
Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Kurzantwort: Am Äquator rotiert die Erdoberfläche mit rund 1.670 km/h. In Deutschland (ca. 50° Breite) sind es noch etwa 1.070 km/h – schneller als ein Verkehrsflugzeug.
Warum spüren wir nichts davon?
Aus demselben Grund, aus dem du im ICE bei Tempo 300 entspannt Kaffee trinkst: Die Geschwindigkeit ist konstant. Alles um uns herum – Luft, Ozeane, wir selbst – rotiert mit. Spürbar wäre nur eine Änderung der Geschwindigkeit.
Indirekt verrät sich die Rotation trotzdem: durch Tag und Nacht, die Abplattung der Erde, den Corioliseffekt (Drehrichtung von Tiefdruckgebieten) und das berühmte Foucaultsche Pendel.
In welche Richtung dreht sich die Erde? Von West nach Ost
Die Erde dreht sich von West nach Ost – vom Nordpol aus gesehen gegen den Uhrzeigersinn. Deshalb geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter, und Mond und Sterne machen es ihr nach.
Für Sterngucker heißt das auch: Der Himmel dreht sich scheinbar um den Polarstern – einmal in rund 23 Stunden 56 Minuten (siderischer Tag). Auch um die Sonne läuft die Erde in dieselbe Richtung, von Norden aus betrachtet also gegen den Uhrzeigersinn.
Ausnahmen im Sonnensystem: Die Venus dreht sich rückwärts, von Ost nach West – dort ginge die Sonne im Westen auf, allerdings nur etwa alle 117 Erdtage. Uranus rotiert fast auf der Seite liegend (Achsneigung rund 98°), alle anderen Planeten drehen sich wie die Erde.
Dazu kommt: Wir rasen durchs All
| Bewegung | Geschwindigkeit |
|---|---|
| Erdrotation (Äquator) | ca. 1.670 km/h |
| Erde um die Sonne | ca. 107.000 km/h |
| Sonnensystem um das Milchstraßenzentrum | ca. 800.000 km/h |
| Milchstraße relativ zur Hintergrundstrahlung | ca. 2,2 Mio. km/h |
Stillstand gibt es im Kosmos nicht – die Frage ist immer nur: bewegt relativ wozu? Mehr zur großen Struktur in unserem Artikel über die Milchstraße.
Die Rotation wird langsamer
Die Gezeitenreibung des Mondes bremst die Erde minimal ab: Ein Tag verlängert sich pro Jahrhundert um knapp 2 Millisekunden. Zur Zeit der Dinosaurier hatte der Tag nur etwa 23 Stunden. Gelegentliche Schaltsekunden gleichen die Differenz zur Atomzeit aus.
Sichtbarster Effekt für Fotografen: Strichspuraufnahmen – schon 30 Sekunden Belichtung ziehen Sterne zu Strichen; wie man das nutzt oder vermeidet, zeigt der Astrofotografie-Einstieg.
Häufige Fragen
Wie schnell dreht sich die Erde in Deutschland?
Etwa 1.070 km/h – die Rotationsgeschwindigkeit sinkt mit der geografischen Breite (Kosinus-Faktor) und beträgt an den Polen null.
Warum fliegen wir nicht von der Erde?
Die Schwerkraft ist rund 290-mal stärker als die Fliehkraft der Rotation, selbst am Äquator.
Was würde passieren, wenn die Erde plötzlich stoppte?
Alles Nicht-Verankerte würde mit über 1.000 km/h weitergeschleudert – ein globales Desaster. Zum Glück physikalisch ausgeschlossen.
Dreht sich die Erde immer gleich schnell?
Fast – Erdbeben, Gletscherschmelze und Strömungen verändern die Tageslänge um Millisekunden; langfristig bremst der Mond die Rotation.
Wie schnell dreht sich die Erde um die Sonne?
Mit rund 107.000 Kilometern pro Stunde, also etwa 30 Kilometern in jeder Sekunde. In der Zeit, die du zum Lesen dieses Satzes brauchst, ist die Erde also schon gut hundert Kilometer weitergeflogen. Für eine volle Runde um die Sonne braucht sie damit 365 Tage, 5 Stunden und 49 Minuten – die überschüssigen Stunden sind der Grund, warum es alle vier Jahre einen Schalttag gibt. Nicht verwechseln mit der Erdrotation: Die Drehung um die eigene Achse bringt es am Äquator auf vergleichsweise gemächliche 1.670 km/h.
