Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Der Schütze (lateinisch Sagittarius) steht tief im Süden, links unterhalb des roten Antares im Skorpion. Acht seiner Sterne bilden den „Teekessel” – ein Asterismus mit Deckel, Henkel und Ausguss.
Beste Zeit: Juli bis Anfang September, gegen 23 Uhr. Am 1. Juli bleiben rund 3,6 Stunden echtes Beobachtungsfenster, im August steht das Sternbild abends am höchsten – aber selbst dann erreicht Nunki bei 50° Nord nur 13,7°.
Das Besondere: Hinter dem Ausguss des Teekessels liegt das Zentrum der Milchstraße mit Sagittarius A*. Kein Sternbild enthält mehr Messier-Objekte – darunter der Lagunennebel M 8 und der Kugelsternhaufen M 22.
Kein anderes Sternbild hat so viel zu bieten – und so wenig davon zeigt sich uns. Hinter dem Sternbild Schütze liegt das Zentrum unserer Milchstraße, fünfzehn Messier-Objekte drängen sich hier auf engstem Raum, und mittendrin sitzt ein Schwarzes Loch mit viereinhalb Millionen Sonnenmassen. Der Haken: Von Deutschland aus kriecht die Figur nie höher als eine Handbreit über den Südhorizont. Wer den Schützen finden will, braucht deshalb kein großes Teleskop, sondern vor allem die richtige Nacht, die richtige Richtung und einen freien Blick nach Süden.

Sternbild Schütze finden: der Teekessel über dem Südhorizont
Die gute Nachricht zuerst: Der Schütze ist einer der wenigen Fälle, in denen man kein Sternbild suchen muss, sondern nur eine Richtung. Er steht im Hochsommer exakt im Süden, wenn er am höchsten steht – und weil er so tief bleibt, ist der Horizont selbst die beste Orientierungshilfe. Alles, was zwischen Südhorizont und ausgestreckter Faust liegt, kommt in Frage.
Der Rest ist eine einzige Peilung. Rund 26 Grad westlich – also rechts – vom Schützen leuchtet der rote Überriese Antares, das Herz des Skorpions und der auffälligste Stern dieser Himmelsgegend. Wer Antares gefunden hat, hat den Schützen praktisch schon.
Die Peilung von Antares: 26 Grad nach links zum Teekessel
Von Antares aus geht es nach links (östlich). Die ausgestreckte Faust am ausgestreckten Arm misst rund 10 Grad, eine gespreizte Hand etwa 20 Grad. Zwei bis drei Faustbreiten links von Antares beginnt der Teekessel:
| Peilung | Winkelabstand | ausgestreckter Arm |
|---|---|---|
| Antares → Alnasl (Ausguss) | 21,5° | gut zwei Faustbreiten links |
| Antares → Kaus Australis | 25,9° | etwa eine gespreizte Hand plus halbe Faust |
| Shaula (Skorpionstachel) → Alnasl | 9,5° | knapp eine Faustbreite |
Der zweite Weg führt über den Skorpionstachel: Die beiden Sterne Shaula und Lesath stehen als enges Paar am Ende des Skorpions, keine Faustbreite rechts von Alnasl, der Spitze des Teekessel-Ausgusses. Wer den Stachel sieht, sieht auch den Schützen – und wer den Stachel nicht sieht, hat schlicht keinen freien Südhorizont. Dann hilft nur ein anderer Standort, kein größeres Gerät.
🧭 Die Standortfrage entscheidet alles
Beim Schützen zählt der freie Horizont mehr als jedes Instrument. Ein Hügel, eine Baumreihe oder ein Haus in Südrichtung löscht das halbe Sternbild aus. Ideal sind Seeufer, Feldwege mit Blick nach Süden, Küsten oder Bergkuppen.
Dazu kommt die Lichtverschmutzung: Der Horizontdunst über einer Stadt sitzt genau dort, wo der Schütze steht. Selbst 30 Kilometer südlich einer Großstadt kann die Lichtglocke das Sternbild vollständig überstrahlen.
Der Teekessel im Detail: acht Sterne, 35 Grad Umfang
Der Teekessel („Teapot”) ist kein offizielles Sternbild, sondern ein Asterismus – eine Figur, die Beobachter in die hellsten Sterne hineinsehen. Er ist deutlich leichter zu erkennen als der antike Bogenschütze, den ohne Vorlage kaum jemand am Himmel wiederfindet. Und einmal gesehen, wird man ihn nie wieder los:
| Teil des Kessels | Stern | Helligkeit |
|---|---|---|
| Ausguss (Spitze) | γ² Sgr – Alnasl | 2,96 mag |
| Ausguss (unten) | δ Sgr – Kaus Media | 2,70 mag |
| Boden (rechts) | ε Sgr – Kaus Australis | 1,85 mag |
| Deckel | λ Sgr – Kaus Borealis | 2,81 mag |
| Boden (links) | ζ Sgr – Ascella | 2,59 mag |
| Henkel (oben) | σ Sgr – Nunki | 2,05 mag |
| Henkel (Mitte) | φ Sgr | 3,17 mag |
| Henkel (unten) | τ Sgr | 3,32 mag |
Vermessen ist der Kessel überraschend kompakt: Die Strecke vom Ausguss (Alnasl) zum Henkel (Nunki) misst 11,6 Grad, vom Boden (Kaus Australis) bis zum Deckel (Kaus Borealis) sind es 9,0 Grad. Der gesamte Umfang der Figur beträgt 34,7 Grad – das ist weniger als drei ausgestreckte Fäuste. Er passt damit locker in ein Fernglasgesichtsfeld, wenn man das Fernglas dreimal weiterschwenkt.
Ein hübsches Detail für laue Sommernächte: Das Band der Milchstraße steigt genau aus dem Ausguss auf. Wer unter wirklich dunklem Himmel steht, sieht den „Dampf” senkrecht aus dem Kessel aufsteigen – in Wahrheit sind das die Sternwolken der inneren Galaxis.
Der Schütze auf einen Blick: Fläche, Grenzen und Nachbarn
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lateinischer Name | Sagittarius (Genitiv: Sagittarii) |
| Abkürzung (IAU) | Sgr |
| Fläche | 867,4 Quadratgrad – Rang 15 von 88 |
| Rektaszension | 17h 44m bis 20h 28m |
| Deklination | −45,2° bis −11,7° |
| Hellster Stern | ε Sgr (Kaus Australis), 1,85 mag |
| Sterne heller als 3 mag | 7 |
| Messier-Objekte | 15 – mehr als in jedem anderen Sternbild |
| Beste Sichtbarkeit | Juli bis Anfang September |
| Sonne im Sternbild | 18. Dezember bis 18. Januar |
| Nachbarn | Adler, Steinbock, Südliche Krone, Mikroskop, Schlangenträger, Skorpion, Schild, Schlange, Teleskop |
Zwei Zahlen aus dieser Tabelle sind erklärungsbedürftig. Die Fläche von 867,4 Quadratgrad macht den Schützen zum fünfzehntgrößten Sternbild überhaupt – er ist also gar nicht klein, wir sehen nur seinen oberen Rand. Und die 15 Messier-Objekte sind ein absoluter Rekord: Charles Messier arbeitete von Paris aus, gut vier Breitengrade südlicher als Berlin, und selbst dort stand der Schütze am unteren Rand des Möglichen. Trotzdem fand er hier mehr Objekte als in jedem anderen Sternbild – einfach weil in Richtung Galaxienzentrum so unfassbar viel steht.
Die Deklination von −11,7° bis −45,2° ist der Grund für alle Schwierigkeiten. Bei 50° Nord liegt der südlichste noch sichtbare Punkt bei etwa −40° – der untere Drittel des Sternbilds kommt von Mitteleuropa aus schlicht nie über den Horizont.
Die Sterne im Sternbild Schütze: von Kaus Australis bis Rukbat
Der Schütze hat keinen wirklich hellen Stern – kein Vega, kein Antares, keinen Deneb. Sein hellster, Kaus Australis, kommt auf 1,85 mag und rangiert damit auf Platz 36 der Sternenliste. Dafür sind gleich sieben Sterne heller als 3 mag, was die Figur bei klarem Himmel überraschend gut zusammenhält. Die arabischen Namen der drei „Kaus”-Sterne bedeuten übrigens schlicht Bogen: Kaus Australis ist der südliche, Kaus Media der mittlere, Kaus Borealis der nördliche Teil des Bogens.
| Bayer | Name | mag | Lichtjahre | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| ε Sgr | Kaus Australis | 1,85 | 143 | schnellster bekannter Rotator der Milchstraße |
| σ Sgr | Nunki | 2,05 | 225 | nächste erwartete Kernkollaps-Supernova |
| ζ Sgr | Ascella | 2,59 | 88 | Dreifachsystem, engster Begleiter in 21 Jahren Umlauf |
| δ Sgr | Kaus Media | 2,70 | 348 | oranger Riese, unterer Teil des Ausgusses |
| λ Sgr | Kaus Borealis | 2,81 | 78 | nur 2,1° von der Ekliptik – Bedeckungen möglich |
| γ² Sgr | Alnasl | 2,96 | 106 | „Pfeilspitze” – zeigt fast genau auf das Galaxienzentrum |
| η Sgr | η Sagittarii | 3,10 | 146 | geht von Hamburg aus nie auf |
| φ Sgr | φ Sagittarii | 3,17 | 231 | oberer Ansatz des Henkels |
| τ Sgr | τ Sagittarii | 3,32 | 122 | unterer Ansatz des Henkels |
| π Sgr | Albaldah | 2,88 | 510 | Dreifachsystem nördlich des Kessels |
| α Sgr | Rukbat | 3,97 | 170 | trägt „Alpha”, ist aber nur der elfthellste Stern |
| β¹ Sgr | Arkab Prior | 3,96 | 378 | geht in Mitteleuropa nirgends auf |
Kaus Australis (ε Sgr): der schnellste Kreisel der Milchstraße
Der hellste Stern des Schützen ist ein blau-weißer Riese in 143 Lichtjahren Entfernung, rund 375-mal so leuchtkräftig wie unsere Sonne. Sein eigentlicher Rekord ist aber ein anderer: Kaus Australis rotiert mit 236 Kilometern pro Sekunde an seinem Äquator. Das sind etwa 95 Prozent der Geschwindigkeit, bei der ein Stern seiner Masse und Größe durch die Fliehkraft auseinandergerissen würde – die höchste Rotationsrate, die je an einem Stern der Milchstraße gemessen wurde.
Zum Vergleich: Unsere Sonne dreht sich am Äquator mit knapp 2 Kilometern pro Sekunde und braucht dafür 25 Tage. Kaus Australis schafft eine Umdrehung in wenigen Stunden. Ein solcher Stern ist deutlich abgeplattet – sein Äquatordurchmesser übersteigt den Poldurchmesser spürbar, und die Pole sind heißer als der Äquator. Im Fernglas merkt man davon natürlich nichts; man sieht einen weißen Punkt tief über dem Horizont. Aber es ist einer der Fälle, in denen das Wissen den Anblick verändert.
Nunki im Sternbild Schütze: die nächste Supernova-Kandidatin
Nunki markiert den oberen Henkel des Teekessels und ist der Stern, an dem sich die Sichtbarkeit des ganzen Sternbilds bemisst – alle Höhenangaben in diesem Artikel beziehen sich auf ihn. Der Name ist einer der ältesten überhaupt: Er stammt aus dem Babylonischen und ist damit rund 4.000 Jahre alt, seine Bedeutung ist bis heute unklar.
Astronomisch ist Nunki ein blauer Hauptreihenstern vom Typ B2,5 in 225 Lichtjahren Entfernung, etwa siebenmal so massereich wie die Sonne und 3.300-mal so leuchtkräftig. Mit dieser Masse ist sein Ende vorgezeichnet: Nunki wird in einigen zehn Millionen Jahren als Kernkollaps-Supernova explodieren – und ist damit nach heutigem Kenntnisstand der erdnächste Stern, bei dem eine solche Supernova erwartet wird. Gefährlich wird das nicht: Ab etwa 50 Lichtjahren Abstand wäre eine Supernova für die Erdbiosphäre kritisch, Nunki steht viermal so weit weg. Am Himmel würde er allerdings für Wochen heller leuchten als der Vollmond.
Kaus Borealis (λ Sgr): der Stern direkt an der Ekliptik
Kaus Borealis bildet den Deckel des Teekessels und ist mit 78 Lichtjahren der erdnächste helle Stern des Sternbilds. Seine Besonderheit ist die Lage: Er steht nur 2,1 Grad südlich der Ekliptik, also fast genau auf der Bahn, der Sonne, Mond und Planeten folgen. Deshalb kann der Mond ihn bedecken, und gelegentlich tun das auch Planeten. Am 19. November 1984 schob sich die Venus vor Kaus Borealis – ein Ereignis, das im Schnitt nur alle paar Jahrhunderte für einen bestimmten Stern eintritt.
Die Ekliptiknähe erklärt auch, warum im Schützen so oft Planeten zu Gast sind. Jupiter, Saturn und Mars wandern regelmäßig durch den Kessel – und ein heller Planet im Teekessel ist die mit Abstand einfachste Gelegenheit, das Sternbild überhaupt zu finden. Der Astro-Events-Kalender zeigt, wann das als Nächstes der Fall ist.
Rukbat und Arkab im Schützen: Sterne, die bei uns nie aufgehen
Beim Schützen hat Johann Bayer 1603 offenbar nicht nach Helligkeit sortiert. α Sagittarii (Rukbat) ist mit 3,97 mag nur der elfthellste Stern des Sternbilds, β Sagittarii (Arkab) mit 3,96 mag der zehnthellste. Beide markieren die Vorderbeine des Zentauren – wahrscheinlich hat Bayer hier nach Position statt nach Glanz benannt.
Für uns ist das ohnehin akademisch, denn beide Sterne stehen so weit südlich, dass sie in weiten Teilen Mitteleuropas nie über den Horizont kommen. Ab welcher Deklination ein Stern rechnerisch unsichtbar bleibt, hängt allein von der geografischen Breite ab:
| Standort | Zirkuminvisibel ab | Folge für den Schützen |
|---|---|---|
| Hamburg (53,6° N) | unter −36,4° | Rukbat, Arkab und η Sgr bleiben unsichtbar |
| Berlin (52,5° N) | unter −37,5° | Rukbat und Arkab bleiben unsichtbar |
| Köln (50,9° N) | unter −39,1° | Rukbat und Arkab bleiben unsichtbar |
| Frankfurt (50,1° N) | unter −39,9° | Rukbat und Arkab bleiben unsichtbar |
| München (48,1° N) | unter −41,9° | Rukbat wird sichtbar (max. 1,3°), Arkab nicht |
| Bern (46,9° N) | unter −43,1° | Rukbat sichtbar, Arkab weiterhin nicht |
Arkab (−44,5°) bleibt in ganz Mitteleuropa unter dem Horizont – man kann ihn von hier aus prinzipiell nicht sehen. Wer die komplette Figur des Bogenschützen sehen will, muss auf den Mittelmeerraum ausweichen: Ab Kreta oder Zypern steht das ganze Sternbild frei am Himmel.
Wann ist der Schütze zu sehen: Höhe und Beobachtungsfenster
Diese Frage hat beim Schützen zwei Antworten, die man auseinanderhalten muss. Die eine lautet: Juli bis Anfang September – das ist die Zeit, in der das Sternbild abends überhaupt über dem Horizont steht. Die andere lautet: je nach Nacht ein bis dreieinhalb Stunden – das ist die Zeit, in der es gleichzeitig hoch genug und der Himmel dunkel genug ist. Der Unterschied ist beim Schützen größer als bei jedem anderen Sternbild.

Die Kurve zeigt die Höhe um 23 Uhr Ortszeit über das Jahr, berechnet für 50 Grad Nord. Von Januar bis Mai steht Nunki zu dieser Zeit tief unter dem Horizont – im Januar sogar 65 Grad darunter, also auf der anderen Seite der Erde. Erst im Juli taucht er auf, im August erreicht er mit 13,6 Grad fast genau seinen theoretischen Höchststand, und im Oktober ist der Spuk vorbei.
| Monat | Höhe von Nunki um 23 Uhr | Kulmination | Praxis |
|---|---|---|---|
| Januar | unter dem Horizont | 11:38 Uhr | – |
| März | unter dem Horizont | 07:46 Uhr | – |
| Mai | unter dem Horizont | 04:47 Uhr | ab Mitte Mai in der Morgendämmerung |
| Juni | gerade am Horizont | 02:45 Uhr | in der hellen Nacht kaum zu sehen |
| Juli | 10,4° | 00:43 Uhr | bestes Zeitfenster des Jahres |
| August | 13,6° | 22:41 Uhr | abends am höchsten, aber kurz |
| September | 7,5° | 20:39 Uhr | nur noch die obere Hälfte |
| Oktober | unter dem Horizont | 18:41 Uhr | kulminiert bereits in der Dämmerung |
Die dritte Spalte erklärt das Paradox: Im August kulminiert der Schütze um 22:41 Uhr, da ist er am höchsten – aber die Dämmerung ist dann noch nicht ganz vorbei, und um Mitternacht sinkt er schon wieder. Im Juli kulminiert er erst um 0:43 Uhr, mitten in der dunkelsten Zeit der Nacht. Deshalb ist Juli für Deep-Sky die bessere Wahl, obwohl das Sternbild im August rechnerisch höher steht.
Das echte Beobachtungsfenster: wenn dunkel und hoch zusammenfallen
Zählt man nur die Zeit, in der Nunki höher als 10 Grad steht und die Sonne mehr als 12 Grad unter dem Horizont ist (nautische Dämmerung vorbei), bleibt erstaunlich wenig übrig. Berechnet für 50 Grad Nord im Jahr 2027:
| Datum | nutzbares Fenster | Anmerkung |
|---|---|---|
| 15. Mai | 1,1 h | nur in der Morgendämmerung |
| 1. Juni | 1,7 h | kurz vor Sonnenaufgang |
| 15. Juni | 2,4 h | kürzeste Nächte des Jahres bremsen |
| 1. Juli | 3,6 h | 23:50 bis 3:26 Uhr – das Optimum |
| 15. Juli | 3,4 h | praktisch gleichwertig |
| 1. August | 2,8 h | sehr gut, Kessel kulminiert um 22:41 Uhr |
| 15. August | 2,4 h | die Figur sinkt schon merklich |
| 1. September | 2,0 h | nur noch früh am Abend |
| 1. Oktober | 1,2 h | Rest der Saison |
Der 1. Juli ist damit die beste Nacht des Jahres für den Schützen: 3 Stunden 36 Minuten zwischen 23:50 und 3:26 Uhr, in denen das Sternbild hoch genug und der Himmel dunkel genug ist. Wer nur einen einzigen Abend für dieses Sternbild übrig hat, sollte ihn in die erste Juliwoche legen – und den Mondkalender vorher prüfen, denn ein Mond über 50 Prozent macht in Horizontnähe alles zunichte.
Kulminationshöhe nach Stadt: von Hamburg bis Bern
Beim Schützen entscheiden schon wenige hundert Kilometer über Erfolg oder Frust. Jeder Breitengrad weiter südlich hebt das Sternbild um genau ein Grad. Die folgende Tabelle zeigt die maximale Höhe über dem Horizont, die die wichtigsten Objekte im Schützen an elf Orten erreichen – berechnet für den Zeitpunkt der Kulmination:
| Stadt | Kaus Borealis | Nunki | Kaus Australis | M 8 | M 22 | M 17 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 11,0° | 10,2° | 2,1° | 12,1° | 12,5° | 20,3° |
| Berlin | 12,1° | 11,2° | 3,1° | 13,1° | 13,6° | 21,3° |
| Dresden | 13,5° | 12,7° | 4,6° | 14,6° | 15,0° | 22,8° |
| Köln | 13,6° | 12,8° | 4,7° | 14,7° | 15,2° | 22,9° |
| Frankfurt | 14,5° | 13,6° | 5,5° | 15,5° | 16,0° | 23,7° |
| Stuttgart | 15,8° | 14,9° | 6,8° | 16,8° | 17,3° | 25,0° |
| Wien | 16,4° | 15,5° | 7,4° | 17,4° | 17,9° | 25,6° |
| München | 16,4° | 15,6° | 7,5° | 17,5° | 18,0° | 25,7° |
| Zürich | 17,2° | 16,3° | 8,2° | 18,2° | 18,7° | 26,4° |
| Graz | 17,5° | 16,6° | 8,5° | 18,5° | 19,0° | 26,8° |
| Bern | 17,6° | 16,8° | 8,7° | 18,7° | 19,1° | 26,9° |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Kaus Australis, der hellste Stern des Sternbilds, steht in Hamburg selbst im besten Moment nur 2,1 Grad über dem Horizont – das ist weniger als eine Daumenbreite und praktisch nie sichtbar, weil in dieser Höhe schon der normale Dunst alles verschluckt. In Bern sind es 8,7 Grad, das ist beobachtbar.
Zweitens: M 17, der Omeganebel, steht überall deutlich höher als der Rest. Er liegt am Nordrand des Sternbilds und erreicht selbst in Hamburg über 20 Grad. Wer weit im Norden wohnt und trotzdem etwas aus dem Schützen sehen will, fängt bei M 17 an – nicht bei M 8.
Warum der Schütze so blass wirkt: die Luft schluckt sein Licht
Die Höhenangaben allein erklären noch nicht, warum der Schütze im Fernglas so viel enttäuschender wirkt als auf Fotos. Der eigentliche Grund ist die atmosphärische Extinktion: Je flacher der Blick, desto mehr Luft steht im Weg. Senkrecht nach oben durchquert das Licht eine Luftmasse, bei 30 Grad Höhe schon zwei, bei 10 Grad Höhe fast sechs.

| Höhe über Horizont | Luftmassen | Lichtverlust | geschluckter Anteil |
|---|---|---|---|
| 90° (Zenit) | 1,00 | 0,28 mag | 23 % |
| 45° | 1,41 | 0,40 mag | 30 % |
| 30° | 1,99 | 0,56 mag | 40 % |
| 20° | 2,90 | 0,81 mag | 53 % |
| 13,7° (Nunki bei 50° N) | 4,16 | 1,16 mag | 66 % |
| 10° | 5,59 | 1,56 mag | 76 % |
| 5° | 10,31 | 2,89 mag | 93 % |
Auf dem Höhepunkt seiner Bahn verliert Nunki bei uns also zwei Drittel seines Lichts in der Atmosphäre – aus einem 2,05-mag-Stern wird optisch ein Stern von 3,2 mag. Für Deep-Sky-Objekte ist das dramatischer, weil sie flächig sind: Der Lagunennebel verliert nicht nur Helligkeit, er verliert auch Kontrast gegen den aufgehellten Horizonthimmel.
Die Rechnung erklärt zugleich, warum dieselben Objekte im Urlaub plötzlich funktionieren. In Rom steht Nunki 21,8 Grad hoch (50 Prozent Verlust), auf Kreta 28,5 Grad (42 Prozent), auf Teneriffa 35,4 Grad (36 Prozent). Das ist derselbe Nebel mit demselben Fernglas – nur mit halb so viel Luft davor. Wer einmal M 8 vom Mittelmeer aus gesehen hat, versteht, warum er in alten Beobachtungsberichten so gefeiert wird.
💡 Was gegen die Extinktion hilft
Höhe gewinnen: Jeder Höhenmeter zählt weniger als jeder Breitengrad – aber ein Berggipfel bringt trotzdem, weil man über den bodennahen Dunst kommt.
Den Moment treffen: Ein Objekt nur in den 40 Minuten um die Kulmination beobachten. Eine Stunde früher oder später steht es 2 bis 3 Grad tiefer – das kostet spürbar.
Nach Süden fahren: Schon der Bodensee statt Hamburg verdoppelt die Höhe von Kaus Australis. Für einen Urlaub am Mittelmeer lohnt sich das Fernglas im Gepäck mehr als für jede andere Himmelsgegend.
Deep-Sky im Schützen: die dichteste Region des ganzen Himmels
Jetzt zur Entschädigung. Der Schütze liegt in Blickrichtung auf das Zentrum unserer Milchstraße, und das heißt: Zwischen uns und dem galaktischen Kern stehen die Spiralarme, Sternwolken, Gasnebel und Kugelsternhaufen der inneren Galaxis übereinander gestapelt. Nirgendwo sonst am Himmel steht so viel auf so wenig Fläche. Fünfzehn Messier-Objekte, dazu Dutzende NGC-Objekte – man kann ein Fernglas hier planlos schwenken und stößt trotzdem alle paar Grad auf etwas.

Die Karte zeigt den Teekessel mit den wichtigsten Zielen. Als Orientierung dient der Deckelstern Kaus Borealis: Von ihm aus sind es 5,6 Grad nach rechts oben zum Lagunennebel M 8 und nur 2,4 Grad nach links zu M 22. Wer diese beiden Peilungen kennt, findet fast alles andere durch Weiterschwenken. Wie das Aufsuchen grundsätzlich funktioniert, steht in unserer Anleitung zur Sternenkarte.
Der Lagunennebel M 8: hellster Nebel des Sommerhimmels

M 8 ist das Aushängeschild des Sternbilds und einer von nur zwei Sternentstehungsnebeln der Nordhalbkugel, die man mit bloßem Auge sehen kann – der andere ist der Orionnebel. Unter dunklem Himmel erscheint er als länglicher, matter Fleck knapp über dem Teekessel, gut 5,6 Grad rechts oberhalb von Kaus Borealis.
Der Nebel steht 4.000 bis 6.000 Lichtjahre entfernt und misst am Himmel 90 mal 40 Bogenminuten – dreimal so breit wie der Vollmond. Entdeckt hat ihn 1654 der sizilianische Astronom Giovanni Battista Hodierna, mehr als hundert Jahre vor Messiers Katalog. Der Name stammt von einer breiten dunklen Staubbahn, die den Nebel wie eine Lagune durchzieht.
Im Fernglas zeigt sich M 8 als deutlicher Nebelfleck mit eingebetteten Sternen – das ist der offene Sternhaufen NGC 6530, rund hundert junge Sterne, die sich aus dem Nebelmaterial gebildet haben und es jetzt zum Leuchten anregen. Im Teleskop mit größerer Öffnung wird die Lagune als dunkle Trennlinie sichtbar, und im hellsten Teil erkennt man bei gutem Seeing den Stundenglas-Nebel: eine kompakte, hell leuchtende Zone, in der gerade jetzt massereiche Sterne entstehen.
Der Trifidnebel M 20: ein Nebel mit drei Gesichtern
Nur 1,4 Grad nördlich von M 8 – im selben Fernglasgesichtsfeld – steht der Trifidnebel M 20. Der Name kommt von trifidus, „dreigespalten”: Die Dunkelwolke Barnard 85 teilt den hellen Teil des Nebels in drei Segmente. Im Fernglas sieht man davon nichts, dort ist M 20 nur ein kleiner runder Schimmer neben der viel größeren Lagune. Erst ab etwa 15 Zentimetern Öffnung und unter dunklem Himmel werden die Trennlinien erkennbar.
Fotografisch ist M 20 einer der farbenprächtigsten Nebel überhaupt: Der untere Teil leuchtet rot als Emissionsnebel, der obere blau als Reflexionsnebel, dazwischen liegen die dunklen Staubbahnen. Diese Dreiteilung nach Nebeltyp wurde 2009 durch ESO-Aufnahmen im Detail dokumentiert. Die Dunkelwolke Barnard 85 wird übrigens irgendwann selbst kollabieren und dann zur Geburtsstätte neuer Sterne – nur nicht in menschlichen Zeiträumen.
Der Omeganebel M 17: das höchste Ziel im Schützen
M 17 hat mehr Namen als jedes andere Deep-Sky-Objekt: Omeganebel, Schwanennebel, Hufeisennebel, Checkmark Nebula, Hummernebel. Alle beschreiben dieselbe Form – einen hellen Bogen mit einem angesetzten Strich, je nach Fantasie ein griechisches Ω, ein schwimmender Schwan oder ein Häkchen.
Für Beobachter in Deutschland ist M 17 aus einem sehr praktischen Grund das wichtigste Objekt des Sternbilds: Er steht am Nordrand des Schützen und erreicht damit selbst in Hamburg über 20 Grad Höhe – fast doppelt so hoch wie der Teekessel. Wer im Norden wohnt, hat hier die realistischste Chance auf einen wirklich guten Anblick.
Der Nebel ist eine H-II-Region von rund 40 Lichtjahren Ausdehnung im Sagittarius-Arm der Milchstraße. In seinem Inneren entstehen laufend neue Sterne, 35 davon haben sich bereits zu einem offenen Haufen zusammengefunden; die übrigen stecken noch tief im Staub. Schon ein Fernglas zeigt einen deutlichen, länglichen Nebelfleck, ein Teleskop ab 10 Zentimetern die charakteristische Hakenform.
Kugelsternhaufen M 22: der erste je entdeckte seiner Art
Wenn ein einziges Objekt den Aufwand rechtfertigt, dann dieses. M 22 steht nur 2,4 Grad links oberhalb von Kaus Borealis, ist 5,5 mag hell und misst 32 Bogenminuten – größer als der Vollmond. Er enthält rund 70.000 Sterne und steht 10.600 Lichtjahre entfernt. Von mittleren Nordbreiten aus ist er der hellste Kugelsternhaufen überhaupt, heller als der berühmte M 13 im Herkules.
Dazu kommt ein historischer Titel: M 22 wurde 1665 von Abraham Ihle entdeckt und ist damit der erste Kugelsternhaufen, der je gefunden wurde – über hundert Jahre bevor jemand wusste, was so ein Objekt eigentlich ist. Messier nahm ihn 1764 als Nummer 22 in seinen Katalog auf.
Und dass er bei uns trotzdem im Schatten von M 13 steht, hat genau einen Grund: die Höhe. In Hamburg kulminiert M 22 bei 12,5 Grad, M 13 dagegen bei über 80 Grad. Wer M 22 also in einer klaren Julinacht im Süden erwischt, sieht ein Objekt, das eigentlich zu den drei schönsten des ganzen Himmels gehört – nur eben durch vier Luftmassen hindurch. Mehr zu M 22 und seinem Nachbarn M 28 steht auf der Objektseite M 28, seinen kleineren Nachbarn, findest du in der Tabelle im nächsten Abschnitt.
Sternwolken M 24, M 23 und M 25: das Revier fürs Fernglas
Nördlich des Teekessels liegt eine Zone, in der ein Fernglas jedem Teleskop überlegen ist. M 24, die Sagittarius-Sternwolke, ist gar kein Sternhaufen, sondern ein Fenster: eine Lücke im interstellaren Staub, durch die man auf einen weit entfernten Abschnitt des Sagittarius-Arms blickt. Sie misst am Himmel 2 mal 1 Grad – vier Vollmonddurchmesser breit – und besteht aus tausenden Einzelsternen. Kein Teleskop kann das komplett zeigen; im 10×50-Fernglas dagegen ist es eines der eindrucksvollsten Felder des ganzen Himmels. Details dazu auf der Objektseite M 24 und NGC 6522.
Direkt daneben stehen die offenen Sternhaufen M 23 (rund 150 Sterne, 27 Bogenminuten) und M 25 (etwa 30 hellere Sterne, 32 Bogenminuten), beide bequem im Fernglas aufzulösen. Wer die Gegend zwischen M 24 und M 17 langsam abschwenkt, kreuzt auf zweieinhalb Grad Weg gleich vier Messier-Objekte – Einzelporträts gibt es zu M 23 und M 25 sowie zu M 18 und M 21.
M 18 und M 21: zwei junge Sternhaufen zwischen den Nebeln
Zwischen dem Trifidnebel und der Sagittarius-Sternwolke stehen zwei offene Sternhaufen, die im Schatten ihrer berühmten Nachbarn oft übersehen werden – dabei sind beide bequem im Fernglas erreichbar.
M 18 ist der lockerere der beiden. Schon in kleinen Teleskopen zeigen sich mehr als ein Dutzend helle Sterne in weiter Anordnung. Sein Alter wird auf rund 32 Millionen Jahre geschätzt – abgeleitet aus den enthaltenen heißen blauen Sternen, die nur wenige Millionen Jahre alt werden können. Bemerkenswert ist die Mischung: Neben diesen jungen Riesen stehen sonnenähnliche Sterne und orange glimmende Rote Riesen im selben Verbund.
M 21 steht nur knapp neben dem Trifidnebel M 20 und ist mit etwa 4,6 Millionen Jahren einer der jüngsten offenen Sternhaufen im Messier-Katalog – kosmisch gesehen ein Neugeborenes. Er ist dichter besetzt als M 18, rund 57 Sterne gehören dazu, darunter mehrere auffällig heiße blaue. Unter sehr dunklem Himmel erahnt man ihn mit bloßem Auge als verschwommenen Fleck; ein Fernglas trennt ihn sauber vom Nebel nebenan.
Für beide gilt, was für den ganzen Schützen gilt: Von Mitteleuropa aus stehen sie tief, und die Atmosphäre kostet Kontrast. In einer klaren Julinacht mit freiem Südhorizont sind sie trotzdem ein lohnender Zwischenstopp auf dem Weg von M 20 zu M 24.
Weitere Kugelsternhaufen: M 28, M 54, M 55, M 69 und M 70
Der Schütze enthält allein sieben Kugelsternhaufen aus dem Messier-Katalog – kein Zufall, denn diese Objekte bilden einen Halo um das Zentrum der Milchstraße, und in dessen Richtung schauen wir hier.
| Objekt | Helligkeit | Entfernung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| M 28 | 6,8 mag | 18.000 Lj | 1,0° nordwestlich von Kaus Borealis, gut im Fernglas |
| M 54 | 7,6 mag | 87.000 Lj | gehört zur Sagittarius-Zwerggalaxie, nicht zur Milchstraße |
| M 55 | 6,3 mag | 17.600 Lj | groß und locker, aber sehr weit südlich |
| M 69 | 7,6 mag | 29.700 Lj | kompakt, dicht am Kesselboden |
| M 70 | 7,9 mag | 29.400 Lj | Entdeckungsort des Kometen Hale-Bopp 1995 |
| M 75 | 8,5 mag | 67.500 Lj | am Ostrand, sehr kompakt |
Zwei Einträge verdienen einen zweiten Blick. M 54 galt lange als normaler Kugelsternhaufen der Milchstraße – bis 1994 klar wurde, dass er zur Sagittarius-Zwerggalaxie gehört, einer kleinen Galaxie, die gerade von unserer Milchstraße zerrissen und einverleibt wird. M 54 war damit der erste Kugelsternhaufen, der nachweislich zu einer anderen Galaxie gehört.
Und M 70 war am 23. Juli 1995 das Zielobjekt, als Alan Hale und Thomas Bopp unabhängig voneinander einen unbekannten Nebelfleck daneben bemerkten. Es war der Komet Hale-Bopp, der 1997 zum hellsten Kometen seit Jahrzehnten wurde. Ausführlicher stehen sie weiter unten – und zu M 69 und M 70.
M 54 lohnt einen zweiten Blick auch im Okular: Sein Zentrum ist ungewöhnlich kompakt, und selbst in den Randzonen bleibt die Sterndichte für einen Kugelsternhaufen hoch. Messier trug ihn 1778 schlicht als „nebliges Objekt der Milchstraße“ ein – dass er in Wahrheit 87.000 Lichtjahre entfernt zu einer anderen Galaxie gehört, ahnte niemand.
M 55 ist das Gegenstück: ein echtes Mitglied unserer Milchstraße in 17.600 Lichtjahren Entfernung mit rund 100.000 Sternen, groß und locker genug, dass ein mittleres Teleskop ihn bis zu den Rändern in Einzelsterne auflöst. Mit 6,3 mag wäre er ein Prachtobjekt – er steht von uns aus nur so weit südlich, dass er kaum über den Dunst kommt.
Red-Spider-Nebel NGC 6537: heißester Stern und Spinnenform

Der Red-Spider-Nebel ist kein Geburtsort, sondern ein Sterbezimmer. Ein Stern hat hier am Ende seines Lebens seine äußeren Hüllen abgestoßen; übrig blieb ein Weißer Zwerg, der das Gas mit seiner Strahlung zum Leuchten anregt – ein planetarischer Nebel. Seine zwei symmetrischen Gaslappen erinnern an Spinnenbeine oder an ausgebreitete Flügel.
Der Zentralstern gehört mit rund 150.000 bis 200.000 Kelvin zu den heißesten bekannten Sternen überhaupt – die Oberfläche der Sonne bringt es auf 5.800 Kelvin. Seine Sternwinde peitschen mit über 300 Kilometern pro Sekunde durch das umgebende Gas und erzeugen dort Wellen von rund 100 Milliarden Kilometern Höhe. Ob die Doppellappen-Form von einem verborgenen Begleitstern oder von Magnetfeldern stammt, ist bis heute offen.
Beobachterisch ist NGC 6537 ein anspruchsvolles Ziel: 11,6 mag, entdeckt 1882, und sehr klein. Man braucht ein Teleskop ab etwa 15 Zentimetern Öffnung, hohe Vergrößerung und Geduld – im Fernglas ist er unerreichbar.
Little Gem Nebula NGC 6818: die vasenförmige Blase

NGC 6818 ist der zweite sehenswerte planetarische Nebel im Schützen und mit 9,3 mag deutlich leichter als der Red-Spider-Nebel. Wilhelm Herschel entdeckte ihn 1787. Der Beiname „Little Gem” – kleines Juwel – beschreibt den Anblick im Teleskop recht gut: ein kompakter, deutlich grünlich-blau schimmernder Fleck, der bei hoher Vergrößerung eine leicht längliche Form zeigt.
Aufnahmen zeigen einen doppelten Aufbau: eine äußere, rundliche Hülle und eine innere, vasen- oder blasenförmige Struktur. Astronomen erklären das mit schnellen Sternwinden des Zentralsterns, die in das älter abgestoßene Material hineinblasen und es von innen aufreißen. Für Beobachter ist NGC 6818 ein gutes Übungsobjekt: klein genug, dass man die Aufsuchtechnik lernt, hell genug, dass man belohnt wird.
Barnards Galaxie NGC 6822: Nachbargalaxie der Lokalen Gruppe
Nur 0,7 Grad südlich von NGC 6818 – im selben Okulargesichtsfeld bei kleiner Vergrößerung – steht ein Objekt aus einer völlig anderen Größenordnung. NGC 6822, Barnards Galaxie, ist eine irreguläre Zwerggalaxie in 1,6 Millionen Lichtjahren Entfernung und gehört wie die Milchstraße und der Andromedanebel zur Lokalen Gruppe.
Edward Emerson Barnard entdeckte sie 1884. Sie zählt zu den 50 hellsten Galaxien am Himmel, ist mit 8,7 mag aber flächig sehr schwach – die Helligkeit verteilt sich über 15 mal 14 Bogenminuten. Das macht sie zu einem der schwierigsten Objekte dieser Liste: Man braucht dunklen Himmel, geringe Vergrößerung und ein Teleskop ab 15 bis 20 Zentimetern. Ihre verformte Struktur deutet auf eine frühere Begegnung mit einer größeren Nachbargalaxie hin. Der historische Wert ist groß: An NGC 6822 zeigte Edwin Hubble 1925, dass es Sternsysteme außerhalb der Milchstraße gibt. Eine eigene Seite widmet sich die Zwerggalaxie in der Übersicht Deep-Sky-Objekte.
Sagittarius A* im Schützen: das Schwarze Loch der Milchstraße
Verlängert man die Linie durch den Ausguss des Teekessels – von Kaus Media über Alnasl hinaus – trifft man nach gut 4,6 Grad auf einen Punkt, an dem mit bloßem Auge und im Teleskop absolut nichts zu sehen ist. Dort steht Sagittarius A*, das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxis.
| Sagittarius A* | Wert |
|---|---|
| Masse | 4,297 Millionen Sonnenmassen |
| Entfernung | rund 27.000 Lichtjahre |
| Schatten-Durchmesser | etwa 51 Mikrobogensekunden |
| Entdeckt | 13. bis 15. Februar 1974 von Bruce Balick und Robert Brown |
| Erstes Bild | 12. Mai 2022 (Event Horizon Telescope) |
| Nobelpreis | 2020 an Reinhard Genzel, Andrea Ghez und Roger Penrose |
Optisch ist an dieser Stelle nichts zu holen: Zwischen uns und dem Zentrum liegen rund 27.000 Lichtjahre voller Staub, der das sichtbare Licht um etwa 30 Magnituden abschwächt – ein Faktor von einer Billion. Entdeckt wurde die Radioquelle deshalb 1974 im Radiobereich, und alle Erkenntnisse stammen aus Radio-, Infrarot- und Röntgenbeobachtungen.
Die Masse ergab sich aus jahrzehntelanger Geduldsarbeit: Zwei Teams um Reinhard Genzel und Andrea Ghez verfolgten ab den 1990er Jahren die Bahnen einzelner Sterne um das galaktische Zentrum. Der Stern S2 umrundet Sagittarius A* in nur 16 Jahren und rast dabei mit bis zu 7.700 Kilometern pro Sekunde durch sein Perizentrum. Aus solchen Bahnen ließ sich berechnen, dass dort 4,297 Millionen Sonnenmassen auf einem Raum kleiner als unser Sonnensystem sitzen. Für diesen Nachweis gab es 2020 den Nobelpreis für Physik.
Am 12. Mai 2022 veröffentlichte die Event-Horizon-Telescope-Kollaboration schließlich das erste Bild: der orange leuchtende Ring aus Material, das kurz vor dem Ereignishorizont noch einmal aufglüht. Aufgenommen wurde es mit einem Netzwerk aus Radioteleskopen rund um den Globus, das zusammen wie ein erdgroßes Teleskop funktioniert.
🔭 Was man an dieser Stelle wirklich sehen kann
Nichts – und das ist der Punkt. Aber ein Fernglas auf die Region zwischen Alnasl und dem Horizont zu richten, hat trotzdem etwas: Man blickt hier durch die dichtesten Sternwolken der Milchstraße hindurch, direkt in Richtung ihres Zentrums. Jeder dieser Sterne steht tausende Lichtjahre weiter innen in der Galaxis als unsere Sonne.
Das Wow-Signal von 1977: 72 Sekunden aus dem Schützen
Am 15. August 1977 zeichnete das Radioteleskop „Big Ear” der Ohio State University ein Schmalbandsignal auf, das 72 Sekunden lang deutlich über dem Hintergrundrauschen lag. Der Astronom Jerry Ehman kreiste die Ziffernfolge auf dem Ausdruck ein und schrieb „Wow!” an den Rand – daher der Name.
Das Signal kam aus Richtung des Sternbilds Schütze, seine Frequenz lag nahe der 1420-Megahertz-Linie des neutralen Wasserstoffs, also genau dort, wo man nach gängiger Überlegung nach außerirdischen Signalen suchen würde. Die 72 Sekunden entsprechen exakt der Zeit, die ein fixer Punkt am Himmel braucht, um durch das Beobachtungsfeld des Teleskops zu wandern – das Signal verhielt sich also so, wie es eine kosmische Quelle tun müsste, keine irdische Störung.
Trotz dutzender späterer Suchläufe an derselben Stelle wurde es nie wieder empfangen. Als Erklärungen wurden Kometen, Reflexionen an Weltraumschrott und eine seltene Wasserstoffwolke vorgeschlagen; keine davon gilt als gesichert. Wissenschaftlich bleibt es damit ein einmaliges, nicht reproduzierbares Ereignis – interessant, aber ohne Beweiskraft. Die Forschung zum Schützen konzentriert sich seither auf das, was man wiederholt messen kann: das galaktische Zentrum und die Sternentstehung in seinen Nebeln.
Sternzeichen und Sternbild Schütze: warum die Daten abweichen
Wer als Schütze geboren ist, hat Geburtstag zwischen dem 23. November und dem 21. Dezember. Die Sonne steht in dieser Zeit allerdings gar nicht im Sternbild Schütze, sondern im Skorpion und im Schlangenträger. Tatsächlich durchquert sie den Schützen erst vom 18. Dezember bis zum 18. Januar.
| Was | Zeitraum | Grundlage |
|---|---|---|
| Sternzeichen Schütze | 23. November – 21. Dezember | 30° der Ekliptik, astrologische Einteilung |
| Sternbild Schütze | 18. Dezember – 18. Januar | reale Himmelsfläche mit IAU-Grenzen |
Die Verschiebung von rund vier Wochen hat einen physikalischen Grund: die Präzession. Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und braucht für einen Umlauf 25.800 Jahre. Die astrologische Einteilung wurde vor über 2.000 Jahren festgelegt und seither nicht angepasst – der Himmel darunter hat sich weitergedreht. Ausführlich steht das in unserem Artikel zu Sternzeichen und Sternbildern.
Der Wintersonnenwendpunkt: seit 130 v. Chr. im Schützen
Beim Schützen hat die Präzession eine Nebenwirkung, die viele überrascht. Der Wintersonnenwendpunkt – die Stelle, an der die Sonne am 21. Dezember ihren südlichsten Stand erreicht – liegt heute im Sternbild Schütze. Er ist dort vor rund 2.150 Jahren eingewandert, also um etwa 130 v. Chr., als er die Grenze vom Steinbock her überschritt.
Das ist der Grund, warum der Breitenkreis bei 23,5 Grad Süd Wendekreis des Steinbocks heißt, obwohl die Sonne dort längst nicht mehr im Steinbock steht – genauso wie der nördliche Wendekreis nach dem Krebs benannt ist. Die Namen stammen aus der Antike, die Sonne ist weitergezogen. In einigen Jahrhunderten wandert der Wendepunkt weiter in den Skorpion und dann in den Schlangenträger.
Auch für Nunki hat die Präzession Folgen, wenn auch in ganz anderen Zeiträumen: In rund 8.000 Jahren wird der Stern bei etwa +9 Grad Deklination stehen – dann leuchtet der Henkel des Teekessels am Nordhimmel, hoch über dem Horizont, und der Schütze wäre von Mitteleuropa aus ein bequemes Sommersternbild.
Mythologie des Schützen: vom Bogenschützen Krotos zu Pabilsang
Die Figur eines Bogenschützen an dieser Himmelsstelle ist uralt. Die Babylonier sahen hier Pabilsang, einen geflügelten Mischwesen-Gott mit Löwenkopf, Skorpionschwanz und gespanntem Bogen – eine Darstellung, die auf Grenzsteinen des zweiten Jahrtausends v. Chr. erhalten ist. Von dort wanderte das Motiv über Griechenland in unseren heutigen Sternbildkatalog.
Die Griechen deuteten die Figur unterschiedlich. Eine Überlieferung sieht in ihr den Satyr Krotos, den Erfinder des Bogenschießens und Gefährten der Musen, den Zeus auf deren Bitte an den Himmel setzte. Eine andere macht den Zentauren Cheiron daraus – was allerdings schwierig ist, denn Cheiron gehört traditionell zum Sternbild Zentaur. Die wahrscheinlichere Lesart bleibt Krotos, ein Bogenschütze mit Pferdeleib, aber kein Zentaur im engeren Sinn.
Bemerkenswert ist die Zielrichtung: Der Pfeil des Schützen – markiert durch den Stern Alnasl, arabisch für „Pfeilspitze” – zeigt fast exakt auf das Herz des Skorpions, den roten Riesen Antares. Ob die antiken Beobachter das bewusst so komponiert haben, weiß niemand. Aber es ergibt am Himmel eine Szene, die man nach dem ersten Hinsehen nicht mehr vergisst: der Bogenschütze, der auf den Skorpion anlegt.
Diffuses Gebiet im Sternbild: die Kreuzworträtsel-Antworten
Eine der meistgesuchten Fragen rund um den Schützen kommt gar nicht aus der Astronomie, sondern aus dem Kreuzworträtsel. Gefragt ist meist ein „diffuses Gebiet im Sternbild” – gemeint ist ein Nebel:
| Frage (Buchstaben) | Lösung |
|---|---|
| Diffuses Gebiet im Sternbild (5) | NEBEL |
| Diffuses Gebiet im Sternbild (8) | GASNEBEL |
| Lateinischer Name des Schützen (11) | SAGITTARIUS |
| Stern im Sternbild Schütze (5) | NUNKI |
| Stern im Sternbild Schütze (6) | RUKBAT oder ALNASL |
| Stern im Sternbild Schütze (7) | ASCELLA |
| Nebel im Sternbild Schütze (6) | LAGUNE |
| Asterismus im Schützen (9) | TEEKESSEL |
Astronomisch korrekt ist „diffuses Gebiet” tatsächlich ein Fachbegriff: Diffuse Nebel sind ausgedehnte, unscharf begrenzte Gas- und Staubwolken – im Unterschied zu den scharf abgegrenzten planetarischen Nebeln. Der Lagunennebel M 8 im Schützen ist ein Musterbeispiel für einen diffusen Nebel, NGC 6537 und NGC 6818 sind planetarische.
Welches Gerät für den Schützen: Fernglas oder Teleskop
Der Schütze ist einer der wenigen Fälle, in denen die Antwort nicht eindeutig ausfällt – die Objekte sind zu unterschiedlich. Grob geteilt: Alles, was groß und flächig ist, gehört ins Fernglas. Alles, was klein und punktförmig ist, gehört ins Teleskop.
Für Sternwolken und Nebelfelder: das Fernglas
Für die Sternwolke M 24, die offenen Haufen M 23 und M 25 und den Lagunennebel M 8 ist ein lichtstarkes Fernglas tatsächlich das bessere Werkzeug. M 24 ist zwei Grad breit – ein Teleskop zeigt davon immer nur einen Ausschnitt und zerlegt genau den Eindruck, um den es geht. Dazu kommt die praktische Seite: Ein Fernglas ist in Sekunden einsatzbereit, und weil der Schütze so tief steht, sucht man ohnehin vor allem am Horizont entlang.
Ein 10×50 mit rund sechs Grad Gesichtsfeld ist hier die klassische Wahl – groß genug für M 24 am Stück, hell genug für M 8, und ohne Stativ noch ruhig zu halten.
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Wann sich das Teleskop trotzdem lohnt
Sobald es um M 22, M 17, die Kugelsternhaufen M 28 bis M 75 oder gar die planetarischen Nebel NGC 6537 und NGC 6818 geht, ist das Fernglas am Ende. M 22 bleibt darin ein runder Nebelfleck; erst ab etwa 15 Zentimetern Öffnung zerfällt er in tausende Einzelsterne – und genau das ist der Moment, für den man diesen Haufen aufsucht. Barnards Galaxie und NGC 6537 sind im Fernglas gar nicht erreichbar.
Dazu kommt das Extinktionsproblem von weiter oben: Wenn zwei Drittel des Lichts schon in der Luft bleiben, muss die Öffnung das ausgleichen. Ein 200-Millimeter-Spiegel sammelt rund viermal so viel Licht wie ein 100-Millimeter-Objektiv – bei einem Objekt, das ohnehin am Rand der Sichtbarkeit steht, ist das oft der Unterschied zwischen „nichts zu sehen” und „deutlich”.
Wer nur ein Gerät kaufen kann und den Himmel wirklich erkunden will, greift zum Teleskop; das Fernglas ist die Ergänzung, nicht der Ersatz. Für den Schützen bedeutet das konkret: ein Dobson-Teleskop mit möglichst großer Öffnung und möglichst kurzer Aufbauzeit, weil das Beobachtungsfenster ohnehin nur zwei bis drei Stunden lang ist.
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Häufige Fragen zum Sternbild Schütze
Wie sieht das Sternbild Schütze aus?
Die acht hellsten Sterne bilden einen Teekessel mit Ausguss links unten, Deckel oben und Henkel rechts – diese Form erkennt man sofort. Die antike Figur des Bogenschützen mit Pferdeleib und gespanntem Bogen ist dagegen ohne Vorlage kaum herauszulesen, zumal ihre unteren Teile von Mitteleuropa aus gar nicht über den Horizont kommen.
Wo am Himmel steht das Sternbild Schütze?
Tief im Süden, links unterhalb des Skorpions. Die zuverlässigste Peilung führt vom roten Antares rund 26 Grad nach links – das sind zweieinhalb Faustbreiten am ausgestreckten Arm. Der Teekessel steht dabei mit dem Boden praktisch auf dem Horizont.
Wann ist das Sternbild Schütze zu sehen?
Von Juli bis Anfang September, am besten gegen 23 Uhr. Im Juli kulminiert das Sternbild um 0:43 Uhr mitten in der dunkelsten Zeit der Nacht, im August schon um 22:41 Uhr. Das nutzbare Fenster ist am 1. Juli mit rund 3,6 Stunden am längsten.
Warum sieht man den Schützen in Deutschland so schlecht?
Wegen seiner südlichen Lage. Bei 50 Grad Nord erreicht Nunki maximal 13,7 Grad Höhe, Kaus Australis in Hamburg nur 2,1 Grad. In dieser Höhe steht so viel Luft im Weg, dass zwei Drittel des Lichts geschluckt werden – dazu kommt meist noch der Horizontdunst über der nächsten Stadt.
Wie viele Sterne hat das Sternbild Schütze?
Die Teekessel-Figur besteht aus acht Sternen, für die vollständige Bogenschützen-Figur werden meist zwölf bis fünfzehn gezeichnet. Innerhalb der offiziellen Grenzen stehen unter sehr gutem Himmel rund 190 mit bloßem Auge sichtbare Sterne – sieben davon sind heller als 3 mag.
Wie heißt das Sternbild Schütze auf Latein?
Sagittarius, vom lateinischen sagitta für „Pfeil”. Der Genitiv, den Astronomen für Sternbezeichnungen verwenden, lautet Sagittarii – daher Namen wie σ Sagittarii für Nunki. Die offizielle IAU-Abkürzung ist Sgr.
Welche Planeten stehen im Sternbild Schütze?
Weil der Schütze auf der Ekliptik liegt, ziehen Mond und alle Planeten regelmäßig hindurch. Jupiter braucht für die Passage rund ein Jahr, Saturn knapp zweieinhalb. Ein heller Planet im Teekessel ist die einfachste Gelegenheit, das Sternbild zu finden – dann steht dort plötzlich ein Objekt, das man nicht übersehen kann.
Was ist das Besondere am Sternbild Schütze?
Hinter ihm liegt das Zentrum der Milchstraße. Deshalb enthält der Schütze mit 15 Messier-Objekten mehr als jedes andere Sternbild, darunter den Lagunennebel M 8 und den Kugelsternhaufen M 22 – und deshalb steht in seiner Richtung auch das Schwarze Loch Sagittarius A* mit 4,3 Millionen Sonnenmassen.
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