
Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Die Sonnenaktivität umfasst die Vorgänge auf und über der Sonnenoberfläche – allen voran die Sonnenflecken und ihre Zyklen. Als Weltraumwetter wirkt sie bis in die Umgebung der Erde.
Im Innern der Sonne finden gewaltige Energieumsetzungen statt. Diese Mechanismen wirken sich nicht allein auf unser Zentralgestirn selbst aus, sondern beeinflussen die Weltraumumgebung. Ohne diese Ausstrahlung bliebe zum Beispiel unsere Erde ein lebloser Felsbrocken.
Doch mit dem Weltraumwetter gelangen auch Probleme auf jeden bestrahlten Himmelskörper, die im Jahr 2012 auf großes Medieninteresse, bei weniger informierten Menschen gar auf Besorgnis stoßen. Die »heiße Zwiebel« im Zentrum unseres Sonnensystems besser zu verstehen, kann einige ungewöhnliche Sonnenaktivitäten logisch erklären.
Die eigentliche Oberfläche der Sonne
Obwohl die Sonne ein Stern und kein Planet ist, besitzt auch sie einen Kern in ihrem Inneren. Er besteht jedoch nicht »nur« aus Magma, sondern ist ein gewaltiger Fusions»brennofen«, das Zentrum aller Sonnenaktivitäten.
Bevor die dort erzeugten Photonen in den Weltraum entweichen können, müssen sie viele weitere Schichten in unserem Zentralgestirn durchqueren. Am Rand der Konvektionszone enden die Streuungs- und Bindungskräfte. Von hier aus erreicht die lebensspendende – und zuweilen Besorgnis erregende – Energie auch unsere Erde.
Obwohl alle »Schalen« der Sonne nicht so deutlich voneinander abgegrenzt sind wie beispielsweise die inneren Strukturen der Erde, definieren sich sehr starke Veränderungen in Dichte, Energieumsatz und natürlich der herrschenden Temperaturen.
So gilt die Photosphäre als Oberfläche unseres Zentralgestirns, weil die Dichte der Konvektionszone nach hier schlagartig abnimmt. Die »Außenhaut« der Sonne glüht dort immer noch mit 5.800 Kelvin. Geringfügig wird die hier frei gesetzte Sonnenaktivität in der darüber liegenden »Haut« absorbiert.
Übergang in die »Sonnenatmosphäre«
Die Strahlungsleistung der etwa 300 bis 400 km dicken Photosphäre durchdringt fast ungehindert die nächste »Schalenschicht« der Sonne, ihre Chromosphäre. Hier verursacht eine hauchfeine Masseschicht aus Wasserstoff und Helium einen rötlichen, zackigen »Farbmantel«.
Ohne spezielle Sonnenfilter (H-alpha-Filter) sieht man diesen »Kranz« von der Erde aus nur als schwachen Schimmer während einer totalen Sonnenfinsternis. Einerseits verringert sich hier die Gasdichte schlagartig weiter, andererseits heizen die Sonnenaktivitäten unser Zentralgestirn so auf, dass es hier mit 6.000 – 10.000 K erheblich heißer ist als an der darunter liegenden Oberfläche.
Als Astronomen noch keine Möglichkeit hatten, mit Hochleistungsteleskopen und wirksamem Blendschutz die Sonne zu beobachten, war unser Zentralgestirn ein unberechenbares Mysterium. Mit der Entdeckung des Teleskops und der Entwicklung immer besserer Sonnenfilter konnten Fragen beantwortet und die Energiearbeit der Sonne nach Zyklen erforscht werden.
Wie in vielen anderen astronomischen Fällen gibt uns die Sonnenaktivität für jede vermeintliche Antwort allerdings auch neue Rätsel auf. Die derzeitige Erhöhung der Sonnenphänomene, am bekanntesten der Sonnenflecken, löst Unsicherheit bei den Menschen hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die Erde und Sorge unter Astronomen und Medien aus.
Zyklen und Ursache der Sonnenflecken
Der sicherste Maßstab, um einen eher stillen oder unberechenbar aktiven Zyklus der Sonne zu bestimmen, sind Sonnenflecke. Ihre Erforschung wird seit 1749 schriftlich festgehalten. Würde unsere Zeitrechnung sich nach Sonnenaktivitäten berechnen, befänden wir uns seit damals im 25. Zyklus – er hat im Dezember 2019 begonnen und sein Maximum 2024/25 überschritten. Das bedeutet, 25 Mal kochte seit damals die Sonne eher still »vor sich hin« und schleuderte ebenso oft verstärkt Strahlung und Material in den sie umgebenden Raum – auch in Richtung Erde.
Sonnenflecke sind das Produkt verschiedener Magnetfelder der Sonne. Dort, wo die dunklen Stellen in der Photosphäre der Sonne auftreten, kühlt die Oberflächentemperatur um bis zu 2000 K unter die ansonsten übliche Sterntemperatur ab. Je nach der momentanen Phase des Zyklus verbinden sich sehr häufig (bei hoher Sonnenaktivität) oder eher selten Magnetfelder (in der Zeit nach einem Maximum) unterschiedlicher Polarität miteinander. Die bei diesem Prozess abgegebene Energie schießt als »Flare« einen Teil Sonnenmaterial ins Weltall. Bei besonders heftigen Flares erreicht Material solcher Sonnenstürme zuweilen auch die Erde.
Geomagnetischer Sturm: was dabei im Erdmagnetfeld passiert
Ein geomagnetischer Sturm ist eine vorübergehende, weltweite Störung des Erdmagnetfelds, ausgelöst von einer Wolke geladener Teilchen aus der Sonne. Der Auslöser ist fast immer ein koronaler Massenauswurf – eine Plasmawolke, die bei einem Flare von der Sonne weggeschleudert wird und ein bis drei Tage bis zur Erde braucht.
Trifft sie auf das Erdmagnetfeld, staucht sie es auf der Tagseite zusammen und zieht es auf der Nachtseite in die Länge. Aus dieser Verformung entstehen die beiden Dinge, die man auf der Erde merkt: Polarlichter und Ströme in langen Leitungen.
Die zweite Ursache ist unspektakulärer, aber häufiger. Aus koronalen Löchern strömt schneller Sonnenwind, der in der abklingenden Phase eines Zyklus regelmäßig schwächere Stürme auslöst – wie dieser Teilchenstrom entsteht, steht im Ratgeber zum Sonnenwind.
Die G-Skala: wie Stärke gemessen wird
Gemessen wird die Störung im Kp-Index von 0 bis 9. Ab Kp 5 spricht man von einem Sturm; die US-Wetterbehörde NOAA übersetzt das in ihre G-Skala von G1 bis G5.
| Stufe | Kp | Was passiert |
|---|---|---|
| G1 – schwach | 5 | Polarlichter über Skandinavien und Schottland |
| G2 – mäßig | 6 | Polarlichter bis Norddeutschland möglich |
| G3 – stark | 7 | Sichtung in ganz Deutschland möglich, erste Funkstörungen |
| G4 – schwer | 8 | Polarlichter bis in die Alpenländer, Probleme in Stromnetzen |
| G5 – extrem | 9 | Sichtung bis Mittelmeer, Satelliten und Netze deutlich betroffen |
Welcher Kp-Wert für deinen Standort reicht und wo du die aktuelle Vorhersage findest, steht ausführlich im Ratgeber zu Polarlichtern in Deutschland.
Drei Stürme, die etwas angerichtet haben
Das Carrington-Ereignis vom 1./2. September 1859 gilt bis heute als stärkster beobachteter Sturm. Telegrafenleitungen sprühten Funken, einzelne Stationen arbeiteten weiter, nachdem die Betreiber die Batterien abgeklemmt hatten.
Am 13. März 1989 legte ein Sturm das Stromnetz der kanadischen Provinz Québec lahm. Rund sechs Millionen Menschen saßen neun Stunden ohne Strom da – ausgelöst von induzierten Strömen, die die Transformatoren überlasteten.
Im Februar 2022 verlor SpaceX einen Großteil von 49 frisch gestarteten Starlink-Satelliten. Der Sturm hatte die Hochatmosphäre aufgeheizt und ausgedehnt, die Reibung in der niedrigen Bahn stieg an, die Satelliten verglühten.
Wie oft solche Ereignisse auftreten, hängt direkt am Fleckenzyklus: je mehr Sonnenflecken, desto mehr Massenauswürfe. Deshalb häuften sich die starken Stürme rund um das Maximum von Zyklus 25 im Oktober 2024.
Sonnenflecken selbst sehen – womit es sicher geht
Von allem, was hier beschrieben ist, siehst du im eigenen Fernrohr genau eine Sache: die Flecken. Flares und Protuberanzen brauchen ein H-alpha-Gerät, und das fängt im vierstelligen Bereich an. Eine größere Fleckengruppe dagegen steht schon in einem kleinen Teleskop deutlich im Bild – vorausgesetzt, vor der Öffnung sitzt ein zertifizierter Filter.
Am günstigsten geht das mit Filterfolie zum Selbstbau: Die Baader AstroSolar ECO-size Folie OD 5.0 (14x15,5 cm) kostet 25 € und reicht für einen Teleskopfilter bis rund 130 mm Öffnung oder für zwei Fernglasfilter. Wer nicht basteln will, nimmt den fertig gefassten Omegon Sonnenfilter 50 mm (Seestar S50 & Ferngläser) für 34,90 €. Beides gehört vor das Objektiv, niemals ans Okular.
Was ausdrücklich nicht reicht, ist eine Sonnenfinsternis-Brille. Sie ist sicher, aber sie vergrößert nicht – ohne Vergrößerung bleiben Sonnenflecken bis auf sehr seltene Riesengruppen unsichtbar. Welche Filter taugen, wie du die Folie fasst und welche Fehler gefährlich sind, steht im Ratgeber Sonne sicher beobachten.
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Historische Rekonstruktion von Auswirkungen auf die Erde
Einerseits ist es in Zeiten mit nur wenigen Sonnenflecken nachgewiesen auch auf der Erde kühler. So wurde für Mitte des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts auf der Sonne erstmals ein »Maunderminimum« nachgewiesen – eine Zeit fast ohne Sonnenflecken, in der auch die Sonne wesentlich geringer zu uns strahlte und eine »Kleine Eiszeit« entstand. Dass Klimaveränderungen im jeweiligen Zyklus geringerer Sonnenstrahlung bewirkt werden können, gilt als sichere Erkenntnis. Doch ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Erdklima noch nicht umfassend nachgewiesen.
Die vielleicht wichtigste Folge der Sonnenaktivität verlässt die Sonne unablässig und in alle Richtungen: der Sonnenwind. Wie dieser Teilchenstrom entsteht, wie schnell er ist und was er auf der Erde auslöst, erklären wir ausführlich im eigenen Ratgeber.
Und wenn du die Sonnenaktivität nicht nur nachlesen, sondern selbst sehen willst: Flecken und Protuberanzen sind mit dem richtigen Filter schon in einem kleinen Teleskop zu erkennen – ohne Filter kostet derselbe Blick das Augenlicht. Wie es sicher geht, welche Filter taugen und welche du auf keinen Fall benutzen darfst, steht im Ratgeber Sonne sicher beobachten.
