
Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Das Calar-Alto-Observatorium ist eine deutsch-spanische Sternwarte in der Sierra de los Filabres in Spanien. Die Max-Planck-Gesellschaft begann den Bau 1967, um die deutsche beobachtende Astronomie wieder konkurrenzfähig zu machen.
Die »Deutsche Forschungsgemeinschaft« gab nach dem Zweiten Weltkrieg Anregungen zum Bau eines Teleskops in günstiger Lage, um die deutsche beobachtende Astronomie weltweit wieder konkurrenzfähig zu zeigen.
Den Bau eines entsprechenden Observatoriums begann die Max-Planck-Gesellschaft (Heidelberg) im Jahr 1967 am »Calar-Alto-Observatorium« in der Sierra de los Filabres (Spanien).
Trotz international hochtechnisierter Konkurrenz überrascht das eher kleine Institut Wissenschaftswelt und Medien immer wieder mit spektakulären Ergebnissen ihrer Forschungsprojekte.
Das deutsch-spanische Observatorium im Zeitenlauf
Schon 1975 empfing das erste und heute kleinste 1,23 Meter Teleskop sein »First Light« am neuen Standort. Ein Einzelspiegel mit 80 cm Eingangsöffnung und 1,20 Meter Spiegeldurchmesser hatte vorher schon über 20 Jahre im Dienste der Astronomie an der Hamburger Sternwarte gestanden.
Hier in Spanien arbeitete es unter besseren Wetterbedingungen noch bis zum Jahr 2000. Das »Calar-Alto-Observatorium« führt Forschungsprojekten zu interstellaren Geschwindigkeitsbestimmungen durch und ist an der Entdeckung und Vermessung Schwarzer Löcher beteiligt.
1979 wurde die Beobachtungsarbeit um einen 2,2 Meter Spiegel bereichert, dem 1984 das dritte und mit 3,5 Meter nochmals größere Teleskop folgte. Die spanische Staatliche Sternwarte Madrid (OAN) stellte ebenfalls ein 1,52 Meter Teleskop am »Calar-Alto-Observatorium« auf.
Dieses arbeitet jedoch an eigenen Forschungsprojekten, die ausschließlich von Spanien betrieben werden. Seit 2005 ist Astronomie auf dem Sierra de los Filabres ein deutsch-spanisches Gemeinschaftsprojekt. Wissenschaftler beider Staaten teilen sich zu je 50 % die Beobachtungszeiten an den Spiegeln.
»Himmelsschutz« und neue Pläne am »Calar-Alto-Observatorium«
An vielen Standorten weltweit leidet neben der Umwelt auch die Astronomie zunehmend unter dem Phänomen der »Lichtverschmutzung«.
In Ostandalusien, am Standort des »Calar-Alto-Observatoriums« in Spanien, ist die Himmelsqualität so außergewöhnlich, dass das regionalpolitische Umweltministerium die Gegend um den Sierra de los Filabres zum »Lichtschutzgebiet« erklärte und strenge Bedingungen für Beleuchtungsanlagen innerhalb des Bereiches, also im Arbeitsbereich der Teleskope sowie einer großflächigen Zone dort herum, aufstellte. Dieser Schutz gemeinsamer Forschungsprojekte ist einzigartig in Europa.
Mit HEXA, einem 6,5 Meter Teleskop zur spektroskopischen Durchmusterung des Himmels, wurde im Februar 2012 über ein neues Forschungsprojekt in einer eigenen HEXA Konferenz diskutiert.
Dieser bisher größte Einzelspiegel am »Calar-Alto-Observatorium« ist bisher einzigartig in der Astronomie und soll nach Inbetriebnahme die Spektroskopie in noch mikroskopischeren Bereichen präzisieren. Vom HEXA-Einsatz in Spanien erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung von Galaxien, die Beschaffenheit Dunkler Energie und astrophysikalische Lösungen.
Deutsch-Spanische Erfolgsmeldungen der erdgebundenen Himmelsbeobachtung
2006 meldete die Astronomie einen Beobachtungserfolg aus Spanien, der mit einem 2,2 Meter Teleskop am »Calar-Alto-Observatorium« erzielt wurde. Erstmalig gelangen Sternbeobachtungen, die in der Bildqualität nicht hinter Aufnahmen des Weltraumteleskops »Hubble« zurückstanden, obwohl sie nicht im ungestörten Weltraum, sondern vom Erdboden aus aufgenommen wurden.
Im gleichen Jahr entdeckte ein Forschungsprojekt zur Beobachtung der Plejaden, dass diese nicht nur aus den bereits gesehenen ca. tausend Sternen, sondern aus zahlreichen weiteren Braunen Zwergen bestehen. Diese werden seit ihrer Entdeckung als »Kleine Schwestern der Plejaden« bezeichnet und das Gebiet seither verstärkt erforscht.
Die Suche nach Exoplaneten ist als eigenes Forschungsprojekt in den letzten Jahrzehnten regelrecht »explodiert«. Das »Calar-Alto-Observatorium« konnte hier mit der eindeutigen Beobachtung von Planetensystemen um Doppelsterne sowie begleitete Braune Zwerge punkten.
Die fein getunten Teleskope des Sierra de los Filabres erforschten ebenfalls Gammablitze und die asphärische Expansion von Supernovae. Ein bedeutender gemeinsamer Fortschritt in der Astronomie gelang dem Institut in Spanien mit der Erforschung des Quasars OJ 287.
Unter Beteiligung weiterer Sternwarten aus 10 Ländern wurde hier die höchste jemals festgelegte Masse eines supermassiven Schwarzen Lochs bestimmt.
