Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Ein Flug zum Mars dauert mit heutiger Technik sechs bis neun Monate. Die bisher schnellste Sonde, Mariner 4, brauchte 1964/65 rund 228 Tage bis zum Vorbeiflug; der Rover Perseverance war 2020/21 gut sieben Monate unterwegs. Ein Startfenster öffnet sich nur alle 26 Monate. Menschen war bislang noch niemand auf dem Weg zum Mars.

Warum die Reise so lange dauert
Der Mars ist im günstigsten Fall rund 56 Millionen Kilometer entfernt, im ungünstigsten über 400 Millionen. Selbst die kleinere Zahl wäre bei der Startgeschwindigkeit einer Rakete in wenigen Wochen zu schaffen – wenn man geradeaus fliegen könnte. Genau das geht aber nicht.
Raumsonden fliegen keine Geraden, sondern Ellipsenbahnen um die Sonne. Nach dem Verlassen der Erde bewegt sich eine Sonde weiterhin auf einer Sonnenumlaufbahn – nur auf einer größeren als die Erde. Die energiesparendste Variante ist der Hohmann-Transfer: eine halbe Ellipse, die die Erdbahn im Startpunkt und die Marsbahn im Zielpunkt berührt. Diese Bahn dauert rechnerisch rund 259 Tage, also etwa achteinhalb Monate. Wer schneller sein will, muss deutlich mehr Treibstoff mitnehmen – und Treibstoff ist die knappste Ressource der Raumfahrt.
Dazu kommt: Beide Planeten bewegen sich. Eine Sonde zielt nie auf die Position, an der der Mars beim Start steht, sondern auf den Punkt, an dem er in sieben bis neun Monaten sein wird. Passt die Konstellation nicht, verfehlt man das Ziel um Millionen Kilometer.
Das Startfenster: alle 26 Monate
Erde und Mars stehen nur alle 779 Tage – knapp 26 Monate – so zueinander, dass ein Hohmann-Transfer mit vertretbarem Treibstoffaufwand funktioniert. Dieses Startfenster ist wenige Wochen breit. Wer es verpasst, wartet mehr als zwei Jahre auf das nächste. Deshalb starten Marsmissionen aller Raumfahrtnationen auffällig gebündelt: Im Sommer 2020 schickten die USA, China und die Vereinigten Arabischen Emirate innerhalb von zwölf Tagen je eine Mission los.
Die Startfenster hängen direkt mit der Mars-Opposition zusammen: Ein günstiger Start liegt typischerweise einige Monate vor einer Opposition, weil die Sonde den Planeten dort einholt, wo er der Erde am nächsten kommt.
Reisezeiten im Vergleich
Die tatsächlichen Flugzeiten der bisherigen Marsmissionen liegen erstaunlich eng beieinander – zwischen gut sieben und elf Monaten. Zum Vergleich lohnt der Blick auf andere Ziele im Sonnensystem:
| Mission / Ziel | Reisedauer |
|---|---|
| Mond (Apollo 11, bemannt) | gut 3 Tage |
| Mariner 4 – erster Marsvorbeiflug (1964/65) | 228 Tage |
| Mars Express, ESA (2003) | rund 6,5 Monate |
| Perseverance / Mars 2020, NASA | 203 Tage – knapp 7 Monate |
| Curiosity / Mars Science Laboratory | rund 8,5 Monate |
| Viking 1 (1975/76) | rund 10 Monate |
| Merkur (BepiColombo, mit Vorbeiflügen) | rund 7 Jahre |
| Jupiter (Juno) | knapp 5 Jahre |
| Pluto (New Horizons, schnellster Start aller Zeiten) | 9,5 Jahre |
Ein Kuriosum steckt in dieser Tabelle: Der Weg zu einem inneren Ziel kann länger dauern als zu einem äußeren. BepiColombo braucht sieben Jahre bis zum Merkur, weil die Sonde gegen die Anziehung der Sonne permanent abbremsen muss – ein Manöver, das mehr Energie kostet als der Flug nach außen zum Jupiter.
Wie schnell fliegt eine Raumsonde eigentlich?
Beim Verlassen des Erdorbits erreichen Marssonden typischerweise 11 bis 12 km/s relativ zur Erde – rund 40.000 km/h. Relativ zur Sonne sind es deutlich mehr, weil sich die Erde selbst mit knapp 30 km/s bewegt und diese Geschwindigkeit „geschenkt“ mitgegeben wird. New Horizons verließ die Erde 2006 mit über 58.000 km/h und hält damit den Startrekord.
Unterwegs wird nicht dauerhaft beschleunigt. Nach dem Brennschluss der Oberstufe fliegt eine Sonde monatelang antriebslos; nur kleine Korrekturmanöver halten sie auf Kurs. Erst am Ziel bremst sie ab, um in eine Umlaufbahn einzuschwenken – oder sie stürzt kontrolliert durch die dünne Marsatmosphäre, was NASA-Ingenieure wegen der nervenaufreibenden Funklaufzeit die „sieben Minuten des Schreckens“ nennen.
Und bemannte Marsflüge?
Wichtig zur Einordnung: Bislang war noch nie ein Mensch auf dem Weg zum Mars. Alle Angaben zu bemannten Flugzeiten stammen aus Missionsstudien, nicht aus Erfahrung.
Die durchgerechneten Profile unterscheiden zwei Varianten. Die konjunktionsnahe Mission plant sechs bis neun Monate Hinflug, rund 500 Tage Aufenthalt auf dem Mars – so lange, bis sich das Rückflugfenster öffnet – und noch einmal ein halbes bis dreiviertel Jahr zurück. Gesamtdauer: etwa zweieinhalb bis drei Jahre. Die oppositionsnahe Mission verkürzt den Aufenthalt auf wenige Wochen, erkauft das aber mit einer energieaufwendigeren Bahn und einer längeren Gesamtstrahlenbelastung.
Die Hürden liegen weniger im Antrieb als in der Biologie: Das Strahlungsmessgerät an Bord des Curiosity-Rovers ermittelte auf Hin- und Rückflug zusammen eine Dosis in der Größenordnung von 0,66 Sievert – ein erheblicher Teil dessen, was Raumfahrtagenturen einem Menschen fürs ganze Leben zugestehen. Dazu kommen Muskel- und Knochenabbau in der Schwerelosigkeit sowie die Versorgung über Jahre ohne Nachschub.
Bis Menschen tatsächlich aufbrechen, bleibt der Rote Planet ein dankbares Ziel fürs Teleskop. Wann er günstig steht, zeigen unser Mars-Guide und die Übersicht Welche Planeten sind heute sichtbar?
Den Mars selbst sehen – und wann sich das lohnt
Solange kein Mensch aufbricht, bleibt das Teleskop der einzige Weg, den Mars nicht auf einem Bild, sondern selbst zu sehen. Nur ist er kein Ganzjahresziel: Außerhalb der Oppositionsmonate bleibt er ein enttäuschend kleines Pünktchen, und daran ändert auch teure Optik nichts.
Der nächste günstige Zeitraum steht fest. Zur Opposition am 19. Februar 2027 misst das Marsscheibchen 13,8 Bogensekunden. Grob gerechnet lohnt der Blick von Dezember 2026 bis April 2027 – davor und danach kaum.
Was du dann siehst, hängt fast nur an der Öffnung. Ein 10×50-Fernglas zeigt einen orangefarbenen Punkt, ein 70-mm-Refraktor ein winziges Scheibchen. Erst ab rund 130 mm werden die weiße Polkappe und die große dunkle Struktur Syrtis Major erkennbar.
Dazu kommen zwei Dinge, die nichts kosten und mehr bringen als jedes Zubehör: ruhige Luft abwarten und das Teleskop eine halbe Stunde vorher nach draußen stellen, damit es auskühlt. Ein warmes Gerät zeigt bei hoher Vergrößerung nur Wabern.
Wer im Februar 2027 etwas sehen will, sollte nicht im Februar anfangen. Ein erstes Teleskop braucht ein paar Abende, bis Aufstellen, Scharfstellen und Nachführen sitzen – und bis dahin liefern Mond und Jupiter die dankbareren Übungsziele.
Der Einstieg: Polkappe und Syrtis Major: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

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Das ist dasselbe Gerät, das auch unser Mars-Guide an erster Stelle führt; dort steht auch, was größere Öffnungen zusätzlich zeigen. Wie du die passende Vergrößerung wählst, erklärt Mars beobachten mit dem Teleskop. Und wenn du noch ganz am Anfang stehst, fang mit dem Einsteiger-Ratgeber an.
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Zum Mars fliegen dauert Monate – ihn im Teleskop sehen geht schon mit einem Einsteigergerät.
Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per Mail.
Häufige Fragen
Wie lange fliegt man zum Mars?
Mit heutiger Technik sechs bis neun Monate. Die Spanne entsteht durch die gewählte Bahn und die Stellung der Planeten zueinander – ein Hohmann-Transfer als sparsamste Route dauert rechnerisch rund 259 Tage.
Wie lange fliegt eine Rakete zum Mond?
Die bemannten Apollo-Missionen brauchten gut drei Tage. Unbemannte Sonden auf treibstoffsparenden Bahnen sind teils Wochen bis Monate unterwegs.
Wie weit ist der Mars von der Erde entfernt?
Zwischen rund 56 Millionen Kilometern bei einer sehr günstigen Opposition und über 400 Millionen Kilometern, wenn beide Planeten auf gegenüberliegenden Seiten der Sonne stehen. Funksignale brauchen entsprechend 3 bis 22 Minuten – ein Gespräch in Echtzeit ist unmöglich.
Warum kann man nicht direkt zum Mars fliegen?
Weil eine gerade Linie im Sonnensystem energetisch die teuerste Lösung wäre. Sonden nutzen die Bahngeschwindigkeit der Erde und fliegen auf einer Ellipse um die Sonne zum Punkt, an dem der Mars in Monaten sein wird.
Wann startet die nächste Marsmission?
Startfenster öffnen sich alle 26 Monate. Um solche Termine herum bündeln sich traditionell die Missionen mehrerer Raumfahrtnationen – ein einzelnes Fenster ist nur wenige Wochen breit.
War schon einmal ein Mensch auf dem Mars?
Nein. Bisher haben ausschließlich unbemannte Sonden, Orbiter, Lander und Rover den Mars erreicht. Ein bemannter Flug ist geplant, aber nicht terminiert.
🔴 Mars live sehen: Am 19. Februar 2027 erreicht Mars seine Opposition und steht die ganze Nacht am Himmel – alle Beobachtungstipps im Mars-Guide.
