Mond | 97% | Vollmond
Suche

Foto vergrößernFoto downloaden
Foto: fotolia.com

Totale Mondfinsternis am 28. September 2015 über Deutschland


5/10
x gelesen

Die Beobachtung einer totalen Mondfinsternis ist ein stets beeindruckendes und ästhetisch reizvolles Erlebnis. Der Faszination eines am Himmel stehenden Blutmondes, so die volkstümliche Bezeichnung während der Totalität, wird sich wohl kein Betrachter entziehen können.

Nach über sieben Jahren können wir nun in Mitteleuropa in den Morgenstunden des 28. September endlich wieder eine totale Mondfinsternis in voller Länge beobachten.

Eine Zusammenfassung über den Verlauf und Beobachtungsmöglichkeiten gibt die nachfolgende Übersicht.

Wie entsteht eine Mondfinsternis?

Eine Mondfinsternis kann nur dann eintreten, wenn sich Sonne, Erde und Mond exakt auf einer Linie befinden. Wir haben dann Vollmond, so dass eine Mondfinsternis nur in dieser Phase stattfinden kann.

So entsteht eine Mondfinsternis

Während einer Mondfinsternis schiebt sich vom Mond aus gesehen die Erde vor die Sonne. Er befindet sich dann im Erdschatten, der sich ca. 1,4 Millionen Kilometer in den Raum erstreckt und kann dann kein Sonnenlicht mehr empfangen.

Ein fiktiver Beobachter auf dem Mond würde Zeuge einer Sonnenfinsternis werden. Aber warum gibt es nicht bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis? Der Grund hierfür liegt in den bahnmechanischen Daten. Die Bahn des Mondes ist um 5° gegen die Erdbahnebene geneigt. Nur wenn sich die Mondbahnebene mit der Erdbahnebene kreuzt (sog. Mondknoten), kann eine Mondfinsternis eintreten. Dies ist nicht allzu häufig der Fall und auch der Grund, warum nicht alle Mondfinsternisse total sind.

Abweichungen vom idealen Fall (Sonne-Erde-Mond auf einer Geraden) führen dazu, dass nur 30% der Finsternisse total sind. In den meisten Fällen können wir nur eine teilweise (partielle) Finsternis oder eine unspektakuläre Halbschattenfinsternis beobachten. Ganz anders bei "unserer" Mondfinsternis am 28. September. Wenn das Wetter mitspielt, können sich alle Frühaufsteher an einer totalen Mondfinsternis erfreuen, die in ihrem gesamten Verlauf sichtbar sein wird.

Wo und wann kann die Mondfinsternis beobachtet werden?

Grundsätzlich ist eine Mondfinsternis für alle Beobachter zu sehen, die sich auf der Nachtseite der Erde befinden und für die der Mond über dem Horizont steht.

Das ist bei der Mondfinsternis am 28. September im Prinzip für ganz Mitteleuropa der Fall. Wenn die Mondfinsternis beginnt, steht der Mond bereits in ca. 30° Höhe im Südwesten.

Im Verlauf der Mondfinsternis strebt er immer weiter dem Westhorizont entgegen. Zum Ende der Mondfinsternis macht sich bereits die anbrechende Morgendämmerung bemerkbar. Der Mond steht dann nur noch wenige Grad tief im Westen über dem Horizont. Für eine erfolgreiche Beobachtung auch dieser Phase ist ein freier Blick nach Westen unbedingt erforderlich. Es ist ratsam, schon im Vorfeld der Mondfinsternis einen geeigneten Beobachtungsplatz ausfindig zu machen.

Wie läuft die Mondfinsternis ab und was gibt es zu sehen?

Theoretisch beginnt und endet eine Mondfinsternis mit dem Ein- bzw. Austritt aus dem Halbschatten der Erde. Die dadurch bewirkte Helligkeitsänderung ist jedoch ganz minimal und praktisch kaum beobachtbar. An dieser Stelle sei gesagt, dass für die Beobachtung aufgrund der Größe des Mondes bereits das bloße Auge genügt.

So läuft eine Mondfinsternis ab

Die fortschreitende Verfinsterung, die Wanderung des Erdschattens und die Färbung des Mondes während der Totalität lassen sich auf diese Weise ausgezeichnet wahrnehmen. Natürlich erhöht sich der ästhetische Reiz, wenn der Mond etwas größer zu sehen ist. Hier reicht bereits ein Fernglas vollkommen aus. Ein Fernrohr zeigt die Mondformationen sehr deutlich, mit wachsender Vergrößerung wird allerdings auch der Rand des Erdschattens immer unschärfer.

Hier ein Überblick über den zeitlichen Ablauf der Mondfinsternis und die damit verbundenen visuellen Effekte.

03:07 Uhr MESZ: Eintritt in den Kernschatten (Beginn der Mondfinsternis)

Diese Zeitangabe ergibt sich aus den geometrisch abgeleiteten Parametern von Sonne, Erde und Mond. Der aufmerksame Beobachter wird jedoch bereits kurz vor diesem Zeitpunkt eine schwache Verdunkelung des Mondrandes feststellen. Der Grund für diese Abweichung ist die Atmosphäre unserer Erde. Der Kernschatten erscheint daher nicht scharf begrenzt, sondern diffus. Dies macht es auch so schwer, den genauen Eintritt visuell zu erfassen.

Die Mondfinsternis beginnt am nordöstlichen Mondrand (das ist mit dem Auge und dem Fernglas betrachtet links oben). Während der folgenden reichlichen Stunde überstreicht der Kernschatten zunehmend die Mondoberfläche. Das Fortschreiten der Kernschattengrenze lässt sich gut an markanten Mondformationen verfolgen.

04:10 Uhr MESZ: Beginn der Totalität

Der Schatten der Erde hat nun mit dem Erreichen des südlichen (unteren) Mondrandes die Oberfläche vollständig bedeckt – die Totalität ist eingetreten.

In dieser Phase wird unser nächtlicher Begleiter für die nächsten 73 Minuten verharren. Da der Mond bei dieser Finsternis nicht zentral durch den Kernschatten läuft, werden wir feststellen, dass die nördliche Mondhälfte dunkler erscheint als die südliche.

04:47 Uhr MESZ: Maximale Verfinsterung (Mitte der Totalität)

In dieser Phase hat die Mondfinsternis ihr Maximum erreicht und der Mond erscheint am dunkelsten. Wir werden feststellen, dass der Vollmond nicht komplett schwarz erscheint, sondern in einer rötlichen bis bräunlichen Färbung.

Es ist die Atmosphäre unserer Erde, die das Sonnenlicht streut und in den Kernschatten hinein bricht. Da die längerwelligen Lichtanteile der Erdatmosphäre weniger gestreut werden, wird der Mond vor allem von diesem Licht erreicht. Das ist der Grund, warum der Mond in diesem faszinierenden rötlichen Farbton erscheint (Blutmond).

Auf diese Weise ist es uns möglich, auch während der totalen Phase noch Details auf der Mondoberfläche erkennen zu können. Die Färbung und die verbleibende Helligkeit lassen übrigens Rückschlüsse auf den Zustand und Verschmutzungsgrad unserer Erdatmosphäre zu. So kann es noch Wochen und Monate nach einem Vulkanausbruch zu einer dunklen, tiefroten bis bräunlichen Mondfinsternis kommen.

05:23 Uhr MESZ: Ende der Totalität

Mit dem Ende der Totalität befreit sich unser nächtlicher Begleiter wieder allmählich aus dem Schatten der Erde. Dies merken wir zunächst an einer deutlichen Aufhellung des linken Mondrandes, wobei der Kernschatten immer mehr Gebiete der Mondoberfläche freigibt. Er bewegt sich dabei langsam, aber unaufhaltsam auf den südwestlichen Mondrand zu.

06:27 Uhr MESZ: Austritt aus dem Kernschatten (Ende der Finsternis)

Mit dem Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde findet das Himmelsspektakel sein Ende. Bereits eine Viertelstunde später beginnt bereits die morgendliche Dämmerung. Wir können dann eine auf eine (hoffentlich erfolgreiche) Beobachtungszeit von 3 Stunden und 20 Minuten zurückblicken.

Wie kann ich die Mondfinsternis fotografieren?

Um eine bleibende Erinnerung an dieses Himmelsschauspiel zu haben, bietet es sich an, die verschiedenen Phasen der Mondfinsternis im Bild festzuhalten.

Vom Grundsatz her ist jede Spiegelreflex- und Kompaktkamera, ein Camcorder und - mit Einschränkungen - auch die Handykamera geeignet. Zu Angaben wie Belichtungszeit, Blende und dem ISO-Wert lassen sich allerdings keine allgemeingültigen Aussagen treffen, zu unterschiedlich sind die technischen Parameter der verschiedenen Kameras.

Der Vorteil der digitalen Technik liegt darin, dass man nach Herzenslust probieren kann und das Ergebnis sofort sieht. Im Gegensatz zu einer totalen Sonnenfinsternis bleibt uns in diesem Falle auch genügend Zeit.

Auf jeden Fall muss die Brennweite so groß sein, dass die Scheibe des Mondes groß genug abgebildet wird, um auf ihm auch Details zu erkennen. Für digitale Kameras wird im Allgemeinen eine Äquivalent-Brennweite von 300 mm empfohlen. Das leistet schon ein Teleobjektiv. Kompaktkameras besitzen jedoch häufig keinen Anschluss hierfür. Hier haben wir die Möglichkeit, die Kamera mittels einer Vorrichtung hinter dem Okular eines Fernrohrs zu befestigen. Notfalls tut es auch eine ruhige Hand.

Für alle Kameras gilt, dass vorzugsweise die Fokussierung und die Belichtung manuell erfolgen sollten auch den Blitz abschalten! Mit dem Fortschreiten der Mondfinsternis muss die Belichtungszeit erhöht werden.

Wenn die Kamera nicht nachgeführt wird, sind dem jedoch Grenzen gesetzt –das Bild wird dann rasch unscharf. Hier hilft nur eine größeres Blende und die Wahl einer höheren Lichtempfindlichkeit (ISO-Wert).

Um Enttäuschungen zu vermeiden, noch eine kleine Anmerkung. Keine konventionelle Aufnahmetechnik ist in der Lage, eine deutliche Kernschattengrenze einerseits und die verdunkelten Mondformationen gleichzeitig abzubilden und damit den visuellen Anblick wiederzugeben. Einen Ausweg bietet nur die HDR-Technik mit einem erhöhten Dynamikumfang und automatisch erstellten Belichtungsreihen. Viele neuere, im höheren Preissegment angesiedelte Spiegelreflexkameras verfügen bereits über diese Technologie. Aber es bleibt ja noch die Bildnachbearbeitung. Mit Bedacht angewendet, können wir aus den gemachten Aufnahmen noch viel herausholen.

(Verfasser: Astronomie | Datum: 29. Juli 2015 | Geändert: 29. Juli 2015 | Fehler melden)



Kommentar hinterlassen 





Ich möchte bei neuen Kommentaren benachrichtigt werden.