Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Ein Observatorium ist ein Ort, an dem naturwissenschaftliche Ereignisse beobachtet werden. In der Astronomie ist das die Sternwarte – zur Beobachtung von Planeten, Monden, Sternen, Galaxien und Nebeln.
Was ist ein Observatorium?

Ein Observatorium ist ein Ort an dem naturwissenschaftliche Ereignisse beobachtet werden können. In der Astronomie ist die Sternwarte das Observatorium zur Beobachtung der Planeten, Monde, Sterne, Galaxien, Nebel und anderer Erscheinungen. Astronomische Observatorien haben häufig eine exponierte, erhöhte Position an einem abgelegene Ort.
Durch die erhöhte Lage können einige störende Wetterphänomen (zum Beispiel Nebel), die sich oft in Bodennähe ereignen, umgegangen werden. Die isolierte Lage an einem abgelegen Ort reduzierte den störenden Einfluss der menschlichen Lebensweise wie Lichtverschmutzung oder Smog auf die Beobachtung.
Einteilung astronomischer Oberservatorien
| Bezeichnung | Besonderheit |
| Volkssternwarte |
|
| Forschungssternwarte |
|
Teleskope in Sternwarten
Zu Beginn der modernen Astronomie waren die Mehrzahl der in Sternwarten verwendeten Teleskope Linsenteleskope. Mit zunehmender Größe werden Linsenteleskope immer teurer und können aus mechanischen und optischen Gründen nicht beliebig vergrößert werden.
Mit der Zeit wurden die Linsenteleskope durch große Spiegelteleskope abgelöst mit denen eine deutlich größere Leistungsfähigkeit erreicht werden konnte. Die meisten Großsternwarten der Welt nutzen Spiegelteleskope für ihre Beobachtung im sichtbaren, nahen Infrarot und UV Bereich.
Im Kleinen gilt dasselbe: Auch die meisten Geräte für den eigenen Garten sind Spiegelteleskope, weil sie pro Euro die größte Öffnung bringen. Welche Öffnung für den Anfang sinnvoll ist und wo sie nichts mehr bringt, steht im Teleskop-Ratgeber für Einsteiger.
Geschichte der Sternwarten
Die Beobachtung des Sternenhimmels in dafür angelegten Anlagen begann schon in frühester Menschheitsgeschichte. Als ältestes Sternwarte gilt die Kreisgrabenanlage von Goseck (5000 v. Chr.). Das wohl berühmteste Observatorium der Vorzeit ist Stonehenge aus der zeit 300 v. Chr.
Im Mittelalter war die islamische Welt führend in der Astronomie. Beispiele sind die Sternwarten Rasad-e Khan von Nasir Al-din al-Tusi und die Sternwarte des Ulug Beg. Erst im Spätmittelalter entstanden auch im christlichen Europa die Vorläufer der modernen Sternwartenwie die Sternwarte des dänsichen Astronoms Tycho Brahe.
Nach der Erfindung des Teleskops 1608 entstanden schließlich die klassischen Sternwarten wie wir sie heute verstehen. Zwischen 1790 und 1830 wurden in Europa eine vielzahl Bedeutender Sternwarten gegründet, die teilweise bis heute noch als Volkssternwarten genutzt werden.
Berühmte Observatorien der Welt
Die folgenden Anlagen gehören zu den bekanntesten Forschungsobservatorien überhaupt. Bei jedem findest du Standort, Höhe, Öffnung des Hauptteleskops – also den Durchmesser des lichtsammelnden Spiegels – und wofür es bekannt ist. Weil sich in den letzten Jahren einiges bewegt hat, steht auch dabei, was heute tatsächlich noch beobachtet: Manche Teleskope wurden umgebaut, eines wird gerade abgebaut, und bei mehreren steht die Finanzierung auf der Kippe.
Nordamerika
Palomar-Observatorium mit dem Hale-Teleskop (Kalifornien, USA)
1.713 m Höhe · Hale-Teleskop 5,08 m Öffnung · Caltech · seit 1949 · in Betrieb
Das Hale-Teleskop war von 1949 bis 1976 das größte Teleskop der Welt und ist bis heute in Betrieb. Auf ihm beruht der Palomar Sky Survey, die erste vollständige fotografische Kartierung des Nordhimmels, die Generationen von Astronomen als Nachschlagewerk diente. Daneben steht das Samuel-Oschin-Schmidt-Teleskop mit 1,22 m, das heute jede Nacht den Himmel nach Veränderungen absucht – Supernovae, Asteroiden, alles, was sich bewegt oder aufleuchtet. 2023 kam eine Empfangsantenne für die optische Datenübertragung der NASA dazu.
Yerkes-Observatorium (Wisconsin, USA)
334 m Höhe · Refraktor 1,02 m Öffnung · Yerkes Future Foundation · seit 1897 · kein Forschungsbetrieb, aber wieder öffentlich zugänglich
Der 40-Zoll-Refraktor von Yerkes ist bis heute das größte Linsenteleskop, das je wissenschaftlich genutzt wurde – größer geht es physikalisch kaum, weil eine Linse dieser Größe unter dem eigenen Gewicht durchhängt. Genau daran endete die Ära der Linsenteleskope. Hier arbeiteten George Ellery Hale, Edwin Hubble, Gerard Kuiper und Subrahmanyan Chandrasekhar; das Haus gilt als Geburtsort der modernen Astrophysik.
Die University of Chicago stellte den Betrieb im Oktober 2018 ein. Aus war es damit nicht: 2020 übernahm die Yerkes Future Foundation, seit Mai 2022 ist das Gebäude wieder für Führungen geöffnet, und es gibt öffentliche Nachtbeobachtungen. Die Restaurierung von Gebäude und Park läuft noch bis etwa 2030.
Kitt-Peak-Nationalobservatorium (Arizona, USA)
2.096 m Höhe · Mayall-Teleskop 4,0 m Öffnung · NSF NOIRLab · seit 1958 · in Betrieb, Zukunft offen
Auf dem Kitt Peak stehen über 20 optische und zwei Radioteleskope – eine der größten Ansammlungen der Nordhalbkugel. Das Gelände liegt auf dem Land der Tohono O’odham Nation, die es dem Observatorium verpachtet. Das Mayall-Teleskop trägt heute DESI, ein Instrument, das gleichzeitig 5.000 Galaxienspektren aufnimmt und damit die bislang größte dreidimensionale Karte des Universums erstellt.
Im Juni 2022 erreichte das Contreras-Waldfeuer den Gipfel. Vier Nebengebäude brannten ab, aber kein einziges Teleskop nahm Schaden; seit September 2023 ist auch das Besucherzentrum wieder offen. Die ernstere Bedrohung ist der US-Haushaltsentwurf für 2027, der vorsieht, den Zugang zu den Kitt-Peak-Teleskopen auslaufen zu lassen und die Anlagen an andere Träger abzugeben. Beschlossen ist das nicht.
Large Binocular Telescope (Arizona, USA)
3.221 m Höhe · zwei Spiegel à 8,4 m · Konsortium USA/Italien/Deutschland · seit 2005 · in Betrieb
Das LBT auf dem Mount Graham trägt zwei 8,4-Meter-Spiegel nebeneinander auf einer gemeinsamen Montierung – wie ein riesiges Fernglas. Zusammen sammeln sie so viel Licht wie ein einzelner Spiegel von 11,8 Metern; schaltet man beide zusammen, entspricht die Auflösung sogar einem Teleskop von 22,8 Metern. Mit adaptiver Optik, die das Flimmern der Luft in Echtzeit ausgleicht, liefert das LBT in manchen Wellenlängen schärfere Bilder als das Hubble-Weltraumteleskop. Deutschland ist über die LBT-Beteiligungsgesellschaft mit dabei, unter anderem mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.
Fred-Lawrence-Whipple-Observatorium mit dem MMT (Arizona, USA)
2.606 m Höhe · MMT 6,5 m Öffnung · Smithsonian Astrophysical Observatory · seit 1968 · in Betrieb
Das MMT hieß ursprünglich „Multiple Mirror Telescope“, weil es aus sechs kleineren Spiegeln bestand. 1998 bis 2000 wurde es auf einen einzigen 6,5-Meter-Spiegel umgebaut – der Name blieb, die Bauart nicht. Wichtiger noch ist die Rolle des Bergs für die Gammaastronomie: Hier wurde in den 1980er-Jahren die Technik entwickelt, mit der man aus dem bläulichen Cherenkov-Blitz in der Atmosphäre auf hochenergetische Gammateilchen zurückschließt. 1989 gelang so der Nachweis des Krebsnebels als erster TeV-Quelle. Heute stehen dort vier 12-Meter-Cherenkov-Teleskope der VERITAS-Anlage.
Hobby-Eberly-Teleskop (Texas, USA)
2.030 m Höhe · 10 m nutzbare Öffnung aus 91 Segmenten · McDonald Observatory · seit 1996 · in Betrieb
Das HET ist ein Sparmodell im besten Sinn: Der Spiegel ist fest geneigt und kann nicht in der Höhe geschwenkt werden, nur der Instrumententräger fährt nach. Das schränkt ein, welche Objekte wann erreichbar sind, drückte die Baukosten aber auf einen Bruchteil vergleichbarer Teleskope. 2015 bekam es ein deutlich größeres Gesichtsfeld und mit VIRUS über 150 Spektrografen auf einmal. Damit läuft HETDEX, eine Vermessung der Dunklen Energie im frühen Universum – der komplette Datensatz wurde im Juni 2026 öffentlich freigegeben. Deutsche Partner sind die LMU München und die Universität Göttingen.
Large Zenith Telescope (British Columbia, Kanada)
395 m Höhe · 6,0 m Flüssigspiegel · University of British Columbia · 2003–2016 · stillgelegt
Der Spiegel des LZT bestand nicht aus Glas, sondern aus flüssigem Quecksilber in einer rotierenden Schale. Die Fliehkraft formt die Oberfläche von selbst zu einer perfekten Parabel – ein 6-Meter-Spiegel für einen Bruchteil der Kosten. Der Haken: So ein Teleskop schaut immer senkrecht nach oben und kann nichts verfolgen; es sieht nur, was gerade über ihm durchzieht. Der Betrieb endete 2016, das Quecksilber wurde eingelagert. Die Idee lebt weiter im International Liquid Mirror Telescope mit 4 Metern, das seit 2022 in Indien beobachtet.
Canada-France-Hawaii Telescope (Hawaii, USA)
4.204 m Höhe · 3,58 m Öffnung · Kanada, Frankreich und University of Hawaiʻi · seit 1979 · in Betrieb
Das CFHT auf dem Maunakea ist ein Weitfeld-Spezialist. Mit der Kamera MegaCam entstand eine Durchmusterung, die über den schwachen Gravitationslinseneffekt die Verteilung der Dunklen Materie kartierte – man misst dabei, wie stark unsichtbare Masse die Bilder ferner Galaxien verzerrt. Im März 2025 wurden hier auf einen Schlag 128 neue Saturnmonde entdeckt, womit Saturn auf 274 bestätigte Monde kam. Der geplante Nachfolger, ein 11,25-Meter-Teleskop am selben Standort, liegt vorerst auf Eis: Die Finanzierung wurde Ende 2024 gestoppt, und für den Maunakea gilt bis nach 2030 ein Moratorium für neue Pachtverträge.
United Kingdom Infrared Telescope (Hawaii, USA)
4.194 m Höhe · 3,8 m Öffnung · University of Hawaiʻi · 1979–2026 · wird abgebaut
UKIRT war lange das größte reine Infrarotteleskop der Welt. Seine große Leistung ist die Entdeckung zahlloser Brauner Zwerge – Objekte, die zu leicht sind, um als Stern zu zünden, und die deshalb fast nur im Infraroten sichtbar werden. Darunter waren die extrem kühlen Y-Zwerge mit Temperaturen um den Siedepunkt von Wasser.
Großbritannien stieg 2014 aus der Finanzierung aus, seither betreibt es die University of Hawaiʻi. Am 15. September 2026 endet der Wissenschaftsbetrieb endgültig, bis 2030 soll der Standort vollständig zurückgebaut sein. UKIRT ist damit das dritte Teleskop, das vom Maunakea verschwindet – der Betreiber hat zugesagt, die Zahl der Anlagen auf dem Berg zu verringern, und der Hauptpachtvertrag läuft Ende 2033 aus.
Süd- und Mittelamerika
Cerro Tololo Inter-American Observatory (Chile)
2.207 m Höhe · Blanco-Teleskop 4,0 m Öffnung · NSF NOIRLab · seit 1965 · in Betrieb, Zukunft offen
Am Blanco-Teleskop wurde Wissenschaftsgeschichte geschrieben: Die Supernova-Beobachtungen, die zeigten, dass sich die Ausdehnung des Universums beschleunigt, liefen zu wesentlichen Teilen hier. Dafür gab es 2011 den Physik-Nobelpreis, und daraus entstand der Begriff der Dunklen Energie. Heute trägt das Teleskop die Dark Energy Camera, mit der dieselbe Frage systematisch weiterverfolgt wird. Auf dem Nachbargipfel Cerro Pachón steht das neue Vera-C.-Rubin-Observatorium mit 8,4 Metern. Wie Kitt Peak steht auch Cerro Tololo im US-Haushaltsentwurf für 2027 auf der Liste der Anlagen, deren Förderung auslaufen soll.
Las-Campanas-Observatorium (Chile)
2.380 m Höhe · zwei Magellan-Teleskope à 6,5 m · Carnegie Institution · seit 1969 · in Betrieb
Las Campanas hat zwei der denkwürdigsten Beobachtungen der jüngeren Astronomie geliefert. Am 24. Februar 1987 entdeckten Ian Shelton und Oscar Duhalde hier die Supernova 1987A in der Großen Magellanschen Wolke – die hellste Supernova seit 1604 und die einzige, deren Neutrinos man messen konnte. Und im August 2017 fand das kleine 1-Meter-Swope-Teleskop das Lichtsignal zur Gravitationswellenquelle GW170817, der ersten beobachteten Verschmelzung zweier Neutronensterne.
Auf dem Gipfel entsteht gerade das Giant Magellan Telescope aus sieben Spiegeln à 8,4 Metern, zusammen 24,5 Meter Öffnung. Sechs Spiegel sind gegossen, der siebte seit 2023 in Fertigung; die Bergkuppe ist abgetragen, die Montierung im Bau. Ein verbindliches Datum für das erste Licht gibt es nicht – realistisch wird es die 2030er-Jahre.
New Technology Telescope, La Silla (Chile)
2.375 m Höhe · 3,58 m Öffnung · Europäische Südsternwarte ESO · seit 1989 · in Betrieb
Das NTT ist kein besonders großes Teleskop, aber ein besonders wichtiges: Es war das erste mit aktiver Optik. Sein dünner Spiegel wird während der Beobachtung permanent von Stellmotoren nachgeformt, damit er trotz Schwerkraft und Temperaturschwankungen die richtige Form behält. Dazu kamen eine kompakte, mitdrehende Achteckkuppel und eine gezielte Belüftung gegen Luftunruhe. Diese Bauweise wurde zur Blaupause für das VLT und praktisch jedes moderne Großteleskop. Seit Dezember 2025 arbeitet dort das neue Instrument SOXS, das optisches und infrarotes Licht gleichzeitig aufnimmt und für die schnelle Nachbeobachtung von Supernovae und Gammablitzen gebaut wurde.
VISTA – heute 4MOST, Paranal (Chile)
2.518 m Höhe · 4,1 m Öffnung · Europäische Südsternwarte ESO · seit 2009 · in Betrieb, komplett umgebaut
VISTA war über ein Jahrzehnt das größte Durchmusterungsteleskop der Welt für nahes Infrarot und hat Milliarden Sterne kartiert, vor allem im staubverhangenen Zentrum der Milchstraße, das im sichtbaren Licht unzugänglich ist. Diese Ära endete in der Nacht vom 5. auf den 6. März 2023, als die Infrarotkamera ihre letzte Aufnahme machte und ausgebaut wurde.
Seither ist VISTA ein anderes Instrument. Nach umfangreichem Umbau nahm im Oktober 2025 4MOST das erste Licht auf – ein Spektrograf, der 2.400 Spektren gleichzeitig erfasst, verteilt über ein Himmelsfeld von rund 20 Vollmonddurchmessern. In den ersten fünf Jahren sind zehn große Durchmusterungen geplant. Wer irgendwo liest, VISTA sei ein Infrarotteleskop, liest einen Text von vor 2023.
Europa
Roque-de-los-Muchachos-Observatorium, La Palma (Spanien)
2.396 m Höhe · Gran Telescopio Canarias 10,4 m Öffnung · Instituto de Astrofísica de Canarias · seit 1985 · in Betrieb
Auf dem Bergrücken von La Palma stehen die Teleskope von rund 20 Nationen nebeneinander – nach dem Maunakea gilt der Ort als bester Standort der Nordhalbkugel. Das Gran Telescopio Canarias mit 10,4 Metern ist das größte Einzelspiegelteleskop der Welt. Dazu kommen das William Herschel Telescope mit 4,2 m, das italienische Galileo mit 3,58 m, das Nordic Optical Telescope, das Isaac Newton Telescope und mehrere kleinere.
Der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja von September bis Dezember 2021 hat dem Observatorium nicht geschadet – der Vulkan liegt 25 Kilometer südlich und über 2.000 Meter tiefer. Der Betrieb wurde nur kurz unterbrochen, um die Spiegel vor Asche zu schützen. Neu ist der Ausbau zum Nordstandort des Cherenkov Telescope Array: Die ersten der 23 Meter großen Gammateleskope sind in Betrieb oder in der Inbetriebnahme, die Einweihung des ersten Teilfelds ist für Oktober 2026 angesetzt.
Australien und Afrika
Anglo-Australian Telescope, Siding Spring (Australien)
rund 1.100 m Höhe · 3,9 m Öffnung · Australian National University · seit 1974 · in Betrieb, Finanzierung bis Mitte 2027
Das AAT ist Australiens größtes optisches Teleskop und hat sich auf eine Spezialität konzentriert: Mit einem System aus Glasfasern nimmt es bis zu 400 Sternspektren gleichzeitig auf. Damit entstand eine der ersten großen Vermessungen der Struktur des Universums im großen Maßstab – wie Galaxien in Fäden und Hohlräumen angeordnet sind. Die Finanzierung ist derzeit nur bis Mitte 2027 gesichert, und Australien wird seine Partnerschaft mit der Europäischen Südsternwarte nicht zur Vollmitgliedschaft ausbauen. Wie es danach weitergeht, ist offen.
Southern African Large Telescope (Südafrika)
1.798 m Höhe · 9,2 m effektive Öffnung aus 91 Segmenten · South African Astronomical Observatory · seit 2005 · in Betrieb
SALT in der Karoo-Halbwüste ist das größte optische Teleskop der Südhalbkugel. Es ist nach demselben Prinzip gebaut wie das texanische Hobby-Eberly-Teleskop: fester Neigungswinkel, dafür günstig. Entsprechend liegt sein Schwerpunkt auf Spektroskopie – der Zerlegung des Lichts, um Zusammensetzung und Bewegung eines Objekts zu bestimmen – statt auf langen Belichtungen eines festen Ziels. Beiträge lieferte es unter anderem zu Schwarzen Löchern und zu Supernovae vom Typ Ia, die als Entfernungsmaßstab im Universum dienen.
Zwillingsteleskope auf beiden Halbkugeln
Gemini-Observatorium (Hawaii und Chile)
Gemini North 4.213 m auf dem Maunakea, Gemini South 2.722 m auf dem Cerro Pachón · je 8,1 m Öffnung · NSF NOIRLab für ein internationales Konsortium · seit 1999/2000 · in Betrieb
Zwei baugleiche 8,1-Meter-Teleskope, eines auf jeder Halbkugel – zusammen decken sie den gesamten Himmel ab. Beide sind führend in der adaptiven Optik und in der direkten Abbildung von Exoplaneten, also dem Kunststück, den winzigen Lichtpunkt eines Planeten neben dem millionenfach helleren Stern sichtbar zu machen. Weil sie schnell umgeplant werden können, sind sie außerdem erste Adresse, wenn irgendwo eine Supernova aufleuchtet oder ein Gravitationswellensignal nachzubeobachten ist.
Am 1. August 2023 wurde bei der Betreiberorganisation ein Cyberangriff entdeckt; beide Teleskope wurden vom Netz genommen. Ende September 2023 waren sie wieder am Himmel, physischen Schaden gab es keinen. Der US-Haushaltsentwurf für 2027 sieht für Gemini eine Kürzung um knapp 40 Prozent und einen Betrieb bei etwa halber Kapazität vor.
Weitere bekannte Standorte
- Calar-Alto-Observatorium in Spanien – deutsch-spanisch, mit 3,5 m das größte Teleskop auf dem europäischen Festland
- Thüringer Landessternwarte Tautenburg – das größte Teleskop Deutschlands (2 m Schmidt-Spiegel)
- La-Silla-Observatorium in Chile – der älteste ESO-Standort, Heimat des NTT und des 3,6-m-Teleskops
- Selentschuk-Observatorium in Russland – das 6-m-BTA-Teleskop war von 1975 bis 1993 das größte der Welt
- Hooker-Teleskop am Mount-Wilson-Observatorium in Kalifornien – hier zeigte Edwin Hubble 1923, dass der Andromedanebel eine eigene Galaxie ist
Wenn du selbst durch ein Teleskop schauen möchtest: Viele öffentliche Sternwarten in Deutschland bieten Führungen und Beobachtungsabende an – die Liste oben auf dieser Seite hilft beim Finden. Und wer über ein eigenes Gerät nachdenkt, findet in unserer Kaufberatung für Teleskope die passenden Einsteigermodelle. Soll das Teleskop später einen festen Platz bekommen, zeigt unser Ratgeber zur eigenen Gartensternwarte, was Kuppel, Rolldach und Zelt kosten und leisten.
Quellen
- NASA (Transfered by Quantanew/Original uploaded by Mohamed Osama AlNagdy), LargeBinoTelescope NASA, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons, entnommen 22.02.2020
