Halleyscher Komet

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026

Der Halleysche Komet (1P/Halley) ist der bekannteste periodische Komet: Er umrundet die Sonne alle rund 76 Jahre auf einer langgestreckten, rückläufigen Bahn und wird bei jeder Wiederkehr mit bloßem Auge sichtbar.

Mehr dazu im Überblick: Kometen.

⭐ Kurz gesagt: Zuletzt war er 1986 da, das nächste Mal steht er am 28. Juli 2061 der Sonne am nächsten. Von Deutschland aus wird er dann deutlich besser zu sehen sein als 1986 – Mitte Juli am Morgenhimmel im Nordosten, voraussichtlich mit bloßem Auge. Gerade ist er fast am sonnenfernsten Punkt seiner Bahn und schon wieder auf dem Rückweg.
Der Halleysche Komet mit langem, hellem Schweif vor dem Sternenhimmel im März 1986
Der Halleysche Komet am 8. März 1986. Foto: NASA/W. Liller, Lspn comet halley, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons, entnommen 24.02.2020

Wann kommt der Halleysche Komet wieder?

Der Halleysche Komet erreicht seinen sonnennächsten Punkt, das Perihel, am 28. Juli 2061. Das ergibt die Bahnrechnung des Jet Propulsion Laboratory der NASA. Einen Tag später, am 29. Juli 2061, kommt er der Erde mit 0,48 AE am nächsten, das sind rund 72 Millionen Kilometer.

Den Umkehrpunkt seiner Bahn hat er schon hinter sich. Am 9. Dezember 2023 stand er im Aphel, dem sonnenfernsten Punkt, 35,1 AE von der Sonne entfernt – weiter draußen als Neptun. Seitdem fällt er langsam zurück ins innere Sonnensystem.

Tipp: AE steht für Astronomische Einheit, den mittleren Abstand Erde–Sonne von 149,6 Millionen Kilometern. Mit bloßem Auge dürfte der Komet ab etwa Anfang Juli 2061 zu sehen sein, mit dem Fernglas schon einige Wochen früher.

So gut ist er 2061 von Deutschland aus zu sehen

2061 stehen Erde und Komet auf derselben Seite der Sonne – das ist der große Unterschied zu 1986. Der Komet zieht im Juli morgens durch Stier, Perseus und Fuhrmann, also durch Sternbilder, die im Sommer vor der Dämmerung im Nordosten stehen. Die Werte unten haben wir mit den JPL-Bahndaten für die Mitte Deutschlands (51° Nord) gerechnet.

Zeitraum 2061Wo und wannHöheHelligkeit (Prognose)
Ende Junimorgens gegen 4 Uhr, Nordosten (Stier)10–15°um 6 mag, Fernglas
Mitte Julimorgens gegen 4:30 Uhr, Nordosten (Perseus, Fuhrmann)bis 27°4 bis 3 mag, bloßes Auge; Neumond am 16. Juli
24. bis 28. Julizweimal pro Nacht: abends gegen 22 Uhr tief im Nordwesten, morgens tief im Nordosten10–20°um 2 mag, evtl. heller
Anfang Augustabends gegen 22 Uhr, Westnordwest (Kleiner Löwe)um 14°2 bis 3 mag, Vollmond um den 1. August stört
Mitte bis Ende Augustabends tief im Westen (Jungfrau)unter 10°4 bis 5 mag, verschwindet in der Dämmerung
Höchste Stellung bei nautischer Dämmerung (Sonne mindestens 6° unter dem Horizont), Uhrzeiten in MESZ. Bahndaten: NASA/JPL Horizons, eigene Rechnung.

Ganz ehrlich: Die Helligkeit ist 35 Jahre vorher nur grob vorherzusagen. Das Standardmodell der JPL-Datenbank liefert um 2 mag zur Zeit der größten Erdnähe, andere Prognosen kommen auf etwa 0 mag. 1986 war der Komet nach dem Perihel rund zwei Größenklassen heller, als dieses Modell erwartet.

Ein Nachteil bleibt: Im Juli wird es in Deutschland nachts kaum richtig dunkel, und der Komet steht in der hellsten Phase tief in der Dämmerung. Einen Schweif über den halben Himmel wie 1910 darf man 2061 nicht erwarten.

Achtung: Ende Juli 2061 steht der Komet nur rund 20° neben der Sonne. Such ihn mit dem Fernglas erst, wenn die Sonne sicher untergegangen ist – ein versehentlicher Blick in die Sonne durch das Fernglas kann das Auge dauerhaft schädigen.

Wann war der Halleysche Komet zuletzt zu sehen?

Zuletzt war der Halleysche Komet 1985/86 zu sehen, sein Perihel erreichte er am 9. Februar 1986. Diese Wiederkehr gilt als die ungünstigste seit rund 2000 Jahren. Die Grafik zeigt, warum: Im Perihel stand die Sonne genau zwischen Erde und Komet.

Grafik: Bahn des Halleyschen Kometen mit den Planetenbahnen bis Neptun, Perihel 1986 und 2061, Aphel am 9. Dezember 2023 und Position im September 2026; darunter der Innenbereich mit der Stellung der Erde 1986 und 2061
Oben die ganze Bahn, unten der Innenbereich: 1986 stand die Erde im Perihel des Kometen hinter der Sonne, 2061 steht sie auf derselben Seite. Grafik: sterngucker.de, Bahndaten: NASA/JPL Horizons

Von Deutschland aus war er 1986 nur ein schwacher Nebelfleck. Im November und Dezember 1985 stand er abends hoch am Himmel, aber mit etwa 6 mag nur im Fernglas zu finden. Im Januar 1986 wurde er heller, sank aber immer tiefer in die Abenddämmerung.

Am schönsten war er im März und April 1986 mit rund 2 mag. Da stand er aber so weit im Süden, dass man ihn nur von der Südhalbkugel gut sah. Am 11. April 1986 kam er der Erde mit 0,42 AE am nächsten.

Seitdem ist er nur noch für die größten Teleskope erreichbar. Im März 2003 fotografierten Astronomen ihn mit dem Very Large Telescope der ESO bei einer Helligkeit von 28,2 mag – rund 26 Größenklassen schwächer als 1986.

Häufige Verwechslung: Der helle Komet von 1997, den viele noch vor Augen haben, war nicht Halley. Das war Hale-Bopp, einer der hellsten Kometen des 20. Jahrhunderts.

Alle Wiederkehren von 1835 bis 2134

Wie gut der Komet zu sehen ist, hängt fast nur davon ab, wo die Erde gerade steht. Die Tabelle zeigt die letzten und die nächsten Wiederkehren mit Datum des Perihels und der größten Erdnähe.

PerihelGrößte ErdnäheSichtbarkeit
16. Nov. 183513. Okt. 1835, 0,19 AEgut: im Oktober hoch am Himmel und mit bloßem Auge
20. Apr. 191020. Mai 1910, 0,15 AEglanzvoll: um 0 mag, langer Schweif, Erde am 19. Mai im Schweif
9. Feb. 198611. Apr. 1986, 0,42 AEschwach: gut nur von der Südhalbkugel
28. Juli 206129. Juli 2061, 0,48 AE⭐ Nächste Wiederkehrordentlich: im Juli mit bloßem Auge, aber tief in der Dämmerung
27. März 21347. Mai 2134, 0,09 AEsehr nah: dürfte deutlich heller werden als 2061
Daten: NASA/JPL Horizons, eigene Rechnung. Helligkeit 1910 nach historischen Beobachtungen.

Die Abstände zwischen den Wiederkehren sind nicht gleich: 1910 bis 1986 waren es 75,8 Jahre, 2061 bis 2134 werden es nur 72,7 Jahre. Der Grund sind die Schwerkraft von Jupiter und Saturn und der Rückstoß der Gase, die aus dem Kern strömen.

Bahn und Steckbrief

Der Halleysche Komet läuft rückwärts um die Sonne, also entgegen der Richtung, in der sich alle Planeten bewegen. Seine Bahn ist rund 18° gegen die Erdbahn geneigt, formal 162°, weil sie „auf dem Kopf“ steht.

EigenschaftWert
Bezeichnung1P/Halley, der erste als periodisch erkannte Komet
Umlaufzeitrund 76 Jahre, schwankt um einige Jahre
Kleinster Sonnenabstand (Perihel)0,59 AE (rund 88 Mio. km), zwischen Merkur- und Venusbahn
Größter Sonnenabstand (Aphel)35,1 AE (rund 5,3 Mrd. km), jenseits der Neptunbahn
Exzentrizität0,97
Bahnneigung162° (rückläufig)
Geschwindigkeitrund 55 km/s im Perihel, unter 1 km/s im Aphel
Kernetwa 15 × 8 km, dunkel wie Kohle (Rückstrahlvermögen 4 %)
Bahnelemente: NASA/JPL Small-Body Database (Lösung JPL#75) und Horizons; Kerngröße nach den Giotto-Aufnahmen.

Weil die Bahn so langgestreckt ist, verbringt der Komet fast seine ganze Umlaufzeit weit draußen. Nur ein bis zwei Jahre lang ist er nah genug an der Sonne, um einen Schweif zu bilden – den Rest der Zeit ist er ein dunkler, gefrorener Brocken. Mehr über diese Art von Kometen steht bei den kurzperiodischen Kometen.

Giotto und Vega: die Raumsonden von 1986

1986 flogen erstmals Raumsonden an einem Kometen vorbei, gleich fünf auf einmal. Die sowjetischen Vega-Sonden vermaßen den Kometen zuerst, mit ihren Daten wurde die europäische Sonde Giotto genauer ins Ziel gesteuert.

SondeBetreiberVorbeiflugAbstand zum Kern
Vega 1Sowjetunion6. März 1986rund 8.900 km
SuiseiJapan8. März 1986rund 150.000 km
Vega 2Sowjetunion9. März 1986rund 8.000 km
SakigakeJapan11. März 1986rund 7 Mio. km
GiottoESA14. März 1986596 km

Giotto lieferte die ersten Nahaufnahmen eines Kometenkerns: eine dunkle, kartoffelförmige Eisknolle von etwa 15 × 8 km. Nur auf der Sonnenseite brachen Gas- und Staubfontänen aus der Kruste. Kurz vor der größten Annäherung traf ein Staubteilchen die Sonde und brachte sie kurzzeitig ins Taumeln.

Edmond Halley und die Vorhersage

Seinen Namen verdankt der Komet dem englischen Astronomen Edmond Halley. Er berechnete 1705 die Bahnen mehrerer Kometen mit Newtons Gravitationsgesetz und stellte fest, dass die Kometen von 1531, 1607 und 1682 fast dieselbe Bahn hatten.

Halley schloss daraus, dass es derselbe Komet ist, und sagte seine Rückkehr für Ende 1758 voraus. Er starb 1742 und erlebte den Beweis nicht mehr. Am 25. Dezember 1758 entdeckte der sächsische Landwirt und Amateurastronom Johann Georg Palitzsch den Kometen bei Dresden wieder, das Perihel folgte am 13. März 1759.

Gut zu wissen: Die Rückkehr von 1758 war der erste Beweis, dass Kometen auf festen Bahnen um die Sonne laufen. Deshalb trägt Halley in den Katalogen die Nummer 1P – P steht für periodisch.

Vom Teppich von Bayeux bis zur Panik von 1910

Die älteste sichere Beobachtung stammt aus China aus dem Jahr 240 v. Chr. Seitdem ist der Komet bei jeder Wiederkehr in Chroniken aufgetaucht, meist als Unglücksbote.

Berühmt ist seine Darstellung auf dem Teppich von Bayeux, der die normannische Eroberung Englands 1066 erzählt. Der Maler Giotto di Bondone sah den Kometen 1301 und malte ihn wenige Jahre später als Stern von Bethlehem in sein Fresko „Anbetung der Könige“ in Padua. Nach ihm ist die Raumsonde Giotto benannt.

1910 löste der Komet eine regelrechte Panik aus. Astronomen hatten in seinem Schweif giftige Cyanverbindungen nachgewiesen, und die Erde sollte am 19. Mai 1910 durch diesen Schweif ziehen. Geschäftemacher verkauften „Kometenpillen“ – dabei war das Gas so dünn verteilt, dass niemand etwas davon bemerkte.

Der Schriftsteller Mark Twain kam am 30. November 1835 zur Welt, zwei Wochen nach dem Perihel des Kometen. Er sagte voraus, er werde mit dem Kometen auch wieder gehen – und starb am 21. April 1910, einen Tag nach dem nächsten Perihel.

Sternschnuppen vom Halleyschen Kometen

Ein Stück vom Halleyschen Kometen siehst du jedes Jahr gleich zweimal – als Sternschnuppen. Auf seiner Bahn hat er Staub verteilt, den die Erde im Mai und im Oktober kreuzt.

MeteorstromMaximumStundenrate (ideal)In Deutschland
Eta-Aquariidenum den 6. Mairund 50nur wenige, kurz vor der Morgendämmerung
Orionidenum den 21. Oktoberrund 20gut, in der zweiten Nachthälfte
Die Stundenrate gilt für einen perfekt dunklen Himmel mit dem Radianten im Zenit; tatsächlich siehst du deutlich weniger.

Kometen beobachten, ohne bis 2061 zu warten

Kometen fürs Fernglas gibt es fast jedes Jahr, mit bloßem Auge sichtbare etwa alle ein bis zwei Jahre. Welche Kometen gerade zu sehen sind, zeigt unsere Seite Komet heute, stündlich aktualisiert.

Für Kometen ist ein Fernglas oft besser als ein Teleskop, weil es ein großes Himmelsfeld zeigt. Ein 10×50-Fernglas ist der Klassiker für den Einstieg – mehr dazu in unserem Ratgeber zum Astronomie-Fernglas.

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Häufige Fragen zum Halleyschen Kometen

Wann kommt der nächste Halleysche Komet?

Der Halleysche Komet kehrt im Sommer 2061 zurück. Sein Perihel erreicht er am 28. Juli 2061, der Erde am nächsten ist er am 29. Juli 2061. Mit bloßem Auge dürfte er etwa von Anfang Juli bis Anfang August zu sehen sein.

Wann war der letzte Halleysche Komet?

Zuletzt war er 1985/86 zu sehen, mit dem Perihel am 9. Februar 1986. Von Mitteleuropa aus war diese Wiederkehr enttäuschend, weil der Komet in seiner hellsten Zeit nur auf der Südhalbkugel gut stand.

Wann war der Halleysche Komet in Deutschland zu sehen?

Zuletzt von November 1985 bis Januar 1986 am Abendhimmel, allerdings nur schwach und meist nur im Fernglas. Eindrucksvoll mit langem Schweif war er in Deutschland im April und Mai 1910 zu sehen.

Welcher Komet war 1997 zu sehen?

1997 war es der Komet Hale-Bopp, nicht der Halleysche. Hale-Bopp war monatelang mit bloßem Auge sichtbar, sogar über hellen Städten.

Wo ist der Halleysche Komet gerade?

Im Herbst 2026 ist er rund 35 AE von der Sonne entfernt, also etwa 5,2 Milliarden Kilometer. Den sonnenfernsten Punkt hat er am 9. Dezember 2023 passiert, seitdem ist er auf dem Rückweg.

Kann der Halleysche Komet die Erde treffen?

Nein. Seine Bahn kommt der Erdbahn nie näher als etwa 0,07 AE, das sind rund 11 Millionen Kilometer. Was die Erde von ihm abbekommt, ist nur sein Staub als Sternschnuppen.

Wie oft kommt der Halleysche Komet?

Im Schnitt alle 76 Jahre, die genaue Umlaufzeit schwankt aber zwischen etwa 73 und 79 Jahren. Wer ihn 2061 sieht, hat also gute Chancen, das nur einmal im Leben zu erleben.

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