Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Merkur ist der Planet, der der Sonne am nächsten ist: Er umkreist sie im Mittel in 57,9 Millionen Kilometern Abstand (0,39 AE) und braucht dafür nur 88 Tage.
⭐ Kurz gesagt: Die Antwort ist eindeutig Merkur, danach folgen Venus und Erde. Überraschender ist die zweite Hälfte der Geschichte: Im Durchschnitt ist Merkur auch der Erde näher als Venus – das haben wir über 150 Jahre nachgerechnet.
Sehen kannst du ihn nur wenige Wochen im Jahr tief in der Dämmerung. Das nächste gute Fenster: morgens vom 13. bis 30. November 2026, tief im Ostsüdosten.

Merkur, der sonnennächste Planet: Abstand, Bahn und Tempo
Merkurs Abstand zur Sonne schwankt stärker als bei jedem anderen Planeten. Im Perihel, dem sonnennächsten Punkt, sind es nur 46,0 Millionen Kilometer, im Aphel 69,8 Millionen – ein Unterschied von gut einem Drittel.
Deshalb sieht die Sonne am Merkurhimmel nicht immer gleich groß aus. Sie erscheint dort 2,1- bis 3,3-mal so groß wie bei uns, je nachdem, wo Merkur gerade auf seiner Bahn steht.
| Kennwert | Merkur |
|---|---|
| Mittlerer Abstand zur Sonne | 57,9 Mio. km (0,39 AE) |
| Sonnennächster Punkt (Perihel) | 46,0 Mio. km (0,31 AE) |
| Sonnenfernster Punkt (Aphel) | 69,8 Mio. km (0,47 AE) |
| Umlaufzeit | 88 Tage |
| Mittlere Bahngeschwindigkeit | 47,4 km/s (Erde: 29,8 km/s) |
| Licht von der Sonne braucht | ca. 3 Minuten 13 Sekunden (zur Erde: 8 Min. 19 s) |
| Temperatur an der Oberfläche | −173 °C nachts bis +427 °C mittags |
Merkur ist zugleich der schnellste Planet. Mit 47,4 Kilometern pro Sekunde rast er gut anderthalbmal so schnell um die Sonne wie die Erde. Mehr zu Aufbau, Kratern und Raumsonden steht im Merkur-Steckbrief.
Tipp: Den Beweis für Merkurs Sonnennähe kannst du selbst sehen – beim nächsten Merkurtransit am 13. November 2032. Dafür brauchst du zwingend einen geprüften Sonnenfilter vor der Optik, denn ohne Filter macht ein Blick in die Sonne blind.
Reihenfolge nach Sonnenabstand: alle acht Planeten
Von innen nach außen lautet die Reihenfolge Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. Der Sonne am zweitnächsten ist also Venus, am drittnächsten die Erde. Wer sich die Reihenfolge nicht merken kann, nimmt einen Merksatz für die Planeten.
| Planet | Ø Abstand zur Sonne | Umlaufzeit |
|---|---|---|
| 1. Merkur | 57,9 Mio. km (0,39 AE) | 88 Tage |
| 2. Venus | 108,2 Mio. km (0,72 AE) | 225 Tage |
| 3. Erde | 149,6 Mio. km (1,00 AE) | 365 Tage |
| 4. Mars | 227,9 Mio. km (1,52 AE) | 1,9 Jahre |
| 5. Jupiter | 778,5 Mio. km (5,20 AE) | 11,9 Jahre |
| 6. Saturn | 1.432 Mio. km (9,58 AE) | 29,5 Jahre |
| 7. Uranus | 2.867 Mio. km (19,19 AE) | 84 Jahre |
| 8. Neptun | 4.515 Mio. km (30,07 AE) | 165 Jahre |
Die Abstände sind Mittelwerte, gemeint ist die große Halbachse der Bahn. 1 AE, die Astronomische Einheit, ist der mittlere Abstand Erde–Sonne von 149,6 Millionen Kilometern. Quelle der Bahndaten: NASA Planetary Fact Sheet.
Ganz außen: Neptun und die Zwergplaneten dahinter
Am weitesten von der Sonne entfernt ist Neptun mit rund 4,5 Milliarden Kilometern. Sein Licht braucht gut vier Stunden bis zur Sonne, ein Umlauf dauert 165 Jahre.
Pluto zählt seit 2006 nicht mehr als Planet, sondern als Zwergplanet. Er kreist im Mittel in 39,5 AE (5,9 Milliarden Kilometer) um die Sonne, der Zwergplanet Eris sogar in rund 68 AE. Der sonnennächste Zwergplanet ist Ceres im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, 2,8 AE von der Sonne entfernt.
Welcher Planet ist der Erde am nächsten? Im Durchschnitt Merkur
Fast überall liest du, Venus sei unser nächster Nachbar. Das stimmt nur für den Moment der größten Annäherung: Venus kommt der Erde dichter als jeder andere Planet, am 25. Oktober 2026 etwa bis auf 40,8 Millionen Kilometer.
Danach wandert Venus aber auf die andere Seite der Sonne und ist dann bis zu 260 Millionen Kilometer entfernt. Merkur dagegen kreist so eng um die Sonne, dass er nie sehr weit von ihr wegkommt – und damit auch nie extrem weit von uns.
Wir haben die Positionen für jeden einzelnen Tag von 1900 bis 2050 ausgerechnet. Im Schnitt ist Merkur 155 Millionen Kilometer von uns entfernt, Venus 170 Millionen und Mars 255 Millionen. Merkur ist an 46 Prozent aller Tage unser nächster Planet, Venus nur an 36 Prozent.
| Planet | Ø Abstand | Minimum | Maximum | Nächster Planet an |
|---|---|---|---|---|
| Merkur | 155 Mio. km (1,04 AE) | 82 Mio. km | 217 Mio. km | 46 % der Tage |
| Venus | 170 Mio. km (1,14 AE) | 40 Mio. km | 260 Mio. km | 36 % der Tage |
| Mars | 255 Mio. km (1,71 AE) | 56 Mio. km | 400 Mio. km | 18 % der Tage |
Das Ergebnis deckt sich mit einer viel beachteten Rechnung von Tom Stockman, Gabriel Monroe und Samuel Cordner im Fachmagazin Physics Today (2019). Sie zeigten: Merkur ist im zeitlichen Mittel sogar jedem anderen Planeten der nächste Nachbar.
In unserem 150-Jahre-Fenster bestätigt sich das für Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und Neptun. Nur bei Uranus liegen Venus und Merkur praktisch gleichauf (19,302 gegen 19,307 AE) – dafür ist das Zeitfenster zu kurz, Uranus braucht allein 84 Jahre für eine Runde.
So haben wir gerechnet: Positionen aus der NASA-JPL-Ephemeride DE421 mit der Python-Bibliothek Skyfield, ein Wert pro Tag, 54.788 Tage von 1900 bis 2050. Gemittelt wurde der echte Abstand zwischen den Planeten, nicht die Differenz der Bahnradien.
Genau da liegt der Denkfehler der Venus-Antwort: Sie vergleicht nur die Bahnen, als stünden alle Planeten immer auf derselben Seite der Sonne.
Beim Mars ist die Frage, wann er der Erde am nächsten kommt, mit einem Datum zu beantworten. Die nächste Annäherung ist am 20. Februar 2027 mit 101,4 Millionen Kilometern, einen Tag nach der Opposition – eher weit für Mars-Verhältnisse. Warum das so schwankt, erklärt die Seite über den Planeten Mars.
Warum man Merkur so selten sieht: höchstens 28 Grad neben der Sonne
Weil Merkur so eng um die Sonne kreist, sehen wir ihn von der Erde aus immer dicht neben ihr. Der größte Winkelabstand, die größte Elongation, beträgt je nach Bahnlage nur 18 bis 28 Grad. Zum Vergleich: Venus schafft bis zu 47 Grad.
Ob er dann auch zu sehen ist, hängt vor allem am Winkel der Ekliptik zum Horizont. Bei uns steht sie an Frühlingsabenden und Herbstmorgen steil, dann klettert Merkur höher über den Horizont. An Herbstabenden und Frühlingsmorgen liegt sie flach, dann bleibt er selbst bei großer Elongation im Dunst stecken.
Hinzu kommt die Dämmerung selbst. Merkur ist mit −0,5 bis 0 mag zwar so hell wie die hellsten Sterne, steht aber nur 5 bis 10 Grad hoch in einem noch hellen Himmel. Freie Sicht bis zum Horizont ist deshalb Pflicht.
Achtung: Suche Merkur mit Fernglas oder Teleskop nur, wenn die Sonne komplett unter dem Horizont steht. Am Morgen heißt das: vor Sonnenaufgang aufhören, denn ein versehentlicher Schwenk in die Sonne schädigt die Augen dauerhaft.
Merkur-Sichtbarkeit 2026/27: die Termine für Deutschland
Wir haben für die Mitte Deutschlands (51° Nord, 10° Ost) gerechnet, wie hoch Merkur am Ende der bürgerlichen Dämmerung steht, wenn die Sonne 6 Grad unter dem Horizont ist. Das beste Fenster des Herbstes ist die Morgensichtbarkeit im November 2026. Die Uhrzeiten gelten auf wenige Minuten genau für ganz Deutschland.
| Fenster | Beste Tage | Wo und wann | Höhe | Helligkeit |
|---|---|---|---|---|
| Abend, Oktober 2026 | größte Elongation 12. Oktober (25°) | – | unter 3° | praktisch unsichtbar |
| Morgen, November 2026 | 13.–30. November, am besten um den 20. | Ostsüdosten, gegen 7:00 Uhr | bis 10,6° | −0,5 mag |
| Abend, Februar 2027 | 28. Januar – 10. Februar, am besten um den 4. | Westsüdwesten, gegen 17:50 Uhr | bis 9,5° | −0,4 mag |
| Morgen, März 2027 | größte Elongation 17. März (28°) | – | unter 3° | praktisch unsichtbar |
| Abend, Mai 2027 | 13. Mai – 3. Juni, am besten um den 22. | Westnordwesten, gegen 21:55 Uhr | bis 10,1° | 0,0 mag |
Die Tabelle zeigt die Falle mit der Elongation. Im Oktober 2026 und im März 2027 steht Merkur mit 25 und 28 Grad besonders weit von der Sonne weg und ist trotzdem nicht zu sehen, weil die Ekliptik dann flach liegt. Die Uhrzeiten sind MEZ, im Mai MESZ.
Am Morgen im November suchst du ihn etwa eine Handbreit über dem Horizont im Ostsüdosten. Beginne rund 45 Minuten vor Sonnenaufgang und such den Horizont mit dem Fernglas ab; hast du ihn einmal, siehst du ihn meist auch mit bloßem Auge. Welche Planeten sonst gerade zu sehen sind, zeigt die Seite Planeten heute sichtbar.
Merkur selbst sehen: Fernglas zum Finden, Teleskop für die Phase
Ehrlich vorweg: Merkur ist im Teleskop kein Hingucker. Im November 2026 misst sein Scheibchen knapp 7 Bogensekunden und ist zu gut der Hälfte beleuchtet – du siehst eine kleine Halbmond-Form, die tief am Horizont flimmert, aber keine Oberflächendetails.
Zum Finden reicht ein gewöhnliches Fernglas völlig. Ein 10×50 zeigt Merkur als hellen Punkt in der Dämmerung, lange bevor ihn das bloße Auge erkennt.
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Ein Teleskop lohnt sich für Merkur allein nicht. Wer ohnehin eins für Mond, Saturnringe und Jupiterbänder sucht, bekommt die Merkurphase als Bonus dazu. Welche Bauarten für Planeten taugen, steht im Ratgeber Teleskop für Planeten.
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Häufige Fragen zum sonnennächsten Planeten
Welcher Planet ist der Sonne am zweitnächsten?
Venus. Sie umkreist die Sonne in 108,2 Millionen Kilometern Abstand und damit fast doppelt so weit draußen wie Merkur. Ihre Bahn ist nahezu kreisrund, der Abstand schwankt nur zwischen 107,5 und 109 Millionen Kilometern.
Welcher Planet ist am weitesten von der Sonne entfernt?
Neptun, mit im Mittel 30 AE oder 4,5 Milliarden Kilometern. Pluto ist zwar weiter draußen, gilt seit 2006 aber als Zwergplanet und nicht mehr als Planet.
Ist Merkur auch der heißeste Planet?
Nein. Heißester Planet ist Venus mit rund 465 °C, und zwar Tag und Nacht. Ihre dichte Kohlendioxid-Atmosphäre hält die Wärme fest wie ein Treibhaus. Merkur hat praktisch keine Atmosphäre, deshalb kühlt seine Nachtseite auf −173 °C ab.
Wann ist der Mars der Erde am nächsten?
Rund um seine Opposition, die alle 26 Monate stattfindet. Die nächste ist am 19. Februar 2027, die größte Annäherung folgt am 20. Februar mit 101,4 Millionen Kilometern. Im besten Fall kommt Mars bis auf etwa 56 Millionen Kilometer heran, so geschehen 2003.
Gibt es einen Planeten innerhalb der Merkurbahn?
Nein. Im 19. Jahrhundert suchten Astronomen nach einem Planeten „Vulkan“, weil sich Merkurs Bahn rätselhaft langsam dreht. Albert Einstein erklärte diese Periheldrehung 1915 mit der Allgemeinen Relativitätstheorie – ein zusätzlicher Planet war nicht nötig und wurde nie gefunden.
Wie lange braucht das Sonnenlicht bis zum Merkur?
Im Mittel etwa 3 Minuten und 13 Sekunden. Bis zur Erde sind es 8 Minuten und 19 Sekunden, bis zu Neptun gut vier Stunden.
