du willst mehr sehen als ein Pünktchen? Merkur selbst bleibt auch im Teleskop ein winziges Sichelchen – dafür brauchst du ausdrücklich kein großes Gerät. Wer dagegen Saturnringe, Jupiterbänder und die Venusphasen sehen will, findet die passenden Bauarten samt ehrlicher Erwartungen im Ratgeber Welches Teleskop für Planeten? – für den breiten Einstieg lohnt Teleskop für Einsteiger.

*Affiliate-Link: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – der Preis ändert sich für dich nicht.

Merkur siehst du am besten mit dem Fernglas – für Saturnringe und Jupiterbänder braucht es mehr.
Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per Mail. Auch dann, wenn ein Fernglas reicht.

Welches Teleskop passt zu dir?

Beantworte ein paar kurze Fragen – deine persönliche Teleskop-Empfehlung kommt direkt in dein E-Mail-Postfach. Kostenlos & unverbindlich.

Frage 1 von 6

Tippe einfach auf deine Antwort – es geht automatisch weiter.

Für wen ist das Teleskop?

Was möchtest du in erster Linie beobachten?

Möchtest du durch das Teleskop auch fotografieren?

Möchtest du das Teleskop öfter zu einem anderen Beobachtungsort transportieren?

Wie groß ist dein Budget?

Fast geschafft! Wohin dürfen wir deine Empfehlung schicken?

Wir verwenden deine Angaben ausschließlich, um dir deine persönliche Teleskop-Empfehlung per E-Mail zu senden. Details in der Datenschutzerklärung.

🌠

Super – deine persönliche Teleskop-Empfehlung ist unterwegs zu deinem Postfach!

Keine Mail bekommen? Schau bitte auch im Spam-Ordner nach oder schreib uns an info@sterngucker.de.

Was ist Merkur?

Der Merkur ist der innerste der vier terrestrischen Planeten, also der Gesteinsplaneten wie Venus, Erde und Mars. So, wie seine Bewegung im All unstet und exzentrisch verläuft, so unwirtlich ist auch seine Oberfläche: heiße Tage mit bis zu +427 °C und eisige Nächte mit −173 °C machen ihn zu einer denkbar lebensfeindlichen Welt.

Jahreszeiten wie bei uns gibt es praktisch nicht, weil seine Achse kaum geneigt ist. Die Einstrahlung schwankt trotzdem stark, weil seine Bahn so exzentrisch ist. Diese Bahn dreht sich zudem langsam um die Sonne (Periheldrehung, sogenannte Rosettenbahn).

Merkur ist übrigens nicht nur der Sonne am nächsten: Im Durchschnitt ist er sogar der Erde näher als Venus. Warum das so ist, rechnen wir im Artikel Welcher Planet ist der Sonne am nächsten? nach.

Zudem ist das Merkurjahr mit 88 Tagen das kürzeste aller Planeten des Sonnensystems. Seine Eigenrotationszeit entspricht mit 58,6 Tagen genau ⅔ der Umlaufzeit um die Sonne – drei Drehungen auf zwei Umläufe.

Früher wurde angenommen, dass Merkur der Sonne immer dieselbe Seite zuwendet, so wie der Mond der Erde. Radarmessungen widerlegten das 1965.

Merkur Besonderheiten: 6 Fakten, die ihn einzigartig machen

  • Kürzestes Jahr: 88 Tage – in einem Erdenjahr umrundet Merkur die Sonne gut viermal.
  • Längster Tag: Von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang vergehen 176 Erdtage – ein Merkurtag dauert zwei Merkurjahre.
  • Größte Temperaturspanne: rund 600 Grad zwischen Tag- und Nachtseite.
  • Riesiger Eisenkern: Er reicht über rund 85 % des Planetenradius.
  • Eis in der Sonnenglut: In ewig schattigen Kratern an den Polen liegt Wassereis.
  • Einsteins Prüfstein: Die Drehung seiner Bahn um 43 Bogensekunden pro Jahrhundert mehr als erwartet erklärte erst die Allgemeine Relativitätstheorie.

Wie groß ist Merkur? Durchmesser und Größenvergleich

Merkur hat einen Durchmesser von 4.879 km – das sind nur 38 % der Erde. Sein Umfang am Äquator beträgt rund 15.300 km.

Er ist sogar kleiner als zwei Monde: Der Jupitermond Ganymed (5.268 km) und der Saturnmond Titan (5.150 km) übertreffen ihn. Unser Erdmond ist mit 3.475 km dagegen deutlich kleiner.

Erde 12.756 kmGanymed5.268 kmMerkur4.879 kmMond3.475 km
Maßstabsgetreu: Merkur ist kleiner als der Jupitermond Ganymed, aber größer als unser Mond.

Mit 0,055 Erdmassen ist Merkur trotzdem erstaunlich schwer für seine Größe. Seine Dichte von 5,43 g/cm³ liegt fast auf dem Niveau der Erde – der große Eisenkern macht's. Wie er sich neben den anderen Planeten macht, zeigt unsere Übersicht Planeten nach Größe.

Merkur Temperatur: zwischen Glut und Frost

Auf der Tagseite wird Merkur bis zu +427 °C heiß, auf der Nachtseite kühlt er auf −173 °C ab. Keine andere Planetenoberfläche schwankt so stark. Blei würde mittags schmelzen.

Schuld ist die fehlende Atmosphäre: Ohne Gashülle kann Merkur keine Wärme speichern oder verteilen. Dazu kommt der extrem lange Sonnentag – jeder Punkt der Oberfläche brät rund 88 Erdtage lang in der Sonne und kühlt dann ebenso lange aus.

OrtTemperatur
Tagseite (Mittag, Sonnennähe)bis +427 °C
Mittelwert der Oberflächerund +167 °C
Nachtseitebis −173 °C
Ewig schattige Polkraterdauerhaft unter −170 °C – hier hält sich Wassereis
Zum Vergleich: Venusrund +464 °C, Tag und Nacht

Heißester Planet ist trotzdem nicht Merkur, sondern die Venus. Ihre dichte Kohlendioxid-Atmosphäre hält die Hitze fest wie ein Treibhaus – auch nachts.

Wie ist Planet Merkur aufgebaut?

Bei Merkur handelt es sich um einen Gesteinsplaneten ohne Mond. Sein Eisenkern ist im Verhältnis riesig: Er reicht über rund 85 % des Planetenradius, darüber liegt nur eine etwa 400 km dicke Schale aus Mantel und Kruste. Deshalb hat der kleine Merkur fast dieselbe Dichte wie die viel größere Erde.

SchichtAufbau
Kruste und MantelSilikatgestein, zusammen nur rund 400 km dick
Kernvor allem Eisen, rund 85 % des Radius, zum Teil flüssig

Merkur besitzt trotz seiner langsamen Rotation ein globales Magnetfeld – ein Hinweis auf einen teilweise flüssigen Kern. Es ist allerdings nur rund 1 % so stark wie das der Erde.

Oberfläche und Aussehen: Wie sieht Merkur aus?

Mit bloßem Auge betrachtet wäre Merkur graubraun und erinnert mit seinen unzähligen Kratern stark an unseren Mond. Seine geringe Rückstrahlung verrät dunkles Gestein an der Oberfläche.

Merkur in natürlichen Farben: graubraune, von Kratern übersäte Kugel, Aufnahme der Raumsonde MESSENGER
So sähe Merkur für unser Auge aus: graubraun und von Kratern übersät. Bild: NASA/JHUAPL/Carnegie Institution of Washington, gemeinfrei

Weil Merkur kaum eine Atmosphäre hat, schlagen Meteoriten ungebremst ein. Seine Oberfläche ist deshalb mit Kratern, Rillen und Furchen übersät. Die größte Narbe ist das Caloris-Becken mit rund 1.550 km Durchmesser – fast ein Drittel des Planeten.

Merkur schrumpft: Beim Abkühlen seines Kerns hat er seit seiner Entstehung Kilometer an Radius verloren. Davon zeugen kilometerhohe Steilstufen, die sich über Hunderte Kilometer durch die Landschaft ziehen.

Hat Merkur eine Atmosphäre?

Praktisch nein. Merkur hat nur eine hauchdünne Exosphäre aus einzelnen Atomen wie Sauerstoff, Natrium, Wasserstoff, Helium und Kalium. Sie ist so dünn, dass die Atome sich kaum je gegenseitig treffen – ihr Druck liegt mehr als billionenfach unter dem der Erdatmosphäre.

Die Sonne reißt diese Teilchen ständig fort, der Sonnenwind und Einschläge schlagen neue aus dem Boden. Einen Schutz vor Strahlung oder Kälte bietet die Exosphäre nicht.

Wie viele Monde hat Merkur? Keinen – und das hat Gründe

Merkur hat keinen einzigen Mond. Zusammen mit der Venus ist er der einzige Planet des Sonnensystems ohne Begleiter.

PlanetMonde
Merkur0
Venus0
Erde1
Mars2

Der Hauptgrund ist die nahe Sonne: Ihre Schwerkraft ist so dominant, dass ein Mond nur in einem engen Bereich um den kleinen Merkur stabil kreisen könnte. Ein Mond weiter draußen würde über kurz oder lang von der Sonne weggezogen.

Einmal glaubte man tatsächlich, einen Merkurmond gefunden zu haben: 1974 fing Mariner 10 ein UV-Signal auf, das sich als Stern im Hintergrund entpuppte. Seither haben auch MESSENGER und BepiColombo keinen Mond entdeckt.

Wann wurde der Planet entdeckt?

Merkur hat keinen Entdecker – er ist seit dem Altertum bekannt, weil man ihn mit bloßem Auge sieht. Die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen stammen aus Mesopotamien: Das Keilschriftwerk MUL.APIN verzeichnet ihn, die Beobachtungen gehen vermutlich auf assyrische Astronomen im 14. Jahrhundert v. Chr. zurück.

JahrMeilenstein
ca. 14. Jh. v. Chr.erste überlieferte Beobachtungen in Mesopotamien
2. Jh. n. Chr.Ptolemäus beschreibt Merkur – und überschätzt seine Größe stark
1631Pierre Gassendi sieht als Erster einen Merkurtransit vor der Sonne
1639Giovanni Zupi entdeckt Merkurs Phasen im Teleskop
1965Radarmessungen zeigen die 3:2-Rotation
1974Mariner 10 liefert die ersten Nahaufnahmen

Der griechische Gelehrte Ptolemäus beschrieb Merkur im 2. Jahrhundert, seine Vorstellung von dessen Größe wich jedoch stark von der Realität ab. Pierre Gassendi konnte 1631 aus einem Merkurtransit schlussfolgern, dass Merkur nicht wie von Ptolemäus geschätzt 1/15 des Sonnendurchmessers maß, sondern um ein Vielfaches kleiner war.

Name und Bedeutung: Götterbote und Quecksilber

Seinen Namen hat Merkur vom römischen Götterboten Mercurius, dem Gott der Händler, Reisenden und Diebe – passend zu seinem flinken Lauf über den Himmel. Die Griechen nannten ihn Hermes, im alten Ägypten verband man ihn mit dem Gott Seth.

In der Alchemie stand Merkur für das Quecksilber, das flüssige, „flinke“ Metall. Deshalb heißt Quecksilber im Englischen bis heute „mercury“, sein chemisches Symbol ist Hg.

Was ist eine Mini-Sonnenfinsternis (Merkur-Transit)?

Unter einer im Volksmund bekannten „Mini-Sonnenfinsternis“ wird ein Vorübergang eines Planeten vor der Sonnenscheibe verstanden. In Frage kommen nur der Merkur und die Venus.

Pro Jahrhundert gibt es etwa 13 Merkurtransits, in denen sich der Planet von uns aus gesehen als winziger schwarzer Punkt vor der Sonne vorbeischiebt. Der nächste Merkurtransit ist am 13. November 2032 auch von Europa aus zu verfolgen, der übernächste am 7. November 2039.

Achtung: Einen Merkurtransit darfst du nur mit einem zertifizierten Objektiv-Sonnenfilter vor Teleskop oder Fernglas beobachten. Schon ein kurzer ungeschützter Blick kann dein Auge dauerhaft schädigen – wie es sicher geht, steht unter Sonne beobachten.

Die Erforschung des Merkurs

1639 machte die Merkurforschung einen gewaltigen Sprung nach vorn. Teleskope ermöglichten nun genauere Ansichten der Planeten des Sonnensystems. Der italienische Astronom Giovanni Zupi entdeckte die Phasen des Merkur (ähnlich den Mondphasen) und wies damit nach, dass dieser um die Sonne kreist.

Der deutsche Astronom Johann Hieronymus Schröter zeichnete um 1800 eher skizzenartige Karten von diesem Planeten. Ende des 19. Jahrhunderts sowie 1934 und 1972 entstanden unter Schiaparelli, Lowell, Antoniadi und Dollfus genauere Planetenkarten. Allen gemeinsam: Merkur erhielt einen Nullmeridian sowie Längen- und Breitengrade, wie wir es von der Erde kennen.

Raumsonden zum Merkur: Mariner 10, MESSENGER und BepiColombo

Merkur ist wenig »gastfreundlich« für Raumsonden. Sie müssen die hohen Temperaturen, die intensive Sonnenstrahlung und die Teilchen des Sonnenwindes überstehen. Außerdem muss eine Sonde auf dem Weg zur Sonne enorm abbremsen, weshalb der Anflug nur über lange Transferbahnen mit mehreren Swing-by-Manövern an anderen Planeten gelingt.

MissionZeitraumErgebnis
Mariner 10 (NASA)1974/75drei Vorbeiflüge, Entdeckung des Magnetfelds
MESSENGER (NASA)Orbit 2011–2015erste Karte des ganzen Planeten, Eis an den Polen
BepiColombo (ESA/JAXA)Start 2018, Orbit ab 21.11.2026zwei Orbiter, Wissenschaftsbetrieb ab April 2027

Die erste erfolgreiche Nahbetrachtung gelang der NASA-Sonde Mariner 10 per Swing-by an der Venus. Eine geschickt gewählte Bahn nach einer Idee des Italieners Giuseppe Colombo bescherte gleich drei statt nur einer Begegnung mit Merkur, 1974 und 1975.

Mariner 10 lieferte Bilder im sichtbaren, infraroten und ultravioletten Licht. Dabei entdeckte die Sonde das Magnetfeld – ein erster Hinweis auf einen teilweise flüssigen Planetenkern, was für einen so kleinen Himmelskörper ungewöhnlich ist.

Rund 30 Jahre später, 2004, startete die zweite NASA-Raumsonde, MESSENGER. Nach mehreren Vorbeiflügen ab 2008 schwenkte sie im März 2011 als erste Sonde in eine Umlaufbahn um Merkur ein. Die Mission endete am 30. April 2015, als der Treibstoff ausging und die Sonde planmäßig auf der Merkuroberfläche aufschlug.

BepiColombo: Ankunft am Merkur im November 2026

Seit 2018 ist die europäisch-japanische Doppelsonde BepiColombo unterwegs und hat Merkur bereits sechsmal im Vorbeiflug fotografiert. Am 3. September 2026 hat sie ihr Transfermodul abgetrennt, am 21. November 2026 soll sie in die Umlaufbahn einschwenken.

Danach trennen sich die beiden Orbiter: der europäische MPO und der japanische Mio, geplant am 9./10. Dezember 2026. Die eigentliche Forschung soll im April 2027 beginnen – unter anderem an Magnetfeld, Kern, Poleis und Einsteins Relativitätstheorie.

Merkur für Kinder erklärt: die wichtigsten Fakten

Merkur in 6 Sätzen:
  • Merkur ist der Planet, der am nächsten an der Sonne kreist.
  • Er ist der kleinste Planet – nur etwas größer als unser Mond.
  • Ein Jahr dauert dort nur 88 Tage. Du hättest also viermal so oft Geburtstag!
  • Tagsüber ist es heißer als in jedem Backofen, nachts kälter als am Südpol.
  • Merkur hat keinen Mond und fast keine Luft.
  • Du kannst ihn manchmal kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang als hellen Punkt tief am Himmel sehen.

Häufige Fragen zu Merkur

Wann kann man Merkur sehen?

Mehrmals im Jahr, jeweils rund um eine größte Elongation – dann steht Merkur ein bis zwei Wochen lang entweder morgens tief im Osten oder abends tief im Westen, immer in der Dämmerung. Die nächste gute Sichtbarkeit in Deutschland ist vom 11. November bis 5. Dezember 2026 am Morgenhimmel. Welches Fenster als Nächstes ansteht, steht in unserer monatlichen Himmelsvorschau: Sternenhimmel im September 2026.

Warum ist Merkur so schwer zu beobachten?

Er entfernt sich am Himmel nie mehr als etwa 28 Grad von der Sonne. Deshalb geht er fast immer mit ihr auf und unter – sichtbar ist er nur kurz in der Dämmerung, tief am Horizont.

Hat Merkur Monde?

Nein. Merkur und Venus sind die einzigen Planeten des Sonnensystems ohne Monde.

Ist Merkur ein Stern?

Nein, Merkur ist ein Planet – er leuchtet nicht selbst, sondern reflektiert das Licht der Sonne. Am Himmel sieht er allerdings aus wie ein heller Stern, die alten Griechen hielten ihn anfangs sogar für zwei verschiedene Sterne: Apollo am Morgen, Hermes am Abend.

Wie weit ist Merkur von der Erde entfernt?

Das schwankt zwischen 77,3 und 221,9 Millionen Kilometern, je nachdem, ob Merkur auf unserer Seite der Sonne oder hinter ihr steht. Im Durchschnitt ist er uns damit sogar näher als jeder andere Planet.

Wie alt ist Merkur?

Rund 4,5 Milliarden Jahre – er entstand zusammen mit der Sonne und den anderen Planeten.

Welche Raumsonde erforscht Merkur aktuell?

Die europäisch-japanische Mission BepiColombo soll am 21. November 2026 in eine Merkur-Umlaufbahn einschwenken – die erste europäische Sonde am innersten Planeten.

Wie du dir die Reihenfolge der Planeten dauerhaft merkst – von Merkur bis Neptun – zeigt unsere Seite Merksatz Planeten. Mehr über unser Sonnensystem als Ganzes findest du unter Sonnensystem.

Erhalte ein Probeheft kostenlos!