Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Polarlichter über Deutschland – was früher eine Sensation war, ist rund um das aktuelle Sonnenmaximum immer wieder möglich. Doch wer dann mit dem Handy einfach drauflos knipst, bekommt oft nur ein schwarzes Bild mit ein paar Lichtpunkten. Dabei ist Polarlicht-Fotografie kein Hexenwerk: Mit den richtigen Einstellungen gelingen beeindruckende Aufnahmen sogar mit dem Smartphone – die Kamera sieht nämlich mehr Farben als dein Auge. Hier findest du die konkreten Einstellungen für Handy, iPhone, Samsung und Spiegelreflex- bzw. Systemkamera.
⚡ Die Antwort in Kürze:
Polarlichter fotografierst du mit Stativ, ISO 1600–3200, offener Blende (f/1.8–f/2.8) und 2–5 Sekunden Belichtungszeit, Fokus manuell auf unendlich. Mit dem Smartphone reicht oft der Nachtmodus (iPhone ab Modell 11, Samsung ab S10) – Handy ruhig auflegen oder ans Stativ, 3–10 Sekunden belichten lassen. Wichtig: Die Kamera zeigt kräftigere Farben, als du mit bloßem Auge siehst.
Ein Teleskop brauchst du für Polarlichter ausdrücklich nicht – Weitwinkel und Stativ sind hier klar im Vorteil. Wenn dich die Nacht darüber hinaus packt, ist ein Fernglas der günstigste nächste Schritt, und die Kaufberatung für Einsteiger zeigt, ab wann sich ein Teleskop wirklich lohnt.
Warum gerade jetzt fotografieren? Das Sonnenmaximum
Die Sonne durchläuft einen etwa elfjährigen Aktivitätszyklus – und wir befinden uns aktuell in einer sehr aktiven Phase. Starke Sonnenstürme schleudern geladene Teilchen Richtung Erde, die in der Hochatmosphäre Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten bringen. Das Ergebnis: Polarlichter, die bei starken Ereignissen (ab Kp-Index 7) bis nach Süddeutschland sichtbar werden. Wann und wo du sie siehst und wie der Kp-Index funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Polarlichter in Deutschland.
💡 Gut zu wissen: Deine Kamera ist lichtempfindlicher als dein Auge. Selbst wenn du am Himmel nur einen blassen grauen Schleier erkennst, kann das Foto bereits kräftiges Grün und Violett zeigen. Ein Testfoto Richtung Norden lohnt sich also immer, wenn die Polarlicht-Vorhersage gut ist!
Diese Ausrüstung brauchst du wirklich
Die gute Nachricht: Für den Einstieg brauchst du keine teure Ausrüstung. Das Wichtigste ist Stabilität, denn bei mehreren Sekunden Belichtungszeit verwackelt jedes aus der Hand gehaltene Foto.
- Stativ – das mit Abstand wichtigste Zubehör. Zur Not funktionieren auch eine Mauer, ein Autodach oder ein an die Jacke gelehntes Handy.
- Kamera oder Smartphone – jede Kamera mit manuellem Modus (M) eignet sich; bei Smartphones jedes Modell mit Nachtmodus oder Pro-Modus.
- Fernauslöser oder Selbstauslöser (2 s) – verhindert Verwackeln beim Auslösen.
- Ersatzakkus – Kälte entlädt Akkus doppelt so schnell. Ersatzakku warm in der Innentasche aufbewahren.
- Stirnlampe mit Rotlicht – rotes Licht erhält deine Dunkeladaption und blendet andere Beobachter nicht. Umschaltbar zwischen Rot und Weiß und damit auch für den Blick in die Kameratasche brauchbar ist die Omegon LED-Stirnlampe (rot/weiß) für 14,90 €. Die zwanzig Minuten Dunkeladaption, die du dir erstanden hast, sind mit einem weißen Blick in die Linse wieder weg.
- Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (optional) – ideal sind 14–24 mm mit f/2.8 oder besser, denn Polarlichter füllen oft den halben Himmel.
Was du für Polarlichter ausdrücklich NICHT brauchst
Kein Teleskop. Polarlichter füllen oft den halben Himmel – ein Teleskop zeigt davon einen Ausschnitt von der Größe eines Daumennagels. Es ist für dieses Motiv schlicht das falsche Werkzeug.
Keine Nachführung. Eine Fotomontierung gleicht die Erddrehung aus, damit Sterne bei langen Belichtungen Punkte bleiben. Das Polarlicht bewegt sich aber deutlich schneller als der Sternhimmel, und bei 2 bis 5 Sekunden Belichtung spielt die Erddrehung ohnehin keine Rolle.
Kein teures Spezialobjektiv zum Anfangen. Das mitgelieferte Kit-Objektiv liefert bei offener Blende brauchbare Bilder. Erst wenn du regelmäßig draußen stehst, lohnt der Sprung auf f/2.8 oder lichtstärker.
Wir verlinken auf dieser Seite bewusst kein Teleskop und keine Montierung: Für Polarlichter brauchst du Stativ, Kamera, warme Kleidung und höchstens eine Rotlicht-Stirnlampe – das einzige Teil, zu dem oben eine konkrete Empfehlung steht. Alles andere ist kein Spezialzubehör, zu dem wir dich hier beraten müssten. Was wirklich hilft, steht oben in der Liste.
Welche Kamera sich generell für Aufnahmen des Nachthimmels eignet, zeigt unser großer Ratgeber Astrofotografie-Kamera.

Polarlichter mit dem Handy fotografieren
Moderne Smartphones sind erstaunlich gut in der Nachtfotografie – oft besser als ältere Kompaktkameras. Der Schlüssel ist der Nachtmodus: Dabei nimmt das Handy mehrere Sekunden lang viele Einzelbilder auf und verrechnet sie zu einem hellen, rauscharmen Foto.
iPhone: Nachtmodus richtig nutzen
Ab dem iPhone 11 aktiviert sich der Nachtmodus (Mond-Symbol oben links) bei Dunkelheit automatisch. So holst du das Maximum heraus: Tippe auf das Mond-Symbol und ziehe den Regler auf die maximale Belichtungszeit – aus der Hand meist 3 Sekunden, mit Stativ oder aufgelegtem iPhone bis zu 30 Sekunden (das iPhone erkennt selbst, dass es stabil steht, und schaltet die längeren Zeiten frei). Den Blitz ausschalten, 0,5×-Ultraweitwinkel für viel Himmel wählen und am besten im ProRAW-Format (ab iPhone 12 Pro) fotografieren, falls du später nachbearbeiten willst.
Samsung & Android: Nachtmodus oder Pro-Modus
Bei Samsung-Galaxy-Modellen (ab S10) heißt die Funktion schlicht „Nachtmodus” – bei stabiler Auflage belichtet auch er automatisch länger. Noch mehr Kontrolle bietet der Pro-Modus (bei Top-Modellen zusätzlich die App „Expert RAW”): Dort stellst du ISO, Belichtungszeit und Fokus manuell ein. Ähnliche Pro-Modi haben auch Google Pixel („Astrofotografie-Modus” – aktiviert sich im Nachtsichtmodus automatisch auf dem Stativ), Xiaomi und andere Hersteller.
| Einstellung (Pro-Modus) | Empfohlener Wert |
|---|---|
| ISO | 800–3200 |
| Belichtungszeit | 2–10 Sekunden |
| Fokus | Manuell auf unendlich (∞) |
| Weißabgleich | 3500–4500 Kelvin |
| Format | RAW (falls verfügbar) |
| Blitz & HDR | Aus |
Mehr Grundlagen und Tricks rund um Nachtaufnahmen mit dem Handy findest du in unserem Guide Astrofotografie mit dem Smartphone.
Kamera-Einstellungen für Spiegelreflex & Systemkamera
Mit einer „richtigen” Kamera hast du die volle Kontrolle – und deutlich mehr Reserven für großformatige Abzüge. Stelle auf den manuellen Modus (M) und starte mit diesen Werten:
| Einstellung | Startwert | Anpassung |
|---|---|---|
| Blende | f/2.8 (oder offenste) | So offen wie möglich – jedes Licht zählt |
| ISO | 1600–3200 | Bei hellen Polarlichtern runter auf 800, bei schwachen bis 6400 |
| Belichtungszeit | 3–5 Sekunden | Schnell tanzende Bänder: 1–3 s · schwaches Glimmen: 10–15 s |
| Fokus | Manuell, auf unendlich | Im Live-View an einem hellen Stern scharfstellen |
| Weißabgleich | 3500–4500 K | Bei RAW-Aufnahme nachträglich anpassbar |
| Format | RAW | Maximale Reserven für die Nachbearbeitung |
| Bildstabilisator | Aus | Auf dem Stativ kann er paradoxerweise Unschärfe erzeugen |
💡 Profi-Tipp – die 500er-Regel: Damit Sterne als Punkte und nicht als Striche erscheinen, teile 500 durch deine Brennweite (Kleinbild-äquivalent). Beispiel: Bei 20 mm Brennweite sind maximal 500 ÷ 20 = 25 Sekunden möglich. Für Polarlichter bleibst du ohnehin meist deutlich darunter, sonst verschwimmen die Strukturen der Lichtbänder.
Standort und Zeitpunkt: die halbe Miete
Das beste Foto-Setup nützt nichts am falschen Ort. Drei Faktoren entscheiden über Erfolg oder Frust:
- Freie Sicht nach Norden: In Deutschland erscheinen Polarlichter fast immer am Nordhorizont. Suche dir einen erhöhten Standort ohne Bäume, Häuser oder Ortschaften im Norden – ideal sind Küsten, Feldwege oder Hügel.
- Dunkler Himmel: Je weniger Lichtverschmutzung, desto mehr siehst du. Schon 20–30 km Abstand zur nächsten Stadt machen einen riesigen Unterschied. Eine Lichtverschmutzungskarte hilft bei der Suche.
- Gutes Timing: Beobachte die Polarlicht-Vorhersage (Kp-Index) mit Apps wie My Aurora Forecast oder den Warnungen des Polarlicht-Archivs. Die besten Stunden sind meist zwischen 22 und 2 Uhr. Mondlose Nächte oder Halbmond sind ideal – Vollmond überstrahlt schwache Polarlichter.
Schritt für Schritt: So läuft die Polarlicht-Nacht ab
- Vorher: Standort bei Tageslicht auschecken, Akkus laden, warme Kleidung (du stehst stundenlang still!).
- Aufbau: Stativ stabil aufstellen, Kamera nach Norden ausrichten, Weitwinkel wählen.
- Fokussieren: Im Live-View einen hellen Stern maximal vergrößern und manuell scharfstellen – danach den Fokus nicht mehr berühren.
- Testfoto: Mit den Startwerten aus der Tabelle ein Bild machen und am Display kontrollieren (Histogramm beachten, nicht nur Helligkeit).
- Anpassen: Zu dunkel? ISO oder Zeit erhöhen. Strukturen verwischt? Belichtungszeit verkürzen.
- Komposition: Nimm einen Vordergrund ins Bild – Bäume, ein See mit Spiegelung oder eine Silhouette machen aus einem Himmelsfoto ein Bild mit Geschichte.
- Genießen nicht vergessen: Leg zwischendurch die Kamera beiseite. Ein starkes Polarlicht über Deutschland erlebst du nicht jede Woche!
Nachbearbeitung: das i-Tüpfelchen
Aus RAW-Dateien holst du mit wenigen Handgriffen deutlich mehr heraus: Weißabgleich fein justieren, Kontrast und Klarheit leicht anheben, Rauschreduzierung dosiert einsetzen. Kostenlose Apps wie Snapseed (Handy) oder Programme wie Darktable und Lightroom reichen dafür völlig. Wichtig: Farben nur moderat verstärken – die Kamera zeigt ohnehin schon mehr, als das Auge sah, und übersättigte Polarlicht-Fotos wirken schnell unnatürlich.
Du willst tiefer einsteigen und auch Milchstraße, Mond und Deep-Sky-Objekte fotografieren? Dann ist unsere Übersicht Astrofotografie für Einsteiger der richtige nächste Schritt.
🌌 Und wenn dich die Nacht nicht mehr loslässt?
Wer einmal ein Polarlicht auf dem Display hatte, will meistens mehr: Milchstraße, Mond, Andromeda. Dort fängt echte Ausrüstung an – und dort lohnt sich auch die Beratung. Der Einstieg steht in Astrofotografie für Einsteiger, die günstige Variante in Einstieg in die Astrofotografie, und wie du den Mond fotografierst, zeigt Mond fotografieren.
Häufige Fragen zum Polarlichter-Fotografieren
Kann man Polarlichter mit dem Handy fotografieren?
Ja – jedes Smartphone mit Nachtmodus (iPhone ab 11, Samsung ab S10, Google Pixel ab 3) kann Polarlichter aufnehmen. Entscheidend sind eine stabile Auflage und mehrere Sekunden Belichtungszeit. Die Handy-Kamera zeigt dabei oft mehr Farbe, als du mit bloßem Auge siehst.
Welche ISO-Einstellung für Polarlichter?
Starte mit ISO 1600–3200. Bei hellen, aktiven Polarlichtern kannst du auf ISO 800 heruntergehen (weniger Rauschen), bei schwachem Glimmen sind bis ISO 6400 nötig. Grundregel: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Warum sieht die Kamera mehr als das Auge?
Das menschliche Auge sieht nachts hauptsächlich mit den farbunempfindlichen Stäbchen – schwache Polarlichter erscheinen daher grau. Ein Kamerasensor sammelt dagegen über mehrere Sekunden Licht und registriert die grünen und roten Farbtöne, die dem Auge entgehen.
Welche App sagt Polarlichter vorher?
Bewährt haben sich My Aurora Forecast und Aurora Alerts sowie die Warnmeldungen des deutschen Polarlicht-Archivs. Entscheidend ist der Kp-Index: Ab Kp 7 stehen die Chancen auch in Mittel- und Süddeutschland gut.
Braucht man unbedingt ein Stativ?
Für scharfe Fotos: ja. Bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden verwackelt jedes freihändige Bild. Improvisieren geht aber: Handy an eine Mauer lehnen, Kamera auf ein Autodach mit Jacke als Unterlage legen – Hauptsache absolut ruhig.
Wann kann man in Deutschland Polarlichter fotografieren?
Grundsätzlich in jeder klaren, dunklen Nacht mit hoher Sonnenaktivität – am häufigsten rund um die Tagundnachtgleichen im Frühjahr und Herbst. Alles über Sichtbarkeit, Kp-Index und Vorhersagen liest du in unserem Ratgeber Polarlichter in Deutschland.