Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Shoemaker-Levy 9 (offiziell D/1993 F2) ist der Komet, der 1994 in Jupiter stürzte – die erste Kollision zweier Körper im Sonnensystem, die Menschen direkt beobachten konnten. Jupiters Gezeitenkräfte hatten ihn 1992 in 21 Fragmente von 50 bis 1.000 Metern zerrissen, die sich zu einer millionenkilometerlangen Kette aufreihten.
Wenn ein Stern über den Himmel zieht und nicht sogleich als Sternschnuppe verglüht, werden Wissenschaftler und »normale« Bürger unruhig.
Womöglich bleibt das Phänomen mehrere Stunden lang, gar Tage oder Wochen, am Himmel neben der Sonne sichtbar und wirkt durch das immer hellere Aufglühen des Schweifes wie eine ernste Bedrohung. Die spektakulärsten der periodischen und einige aperiodische Kometen gelten noch immer als Boten negativer Ereignisse.
Entdeckung des Kometen Shoemaker-Levy 9
Als das Astronomentrio Carolyn und Eugene Shoemaker sowie David H. Levy den kurzperiodischen Kometen SL9 1993 entdeckte, bewegte er sich nahe am Jupiter und bestand aus Fragmenten auf Kollisionskurs. Zeit zur vollständigen Auswertung und Bestimmung blieb nicht.
Bereits im Sommer 1994, tauchten alle Bruchstücke in die Atmosphäre des Gasriesen Jupiter ein. Daraufhin erhielt Shoemaker-Levy 9 die offizielle Kometenbezeichnung D/1993 F2 (Shoemaker-Levy). Das »D« ist die Abkürzung des englischen Wortes »disappeared« (verschwunden).
Nachträglich wurde das Szenario der Katastrophe zurück verfolgt. Bereits in den 60er Jahren muss aus dem Kometen durch Jupiters gewaltige Gravitationskräfte ein stark elliptischer Quasisatellit (eingefangener Asteroid auf gleicher Umlaufbahn) geworden sein.

1992 unterschritt der »Weltraumtourist« Shoemaker-Levy 9 dabei die kritische »Roche-Grenze« (Bruch eines Himmelskörpers durch innere Verzerrungen bei zu starker Annäherung an den beeinflussenden Planeten oder Stern), und zerfiel in 21 Fragmente von 50 – 1000 m Größe. Diese reihten sich wie die Ladung eines Schrotgewehrs zu einer Kette von mehreren Millionen Kilometern Länge auf.
»Deep Impact« im All: Das Ende von »Shoemaker-Levy 9«

Noch ein Jahr lang bewegten sich die Fragmente des Kometen äußerst exzentrisch auf einer stark elliptischen Bahn und entfernten sich nicht weiter als 0,33 AE (ca. 49,4 Mio. km) vom Planeten.
Ab diesem Zeitpunkt war ein kosmisches Impakt-Ereignis auf Jupiter vorhersehbar. Die prophezeiten Einschläge der Splitter von Shoemaker-Levy 9 erfolgten vom 16. – 22. Juli 1994 auf der Südhemisphäre des Planeten. Eine kosmische Kollision solchen Ausmaßes war die erste direkte Beobachtung dieser Art zwischen Himmelskörpern innerhalb unseres Sonnensystems.
Die hohe Geschwindigkeit des Aufpralls mit 60 km/s setzte dabei die Sprengkraft von geschätzten 50 Millionen Hiroshima-Bomben frei. Massenmedien weltweit verfolgten das Ende des Kometen, und Astronomen konnten dunkle Flecke von bis zu 12.000 km in Jupiters Atmosphäre beobachten. Die kosmischen Atompilze blieben als letzte Bilder des zerstörten Kometen Shoemaker-Levy 9 über viele Monate gut sichtbar.
Quellen
- NASA, ESA, and H. Weaver and E. Smith (STScI), Shoemaker-Levy 9 on 1994-05-17, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons, entnommen 25.01.2020
- NASA, ESA, H. Weaver & E. Smith (STScI) and J. Trauger & R. Evans (Jet Propulsion Laboratory), entnommen 25.01.2020
