Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 5. Oktober 2026
Die Internationale Raumstation (ISS) ist das größte Bauwerk, das Menschen je im All errichtet haben – und eines der hellsten Objekte am Nachthimmel. Das Beste: Du kannst sie mit bloßem Auge sehen, wenn du weißt, wann und wo du schauen musst.
ISS in Zahlen: rund 400 km Flughöhe · ca. 28.800 km/h schnell · eine Erdumrundung in etwa 93 Minuten (≈ 16 Umläufe pro Tag) · Spannweite etwa 109 Meter · dauerhaft bemannt seit November 2000.
Mehr dazu im Überblick: Astronomie-Wissen.
Was ist die ISS?
Die ISS ist ein Gemeinschaftsprojekt von USA, Russland, Europa (ESA), Japan und Kanada. Seit 1998 wurde sie Modul für Modul im Orbit zusammengebaut; seit über 25 Jahren leben und forschen dort ununterbrochen Menschen – meist sechs bis sieben zugleich.
An Bord laufen Experimente, die auf der Erde unmöglich wären: von Materialforschung in Schwerelosigkeit bis zu medizinischen Langzeitstudien für künftige Mars-Missionen. Nach aktuellen Planungen soll die Station noch bis etwa 2030 betrieben und danach kontrolliert zum Absturz über dem Pazifik gebracht werden.
ISS beobachten: Wann und wo?
Die ISS leuchtet nicht selbst – sie reflektiert Sonnenlicht mit ihren riesigen Solarpaneelen. Sichtbar ist sie deshalb nur in der Dämmerung: Der Himmel muss dunkel sein, die Station in 400 km Höhe aber noch von der Sonne angestrahlt werden. Diese Bedingungen herrschen in den ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang.
Die aktuellen Termine für deinen Ort findest du unter Wann ist die ISS sichtbar?. Ein Überflug sieht so aus: Ein sehr heller, ruhig ziehender „Stern” taucht im Westen auf, wandert in zwei bis sechs Minuten über den Himmel und verschwindet nach Osten hin – oft abrupt, wenn die Station in den Erdschatten eintritt. Die ISS blinkt nicht (das tun Flugzeuge) und kann heller werden als jeder Stern; nur Mond und Venus übertreffen sie.
Überflugzeiten für deinen Standort
Wann die ISS bei dir vorbeizieht, rechnen wir selbst aus – für deinen Ort und die nächsten sieben Nächte, mit Uhrzeit, Richtung und maximaler Höhe.
Als Faustregel gelten Serien: Ein bis zwei Wochen lang gibt es fast täglich Abend- oder Morgen-Überflüge, dann folgt eine Pause ähnlicher Länge. Wer einmal nichts sieht, sollte es also in zehn Tagen wieder versuchen.
Wie die ISS aufgebaut ist
Die Station ist kein einzelnes Raumschiff, sondern ein Baukasten aus rund 16 Druckmodulen, die zwischen 1998 und 2021 nacheinander in den Orbit gebracht und dort verbunden wurden.
Das Rückgrat bildet ein 109 Meter langes Gitterwerk, an dem acht Solarflächen hängen. Genau diese Flächen machen die Station für uns sichtbar – sie reflektieren das Sonnenlicht.
Der bewohnbare Raum entspricht ungefähr einem Passagierflugzeug vom Typ Boeing 747. Europa steuert das Labormodul Columbus bei, Japan das Modul Kibo, die USA das Labor Destiny, Russland unter anderem das Servicemodul Swesda.
| Kennzahl | Wert | Zum Vergleich |
|---|---|---|
| Flughöhe | rund 400 km | Berlin–Hamburg in der Senkrechten |
| Geschwindigkeit | 28.800 km/h | 7,7 km pro Sekunde |
| Erdumrundung | 93 Minuten | 16 Umläufe pro Tag |
| Spannweite | 109 Meter | etwas länger als ein Fußballfeld |
| Masse | rund 420 Tonnen | etwa 280 Mittelklassewagen |
| Besatzung | meist 7 Personen | Aufenthalt üblicherweise 6 Monate |
Warum die ISS ständig angehoben werden muss
In 400 Kilometern Höhe ist die Atmosphäre nicht zu Ende – sie ist nur extrem dünn. Trotzdem bremst sie die Station, die dadurch jeden Monat mehrere Kilometer an Höhe verliert.
Deshalb wird die ISS regelmäßig angehoben, meist von einem angedockten Versorgungsraumschiff. Ohne diese Manöver würde sie innerhalb von etwa zwei Jahren abstürzen.
Die Umlaufbahn: warum nicht über dem Nordpol
Die ISS umkreist die Erde auf einer um 51,6 Grad geneigten Bahn. Diese Zahl ist kein Zufall: Sie erlaubt Starts sowohl von Florida als auch vom russischen Kosmodrom Baikonur.
Für dich als Beobachter bedeutet sie zweierlei. Erstens: Die Station kommt nie senkrecht über Skandinavien vorbei – nördlich von etwa 52 Grad Breite bleibt sie immer etwas südlicher. Zweitens: Sie überfliegt fast alle bewohnten Gebiete der Erde, weil sich die Erde unter ihrer Bahn wegdreht.
Jeder Umlauf verschiebt die Bodenspur deshalb um rund 22 Längengrade nach Westen. Deshalb wandern die Überflugzeiten von Nacht zu Nacht um etwa 20 bis 25 Minuten nach vorn.
Wer ist an Bord – und welche Deutschen waren schon oben?
Meist leben sieben Menschen gleichzeitig auf der Station, üblicherweise für sechs Monate. Seit November 2000 war die ISS keinen einzigen Tag unbewohnt.
Aus Deutschland waren bisher drei Astronauten dort: Thomas Reiter (2006, erster Deutscher mit Langzeitaufenthalt), Alexander Gerst (2014 und 2018, beim zweiten Mal als erster deutscher ISS-Kommandant) und Matthias Maurer (2021/22).
Was passiert 2030 mit der ISS?
Der Betrieb ist bis etwa 2030 zugesagt. Danach soll die Station kontrolliert zum Absturz gebracht werden – über dem Südpazifik, im sogenannten Raumfahrzeugfriedhof rund um Point Nemo, dem Punkt der Erde, der am weitesten von jedem Land entfernt liegt.
Dafür entwickelt die NASA eigens ein Bremsfahrzeug: 420 Tonnen können nicht einfach von selbst verglühen. Als Nachfolger sind kommerzielle Stationen privater Anbieter geplant, deren Zeitpläne aber noch nicht belastbar sind.
Für Beobachter heißt das: Die Jahre bis 2030 sind die letzten, in denen dieses helle Objekt regelmäßig über uns zieht. Gute Gelegenheit, es sich anzuschauen – die Zeiten stehen in unserer Überflug-Tabelle.
ISS im Teleskop: was du wirklich siehst
Im Teleskop wird aus dem hellen Punkt eine Raumstation: Bei einem hohen Überflug zeigen schon 130 mm Öffnung die Umrisse aus Gitterträger, Solarflügeln und Modulblock. Der Haken ist das Tempo, denn die ISS rast in Sekundenbruchteilen durchs Okular.

Wie groß die ISS am Himmel erscheint
Die Station misst von Ende zu Ende 109 Meter. Zieht sie in rund 420 km Abstand fast über dich hinweg, erscheint sie etwa 53 Bogensekunden groß und damit so groß wie Jupiter, der zur Opposition höchstens 50 Bogensekunden erreicht.
Tief am Horizont ist sie 1.000 km und mehr entfernt und schrumpft auf gut 20 Bogensekunden. Die besten Chancen hast du deshalb bei Überflügen mit großer maximaler Höhe – die zeigt unsere ISS-Überflug-Tabelle für deinen Ort für jede Passage an.
130 oder 200 mm: was die Öffnung zeigt
Theoretisch trennt ein 130-mm-Spiegel noch Details von 0,9 Bogensekunden, ein 200-mm-Spiegel von 0,6. In 420 km Entfernung entspricht eine Bogensekunde gut 2 Metern, rein rechnerisch reichen also beide Öffnungen für Solarflügel und Gitterträger.
In der Praxis bremst die Luftunruhe beide, und dein Auge hat nur Sekundenbruchteile. Der Gewinn von 200 mm zeigt sich vor allem auf Fotos: Mehr Licht erlaubt kürzere Belichtungen, und die schärfsten Amateurbilder entstehen mit 300 mm und mehr.
| Kennwert | 130 mm, z. B. 130/900 | 200 mm, z. B. 200/1200 |
|---|---|---|
| Auflösung (theoretisch) | 0,9″, knapp 2 m auf der ISS | 0,6″, gut 1 m auf der ISS |
| Vergrößerung | 100-fach mit 9-mm-Okular | 120-fach mit 10-mm-Okular |
| Gesichtsfeld (52°-Okular) | 0,5° | 0,4° |
| Zeit im Bild bei hohem Überflug | rund 0,5 Sekunden | rund 0,4 Sekunden |
So sieht das in echt aus: links Einzelbilder durch einen 8-Zoll-Newton, also 200 mm, von Hand nachgeführt, rechts ein 350-mm-Spiegel mit Planetenkamera. Links siehst du, was mit 200 mm und Handnachführung realistisch ist, rechts, wohin viel Öffnung und Übung führen.


So führst du die ISS von Hand nach
Die Methode, mit der Amateure im Forum von astronomie.de ihre ISS-Bilder machen, funktioniert auch fürs Auge. Du zielst nicht durchs Okular, sondern durch den Sucher und hältst die Station dort im Fadenkreuz.
- Sucher am Tag justieren: an einem fernen Mast oder Kirchturm, bis Sucher und Okular genau dasselbe zeigen.
- Vorher scharfstellen an einem hellen Stern, etwa am Polarstern. Während des Überflugs bleibt dafür keine Zeit.
- Einen hohen Überflug wählen: Das BBC-Magazin Sky at Night rät zu Passagen ab 70° Höhe.
- Mit wenig Vergrößerung üben: Ein 25-mm-Okular zeigt ein rund viermal so breites Feld wie ein 6-mm-Okular. Erst wenn das klappt, gehst du höher.
- Bequem sitzen: Wer verdreht im Gras kniet, zittert. Ein Beobachter im Forum hat sich mit einem höhenverstellbaren Hocker beholfen.
Ein Dobson-Teleskop ist dafür die beste Montierung: Du schiebst das Rohr einfach mit, ohne Achsen und Klemmen. Eine parallaktische Montierung muss in Zenitnähe umschwenken, und bis die ISS wieder im Sucher ist, hat sie den besten Teil ihrer Bahn hinter sich.
Fürs Foto filmst du, statt lange zu belichten: Eine Planetenkamera nimmt ein Video mit Belichtungen unter einer Millisekunde auf, im Forum sind 0,7 bis 0,9 ms üblich. Danach sortiert eine Software wie PIPP oder AutoStakkert! die wenigen Treffer aus.
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Warum Smart-Teleskope für die ISS kaum taugen
Smart-Teleskope sind für das Gegenteil gebaut: Sie bleiben minutenlang auf einem Nebel stehen und addieren viele Belichtungen. Die ISS verlangt eine Montierung, die mit rund einem Grad pro Sekunde mitschwenkt und ihr Tempo laufend ändert.
Die Hersteller sagen das selbst: ZWO schreibt in der Seestar-S50-FAQ, das Gerät verfolge keine erdnahen Satelliten. Vaonis hält das beim Vespera für unwahrscheinlich, und der Satelliten-Modus von Unistellar wartet an fester Stelle, bis der Satellit für weniger als eine Sekunde durchs Bild huscht.
Was mit einem Seestar trotzdem geht, ist der Transit: Du richtest es auf den Mond oder mit Sonnenfilter auf die Sonne und filmst, wie die ISS davor vorbeizieht. Wofür sich ein Smart-Teleskop sonst lohnt, steht im Vergleich Smart-Teleskop oder Dobson?.
Klassische GoTo-Montierungen können es teilweise: Sky-Watcher bewirbt für die SynScan-Pro-App eine Satellitenverfolgung zusammen mit PreviSat oder Lumios. Entscheidend ist, ob deine Montierung das Tempo im Zenit schafft – genau darum dreht sich auch eine Diskussion im Forum.
ISS-Transit vor Mond und Sonne
Die Königsdisziplin ist der Transit: Die ISS zieht als Silhouette vor Mond oder Sonne vorbei, in weniger als einer Sekunde. Bei einem Sonnentransit am 26. Mai 2026 waren es laut Forumsbericht 0,9 Sekunden, und der Streifen, aus dem man ihn sah, war nur gut 5 km breit.
Fotografiert wird mit derselben Technik wie bei der Mondfotografie. Vor der Sonne nur mit zertifiziertem Sonnenfilter – wie das sicher geht, steht im Ratgeber Sonne beobachten.
Unsere Empfehlung für den Einstieg
Wer die Beobachtung ein Stück weitertreiben will, ohne gleich ein Teleskop zu kaufen, ist mit einem guten Fernglas am besten bedient: leicht, in einer Sekunde einsatzbereit und für die ISS genauso brauchbar wie für Mond, Sternhaufen oder Milchstraße.
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Häufige Fragen
Wie erkenne ich die ISS am Himmel?
Ein sehr helles, gleichmäßig von West nach Ost ziehendes Licht, das nicht blinkt und in wenigen Minuten den Himmel überquert. Heller als jeder Stern.
Kann man die ISS mit bloßem Auge sehen?
Ja. Bei einem Überflug in der Dämmerung ist sie heller als jeder Stern, ein Teleskop braucht es dafür nicht, wie auch die NASA schreibt. Wann sie bei dir vorbeizieht, zeigt die Überflug-Tabelle.
Was sieht man von der ISS im Teleskop?
Ab etwa 130 mm Öffnung bei einem hohen Überflug die Umrisse: Gitterträger, Solarflügel und den Block der Module. Weil die Station mit rund einem Grad pro Sekunde zieht, siehst du sie im Okular nur für Sekundenbruchteile. Du führst deshalb von Hand über den Sucher nach.
Kann ein Smart-Teleskop die ISS verfolgen?
Nein. ZWO schreibt für das Seestar S50 ausdrücklich, dass es keine erdnahen Satelliten verfolgt, und auch Vaonis hält das beim Vespera für unwahrscheinlich. Möglich ist ein Transit: Das Gerät steht auf Mond oder Sonne, und die ISS zieht durchs Bild.
Warum sieht man die ISS nicht mitten in der Nacht?
Mitten in der Nacht steht die Station im Erdschatten und wird nicht von der Sonne angestrahlt – sie bleibt dunkel. Sichtbar ist sie nur in den Dämmerungsstunden.
Wie viele Menschen sind auf der ISS?
In der Regel sechs bis sieben Besatzungsmitglieder, bei Crew-Wechseln kurzzeitig mehr.
Wie lange braucht die ISS für eine Erdumrundung?
Etwa 93 Minuten. Das macht rund 16 Umläufe pro Tag – die Besatzung erlebt entsprechend 16 Sonnenauf- und -untergänge in 24 Stunden.
Wie hoch fliegt die ISS?
Rund 400 Kilometer über der Erdoberfläche. Die Höhe schwankt um einige Kilometer, weil die Restatmosphäre die Station bremst und sie deshalb regelmäßig angehoben wird.
Kann die ISS mit Weltraumschrott zusammenstoßen?
Die Gefahr ist real, deshalb wird die Bahn überwacht und die Station bei Bedarf ausgewichen – im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr. Bei sehr kurzfristigen Warnungen zieht sich die Besatzung vorsorglich in die angedockten Raumschiffe zurück.
Wie lange bleibt die ISS noch im All?
Nach aktuellen Planungen bis etwa 2030. Danach soll die Station kontrolliert über dem Südpazifik zum Absturz gebracht werden – Nachfolger sind kommerzielle Raumstationen.
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