tycho brahe
Tycho Brahe1

Der dänische Astronom Tycho Brahe änderte Mitte des 16. Jahrhunderts diese Ansicht und stellte Beweise auf, dass Kometen zu den Himmelserscheinungen zählen. Bisher galten Kometen fast 2000 Jahre als eine außergewöhnliche Begebenheit des Wetters

Er leistete herausragende Arbeit, da er seine astronomischen Erkenntnisse sehr sorgfältig und genau ohne Teleskope durchführte. Tycho Brahe legte den Grundstein für ein neues Weltbild und beeinflusste entscheidend die wissenschaftliche Entwicklung der folgenden Generationen.

Durch seine Vorgehensweise des immer genaueren Messens und Nachprüfens begründete er die Methodik und den Arbeitsstil der modernen Forschung.

Tycho Brahe und die Magie der dunklen Sonne

Der bedeutendste Astronom erblickte das Licht der Welt am 14. Dezember 1546 und wuchs in adligen Kreisen auf. Tycho Brahe begeisterte sich schon in jungen Jahren für die Astronomie.

In seiner Jugend erlebte er ein besonderes Erlebnis, denn eine totale Sonnenfinsternis ereignete sich am 21. August 1560. Dies war der Beginn seines weiteren, besonderen Lebensweges. Der 14-jährige Tycho war beeindruckt von dem seltenen Ereignis und noch viel mehr von der Vorhersage der Astronomen.

Er las voller Begeisterung viele Bücher über Astronomie, wie beispielsweise den Almagest von Ptolemäus. Dieses Buch war zu dieser Zeit das gültige Handbuch und enthielt alle Antworten der Astronomie. Brahe kreierte seinen ersten Himmelsglobus, welcher die Lage der Sterne zeigte.

Tycho Brahe: aufbrausender Forscher und seine Erkenntnisse

1562 zog er nach Leipzig und studierte an der dortigen Universität. In dieser Zeit beobachtete er, wie Jupiter und Saturn von der Erde aus gesehen in einer Reihe hintereinander stehen. Diese Konstellation wirkte, als wenn sich beide Himmelskörper zu einem einzigen hellen Planeten vereinen. 

Tycho Brahe entdeckte, dass die bisher vorhandenen Tafeln, welche die Lage der Planeten und Sterne zeigten, ungenau sind. Auch die Aufzeichnungen von Nikolaus Kopernikus verfehlen die Ereignisse um mehrere Tage. Tycho traf die Entscheidung, sein Dasein der Beobachtung Himmels zu widmen. Sein Ziel war das Erlangen von genauen Daten.

Das Streben nach astronomischem Fortschritt

Viele Jahre später stand er in den Diensten von Dänemarks König Frederick II.. Tycho gründete ein gigantisches Programm: Mit zahlreichen Helfern entwickelte er Geräte und betrachtete mehr als 2 Jahrzehnte lang den Sternenhimmel. Seine Erkenntnisse und Messungen zum Planetensystem sowie den genauen Positionen von Hunderten Sternen überragen bis zum Gebrauch der ersten Teleskope im 17. Jahrhundert alle anderen Messwerte an Exaktheit.

Seine Reisen und die goldene Nase

Tycho Brahe reiste viel und gerne. Er studierte in Leipzig, Rostock, Wittenberg, Augsburg und Basel. An jedem neuen Ort sammelte er Informationen und kaufte astronomische und mathematische Instrumente.

Tycho bekam auf Reisen den Ruf als Zechpreller und cholerischer Hitzkopf. Bei einem Kampf verlor er einen großen Teil seiner Nase. Der Forscher fand eine schnelle Lösung, denn er nutzte seitdem einen Nasenersatz aus Bronze, den er mit Wachs im Gesicht befestigte. 1571 baute er in Dänemark ein kleines Observatorium.

Der explodierende Stern

In seiner Heimat hat Tycho Brahe ein weiteres einschneidendes Erlebnis: Am 11. November 1572 sah er einen neuen Stern im Sternbild der Cassiopeia. Der Stern strahlte heller als die Venus und der Himmelskörper erschien in einer Position, in der bisher noch kein Stern gesichtet wurde. Heute ist bekannt, dass der Astronom eine Supernova gesehen hat, eine Sternenexplosion. Der Stern strahlte für mehrere Wochen viel heller als zuvor. Am bisher unveränderlichen Himmelsbild entstand ein neuer Stern.

Die Vertauschung und die neue Perspektive

Endgültig ins Wanken kam die bisherige astronomische Weltsicht, als Tycho Brahe den Kometen weiter beobachtet und in einen regen Austausch mit anderen Forschern tritt.

Bei längerem Beobachten wanderte der Komet nach und nach durch verschiedene Sternbilder. Für wenige Tage scheint er jedoch fest in einem Sternbild verankert zu sein. Folgt man dem aristotelischen Weltbild, dass Kometen Wettererscheinungen nahe der Erde sind, so ist ein Komet von verschiedenen Perspektiven der Erde aus vor unterschiedlichen Sternbildern zu sehen.

Sieht man den Himmelskörper aber von verschiedenen Blickwinkeln aus vor dem gleichen Sternenbild, so muss er viel weiter von der Erde entfernt sein als der Mond oder die Wolken. Dieses Phänomen wird als Parallaxe bezeichnet (griechische Bezeichnung für “Vertauschung”). Am besten lässt sich eine Parallaxe nachvollziehen, wenn man einen Gegenstand vor das Gesicht hält.

Nun kann man mit dem rechten und dann dem linken Auge auf den Gegenstand blicken. Ist dieser sehr nah am Gesicht, ist er vor wechselndem Hintergrund zu sehen. Entfernt sich der Gegenstand vom Gesicht weg, verändert sich der Hintergrund fast nicht. 

Tycho Brahe adaptiert dieses System auf den Kometen und analysiert seine Daten mit den Erkenntnissen von Wissenschaftlern in anderen Sternwarten.

Tycho Brahe: angesehener Astronom und die berühmte Sternwarte

1573 veröffentlichte Tycho Brahe seine wissenschaftlichen Entdeckungen in einem Bericht mit dem Titel “De nova stella”. Mit der Erforschung, dass Kometen zur Sphäre der Planeten und des Himmels gehören, verändert sich sein Ruf von dem eines dänischen Amateurs zu dem eines angesehenen Profis unter den Astronomen. 

Tycho Brahe war nicht nur ein Wissenschaftler, sondern auch Handwerker und Künstler. Er baute auf Hven eine Sternwarte und nennt sie Uraniborg (=Himmelsburg). Die Sternwarte lässt er von holländischen und italienischen Handwerkern und Künstlern einrichten.

Seine Aufzeichnungen werden in einer eigenen Druckerei angefertigt und in Augsburg bauen Spezialisten außergewöhnliche astronomische Apparate. Für Tycho arbeiten sehr viele Assistenten und Besucher aus ganz Europa machen die Sternwarte Uraniborg zum Mittelpunkt astronomischer Forschungen.

Seine letzten Lebensjahre in Prag

Als 1588 Frederick II. stirbt, schwindet Tycho Brahes Einfluss rasant. Er erhält weniger Lohn, weil er immer größere Ansprüche hat, aber im Gegensatz sein Pflichtbewusstsein als Lehensnehmer schleifen lässt. 1599 zog es Tycho nach Prag.

Dort erhält er vom Kaiser Rudolf II. eine Pension und einen Grundbesitz, auf dem ein neues Planetarium entstehen soll. Noch vor Ende der Fertigstellung stirbt Tycho Brahe im Jahr 1601. Seine wissenschaftlichen Erforschungen und die astronomischen Instrumente hinterlässt er seinem Assistenten Johannes Kepler. Kepler erschafft mit den drei Gesetzen der planetarischen Bewegung den Grundstein für Isaac Newtons Lehre der Gravitation.

Tycho Brahe Entdeckung
Weltsystem nach Paul Wittich und Tycho Brahe1

Brahes Entdeckungen zum Planetensystem

Tycho Brahe erschütterte die traditionelle Anschauung von der Unveränderlichkeit des Himmelsbildes. Den entscheidenden Übergang von der erdzentrierten Weltsicht des Ptolemäus, welches die Erde als Mitte des Planetensystems darstellte, hin zum sonnenzentrierten Weltbild des Nikolaus Kopernikus, machte er jedoch nicht.

Auf der Grundlage von Tycho Brahes detaillierten Messungen der Planetenumlaufbahnen und seiner Beobachtungen des Planeten Mars entwickelte Johannes Kepler seine Arbeit über die Planetenbahnen weiter.

Quellen

  1. FastfissionTychonian system, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons