Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. September 2026
Der Fuhrmann (lateinisch Auriga) ist ein Sternbild des Winterhimmels und beherbergt mit Capella den sechsthellsten Stern des Nachthimmels. Er umfasst 657 Quadratgrad, liegt über dem Orion und zieht im Januar fast senkrecht über Mitteleuropa hinweg.

Auf einen Blick
| Lateinischer Name | Auriga (Fuhrmann, Wagenlenker) |
| Fläche | 657 Quadratgrad (Rang 21 von 88) |
| Hellster Stern | Capella, 0,08 mag, knapp 43 Lichtjahre |
| Beste Beobachtungszeit | Abende von Dezember bis Februar |
| Kulminationshöhe Capella | 86° in Frankfurt, 82° in Hamburg, 89° in Bern |
| Zirkumpolar | Capella ja – in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz |
| Nachbarn | Giraffe, Perseus, Stier, Zwillinge, Luchs |
| Bekannteste Deep-Sky-Objekte | Offene Sternhaufen M 36, M 37 und M 38 |
Das Sternbild Fuhrmann finden
Am Winterabend ist der Orion dein Wegweiser. Geh von der rötlichen Beteigeuze, seiner linken Schulter, rund 40 Grad gerade nach oben – das sind etwa vier Handbreiten bei ausgestrecktem Arm. Der hellste Stern, auf den du dort triffst, ist Capella.
Auf halbem Weg passierst du Elnath, 22 Grad über Beteigeuze. Elnath bildet die untere Spitze des Fünfecks, das Capella, Menkalinan, Mahasim und Hassaleh zusammen mit ihm formen. Wie ein schiefes Haus mit spitzem Dach steht die Figur über dem Orion.
Im Herbst klappt die Orion-Methode noch nicht. Dann taucht Capella abends tief im Nordosten auf und funkelt dort oft auffällig bunt – ein Effekt der dicken Luftschicht am Horizont. Welcher helle Stern gerade wo steht, klärt unsere Seite heller Stern am Himmel.
Die Sterne des Fuhrmanns
| Stern | Helligkeit | Entfernung | Typ |
|---|---|---|---|
| Capella (α Aur) | 0,08 mag | knapp 43 Lichtjahre | zwei gelbe Riesen G8 III + G0 III |
| Menkalinan (β Aur) | 1,90 mag | rund 81 Lichtjahre | Bedeckungsveränderlicher, A-Typ |
| Mahasim (θ Aur) | 2,62 mag | rund 166 Lichtjahre | weißer Stern A0p, Doppelstern |
| Hassaleh (ι Aur) | 2,69 mag | rund 450 Lichtjahre | oranger Riese K3 II |
| Almaaz (ε Aur) | 2,99 mag | unsicher, 2.000–3.500 Lichtjahre | Überriese F0, Bedeckungsveränderlicher |
| Haedus (η Aur) | 3,18 mag | rund 233 Lichtjahre | blauer Hauptreihenstern B3 V |
| Saclateni (ζ Aur) | 3,75 mag | rund 860 Lichtjahre | K5 II + B7 V, Bedeckungsveränderlicher |
Auffällig viele dieser Sterne sind Bedeckungsveränderliche. Menkalinan, Almaaz und Saclateni sind Doppelsterne, deren Partner sich von uns aus gesehen gegenseitig verdecken – bei Menkalinan alle 3,96 Tage, allerdings kaum merklich.
Elnath war früher der Stern γ Aurigae. Heute zählt er offiziell zum Sternbild Stier, wo er die Spitze des nördlichen Horns markiert. Für die Figur des Fuhrmanns zeichnet man ihn trotzdem mit.
Capella: der Stern im Fuhrmann
Capella (auch Kapella geschrieben) heißt übersetzt „Zicklein“. Mit 0,08 mag ist sie der sechsthellste Stern am ganzen Himmel und nach Arktur und Wega der dritthellste des Nordhimmels. Ihr gelblicher Farbton erinnert an unsere Sonne.
Tatsächlich ist Capella kein Einzelstern. Es sind zwei gelbe Riesensterne mit je etwa zweieinhalb Sonnenmassen, die sich in nur 104 Tagen umkreisen. Sie haben rund den 12- und 9-fachen Sonnendurchmesser und leuchten jeder etwa 75-mal so hell wie die Sonne.
Trennen kannst du die beiden nicht. Ihr Abstand beträgt nur 0,74 Astronomische Einheiten – weniger als die Entfernung Sonne–Erde – und ist aus knapp 43 Lichtjahren nur mit Interferometern (zusammengeschalteten Großteleskopen) messbar. Dazu kommt in großem Abstand ein Paar lichtschwacher Roter Zwerge.
Warum Capella fast im Zenit steht
Capella hat eine Deklination von +46,0 Grad. Genau auf 46 Grad nördlicher Breite – etwa in Lugano – zieht sie senkrecht über den Kopf. In Bern erreicht sie 89 Grad, in Frankfurt 86 und in Hamburg 82 Grad.

Die zweite Folge dieser hohen Deklination: Capella ist zirkumpolar, sie geht nördlich von 44 Grad Breite nie unter. An ihrem tiefsten Punkt im Norden steht sie in Hamburg noch 10 Grad hoch, in Frankfurt 6 und in Bern nur 3 Grad.
Für die Beobachtung heißt das: Im Winter hast du den Fuhrmann im besten Seeing direkt über dir, fernab vom Dunst am Horizont. Der Blick senkrecht nach oben ist allerdings unbequem – ein Liegestuhl hilft.
Wann der Fuhrmann zu sehen ist
Der Fuhrmann ist ein klassisches Wintersternbild. Von Anfang Dezember bis Anfang März steht Capella um 22 Uhr höher als 60 Grad, am höchsten Mitte Januar.
| Monat | Höhe um 22 Uhr | Richtung | Kulmination |
|---|---|---|---|
| September | 13° | Nordosten | 07:04 Uhr |
| Oktober | 25° | Nordosten | 05:06 Uhr |
| November | 50° | Osten | 02:04 Uhr |
| Dezember | 69° | Osten | 00:06 Uhr |
| Januar | 86° | Süden, fast im Zenit | 22:02 Uhr |
| Februar | 70° | Westen | 20:00 Uhr |
| März | 52° | Westen | 18:10 Uhr |
| April bis Juni | 43° bis 14° | Nordwesten | nachmittags |
| Juli und August | 7° | Norden | vormittags |
Im Sommer bleibt vom Fuhrmann wenig übrig. Die Sonne zieht Mitte Juni nur gut 5 Grad an Elnath vorbei, der südliche Teil der Figur geht dann im Tageslicht unter. Capella selbst dümpelt in den kurzen Nächten tief über dem Nordhorizont.
Den Fuhrmann betritt die Sonne auf ihrer Jahresbahn nie. Er ist deshalb auch kein Tierkreis-Sternbild, anders als sein Nachbar, der Stier. Und falls du tagsüber doch einmal die Sonne beobachten willst: nur mit zertifiziertem Objektiv-Sonnenfilter.
M 36, M 37 und M 38: drei Sternhaufen in einer Reihe
Mitten im Fünfeck liegen drei offene Sternhaufen – lose Gruppen junger Sterne, die gemeinsam entstanden sind. M 38, M 36 und M 37 stehen fast auf einer Linie, zusammen knapp 6 Grad lang. Sie sind zwischen rund 3.700 und 4.900 Lichtjahre entfernt.
| Haufen | Helligkeit | Größe | Entfernung |
|---|---|---|---|
| M 36 | 6,0 mag | 12 Bogenminuten | rund 3.900 Lichtjahre |
| M 37 | 5,6 mag | 23 Bogenminuten | rund 4.900 Lichtjahre |
| M 38 | 6,4 mag | 20 Bogenminuten | rund 3.700 Lichtjahre |
Im Fernglas erscheinen sie als drei kleine Nebelflecken. Erst ein Teleskop löst sie in einzelne Sterne auf – M 37 ist dabei der reichste und schönste, mit einem dichten Kern aus Hunderten schwacher Sterne. M 36 wirkt dagegen locker und hell, M 38 zeigt eine auffällige Kreuzform.
Epsilon Aurigae: der Stern mit der 27-Jahre-Finsternis
Almaaz, nur 3,4 Grad neben Capella, ist einer der rätselhaftesten Sterne überhaupt. Alle 27,1 Jahre schiebt sich eine riesige, dunkle Staubscheibe vor den Überriesen und dimmt ihn fast zwei Jahre lang von 2,9 auf 3,8 mag.
Die letzte Bedeckung lief von 2009 bis 2011. Die nächste beginnt nach unserer Rechnung im Herbst 2036, ihre Mitte fällt auf 2037. Den Helligkeitsabfall erkennst du dann mit bloßem Auge, wenn du Almaaz mit den benachbarten Böckchen-Sternen vergleichst.
Mythologie: Wagenlenker und Ziege
Die Figur vereint zwei Sagen. Der Fuhrmann selbst gilt meist als Erichthonios, der als Erfinder des Viergespanns verehrt wurde; andere Überlieferungen sehen in ihm den Wagenlenker Myrtilos.
Auf seiner Schulter trägt er eine Ziege. Capella ist die Ziege Amalthea, die den jungen Zeus mit ihrer Milch aufzog, und die Böckchen daneben sind ihre Jungen. Daher kommen auch die Namen Capella („Zicklein“) und Haedus („Böckchen“).
Fernglas oder Teleskop
Für den Fuhrmann gewinnt das Teleskop. M 36, M 37 und M 38 sind klein genug, dass erst Öffnung und Vergrößerung ihre Sterne zeigen – Öffnung meint den Durchmesser der Hauptoptik, der über die Lichtsammelleistung entscheidet. Ein Celestron UpClose G2 10x50 Porro reicht, um die drei Flecken zu finden, mehr aber nicht.
Für M 36 bis M 38 ideal: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Kompakter Tisch-Dobson mit echtem Parabolspiegel. Faltbar, passt in den Rucksack: Mond, Planeten und die hellen Deep-Sky-Klassiker.
Preis: 265 €
Auf Lager · versandfertig in 24 h
Wann sich mehr Öffnung lohnt
Mehr Öffnung zeigt vor allem mehr schwache Sterne. Gerade M 37 gewinnt mit jedem Millimeter, weil sein dichter Kern aus sehr lichtschwachen Mitgliedern besteht.
Der Skyliner 200/1200 Dobson sammelt mit 200 mm Öffnung gut doppelt so viel Licht wie ein 130er. Konkret heißt das hier: M 37 löst sich bis in den Kern in Einzelsterne auf, und auch schwächere Haufen im Fuhrmann wie NGC 1893 werden lohnend. Der Aufpreis lohnt sich, wenn dich Sternhaufen und Nebel dauerhaft reizen – für den ersten Blick auf die drei Messier-Haufen ist er nicht nötig.
Für Fortgeschrittene: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung — das Maximum an Himmel fürs Budget. Auf den Boden stellen, von Hand zeigen: Nebel, Sternhaufen und Galaxien über Jahre.
Preis: 479 €
Auf Lager · versandfertig in 24 h
Häufige Fragen zum Sternbild Fuhrmann
Wie finde ich das Sternbild Fuhrmann?
Geh im Winter von Beteigeuze im Orion rund 40 Grad gerade nach oben – etwa vier Handbreiten. Dort steht die helle, gelbliche Capella. Das Fünfeck des Fuhrmanns schließt sich darunter mit Elnath an.
Was bedeutet Auriga?
Auriga ist der lateinische Name des Sternbilds und bedeutet Wagenlenker oder Fuhrmann. Im Kreuzworträtsel ist AURIGA mit 6 Buchstaben die übliche Lösung für „Sternbild Fuhrmann lateinisch“. Die Abkürzung der IAU lautet Aur.
Wie hell ist der Stern Capella und wie weit ist er entfernt?
Capella leuchtet mit 0,08 mag und ist damit der sechsthellste Stern am Nachthimmel. Sie ist knapp 43 Lichtjahre entfernt. Hinter dem Lichtpunkt stecken zwei gelbe Riesensterne, die sich in 104 Tagen umkreisen.
Ist der Fuhrmann das ganze Jahr zu sehen?
Capella geht in Deutschland, Österreich und der Schweiz nie unter, sie ist zirkumpolar. Im Sommer steht sie aber nur 3 bis 10 Grad über dem Nordhorizont und verschwindet in der hellen Dämmerung. Die ganze Figur siehst du gut von November bis März.
Welche Sternhaufen gibt es im Fuhrmann?
Die bekanntesten sind die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38, alle zwischen 5,6 und 6,4 mag hell. Im Fernglas sind sie kleine Flecken, im Teleskop lösen sie sich in Sterne auf. M 37 gilt als der schönste der drei.
Gehört Elnath zum Fuhrmann oder zum Stier?
Offiziell zum Stier, dort heißt er β Tauri. Früher wurde er auch als γ Aurigae geführt. In Sternkarten wird er trotzdem meist als Ecke des Fuhrmann-Fünfecks eingezeichnet.
Wann ist die nächste Verfinsterung von Epsilon Aurigae?
Die Periode beträgt 27,1 Jahre, die letzte Bedeckung lief von 2009 bis 2011. Die nächste beginnt nach unserer Rechnung im Herbst 2036 und dauert fast zwei Jahre. Du kannst sie mit bloßem Auge verfolgen.
Weiterlesen
- Sternbild Orion – der Wegweiser zum Fuhrmann
- Sternbild Stier – der Nachbar, dem Elnath heute gehört
- Deep-Sky-Objekte – was Sternhaufen, Nebel und Galaxien unterscheidet
- Astronomie-Fernglas – welches Fernglas sich für den Sternhimmel eignet
- Heute am Himmel – was du heute Abend sehen kannst
- Sternbilder erkennen – die Methode, die wirklich funktioniert
- Alle Sternbilder – unser Katalog im Überblick
* Affiliate-Link: Wenn du über diesen Link bestellst, erhalten wir eine kleine Provision von Astroshop. Der Preis ändert sich für dich nicht.