Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Die Internationale Raumstation (ISS) ist das größte Bauwerk, das Menschen je im All errichtet haben – und eines der hellsten Objekte am Nachthimmel. Das Beste: Du kannst sie mit bloßem Auge sehen, wenn du weißt, wann und wo du schauen musst.
ISS in Zahlen: rund 400 km Flughöhe · ca. 28.800 km/h schnell · eine Erdumrundung in etwa 93 Minuten (≈ 16 Umläufe pro Tag) · Spannweite etwa 109 Meter · dauerhaft bemannt seit November 2000.
Was ist die ISS?
Die ISS ist ein Gemeinschaftsprojekt von USA, Russland, Europa (ESA), Japan und Kanada. Seit 1998 wurde sie Modul für Modul im Orbit zusammengebaut; seit über 25 Jahren leben und forschen dort ununterbrochen Menschen – meist sechs bis sieben zugleich. An Bord laufen Experimente, die auf der Erde unmöglich wären: von Materialforschung in Schwerelosigkeit bis zu medizinischen Langzeitstudien für künftige Mars-Missionen. Nach aktuellen Planungen soll die Station noch bis etwa 2030 betrieben und danach kontrolliert zum Absturz über dem Pazifik gebracht werden.
ISS beobachten: Wann und wo?
Die ISS leuchtet nicht selbst – sie reflektiert Sonnenlicht mit ihren riesigen Solarpaneelen. Sichtbar ist sie deshalb nur in der Dämmerung: Der Himmel muss dunkel sein, die Station in 400 km Höhe aber noch von der Sonne angestrahlt werden. Diese Bedingungen herrschen in den ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang.
Die aktuellen Termine für deinen Ort findest du unter Wann ist die ISS sichtbar?. Ein Überflug sieht so aus: Ein sehr heller, ruhig ziehender „Stern” taucht im Westen auf, wandert in zwei bis sechs Minuten über den Himmel und verschwindet nach Osten hin – oft abrupt, wenn die Station in den Erdschatten eintritt. Die ISS blinkt nicht (das tun Flugzeuge) und kann heller werden als jeder Stern; nur Mond und Venus übertreffen sie.
Überflugzeiten für deinen Standort
Wann die ISS bei dir vorbeizieht, rechnen wir selbst aus – für deinen Ort und die nächsten sieben Nächte, mit Uhrzeit, Richtung und maximaler Höhe.
Als Faustregel gelten Serien: Ein bis zwei Wochen lang gibt es fast täglich Abend- oder Morgen-Überflüge, dann folgt eine Pause ähnlicher Länge. Wer einmal nichts sieht, sollte es also in zehn Tagen wieder versuchen.
Wie die ISS aufgebaut ist
Die Station ist kein einzelnes Raumschiff, sondern ein Baukasten aus rund 16 Druckmodulen, die zwischen 1998 und 2021 nacheinander in den Orbit gebracht und dort verbunden wurden.
Das Rückgrat bildet ein 109 Meter langes Gitterwerk, an dem acht Solarflächen hängen. Genau diese Flächen machen die Station für uns sichtbar – sie reflektieren das Sonnenlicht.
Der bewohnbare Raum entspricht ungefähr einem Passagierflugzeug vom Typ Boeing 747. Europa steuert das Labormodul Columbus bei, Japan das Modul Kibo, die USA das Labor Destiny, Russland unter anderem das Servicemodul Swesda.
| Kennzahl | Wert | Zum Vergleich |
|---|---|---|
| Flughöhe | rund 400 km | Berlin–Hamburg in der Senkrechten |
| Geschwindigkeit | 28.800 km/h | 7,7 km pro Sekunde |
| Erdumrundung | 93 Minuten | 16 Umläufe pro Tag |
| Spannweite | 109 Meter | etwas länger als ein Fußballfeld |
| Masse | rund 420 Tonnen | etwa 280 Mittelklassewagen |
| Besatzung | meist 7 Personen | Aufenthalt üblicherweise 6 Monate |
Warum die ISS ständig angehoben werden muss
In 400 Kilometern Höhe ist die Atmosphäre nicht zu Ende – sie ist nur extrem dünn. Trotzdem bremst sie die Station, die dadurch jeden Monat mehrere Kilometer an Höhe verliert.
Deshalb wird die ISS regelmäßig angehoben, meist von einem angedockten Versorgungsraumschiff. Ohne diese Manöver würde sie innerhalb von etwa zwei Jahren abstürzen.
Die Umlaufbahn: warum nicht über dem Nordpol
Die ISS umkreist die Erde auf einer um 51,6 Grad geneigten Bahn. Diese Zahl ist kein Zufall: Sie erlaubt Starts sowohl von Florida als auch vom russischen Kosmodrom Baikonur.
Für dich als Beobachter bedeutet sie zweierlei. Erstens: Die Station kommt nie senkrecht über Skandinavien vorbei – nördlich von etwa 52 Grad Breite bleibt sie immer etwas südlicher. Zweitens: Sie überfliegt fast alle bewohnten Gebiete der Erde, weil sich die Erde unter ihrer Bahn wegdreht.
Jeder Umlauf verschiebt die Bodenspur deshalb um rund 22 Längengrade nach Westen. Deshalb wandern die Überflugzeiten von Nacht zu Nacht um etwa 20 bis 25 Minuten nach vorn.
Wer ist an Bord – und welche Deutschen waren schon oben?
Meist leben sieben Menschen gleichzeitig auf der Station, üblicherweise für sechs Monate. Seit November 2000 war die ISS keinen einzigen Tag unbewohnt.
Aus Deutschland waren bisher drei Astronauten dort: Thomas Reiter (2006, erster Deutscher mit Langzeitaufenthalt), Alexander Gerst (2014 und 2018, beim zweiten Mal als erster deutscher ISS-Kommandant) und Matthias Maurer (2021/22).
Was passiert 2030 mit der ISS?
Der Betrieb ist bis etwa 2030 zugesagt. Danach soll die Station kontrolliert zum Absturz gebracht werden – über dem Südpazifik, im sogenannten Raumfahrzeugfriedhof rund um Point Nemo, dem Punkt der Erde, der am weitesten von jedem Land entfernt liegt.
Dafür entwickelt die NASA eigens ein Bremsfahrzeug: 420 Tonnen können nicht einfach von selbst verglühen. Als Nachfolger sind kommerzielle Stationen privater Anbieter geplant, deren Zeitpläne aber noch nicht belastbar sind.
Für Beobachter heißt das: Die Jahre bis 2030 sind die letzten, in denen dieses helle Objekt regelmäßig über uns zieht. Gute Gelegenheit, es sich anzuschauen – die Zeiten stehen in unserer Überflug-Tabelle.
Braucht man ein Teleskop?
Für das Erlebnis: nein – das bloße Auge genügt völlig. Im Fernglas wird der Lichtpunkt heller und farbiger (goldene Solarpaneele!), bleibt aber ein Punkt. Erst im Teleskop ab etwa 150-facher Vergrößerung lässt sich die Form der Station erahnen – allerdings ist das manuelle Nachführen des rasenden Objekts echte Königsdisziplin. Ambitionierte versuchen sich an ISS-Transits: Passagen der Station vor Mond oder Sonne, fotografiert mit Technik aus der Mondfotografie (vor der Sonne nur mit zertifiziertem Sonnenfilter!).
Unsere Empfehlung für den Einstieg
Wer die Beobachtung ein Stück weitertreiben will, ohne gleich ein Teleskop zu kaufen, ist mit einem guten Fernglas am besten bedient: leicht, in einer Sekunde einsatzbereit und für die ISS genauso brauchbar wie für Mond, Sternhaufen oder Milchstraße.
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Häufige Fragen
Wie erkenne ich die ISS am Himmel?
Ein sehr helles, gleichmäßig von West nach Ost ziehendes Licht, das nicht blinkt und in wenigen Minuten den Himmel überquert. Heller als jeder Stern.
Warum sieht man die ISS nicht mitten in der Nacht?
Mitten in der Nacht steht die Station im Erdschatten und wird nicht von der Sonne angestrahlt – sie bleibt dunkel. Sichtbar ist sie nur in den Dämmerungsstunden.
Wie viele Menschen sind auf der ISS?
In der Regel sechs bis sieben Besatzungsmitglieder, bei Crew-Wechseln kurzzeitig mehr.
Wie lange braucht die ISS für eine Erdumrundung?
Etwa 93 Minuten. Das macht rund 16 Umläufe pro Tag – die Besatzung erlebt entsprechend 16 Sonnenauf- und -untergänge in 24 Stunden.
Wie hoch fliegt die ISS?
Rund 400 Kilometer über der Erdoberfläche. Die Höhe schwankt um einige Kilometer, weil die Restatmosphäre die Station bremst und sie deshalb regelmäßig angehoben wird.
Kann die ISS mit Weltraumschrott zusammenstoßen?
Die Gefahr ist real, deshalb wird die Bahn überwacht und die Station bei Bedarf ausgewichen – im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr. Bei sehr kurzfristigen Warnungen zieht sich die Besatzung vorsorglich in die angedockten Raumschiffe zurück.
Wie lange bleibt die ISS noch im All?
Nach aktuellen Planungen bis etwa 2030. Danach soll die Station kontrolliert über dem Südpazifik zum Absturz gebracht werden – Nachfolger sind kommerzielle Raumstationen.
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