Polarlichter in Deutschland: Vorhersage für heute und die besten Orte (2026)

Grünes Polarlicht, fotografiert von der Internationalen Raumstation
Polarlicht aus Sicht der ISS. Bild: NASA

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026

Heute Nacht sehr unwahrscheinlich

Die Sonnenaktivität ist ruhig. Polarlichter sind in Deutschland heute Nacht nicht zu erwarten.

Aktueller Kp-Index: 0,0 · Stand 22.09.2026 19:17 Uhr

Der Kp-Index misst die Stärke des Erdmagnetfelds von 0 (ruhig) bis 9 (extremer Sturm). Für Deutschland wird es ab etwa Kp 5 interessant, ab Kp 7 auch abseits der Küsten.

Daten: NOAA Space Weather Prediction Center

Polarlichter sind farbige Leuchterscheinungen in 100 bis 400 Kilometern Höhe: Teilchen von der Sonne treffen dort auf Sauerstoff und Stickstoff der Erdatmosphäre und bringen sie zum Leuchten. In Deutschland siehst du sie nur bei starken geomagnetischen Stürmen, meist als rotes Leuchten über dem Nordhorizont.

⭐ Kurz gesagt: Ob es heute Nacht klappt, zeigt dir die Ampel oben. Ab Kp 6 lohnt sich im Norden der Blick nach draußen, ab Kp 7 auch in NRW, Hessen oder Sachsen, ab Kp 8 in Bayern und Baden-Württemberg. Der Sonnenzyklus hat sein Maximum hinter sich, bleibt aber bis etwa 2027 aktiv – die Chancen sind besser als in den meisten Jahren davor.

Polarlichter heute in Deutschland: die Vorhersage

Die Ampel ganz oben beantwortet die Frage für heute Nacht: Sie zeigt den zuletzt gemessenen Kp-Index und ordnet ihn für Deutschland ein. Darunter steht die Polarlicht-Vorhersage für die nächsten drei Nächte – beide Werte kommen vom Weltraumwetter-Dienst der NOAA und aktualisieren sich automatisch.

Nacht aufmax. KpEinschätzung
22.09.2,0Sehr unwahrscheinlich
23.09.5,3Möglich im Norden
24.09.3,7Sehr unwahrscheinlich

Wichtig zur Einordnung: Auch ein hoher Kp-Wert nützt nichts, wenn der Himmel bedeckt ist. Prüfe deshalb immer zusätzlich die Wolkenvorhersage für deinen Standort – und such dir einen Platz mit freiem Blick nach Norden.

Der Kp-Index: So liest du die Polarlicht-Vorhersage

Der Kp-Index misst, wie stark das Erdmagnetfeld gestört ist – von 0 (ruhig) bis 9 (Extremsturm). Je höher der Wert, desto weiter nach Süden dehnt sich das Polarlicht-Oval aus.

Kp-IndexSturm-StärkePolarlicht sichtbar bis …
Kp 5 (G1)schwacher SturmKüste/Norddeutschland (fotografisch)
Kp 6 (G2)mäßiger SturmNorddeutschland (mit Auge), Mitte fotografisch
Kp 7 (G3)starker SturmMitteldeutschland mit bloßem Auge
Kp 8 (G4)schwerer SturmSüddeutschland, kräftige Farben
Kp 9 (G5)Extremsturm (Mai 2024!)Ganz Deutschland bis in den Zenit, sogar Mittelmeer

Faustregel: Ab angekündigtem Kp 6–7 lohnt das Rausgehen, ab Kp 8 solltest du alles stehen und liegen lassen. Mehr als einen Tag im Voraus bleibt jede Vorhersage unsicher: Die Teilchenwolke eines Sonnensturms braucht ein bis drei Tage zur Erde, und wie stark sie ankommt, zeigt sich oft erst in der letzten Stunde.

Wie entstehen Polarlichter?

Die Sonne schleudert ständig geladene Teilchen ins All – den Sonnenwind. Bei Sonneneruptionen und sogenannten koronalen Massenauswürfen (CME) rast eine besonders dichte Teilchenwolke Richtung Erde. Unser Erdmagnetfeld lenkt diese Teilchen zu den Polen, wo sie in etwa 100 bis 400 Kilometern Höhe auf die Atmosphäre treffen.

FarbeLeuchtendes GasHöheWas das für Deutschland heißt
GrünSauerstoffetwa 100–250 kmdie typische Farbe im hohen Norden, bei uns nur bei starken Stürmen
RotSauerstoffüber etwa 250 kmin Deutschland oft die einzige sichtbare Farbe
Violett-blauStickstoffunterer Rand, um 100 kmselten, meist nur auf Fotos

Wichtig für Deutschland: Je stärker der Sturm, desto weiter dehnt sich das „Polarlicht-Oval” nach Süden aus. In unseren Breiten sehen wir meist den roten Hochatmosphären-Anteil über dem Nordhorizont – bei Extremstürmen wie im Mai 2024 stand das Leuchten sogar im Zenit.

Wann stehen die Chancen am besten?

  • Sonnenaktivität: Der aktuelle Sonnenzyklus 25 hat 2024 sein Maximum erreicht – die Jahre bis etwa 2027 bleiben überdurchschnittlich aktiv. Wie es um die Sonnenaktivität gerade steht, erklären wir im eigenen Beitrag.
  • Jahreszeit: Rund um die Tagundnachtgleichen (März/April und September/Oktober) sind geomagnetische Stürme statistisch am häufigsten. Im Hochsommer stören die hellen Nächte, im Winter helfen die langen.
  • Uhrzeit: Meist zwischen 22 und 2 Uhr – aber Stürme halten sich nicht an Dienstpläne. Entscheidend ist der Live-Alarm.
  • Mond: Neumondnahe Nächte zeigen auch schwache Polarlichter – der Vollmondkalender verrät dir die dunklen Nächte.

Für die Polarlichter selbst brauchst du übrigens keine Ausrüstung – sie sind ein Naked-Eye-Ereignis, dazu unten mehr. Genau die Nächte, in denen sie eine Chance haben, sind aber auch die klaren, mondlosen Nächte, in denen der restliche Himmel etwas hergibt.

Wenn dich das Warten am Nordhorizont neugierig gemacht hat: Was für den Anfang wirklich taugt – und wann ein Fernglas die bessere Wahl ist – steht in der Kaufberatung für Einsteiger. Die Kameraseite deckt der Überblick zur Astrofotografie ab.

Wo in Deutschland kannst du Polarlichter sehen?

Je weiter nördlich du stehst, desto schwächer darf der Sturm sein. An der Küste reicht oft schon Kp 5 für ein Foto, in Bayern braucht es meist Kp 8. Wichtiger als das Bundesland ist aber der freie, dunkle Blick nach Norden.

RegionMit bloßem Auge ab etwaWo du am besten hinfährst
Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, NordseeküsteKp 6Deiche und Strände mit Blick aufs Meer – nach Norden hellt dort keine Stadt mehr den Horizont auf.
Berlin, Brandenburg, NiedersachsenKp 6–7Der Sternenpark Westhavelland rund 70 km westlich von Berlin oder offenes Flachland nördlich der Städte.
NRW, Hessen, Thüringen, SachsenKp 7Höhenlagen wie Eifel, Sauerland oder Rhön – an einer Stelle, nördlich von der keine Großstadt liegt.
Bayern, Baden-WürttembergKp 8Anhöhen mit freiem Nordblick, etwa in der Rhön, im Frankenwald oder auf der Schwäbischen Alb. Alpentäler sind ungünstig, weil die Berge den Nordhorizont verdecken.
Fotografisch klappt es jeweils etwa eine Kp-Stufe früher.

Eine eigene Vorhersage für NRW, Berlin oder Bayern gibt es nicht – ein Sturm betrifft ganz Mitteleuropa gleichzeitig. Lies den Kp-Wert in der Ampel und vergleich ihn mit der Zeile deiner Region.

Wo es in Deutschland wirklich dunkel ist, zeigt unsere Übersicht der Sternenparks im Beitrag über Lichtverschmutzung. Für Polarlichter zählt davon nur die Nordseite des Himmels.

Polarlicht-Apps, Karten und Vorhersagen im Vergleich

Jede Polarlicht-App rechnet mit denselben Messdaten – meist von der NOAA, beim Kp-Index auch vom GFZ Potsdam. Der Unterschied liegt darin, wie schnell sie warnen und wie gut sie die Werte für Deutschland übersetzen.

DienstWas du bekommstEhrlich dazu
NOAA SWPC (swpc.noaa.gov)Kp-Vorhersage für drei Tage, Polarlicht-Karte (Ovation-Modell) für die nächste halbe Stunde, Sonnenwind-LivedatenEnglisch und auf Nordamerika zugeschnitten; Mitteleuropa liegt auf der Karte am Rand.
GFZ Potsdam (Kp-Index)Den offiziellen Kp-Index: Das GFZ berechnet ihn aus Magnetfeldmessungen weltweit und veröffentlicht dazu eine Kp-Prognose.Die Referenz für den Kp-Wert, aber nüchtern aufbereitet und ohne Alarm aufs Handy.
polarlicht-vorhersage.deDeutschsprachige Einordnung, Warnungen und Sichtungsmeldungen aus DeutschlandDie Meldungen anderer Beobachter zeigen dir, ob es gerade wirklich leuchtet – oft zuverlässiger als jede Zahl.
Apps wie SpaceWeatherLive oder My Aurora ForecastPush-Alarm bei steigendem Kp, Karte mit dem Polarlicht-OvalViele warnen schon bei Kp 5 – für Deutschland meist ein Fehlalarm. Stell die Schwelle auf Kp 6 oder 7.

Für die letzte Stunde zählt ein zweiter Wert: Bz. Er beschreibt die Richtung des Magnetfelds im Sonnenwind. Zeigt er deutlich nach Süden (negative Werte), koppelt der Sturm ans Erdmagnetfeld an, und der Kp-Wert steigt oft innerhalb einer Stunde.

⚠️ Vorsicht bei Prozentangaben für deinen Ort: Die Polarlicht-Karten und -Radare rechnen mit Modellen für den hohen Norden. Für Deutschland ist ein Foto Richtung Norden der zuverlässigere Test – zeigt es Farbe, läuft ein Polarlicht.

Der richtige Standort und die Beobachtung

  • Freier, dunkler Nordhorizont – raus aus der Stadt, Lichtverschmutzung Richtung Norden ist der häufigste Spielverderber.
  • Augen 20–30 Minuten anpassen lassen – kein Handylicht (oder Rotlicht-Modus).
  • Geduld: Polarlicht kommt in Wellen („Substürme”) – oft leuchtet es 20 Minuten schwach, dann explodiert der Himmel für zehn Minuten.
  • Kein Fernglas nötig! Polarlichter sind ein Naked-Eye-Ereignis – deine Augen (und die Kamera) reichen völlig.

Ein einziges Ausrüstungsstück lohnt sich trotzdem – und es ist keins zum Hingucken, sondern eins zum Nicht-Blenden. Zwanzig Minuten Dunkeladaption sind mit einem weißen Blick aufs Display sofort weg.

Genau in der Wartezeit zwischen zwei Substürmen greift aber jeder zum Handy. Eine umschaltbare Omegon LED-Stirnlampe (rot/weiß) für 14,90 € löst das: rotes Licht zum Kramen und Einstellen, weißes erst auf dem Rückweg zum Auto.

Mehr braucht eine Polarlichtnacht nicht. Wer im Netz Filter, Ferngläser oder Teleskope für Polarlichter empfohlen bekommt, kann sie ohne schlechtes Gewissen liegen lassen.

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Für Polarlichter brauchst du kein Teleskop – das steht oben und bleibt richtig.
Für den Rest des Himmels sieht es anders aus: Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per E-Mail – auch dann, wenn ein Fernglas reicht oder gar nichts nötig ist.

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Warum die Kamera mehr sieht als du

Unsere Nachtsicht ist fast farbenblind – schwache Polarlichter wirken fürs Auge wie graue Schleier. Eine Kamera (oder der Nachtmodus deines Smartphones!) sammelt dagegen mehrere Sekunden Licht und zeigt sattes Grün und Rot.

Deshalb gilt: Im Zweifel Richtung Norden fotografieren – wenn auf dem Bild Farbe erscheint, läuft ein Polarlicht. Die komplette Anleitung mit allen Einstellungen für iPhone, Samsung und Spiegelreflex findest du in unserem Guide Polarlichter fotografieren – ergänzend lohnt der Blick in Astrofotografie mit dem Smartphone.

Häufige Fragen zu Polarlichtern in Deutschland

Kann man in Deutschland wirklich Polarlichter sehen?

Ja – im Mai und Oktober 2024 gab es die stärksten Polarlichter über Deutschland seit Jahrzehnten, sichtbar bis zu den Alpen. Bei Kp 7 und mehr hat jeder mit dunklem Nordblick eine Chance.

Ab welchem Kp-Index sieht man Polarlichter in Deutschland?

Mit bloßem Auge im Norden ab etwa Kp 6, in der Mitte ab Kp 7 und im Süden ab Kp 8. Fotografisch reicht jeweils eine Stufe weniger, an der Küste also schon Kp 5.

Wie oft gibt es Polarlichter in Deutschland?

In aktiven Jahren wie jetzt: mehrmals pro Jahr mit bloßem Auge, fotografisch im Norden fast monatlich. In ruhigen Sonnenjahren können dagegen Jahre ohne Sichtung vergehen – deshalb: Die aktuelle Aktivitätsphase nutzen!

Welche Uhrzeit ist am besten?

Statistisch 22 bis 2 Uhr, aber entscheidend ist der Sturm-Zeitpunkt. Ein Vorhersage-Alarm (App oder polarlicht-vorhersage.de) ist wichtiger als jede Uhrzeit-Regel.

Braucht man ein Teleskop für Polarlichter?

Nein – Polarlichter füllen den halben Himmel, ein Teleskop wäre kontraproduktiv. Wenn du in der Wartezeit trotzdem den Sternenhimmel erkunden willst: Der Monats-Guide zeigt, was gerade zu sehen ist.

Wie stark die Polarlichtsaison ausfällt, hängt direkt von der Sonnenaktivität ab. Wie viele Sonnenflecken derzeit sichtbar sind, wo Zyklus 25 steht und warum die besten Jahre oft erst nach dem Maximum kommen, erklären wir im eigenen Beitrag.