Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

Kometen sind vagabundierende Himmelskörper im Sonnensystem. Sichtbar werden sie in der Nähe der Sonne durch die Bildung eines Schweifs. Der markante Schweif ist auch der Grund, weshalb Kometen Schweifsterne genannt werde.
Antike Wissenschaftler hielten Kometen für göttliche Zeichen. Später vermuteten Forscher in ihnen Ausdünstungen der Erdatmosphäre. 1577 erkannte sie Tycho Brahes als eigenständige Himmelskörper.
Die Beobachtung fester Umlaufzyklen setzte seine Erkenntnisse 1672 als allgemeingültig durch.
Was sind Kometen?
Kometen sind kleine Himmelskörper. Ihren Namen verdanken sie dem leuchtenden »Schweif«, der ihren Flug in Sonnennähe begleitet. Der Kern besteht aus Eis verschiedener flüchtiger Elemente und festen Bestandteilen.

Kometenkerne selbst sind von der Erde aus nicht sichtbar, sondern dunkler als andere erforschte Objekte des Sonnensystems.
Kommt ein Schweifstern unserer Sonne näher, kreuzt er die Bahn des Jupiters in etwa 5 AE (748 Millionen Kilometern). Auf der sonnenzugewandten Seite bewirken die Sonnenwinde eine »Sublimation«.
Dabei gehen die flüchtigen Bestandteile des Kometenkerns zuerst an brüchigen Stellen in ihren gasförmigen Zustand über.
Strahlungsdruck und Sonnenwinde blasen die Koma vom Kometenkern weg. Der »Schweif« aus Ionen und Radikalen kann dann – wenn der Komet hell genug wird – sogar mit bloßem Auge erkennbar werden.
Wie ist ein Komet aufgebaut?
Ein Komet ähnelt in seinem Aufbau einem “schmutzigen Schneeball”:
- Kern: Eis, gefrorenes Kohlendioxid, Methan, Ammoniak sowie Staub und Mineralien
- Koma: sublimierte, flüchtige Substanzen (in Sonnennähe)
- Schweif: Koma-Bestandteile, die durch zunehmenden Sonnenwind weggeblasen werden
Besonderheit des Kometen-Schweifs
In Sonnenähe bildet sich durch Sublimation flüchtiger Materie ein Schweif. Rückstände des Schweifs verbleiben im interplanetaren Raum und verursachen Sternschnuppen (Meteore), wenn die Erdbahn diese kreuzt.
Arten von Kometen
Aperiodische Kometen bewegen sich – im Gegensatz zu periodischen Kometen – in unbestimmbaren Bahnen an der Sonne vorüber. Forschungen sind in ihrem Fall bisher lückenhaft. Bisher bleibt es bei Spekulationen darüber, ob sie die Gravitation der äußeren Planeten überwinden und unser Sonnensystem verlassen können.
Langperiodische Kometen stammen aus der Oortschen Wolke, der kugelförmigen Hülle am äußersten Rand des Sonnensystems. Dort werden ihre Bahnen von den Gezeitenkräften der Milchstraße und von nahe vorbeiziehenden Sternen gestört – erst dadurch fallen sie ins innere Sonnensystem. Sie kommen deshalb aus allen Himmelsrichtungen, und ihre Umlaufzeit beträgt über 200 bis zu mehreren Millionen Jahren.
Relativ stabil bewegen sich die kurzperiodischen Kometen um die Sonne. Ihre Herkunft wird im »Kuipergürtel« vermutet. Ursprünglich langperiodische Kometen werden durch die Gravitation des Jupiters im Verlauf mehrerer Zyklen immer enger an die Sonne gebunden. Die meisten von ihnen haben eine Umlaufzeit von unter 20 Jahren; ihr sonnenfernster Bahnpunkt liegt typischerweise bei 5 bis 6 AE (749 bis 898 Millionen Kilometer) – also etwa in Jupiter-Entfernung.

Entstehung der Schweifsterne
Kometen sind Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Materie, die sich in Richtung Zentrum der protoplanetaren Scheibe befunden hat, wurde zu Planeten und Monden.
In den äußeren Bereichen verblieb Materie und formte den Kuipergürtel und die Oortsche Wolke. Die meisten Kometen stammen aus diesen Bereichen.
Daher wäre eine Probe aus ihrem Material von unschätzbarem Wert für die Forschung, weil es sich um Materie aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems handelt und zahlreiche Fragen beantworten könnte.
Einen Kometen selbst sehen – was wirklich geht
Zuerst die unbequeme Antwort: So wie auf den berühmten Fotos sieht ein Komet im Okular nie aus. Visuell ist er ein blasser, runder Nebelfleck ohne scharfen Rand. Der lange, strukturierte Schweif entsteht erst auf dem Sensor, über Minuten Belichtungszeit.
Und ein Komet, der ohne Hilfsmittel auffällt, ist selten: Zwischen Erscheinungen vom Rang eines Hale-Bopp liegen meist ein bis zwei Jahrzehnte. Alles dazwischen ist Fernglas-Arbeit – ein Teleskop brauchst du dafür ausdrücklich nicht.
Warum das Fernglas hier das bessere Gerät ist
Koma und Schweif eines hellen Kometen sind oft mehrere Vollmondbreiten groß. Ein Teleskop zeigt bei seiner Vergrößerung immer nur einen Ausschnitt davon und verteilt das ohnehin schwache Licht zusätzlich auf eine größere Fläche.
Was bei einem diffusen Objekt hilft, ist also Bildfeld und Lichtstärke – nicht Vergrößerung. Genau dafür ist ein Fernglas gebaut.
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Wenn ohnehin ein Fernglas im Schrank liegt: nimm das und kauf erst einmal nichts. Bei einem flächigen Objekt bringt ein dunkler Standort ohne Straßenlaternen mehr als jedes neue Gerät – ein Komet, der im Vorort im Aufhellungsdunst verschwindet, steht unter Landhimmel deutlich im Bildfeld.
Zwei Dinge, die den Abend entscheiden
Helligkeitsprognosen sind unzuverlässig. Wie viel Gas und Staub ein Kometenkern in Sonnennähe freisetzt, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Angekündigte „Jahrhundertkometen“ sind deshalb schon oft blass geblieben – und umgekehrt.
Der Horizont zählt mehr als die Optik. Ein heller Komet steht meist nahe an der Sonne und damit tief in der Dämmerung. Eine freie Sicht nach Westen oder Osten entscheidet dann darüber, ob du ihn überhaupt zu Gesicht bekommst.
Welche Objekte gerade am Himmel stehen, steht in den Astro-Events. Welches Fernglas wofür taugt, klärt der Ratgeber Astronomie-Fernglas – und die grundsätzliche Frage beantwortet Teleskop oder Fernglas.
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Gibt es einen Unterschied zwischen Kometen und Asteroiden?
Die Unterscheidung zwischen Kometen und Asteroiden fällt nicht immer leicht. Im Allgemeinen besitzt ein Komet eine wesentliche Wassereis-Komponente, die in Sonnennähe zur Koma- und Schweifbildung führt. Ein Asteroid bildet in Sonnennähe keinen Schweif aus, da sein Wassereis-Anteil zu gering ist.
Man vermutet allerdings, dass Schweifsterne, die nach unzähligen Sonnenumrundungen ihr ganzes Wassereis verloren haben, als Gesteinskern ihre Bahn fortsetzen. Diese “ausgebrannten” Kometenkerne werden durchaus als Asteroiden klassifiziert.
Bekannte Schweifsterne
| Komet | Umlaufdauer | letzte Sichtbarkeit | nächste Sichtbarkeit |
| Halley | 75 Jahre | 1986 | 2061 |
| Tempel-Tuttle | 33 Jahre | 1998 | 2031 |
| Swift-Tuttle | 130 Jahre | 1992 | 2122 |
| Ikeya-Seki | 860 Jahre | 1965 | ca. 2825 |
| Hale-Bopp | rund 2.400 Jahre | 1997 | ca. 4385 |
Spannende Fakten zu bekannten Kometen
- Halley’scher Komet:
- Der berühmte Halley’sche Komet ist einer der bekanntesten Kometen und hat eine Umlaufzeit von etwa 76 Jahren.
- Er wurde erstmals im Jahr 240 v. Chr. dokumentiert und ist nach dem englischen Astronomen Edmund Halley benannt.
- Der Komet besteht aus einer Mischung aus gefrorenem Wasser, Kohlenstoffdioxid, Ammoniak und Staub.
- Es wird geschätzt, dass der Halley’sche Komet in der Nähe der Sonne Temperaturen von bis zu 2.500 Grad Celsius erreicht.
- Komet Hale-Bopp:
- Der Komet Hale-Bopp war 1997 am Himmel zu sehen und war einer der hellsten Kometen, die jemals beobachtet wurden.
- Sein Kern wird auf 40 bis 80 Kilometer geschätzt; die Umlaufzeit beträgt rund 2.400 Jahre.
- Der Komet ist bekannt für seine lange Koma, die aus Staub und Gas besteht, die bis zu 100.000 Kilometer in den Weltraum hinausragt.
- Um Hale-Bopp entstand 1996 die Behauptung, ihn begleite ein zweites Objekt. Sie ging auf eine falsch gedeutete Aufnahme zurück, auf der in Wahrheit ein Stern zu sehen war – ein Gerücht, kein astronomischer Befund.
- Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko:
- Der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko wurde vom Rosetta-Raumsonde der Europäischen Weltraumorganisation untersucht.
- Er ist mit rund 4 Kilometern Länge recht klein und besteht aus zwei miteinander verbundenen Teilen – eine Form, die oft mit einer Gummiente verglichen wird.
- Der Komet besteht aus einer Mischung aus gefrorenem Wasser, Staub und Gas.
- Die Rosetta-Sonde entdeckte, dass der Komet auch organische Moleküle enthält, die als Bausteine für Leben gelten.
- Komet Lovejoy:
- Komet Lovejoy (C/2011 W3) gehört zu den Kreutz-Sonnenstreifern und zog am 16. Dezember 2011 in nur rund 140.000 Kilometern Abstand an der Sonnenoberfläche vorbei.
- Sein Kern maß dabei nur schätzungsweise 100 bis 500 Meter; die Umlaufzeit liegt bei rund 620 Jahren.
- Der Komet wurde von dem australischen Amateurastronomen Terry Lovejoy entdeckt.
- Dass er diese Passage überstand, war die eigentliche Überraschung: Nach der Sonnennähe war er als freiäugiger Schweifstern zu sehen – allerdings fast nur von der Südhalbkugel aus.
Gefahren durch Kometen?
Kometen stellen wie auch Asteroiden eine Gefahr für die Erde dar. Ab einer kritischen Größe verglühen Schweifsterne oder Asteroiden nicht in der Atmosphäre und erreichen den Erdboden.
Beim Aufschlag hängt die Zerstörung von der verbliebenen Masse und Geschwindigkeit ab und reicht von lokaler Zerstörung bis hin zur planetaren Katastrophe. Was übrig bleibt und tatsächlich gefunden wird, ist ein Meteorit – die meisten stammen allerdings aus dem Asteroidengürtel, nicht von Kometen.
Glücklicherweise kreuzen nur sehr wenige Schweifsterne die Erdbahn und ein Zusammenstoß ist ein sehr seltenes Ereignis.
Häufig gestellte Fragen zu Schweifsternen
Zuletzt kam der Halleysche Komet 1986 in Erdnähe. Seine nächste Wiederkehr wurde für das Jahr 2061 berechnet. Er hat eine Umlaufdauer von ca. 75 Jahren.
Abhängig von der Größe und Geschwindigkeit, die der Komet nach der Passage der Atmosphäre hat, reicht die Zerstörung von lokalem bis planetarem Ausmaß.
Einzelne Kometen im Porträt
Sechs Kometen, an denen sich gut zeigt, was die Forschung über diese Objekte weiß – und wie sie es herausgefunden hat: durch Beobachtung über Jahrhunderte, durch Raumsonden und manchmal durch einen gezielten Einschlag.
67P/Tschurjumow-Gerasimenko: der bestuntersuchte Komet überhaupt
67P/Tschurjumow-Gerasimenko ist ein kurzperiodischer Komet, der die Sonne alle 6,4 Jahre umrundet – und der einzige, den eine Raumsonde über zwei Jahre hinweg begleitet hat. Entdeckt wurde er 1969 durch Klym Tschurjumow, der eigentlich Aufnahmen seiner Kollegin Swetlana Gerasimenko von einem ganz anderen Kometen auswertete.
Bis 1840 war er von der Erde aus gar nicht zu sehen: Sein sonnennächster Punkt, das Perihel, lag damals bei etwa 4 Astronomischen Einheiten – so weit draußen bildet ein Komet weder Koma noch Schweif aus. Zwei nahe Begegnungen mit Jupiter zogen ihn nach innen, seit 1959 kommt er der Sonne bis auf 1,24 AE nahe. Aus einem unauffälligen Objekt wurde so ein regelmäßiger Besucher des inneren Sonnensystems.
Die europäische Raumsonde Rosetta startete 2004, erreichte den Kometen im August 2014 und blieb bis September 2016, als sie kontrolliert auf ihm aufsetzte. Am 12. November 2014 setzte sie das Landegerät Philae ab – die erste Landung auf einem Kometenkern überhaupt.
Was dabei herauskam, hat das Bild von Kometen verändert:
- Der Kern ist rund 4 mal 4 Kilometer groß und besteht aus zwei Klumpen, die vor Milliarden Jahren sanft zusammengestoßen sind – die Form erinnert an eine Gummiente. Er rotiert in gut 12 Stunden.
- Mit 533 Kilogramm pro Kubikmeter ist er leichter als Kiefernholz und zu etwa drei Vierteln hohl. Ein Kometenkern ist kein Felsbrocken, sondern ein poröser Haufen aus Staub und Eis.
- Nachgewiesen wurden unter anderem molekularer Sauerstoff und Stickstoff, die Aminosäure Glycin und eine ganze Reihe organischer Verbindungen, die man vorher an keinem Kometen kannte.
- Beim Wasser gab es eine Kehrtwende: 2014 maß Rosetta einen sehr hohen Anteil an schwerem Wasserstoff, was gegen Kometen als Quelle des irdischen Wassers sprach. Eine Neuauswertung von über 4.000 Messungen im Jahr 2024 zeigte, dass Staub in der Koma die Werte verfälscht hatte. Der tatsächliche Wert liegt nahe am irdischen – die alte Schlussfolgerung ist damit hinfällig.
9P/Tempel 1: der Komet, auf den wir geschossen haben
9P/Tempel 1 ist ein kurzperiodischer Komet mit 5,5 Jahren Umlaufzeit, entdeckt 1867 vom sächsischen Astronomen Wilhelm Tempel an der Sternwarte Marseille. Berühmt wurde er 2005, als die NASA-Mission Deep Impact ein Projektil auf seinen Kern schoss.
Vorher war der Komet zeitweise verschollen: Jupiter hatte seine Umlaufzeit um acht Monate verlängert, sodass er zum berechneten Termin nicht auftauchte. Erst neue Bahnbestimmungen brachten ihn zurück in die Listen.
Am 4. Juli 2005 traf ein Impaktor von der Größe einer Waschmaschine den Kern. Niemand wusste vorher, was passieren würde – ein Krater, ein spurloses Eindringen oder im schlimmsten Fall die Zerstörung des Kometen. Tatsächlich stiegen rund 20.000 Tonnen Material auf, darunter etwa 6.000 Tonnen Staub, und verdeckten die Sicht so gründlich, dass der Krater selbst nicht zu sehen war.
Nachgeliefert wurde das Bild sechs Jahre später: Im Februar 2011 flog die Sonde Stardust auf ihrer verlängerten Mission an Tempel 1 vorbei und fotografierte die Einschlagstelle. Der Krater misst rund 150 Meter und ist flach – der Kern hat den Treffer eher geschluckt als abbekommen. Das passt zum Bild vom lockeren, porösen Kometenkern, das auch Rosetta später bestätigte.
81P/Wild 2: Staub aus dem All, zurück auf der Erde
81P/Wild 2 ist der Komet, von dem wir tatsächlich Material im Labor haben. 1974 zog Jupiter ihn aus einer weiten Bahn ins innere Sonnensystem: Vorher brauchte er rund 43 Jahre für einen Umlauf und kam der Sonne nie näher als 5 Astronomische Einheiten, seither sind es gut 6 Jahre und 1,6 AE. Entdeckt wurde er dadurch überhaupt erst – 1978 durch den Schweizer Paul Wild.
Am 2. Januar 2004 flog die NASA-Sonde Stardust durch seine Koma und fing dort Staubteilchen in einem Block aus Aerogel ein. Zwei Jahre später landete die Probenkapsel auf der Erde. Die 72 Nahaufnahmen zeigen einen etwa 5 Kilometer großen, pechschwarzen Kern – er reflektiert nur 4 Prozent des Lichts – voller flacher Mulden und schroffer Kanten, aus dem mindestens zehn Gasjets strömten.
Die Proben brachten eine Überraschung. Man hatte erwartet, dass Kometenmaterial in großer Kälte entstanden ist. Gefunden wurden aber Minerale, die Temperaturen von über 1.000 Grad brauchen – sie können nur in Sonnennähe gebildet worden sein und müssen später nach außen transportiert worden sein. Der junge Sonnennebel war also viel besser durchmischt als gedacht. 2009 wies man in den Proben zusätzlich die Aminosäure Glycin nach, einen Grundbaustein von Eiweiß.
Ikeya-Seki: der Sonnenstreifer von 1965
Ikeya-Seki (C/1965 S1) war einer der hellsten Kometen des vergangenen Jahrtausends und der bekannteste Sonnenstreifer – ein Komet, dessen Bahn ihn fast in die Sonne hineinführt. Entdeckt haben ihn im Herbst 1965 unabhängig voneinander die japanischen Amateurastronomen Kaoru Ikeya und Tsutomu Seki.
Am 21. Oktober 1965 zog er in nur rund 450.000 Kilometern über der Sonnenoberfläche vorbei – das ist gut ein Zehntel des Sonnendurchmessers. Dabei flammte er auf −10 mag auf und war damit heller als der Vollmond, am Taghimmel direkt neben der Sonne zu sehen. Vor dem Periheldurchgang zerbrach er in drei Fragmente, die auf derselben Bahn weiterzogen; bis ins Frühjahr 1966 blieb der Schweif sichtbar.
Ikeya-Seki gehört zu den Kreutz-Sonnenstreifern, benannt nach dem deutschen Astronomen Heinrich Kreutz. Er erkannte im 19. Jahrhundert, dass diese Kometen alle Bruchstücke eines einzigen, viel größeren Körpers sein müssen. Der britische Astronom Brian Marsden verfolgte die Spur 1967 in historischen Aufzeichnungen zurück; als Ausgangspunkt gilt heute ein Komet, den Aristoteles und Ephoros 371 v. Chr. beschrieben und dessen Durchmesser auf rund 100 Kilometer geschätzt wird. Ephoros berichtete bereits von einer Teilung – seither zerfällt die Familie immer weiter.
X/1106 C1 und C/1577 V1: zwei Kometen, die Geschichte schrieben
Im Februar 1106 leuchtete weltweit ein Komet auf, den Chronisten von China bis Europa beschrieben. X/1106 C1, der Große Komet von 1106, zerbrach dabei sichtbar – und gilt heute als der Mutterkörper eines Teils der Kreutz-Gruppe. Der Große Septemberkomet von 1882 und Ikeya-Seki gehen mutmaßlich auf ihn zurück. Wissenschaftlich verwertbare Angaben fehlen allerdings: Kein Bericht nennt Schweiflänge oder Helligkeit in einer Form, mit der man heute rechnen könnte.
C/1577 V1, der Große Komet von 1577, hat die Astronomie dagegen unmittelbar verändert. Tycho Brahe versuchte, seine Parallaxe zu messen – also die scheinbare Verschiebung vor dem Sternenhintergrund, wenn man ihn von verschiedenen Orten aus betrachtet. Er fand keine messbare Verschiebung und schloss daraus: Der Komet muss weiter entfernt sein als der Mond. Das klingt harmlos, war aber ein Frontalangriff auf das damals geltende Weltbild, nach dem Kometen Erscheinungen der Erdatmosphäre waren und der Bereich jenseits des Mondes unveränderlich zu sein hatte. Brahe hielt außerdem fest, dass der Schweif stets von der Sonne wegzeigt.
Verlorene Kometen: wenn ein Schweifstern nicht wiederkommt
Ein verlorener Komet ist ein periodischer Komet, der zum berechneten Termin nicht wieder aufgetaucht ist. Erkennbar sind sie am Buchstaben D in der Bezeichnung – etwa 20D/Westphal. Die Gründe sind unterschiedlich: Manche zerbrechen im Perihel, andere haben ihr Eis aufgebraucht und ziehen unbemerkt als dunkler Brocken weiter, bei wieder anderen war die Bahn schlicht zu ungenau bestimmt oder Jupiter hat sie verschoben.
- 20D/Westphal, 1852 entdeckt, Umlaufzeit 61 Jahre. Das Perihel 1913 traf ein, das für 1976 berechnete nicht – seither keine Spur.
- 25D/Neujmin 2, 1916 entdeckt, Umlaufzeit 5,4 Jahre. Schon die Wiederkehr 1921 blieb aus; 2003 wurde er offiziell als verloren geführt.
- 34D/Gale, Umlaufzeit rund 11 Jahre. Weder 1938 noch 1949 ließ er sich wiederfinden.
- 72D/Denning-Fujikawa, 1881 entdeckt, sehr lichtschwach. 1978 tauchte er noch einmal auf und lieferte eine Umlaufzeit von 9,01 Jahren – alle Prognosen danach gingen ins Leere.
Verloren heißt nicht endgültig weg: Manche werden Jahrzehnte später zufällig wiedergefunden und bekommen ihre Nummer zurück. Der bekannteste Fall ist 3D/Biela, der 1846 vor den Augen der Beobachter in zwei Teile zerbrach, 1852 noch einmal doppelt erschien und dann verschwand – zurück blieb der Meteorstrom der Andromediden.
Weitere Kometen-Porträts
Quellen
- Юкатан, Cometorbit01, CC BY-SA 4.0, entnommen 19.01.2020
- Herbye at de.wikipedia, Oortschewolke, CC BY-SA 3.0, entnommen 19.01.2020

