
Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Diese Seite stellt zwei kurzperiodische Kometen vor: 8P/Tuttle und 11P/Tempel-Swift-LINEAR – beide seit dem 19. Jahrhundert bekannt und bis heute Gegenstand der Forschung.
Im 18. und 19. Jahrhundert widmeten sich viele Astronomen der Suche nach Kometen. Seit Erfindung des Teleskopskonnte die Reise einiger Exemplare durch das Sonnensystem viel besser nachvollzogen werden.
Meist warteten die »Jäger« gespannt auf den kritischen Augenblick des Periheldurchgangs (Passage des sonnennächsten Punktes), der manche, auch kurzperiodische Kometen, zerbersten oder zumindest stark aufleuchten ließ. In einigen Fällen dauert die Erforschung der damaligen Entdeckungen bis heute an.
Kurzperiodischer Komet 8P/Tuttle
Viele Kometen, die heute auf kurzperiodischen Bahnen unser Sonnensystem durchstreifen, wurden vor langer Zeit aus einer viel längeren Bahn vom Gasriesen Jupiter »eingefangen«.
So scheint es auch mit 8P/Tuttle geschehen zu sein. Er »hängt« seit mindestens seiner Entdeckung im 18. Jahrhundert auf einer Periode von knappen 14 Jahren zwischen Erde und Saturn »fest«. Obwohl seine Bahn relativ erdnah verläuft, war er noch nie mit bloßem Auge sichtbar, selbst nicht während eines Periheldurchgangs.
Zwar wurde der Komet Anfang 1858 zu Ehren seiner vermeintlichen Entdeckung nach H. P. Tuttle benannt, doch einen Periheldurchgang zuvor hatte ihn Pierre Mechain erstmals beobachtet.
Die kurzperiodische Spur des Kometen 8P/Tuttle durch das Sonnensystem beschert Sternschnuppenfreunden eine alljährliche Vorweihnachtsfreude: Immer um den 21. Dezember glimmen die Ursiden aus dem Radianten im Sternbild »Kleiner Bär« (oder »Kleiner Wagen«) am Nordhimmel auf.
»Heimliche Reise« des Kometen 11P/Tempel-Swift-LINEAR
Eine ähnliche Mehrfachentdeckung fand einige Jahrzehnte später im Falle des Kometen 11P/Tempel-Swift-LINEAR statt. Der Franzose Tempel meldete Ende November 1869 die Entdeckung eines Kometen. 11 Jahre später beschrieb Lewis Swift einen kurzperiodischen Kometen, dessen Charakteristika identisch mit Tempels Notizen waren.
Die nächste geplante Beobachtung 1908 scheiterte, der Komet galt als ein weiterer der im Sonnensystem verschollenen Exemplare. Daraufhin wandten sich die Kometen»jäger« lohnenderen, weil sichtbaren Periheldurchgängen zu.
Das »Katz- und Maus-Spiel« begann erneut, als das LINEAR Programm Anfang Dezember 2001 den Kometen 11P/Tempel-Swift-LINEAR wiederfand. 2008 sollte der kurzperiodische Komet zwar das nächste Mal auftauchen, vollzog jedoch seinen Periheldurchgang auf der uns abgewandten Sonnenseite, womit er vorläufig wieder unbeobachtet bleibt.
Doch die Chancen auf eine vierte Entdeckung stehen gut. Einen vollständigen Umlauf im Sonnensystem vollzieht er alle etwa 6,4 Jahre.
