Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Der Halleysche Komet (1P/Halley) ist der bekannteste periodische Komet: Er umrundet die Sonne alle rund 76 Jahre auf einer langgestreckten, rückläufigen Bahn und wird bei jeder Wiederkehr mit bloßem Auge sichtbar.
Mehr dazu im Überblick: Kometen.

Wann kommt der Halleysche Komet wieder?
Der Halleysche Komet erreicht seinen sonnennächsten Punkt, das Perihel, am 28. Juli 2061. Das ergibt die Bahnrechnung des Jet Propulsion Laboratory der NASA. Einen Tag später, am 29. Juli 2061, kommt er der Erde mit 0,48 AE am nächsten, das sind rund 72 Millionen Kilometer.
Den Umkehrpunkt seiner Bahn hat er schon hinter sich. Am 9. Dezember 2023 stand er im Aphel, dem sonnenfernsten Punkt, 35,1 AE von der Sonne entfernt – weiter draußen als Neptun. Seitdem fällt er langsam zurück ins innere Sonnensystem.
So gut ist er 2061 von Deutschland aus zu sehen
2061 stehen Erde und Komet auf derselben Seite der Sonne – das ist der große Unterschied zu 1986. Der Komet zieht im Juli morgens durch Stier, Perseus und Fuhrmann, also durch Sternbilder, die im Sommer vor der Dämmerung im Nordosten stehen. Die Werte unten haben wir mit den JPL-Bahndaten für die Mitte Deutschlands (51° Nord) gerechnet.
| Zeitraum 2061 | Wo und wann | Höhe | Helligkeit (Prognose) |
|---|---|---|---|
| Ende Juni | morgens gegen 4 Uhr, Nordosten (Stier) | 10–15° | um 6 mag, Fernglas |
| Mitte Juli | morgens gegen 4:30 Uhr, Nordosten (Perseus, Fuhrmann) | bis 27° | 4 bis 3 mag, bloßes Auge; Neumond am 16. Juli |
| 24. bis 28. Juli | zweimal pro Nacht: abends gegen 22 Uhr tief im Nordwesten, morgens tief im Nordosten | 10–20° | um 2 mag, evtl. heller |
| Anfang August | abends gegen 22 Uhr, Westnordwest (Kleiner Löwe) | um 14° | 2 bis 3 mag, Vollmond um den 1. August stört |
| Mitte bis Ende August | abends tief im Westen (Jungfrau) | unter 10° | 4 bis 5 mag, verschwindet in der Dämmerung |
Ganz ehrlich: Die Helligkeit ist 35 Jahre vorher nur grob vorherzusagen. Das Standardmodell der JPL-Datenbank liefert um 2 mag zur Zeit der größten Erdnähe, andere Prognosen kommen auf etwa 0 mag. 1986 war der Komet nach dem Perihel rund zwei Größenklassen heller, als dieses Modell erwartet.
Ein Nachteil bleibt: Im Juli wird es in Deutschland nachts kaum richtig dunkel, und der Komet steht in der hellsten Phase tief in der Dämmerung. Einen Schweif über den halben Himmel wie 1910 darf man 2061 nicht erwarten.
Wann war der Halleysche Komet zuletzt zu sehen?
Zuletzt war der Halleysche Komet 1985/86 zu sehen, sein Perihel erreichte er am 9. Februar 1986. Diese Wiederkehr gilt als die ungünstigste seit rund 2000 Jahren. Die Grafik zeigt, warum: Im Perihel stand die Sonne genau zwischen Erde und Komet.

Von Deutschland aus war er 1986 nur ein schwacher Nebelfleck. Im November und Dezember 1985 stand er abends hoch am Himmel, aber mit etwa 6 mag nur im Fernglas zu finden. Im Januar 1986 wurde er heller, sank aber immer tiefer in die Abenddämmerung.
Am schönsten war er im März und April 1986 mit rund 2 mag. Da stand er aber so weit im Süden, dass man ihn nur von der Südhalbkugel gut sah. Am 11. April 1986 kam er der Erde mit 0,42 AE am nächsten.
Seitdem ist er nur noch für die größten Teleskope erreichbar. Im März 2003 fotografierten Astronomen ihn mit dem Very Large Telescope der ESO bei einer Helligkeit von 28,2 mag – rund 26 Größenklassen schwächer als 1986.
Alle Wiederkehren von 1835 bis 2134
Wie gut der Komet zu sehen ist, hängt fast nur davon ab, wo die Erde gerade steht. Die Tabelle zeigt die letzten und die nächsten Wiederkehren mit Datum des Perihels und der größten Erdnähe.
| Perihel | Größte Erdnähe | Sichtbarkeit |
|---|---|---|
| 16. Nov. 1835 | 13. Okt. 1835, 0,19 AE | gut: im Oktober hoch am Himmel und mit bloßem Auge |
| 20. Apr. 1910 | 20. Mai 1910, 0,15 AE | glanzvoll: um 0 mag, langer Schweif, Erde am 19. Mai im Schweif |
| 9. Feb. 1986 | 11. Apr. 1986, 0,42 AE | schwach: gut nur von der Südhalbkugel |
| 28. Juli 2061 | 29. Juli 2061, 0,48 AE | ⭐ Nächste Wiederkehrordentlich: im Juli mit bloßem Auge, aber tief in der Dämmerung |
| 27. März 2134 | 7. Mai 2134, 0,09 AE | sehr nah: dürfte deutlich heller werden als 2061 |
Die Abstände zwischen den Wiederkehren sind nicht gleich: 1910 bis 1986 waren es 75,8 Jahre, 2061 bis 2134 werden es nur 72,7 Jahre. Der Grund sind die Schwerkraft von Jupiter und Saturn und der Rückstoß der Gase, die aus dem Kern strömen.
Bahn und Steckbrief
Der Halleysche Komet läuft rückwärts um die Sonne, also entgegen der Richtung, in der sich alle Planeten bewegen. Seine Bahn ist rund 18° gegen die Erdbahn geneigt, formal 162°, weil sie „auf dem Kopf“ steht.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Bezeichnung | 1P/Halley, der erste als periodisch erkannte Komet |
| Umlaufzeit | rund 76 Jahre, schwankt um einige Jahre |
| Kleinster Sonnenabstand (Perihel) | 0,59 AE (rund 88 Mio. km), zwischen Merkur- und Venusbahn |
| Größter Sonnenabstand (Aphel) | 35,1 AE (rund 5,3 Mrd. km), jenseits der Neptunbahn |
| Exzentrizität | 0,97 |
| Bahnneigung | 162° (rückläufig) |
| Geschwindigkeit | rund 55 km/s im Perihel, unter 1 km/s im Aphel |
| Kern | etwa 15 × 8 km, dunkel wie Kohle (Rückstrahlvermögen 4 %) |
Weil die Bahn so langgestreckt ist, verbringt der Komet fast seine ganze Umlaufzeit weit draußen. Nur ein bis zwei Jahre lang ist er nah genug an der Sonne, um einen Schweif zu bilden – den Rest der Zeit ist er ein dunkler, gefrorener Brocken. Mehr über diese Art von Kometen steht bei den kurzperiodischen Kometen.
Giotto und Vega: die Raumsonden von 1986
1986 flogen erstmals Raumsonden an einem Kometen vorbei, gleich fünf auf einmal. Die sowjetischen Vega-Sonden vermaßen den Kometen zuerst, mit ihren Daten wurde die europäische Sonde Giotto genauer ins Ziel gesteuert.
| Sonde | Betreiber | Vorbeiflug | Abstand zum Kern |
|---|---|---|---|
| Vega 1 | Sowjetunion | 6. März 1986 | rund 8.900 km |
| Suisei | Japan | 8. März 1986 | rund 150.000 km |
| Vega 2 | Sowjetunion | 9. März 1986 | rund 8.000 km |
| Sakigake | Japan | 11. März 1986 | rund 7 Mio. km |
| Giotto | ESA | 14. März 1986 | 596 km |
Giotto lieferte die ersten Nahaufnahmen eines Kometenkerns: eine dunkle, kartoffelförmige Eisknolle von etwa 15 × 8 km. Nur auf der Sonnenseite brachen Gas- und Staubfontänen aus der Kruste. Kurz vor der größten Annäherung traf ein Staubteilchen die Sonde und brachte sie kurzzeitig ins Taumeln.
Edmond Halley und die Vorhersage
Seinen Namen verdankt der Komet dem englischen Astronomen Edmond Halley. Er berechnete 1705 die Bahnen mehrerer Kometen mit Newtons Gravitationsgesetz und stellte fest, dass die Kometen von 1531, 1607 und 1682 fast dieselbe Bahn hatten.
Halley schloss daraus, dass es derselbe Komet ist, und sagte seine Rückkehr für Ende 1758 voraus. Er starb 1742 und erlebte den Beweis nicht mehr. Am 25. Dezember 1758 entdeckte der sächsische Landwirt und Amateurastronom Johann Georg Palitzsch den Kometen bei Dresden wieder, das Perihel folgte am 13. März 1759.
Vom Teppich von Bayeux bis zur Panik von 1910
Die älteste sichere Beobachtung stammt aus China aus dem Jahr 240 v. Chr. Seitdem ist der Komet bei jeder Wiederkehr in Chroniken aufgetaucht, meist als Unglücksbote.
Berühmt ist seine Darstellung auf dem Teppich von Bayeux, der die normannische Eroberung Englands 1066 erzählt. Der Maler Giotto di Bondone sah den Kometen 1301 und malte ihn wenige Jahre später als Stern von Bethlehem in sein Fresko „Anbetung der Könige“ in Padua. Nach ihm ist die Raumsonde Giotto benannt.
1910 löste der Komet eine regelrechte Panik aus. Astronomen hatten in seinem Schweif giftige Cyanverbindungen nachgewiesen, und die Erde sollte am 19. Mai 1910 durch diesen Schweif ziehen. Geschäftemacher verkauften „Kometenpillen“ – dabei war das Gas so dünn verteilt, dass niemand etwas davon bemerkte.
Der Schriftsteller Mark Twain kam am 30. November 1835 zur Welt, zwei Wochen nach dem Perihel des Kometen. Er sagte voraus, er werde mit dem Kometen auch wieder gehen – und starb am 21. April 1910, einen Tag nach dem nächsten Perihel.
Sternschnuppen vom Halleyschen Kometen
Ein Stück vom Halleyschen Kometen siehst du jedes Jahr gleich zweimal – als Sternschnuppen. Auf seiner Bahn hat er Staub verteilt, den die Erde im Mai und im Oktober kreuzt.
| Meteorstrom | Maximum | Stundenrate (ideal) | In Deutschland |
|---|---|---|---|
| Eta-Aquariiden | um den 6. Mai | rund 50 | nur wenige, kurz vor der Morgendämmerung |
| Orioniden | um den 21. Oktober | rund 20 | gut, in der zweiten Nachthälfte |
Kometen beobachten, ohne bis 2061 zu warten
Kometen fürs Fernglas gibt es fast jedes Jahr, mit bloßem Auge sichtbare etwa alle ein bis zwei Jahre. Welche Kometen gerade zu sehen sind, zeigt unsere Seite Komet heute, stündlich aktualisiert.
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Häufige Fragen zum Halleyschen Kometen
Wann kommt der nächste Halleysche Komet?
Der Halleysche Komet kehrt im Sommer 2061 zurück. Sein Perihel erreicht er am 28. Juli 2061, der Erde am nächsten ist er am 29. Juli 2061. Mit bloßem Auge dürfte er etwa von Anfang Juli bis Anfang August zu sehen sein.
Wann war der letzte Halleysche Komet?
Zuletzt war er 1985/86 zu sehen, mit dem Perihel am 9. Februar 1986. Von Mitteleuropa aus war diese Wiederkehr enttäuschend, weil der Komet in seiner hellsten Zeit nur auf der Südhalbkugel gut stand.
Wann war der Halleysche Komet in Deutschland zu sehen?
Zuletzt von November 1985 bis Januar 1986 am Abendhimmel, allerdings nur schwach und meist nur im Fernglas. Eindrucksvoll mit langem Schweif war er in Deutschland im April und Mai 1910 zu sehen.
Welcher Komet war 1997 zu sehen?
1997 war es der Komet Hale-Bopp, nicht der Halleysche. Hale-Bopp war monatelang mit bloßem Auge sichtbar, sogar über hellen Städten.
Wo ist der Halleysche Komet gerade?
Im Herbst 2026 ist er rund 35 AE von der Sonne entfernt, also etwa 5,2 Milliarden Kilometer. Den sonnenfernsten Punkt hat er am 9. Dezember 2023 passiert, seitdem ist er auf dem Rückweg.
Kann der Halleysche Komet die Erde treffen?
Nein. Seine Bahn kommt der Erdbahn nie näher als etwa 0,07 AE, das sind rund 11 Millionen Kilometer. Was die Erde von ihm abbekommt, ist nur sein Staub als Sternschnuppen.
Wie oft kommt der Halleysche Komet?
Im Schnitt alle 76 Jahre, die genaue Umlaufzeit schwankt aber zwischen etwa 73 und 79 Jahren. Wer ihn 2061 sieht, hat also gute Chancen, das nur einmal im Leben zu erleben.
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