Sternbild Stier (Taurus): finden, Sterne, Hyaden, Plejaden und Krebsnebel

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 9. Oktober 2026

Der Stier (lateinisch Taurus) ist ein Tierkreis-Sternbild des Winterhimmels: 797 Quadratgrad groß, Platz 17 von 88, hellster Stern ist der rötliche Aldebaran (0,9 mag). Die Sonne steht vom 14. Mai bis 21. Juni in ihm, am Nachthimmel siehst du ihn von Oktober bis April.

⭐ Kurz gesagt: Den Stier findest du am schnellsten über den Oriongürtel, der wie ein Pfeil auf sein V-förmiges Gesicht zeigt. Mit Hyaden und Plejaden hat er gleich zwei Sternhaufen, die schon mit bloßem Auge auffallen – am schönsten sind sie im Fernglas, ein Teleskop brauchst du erst für den Krebsnebel M 1. Mit dem Sternzeichen Stier teilt das Sternbild nur den Namen: Wer im Sternzeichen Stier geboren ist, hatte die Sonne meist im Widder.

Aufsuchkarte Sternbild Stier mit Aldebaran, Hyaden, Plejaden, Elnath, Krebsnebel M 1, Ekliptik und dem Oriongürtel als Wegweiser
Aufsuchkarte mit Blick nach Süden: Der verlängerte Oriongürtel führt nach rund 22° zum V der Hyaden mit Aldebaran, 13,7° weiter liegen die Plejaden. Zwischen beiden verläuft die Ekliptik. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Sternbild Stier im Steckbrief: Fläche, Rang und Nachbarn

Der Stier gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die Ptolemäus im 2. Jahrhundert beschrieb. Die Figur zeigt nur die vordere Hälfte des Tiers: den Kopf mit dem V der Hyaden, zwei lange Hörner und die Schulter mit den Plejaden.

MerkmalWert
Lateinischer NameTaurus (Genitiv: Tauri)
Offizielle AbkürzungTau
Fläche797 Quadratgrad
GrößenrangPlatz 17 von 88
Hellster SternAldebaran (α Tau), 0,9 mag
Sterne heller als 3 mag4 (Aldebaran, Elnath, Alkyone, ζ Tauri)
Sterne bis 6. Größerund 140
Rektaszensionca. 3h 23m bis 5h 53m
Deklinationca. −1,4° bis +31,1°
Beste BeobachtungszeitNovember bis März, abends
Sonne im Sternbild14. Mai bis 21. Juni
NachbarsternbilderPerseus, Fuhrmann, Zwillinge, Orion, Eridanus, Walfisch, Widder
Messier-ObjekteM 1 (Krebsnebel), M 45 (Plejaden)
MeteorstromTauriden (Oktober und November)
Fläche, Rang und Sternzahl eigene Nachrechnung mit den IAU-Grenzen und dem Hipparcos-Katalog; Grenzkoordinaten nach en.wikipedia.

Bemerkenswert ist die Größe: Der Stier ist gut ein Drittel größer als der Orion, wirkt aber kleiner, weil seine hellen Sterne eng um Aldebaran sitzen. Die Hörner reichen bis an den Fuhrmann, die Spitze des nördlichen Horns teilen sich beide Figuren sogar.

Sternbild Stier am Himmel finden: über Orion zum Hyaden-V

Den Stier musst du nicht mühsam suchen, wenn du den Orion kennst. Die drei Gürtelsterne zeigen wie ein Pfeil nach rechts oben direkt auf das Gesicht des Stiers. Am besten klappt das an einem Winterabend mit Blick nach Süden.

  • Schritt 1: Such die drei gleich hellen Gürtelsterne des Orion zwischen dem rötlichen Beteigeuze links oben und dem bläulichen Rigel rechts unten.
  • Schritt 2: Verlängere die Gürtellinie nach rechts oben. Nach rund 22°, gut zwei Fäusten bei ausgestrecktem Arm, triffst du auf ein flaches V aus Sternen – die Hyaden. Der orange Stern am linken Ende ist Aldebaran.
  • Schritt 3: Geh in fast derselben Richtung 13,7° weiter. Dort glimmt das kleine Sternenknäuel der Plejaden, die Schulter des Stiers.
  • Schritt 4: Von Aldebaran aus ziehen die beiden Hörner nach links oben: Elnath (1,65 mag) ist die obere Spitze, ζ Tauri die untere. Nur 1,1° neben ζ Tauri liegt der Krebsnebel.

Tipp: Im Herbst gehst du den Weg umgekehrt. Zuerst steigen abends die Plejaden im Osten auf, Aldebaran folgt gut anderthalb Stunden später, der Orion erst gegen Mitternacht. Steht im Stier ein auffällig heller Punkt, der in keiner Karte eingezeichnet ist, ist es ein Planet – der Stier liegt auf der Ekliptik, der Bahn von Sonne, Mond und Planeten – welcher es ist, zeigt unsere Seite Heute am Himmel.

Wann ist der Stier zu sehen: Sichtbarkeit Monat für Monat

Der Stier ist ein typisches Sternbild des Winterhalbjahrs. Im Oktober geht er am späten Abend im Osten auf, im Januar steht er um 22 Uhr hoch im Süden, im März sinkt er nach Einbruch der Dunkelheit schon im Westen.

Sternbild Stier am Himmel: Stellung am 15. November im Osten, am 15. Januar im Süden und am 15. März im Westen, jeweils um 22 Uhr
So steht der Stier um 22 Uhr über dem Horizont von Frankfurt: im November im Osten (Aldebaran 37°), im Januar hoch im Süden (56°), im März im Westen (27°). Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Für die Tabelle haben wir die Höhe von Aldebaran und den Plejaden für Frankfurt am Main jeweils am 15. eines Monats um 22 Uhr Ortszeit berechnet. Die beste Zeit sind Dezember und Januar, wenn der Stier am späten Abend seinen Höchststand erreicht.

MonatAldebaran 22 UhrPlejaden 22 UhrHöchststand AldebaranBewertung
Januar55,6° Süd59,2°21:22 Uhrbeste Zeit
Februar43,6° Südwest42,4°19:20 Uhrsehr gut am Abend
März27,0° West24,8°17:30 Uhrgut nach Einbruch der Dunkelheit
April17,0° West15,2°16:28 Uhrtief im Westen
Maiunter dem Horizontunter dem Horizont14:30 UhrAnfang Mai in der Abenddämmerung
Juniunter dem Horizontunter dem Horizont12:28 Uhrunsichtbar, Sonne steht im Stier
Juliunter dem Horizontunter dem Horizont10:26 Uhrab Anfang Juli morgens im Osten
Augustunter dem Horizontunter dem Horizont08:25 Uhram Morgenhimmel
Septemberunter dem Horizont4,4° Ostnordost06:23 UhrAufgang am späten Abend
Oktober8,5° Ostnordost21,8°04:25 Uhrab 22 Uhr im Osten
November37,3° Ostsüdost50,3°01:23 Uhrsehr gut, die ganze Nacht
Dezember52,3° Südost63,1°23:25 Uhrbeste Zeit
Eigene Berechnung (Skyfield, DE421) für Frankfurt am Main (50,1° N, 8,7° O), jeweils am 15. des Monats; Ortszeit, von April bis Oktober MESZ. Höhen in Grad über dem Horizont.

Von Mitte Mai bis Anfang Juli bleibt der Stier unsichtbar, denn dann steht die Sonne selbst im Sternbild. Am 31. Mai zieht sie fast genau an Aldebaran vorbei. Anfang Juli tauchen Plejaden und Aldebaran vor Sonnenaufgang wieder im Osten auf.

Höhentabelle: so hoch steht der Stier in deiner Stadt

Weil der Stier nördlich des Himmelsäquators liegt, steht er überall im deutschsprachigen Raum hoch. Die maximale Höhe ergibt sich aus 90° minus geografischer Breite plus Deklination, also dem Abstand eines Sterns vom Himmelsäquator.

StandortBreiteAldebaranPlejadenKrebsnebel M 1
Hamburg53,6° N53,0°60,6°58,5°
Berlin52,5° N54,0°61,7°59,5°
Dresden51,1° N55,5°63,1°61,0°
Köln50,9° N55,6°63,2°61,1°
Frankfurt am Main50,1° N56,5°64,1°61,9°
Stuttgart48,8° N57,8°65,4°63,3°
Wien48,2° N58,4°66,0°63,8°
München48,1° N58,4°66,0°63,9°
Zürich47,4° N59,2°66,8°64,7°
Graz47,1° N59,5°67,1°65,0°
Höhe im Moment des Höchststands (Kulmination), eigene Berechnung mit den Koordinaten von 2027, ohne Lichtbrechung.

Tipp: Selbst in Hamburg steht der Krebsnebel fast 60° hoch, und der tiefste Teil des Sternbilds um ο Tauri kommt dort noch auf gut 45°. Der Horizontdunst ist im Stier nie das Problem, sondern das Stadtlicht. Für M 1 und die schwachen Haufen lohnt sich deshalb jede Fahrt aus der Lichtverschmutzung heraus.

Die hellsten Sterne im Stier: von Aldebaran bis Lambda Tauri

Der Stier hat vier Sterne heller als 3. Größe; die Größenklasse (mag) ist das astronomische Helligkeitsmaß, kleinere Zahlen bedeuten hellere Sterne. Fast alle Sterne im V gehören zu den Hyaden – nur der hellste nicht.

SternHelligkeitEntfernungTyp
Aldebaran (α)0,9 mag67 LjRoter Riese, Auge des Stiers
Elnath (β)1,65 mag131 Ljblauweißer Riese, Spitze des Nordhorns
Alkyone (η)2,9 mag443 Ljhellster Plejadenstern
ζ Tauri3,0 magca. 440 Ljheißer Stern mit Gasscheibe, Südhorn
θ² Tauri3,4 mag149 Ljweißer Riese, hellster Hyadenstern
λ Tauri3,4 bis 3,9 magca. 370 bis 480 LjBedeckungsveränderlicher
ε Tauri (Ain)3,5 mag155 Ljoranger Riese mit Planet
γ Tauri3,65 mag154 Ljoranger Riese, Spitze des V
Helligkeiten und Entfernungen nach Hipparcos, Gaia und en.wikipedia, gerundet; bei λ Tauri streiten die Messungen.

Aldebaran: das rote Auge im Vordergrund

Aldebaran ist ein Roter Riese, rund 45-mal so groß wie die Sonne und mit 67 Lichtjahren nicht einmal halb so weit entfernt wie die Hyaden, vor denen er steht. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet „der Folgende“, weil er den Plejaden über den Himmel folgt. Farbe, Größe und alle Termine seiner Mondbedeckungen findest du auf unserer Seite zu Aldebaran.

Elnath: der Stern, den sich Stier und Fuhrmann teilen

Elnath (β Tauri) markiert die Spitze des nördlichen Horns. Früher zählte er als γ Aurigae zugleich zum Fuhrmann; seit die Internationale Astronomische Union (IAU) 1930 feste Sternbildgrenzen zog, gehört er offiziell nur zum Stier. In vielen Sternkarten wird er trotzdem als Ecke des Fuhrmann-Fünfecks eingezeichnet.

Lambda Tauri: ein Stern, der alle vier Tage dunkler wird

λ Tauri ist ein Bedeckungsveränderlicher: Zwei Sterne umkreisen sich so, dass sich der eine alle 3,95 Tage vor den anderen schiebt. Die Helligkeit sinkt dabei von 3,4 auf 3,9 mag. Mit etwas Übung bemerkst du das mit bloßem Auge, wenn du λ mit den Hyadensternen in seiner Nähe vergleichst.

Theta und Sigma Tauri: Doppelsterne fürs Fernglas

Mitten in den Hyaden steht θ Tauri: zwei Sterne mit 3,4 und 3,8 mag, 337 Bogensekunden auseinander, knapp ein Fünftel des Vollmonddurchmessers. Bei klarer Luft wirkt das Paar mit bloßem Auge länglich, im Fernglas ist es sofort getrennt. Dabei fällt der Farbunterschied auf: θ² leuchtet weiß, θ¹ orange.

Ein Doppelstern im engeren Sinn ist θ Tauri nicht. Die beiden stehen mehrere Lichtjahre hintereinander und umkreisen sich nicht, es sind zwei Hyadensterne in fast derselben Blickrichtung. Genauso ist es bei σ Tauri gut 1° südöstlich von Aldebaran: 4,7 und 5,1 mag, rund 7 Bogenminuten getrennt.

Aus der Praxis: Beobachter im Forum von astronomie.de berichten, dass θ Tauri bei guter Durchsicht schon beim beiläufigen Blick länglich wirkt. σ Tauri mit bloßem Auge zu trennen, gilt dagegen als extrem schwierig und gelingt nur unter sehr dunklem Himmel – im Fernglas sind beide Paare ein Kinderspiel.

Hyaden und Plejaden im Stier: zwei Sternhaufen fürs bloße Auge

Ein offener Sternhaufen ist eine Gruppe von Sternen, die gemeinsam aus einer Gaswolke entstanden sind und noch lose zusammenhalten. Der Stier hat gleich zwei davon, die du ohne Hilfsmittel siehst – und die unterschiedlicher kaum sein könnten.

MerkmalHyadenPlejaden (M 45)
Entfernung153 Lj443 Lj
Alterca. 625 Mio. Jahreca. 100 bis 125 Mio. Jahre
Ausdehnung am Himmelrund 5,5°rund 1,8°
Gesamthelligkeit0,5 mag1,6 mag
Auffällige Sterneorange Riesen im Vheiße, bläulich-weiße Sterne
Bestes Instrumentbloßes Auge, FernglasFernglas
Daten nach en.wikipedia und Gaia (Plejaden), gerundet.

Hyaden: einer der nächsten Sternhaufen überhaupt

Mit 153 Lichtjahren sind die Hyaden einer der erdnächsten offenen Sternhaufen, nur die weit verstreute Bärenstrom-Gruppe um den Großen Wagen ist näher. Vier orange Riesen – γ, δ¹, ε und θ¹ Tauri – bilden mit dem weißen θ² das V. Um ε Tauri kreist ein Riesenplanet, der erste, der in einem offenen Sternhaufen entdeckt wurde.

Das V ist so groß, dass es in kein Teleskopfeld passt. Ein typisches 10×50-Fernglas mit gut 6° Gesichtsfeld zeigt es gerade noch vollständig, samt Aldebaran am Rand.

Plejaden: das Siebengestirn

Die Plejaden sind dagegen jung und weit weg: 443 Lichtjahre entfernt und nur rund 100 bis 125 Millionen Jahre alt. Mit bloßem Auge erkennst du sechs bis sieben Sterne in Form eines winzigen Wagens, im Fernglas Dutzende. Sternnamen, den bläulichen Merope-Nebel und Fototipps findest du auf unserer Seite zu den Plejaden.

Das Goldene Tor der Ekliptik

Zwischen Plejaden und Hyaden verläuft die Ekliptik, die scheinbare Jahresbahn der Sonne. Die Plejaden stehen rund 4° nördlich davon, Aldebaran 5,5° südlich – Mond und Planeten ziehen also regelmäßig mitten durch dieses „Goldene Tor“.

🔭 Aktuell im Stier: Uranus wandert 2026 und 2027 durch das Sternbild. Am 25. November 2026 steht er in Opposition, rund 5,3° südöstlich der Plejaden, und ist mit etwa 5,7 mag im Fernglas als grünlicher Punkt zu finden. Alle Termine des Monats stehen im Sternenhimmel im November.

Krebsnebel und Deep-Sky im Stier: die Ziele fürs Teleskop

Neben den beiden großen Haufen hat der Stier eine Handvoll lohnender Ziele für Fernglas und Teleskop. Das berühmteste ist zugleich das schwierigste: der Krebsnebel M 1. Welche Objekte in welcher Jahreszeit am besten stehen, zeigt unser Deep-Sky-Katalog.

Deep-Sky-Karte Sternbild Stier mit Plejaden M 45, Hyaden, Krebsnebel M 1, NGC 1647, NGC 1746, NGC 1807, NGC 1817 und T Tauri mit Hinds Variablem Nebel
Deep-Sky-Karte des Stiers mit Sternen bis 6,3 mag: Der Krebsnebel liegt 1,1° nordwestlich von ζ Tauri, NGC 1647 gut 3,5° nordöstlich von Aldebaran. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung
ObjektHelligkeitGrößeEntfernungAm besten mit
Hyaden0,5 mag5,5°153 LjAuge, Fernglas
M 45 Plejaden1,6 mag110′443 LjAuge, Fernglas
NGC 1746 (Asterismus)6,1 mag40′zufällige GruppeFernglas
NGC 16476,4 mag40′1.800 LjFernglas, kleines Teleskop
NGC 18177,7 mag20′ca. 6.400 LjTeleskop
M 1 Krebsnebel8,4 mag7′ × 5′ca. 6.500 LjTeleskop ab 130 mm
T Tauri / NGC 15559,3 bis 13,5 magkleinca. 470 LjTeleskop ab 200 mm
Helligkeiten, Größen und Entfernungen gerundet nach en.wikipedia; ′ = Bogenminute (1/60 Grad). Abstände zu Leitsternen eigene Berechnung.

Krebsnebel M 1: der Rest der Supernova von 1054

Am 4. Juli 1054 notierten chinesische Astronomen einen „Gaststern“ nahe ζ Tauri. Er war 23 Tage lang sogar am Taghimmel zu sehen und verschwand erst nach knapp zwei Jahren vom Nachthimmel.

Was wir heute sehen, ist der Überrest dieser Supernova: eine rund 11 Lichtjahre große Gaswolke, die sich mit etwa 1.500 km/s ausdehnt. In ihrem Zentrum dreht sich ein Pulsar, ein Neutronenstern von knapp 30 km Durchmesser, rund 30-mal pro Sekunde um sich selbst.

John Bevis entdeckte den Nebel 1731, Charles Messier stieß 1758 auf ihn und machte ihn zur Nummer 1 seines Katalogs. Den Namen „Krebsnebel“ verdankt er Lord Rosse, der in den 1840er-Jahren beinartige Fasern zu erkennen glaubte. Seine Entfernung ist unsicher: rund 6.500 Lichtjahre, je nach Messung zwischen etwa 4.900 und 8.100.

Du findest M 1 1,1° nordwestlich von ζ Tauri, dem unteren Horn – das sind gut zwei Vollmondbreiten. Mit 8,4 mag und 7 × 5 Bogenminuten erscheint er im 130-mm-Teleskop als blasser, ovaler Nebelfleck ohne Struktur. Unter Stadthimmel bleibt er oft ganz unsichtbar, selbst in größeren Geräten.

Achtung, Filterfalle: Erfahrene Beobachter im Forum von astronomie.de raten bei M 1 vom OIII-Filter ab. Der Krebsnebel leuchtet zu großen Teilen im kontinuierlichen Licht seines Pulsars, das ein Schmalbandfilter mit wegschneidet. Mehr bringt ein dunkler Standort, allenfalls ein breitbandiger Nebelfilter.

NGC 1647: der Fernglas-Haufen neben Aldebaran

NGC 1647 liegt gut 3,5° nordöstlich von Aldebaran und ist mit 6,4 mag ein dankbares Fernglasziel: ein lockerer Schwarm aus rund 90 Sternen auf 40 Bogenminuten. Er ist etwa 1.800 Lichtjahre entfernt und mit 150 Millionen Jahren viel jünger als die Hyaden. William Herschel nahm ihn 1784 in seinen Katalog auf.

NGC 1746 und NGC 1807/1817: Schein und Sein

NGC 1746, gut 7° südwestlich von Elnath, beschrieb Heinrich Louis d’Arrest 1863 als Sternhaufen. Heute gilt er als Asterismus, also als zufällige Sterngruppe ohne inneren Zusammenhang. In seinem Feld liegen aber zwei echte, voneinander unabhängige Haufen: NGC 1750 und NGC 1758.

Gut 8° östlich von Aldebaran stehen NGC 1807 und NGC 1817 nur 25 Bogenminuten auseinander, sie passen gemeinsam ins Übersichtsokular. NGC 1817 ist mit rund 6.400 Lichtjahren der fernere und sternreichere, ein alter Haufen von etwa einer Milliarde Jahren. Ob beide zusammengehören, ist unter Fachleuten offen.

Hinds Variabler Nebel und T Tauri: Sterne im Entstehen

Gut 1,6° westlich von ε Tauri liegt T Tauri, der Namensgeber einer ganzen Klasse sehr junger Sterne. Das Dreifachsystem ist weniger als eine Million Jahre alt und schwankt unregelmäßig zwischen 9,3 und 13,5 mag.

John Russell Hind entdeckte 1852 daneben einen kleinen Nebel, der in den 1860er-Jahren verschwand und später wieder auftauchte. Hinds Variabler Nebel (NGC 1555) wird von T Tauri beleuchtet und ändert seine Helligkeit, wenn Staub das Sternlicht abschattet. Visuell ist er sehr schwach, realistisch wird er erst ab etwa 200 mm Öffnung unter dunklem Himmel.

Fernglas oder Teleskop für den Stier: was du wirklich brauchst

Im Stier gilt eine Regel, die bei den meisten Sternbildern umgekehrt ist: Die schönsten Objekte sind zu groß fürs Teleskop. Die Hyaden passen in kein Okular, die Plejaden nur in ein Übersichtsokular mit langer Brennweite.

Ein Fernglas mit 10-facher Vergrößerung und 50 mm Öffnung zeigt dir das ganze V, die Plejaden mit Dutzenden Sternen, θ Tauri getrennt und NGC 1647 als Sternenschwarm. Für den Einstieg in den Winterhimmel ist es das beste Werkzeug; worauf du beim Kauf achten solltest, erklärt unser Ratgeber zum Astronomie-Fernglas.

Empfehlung Fernglas: das 10×50 für Hyaden und Plejaden

Unsere Fernglas-Empfehlung: Omegon Brightsky 10x50

Omegon Brightsky 10x50

Lichtstarkes, kontrastreiches Fernglas: perfekt für Mond, Sternhaufen und Milchstraßen-Felder aus der Hand.

Preis: 289 €

Auf Lager · versandfertig in 24 h

Verfügbarkeit prüfen* →

Ein klassisches 10×50 mit 5 mm Austrittspupille, das auch bei leicht aufgehelltem Himmel noch hell abbildet. Für ruhige Blicke auf die Plejaden hilft ein Fotostativ mit Adapter, denn freihändig zittern die Sterne bei 10-facher Vergrößerung sichtbar.

Wann sich das Teleskop trotzdem lohnt

Für den Krebsnebel, NGC 1817 und Hinds Nebel brauchst du Öffnung, also Objektivdurchmesser. Ab 130 mm zeigt sich M 1 unter dunklem Himmel als ovaler Nebel, und im selben Winter stehen der Orionnebel und die Planeten auf dem Programm.

Empfehlung Teleskop: der Einstieg für den Krebsnebel

Unsere Einsteiger-Empfehlung: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Kompakter Tisch-Dobson mit echtem Parabolspiegel. Faltbar, passt in den Rucksack: Mond, Planeten und die hellen Deep-Sky-Klassiker.

Preis: 265 €

Auf Lager · versandfertig in 24 h

Verfügbarkeit prüfen* →

130 mm Öffnung auf einer Tischmontierung, schnell aufgebaut und leicht zum dunklen Standort mitzunehmen. Für M 1 ist das das Minimum, nicht das Optimum – erwarte einen blassen Fleck, keine Fasern wie auf Fotos. Weitere Modelle vergleicht unser Ratgeber Teleskop für Einsteiger.

Wenn du mehr willst: der 200-mm-Dobson für M 1 und Hinds Nebel

Für Fortgeschrittene: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung — das Maximum an Himmel fürs Budget. Auf den Boden stellen, von Hand zeigen: Nebel, Sternhaufen und Galaxien über Jahre.

Preis: 479 €

Auf Lager · versandfertig in 24 h

Verfügbarkeit prüfen* →

Mit 200 mm sammelt der Dobson rund 2,4-mal so viel Licht wie das 130er. Der Krebsnebel zeigt damit seine unregelmäßige Form, NGC 1817 zerfällt in Einzelsterne, und Hinds Variabler Nebel wird überhaupt erst erreichbar. Der Aufpreis lohnt sich, wenn du Deep-Sky ernsthaft beobachten willst und Platz für ein 1,2 m langes Rohr hast.

Mondbedeckungen im Stier: Plejaden 2026/2027, Aldebaran ab 2033

Weil der Stier auf der Ekliptik liegt, zieht der Mond jeden Monat durch das Sternbild. Seit dem 5. September 2023 läuft weltweit eine Serie von Plejaden-Bedeckungen – von Deutschland aus erst seit dem 26. August 2024, bei der der Mond einzelne Plejadensterne für Minuten verschluckt; weltweit endet sie 2029, von Deutschland aus schon mit dem 4./5. Februar 2028 (danach trifft der Mond die Plejaden von hier aus nur noch am Tag, zuletzt am 14. August 2028). Diese Termine sind von Deutschland aus bei Dunkelheit zu sehen:

NachtUhrzeit (Frankfurt)Bedeckte SterneMond
27./28. Oktober 202601:39–03:11 UhrCelaeno, Taygeta, Maia, Asterope95 %, hoch im Süden
21./22. Dezember 202623:31–00:55 UhrTaygeta, Maia, Asterope93 %, hoch im Süden
13./14. März 202723:12–00:25 UhrCelaeno, Taygeta, Maia, Asterope31 % Sichel, tief im Westen
24./25. August 202723:54–02:04 UhrElektra, Celaeno, Maia, Merope, Alkyone, Pleione51 %, tief im Osten
14. November 202718:19–20:13 UhrMerope, Alkyone, Atlas, Pleione99 %, tief im Osten
12. Dezember 2027 (morgens)05:35–07:05 UhrElektra, Merope, Alkyone97 %, sehr tief im Westen
4./5. Februar 202801:19–03:11 UhrElektra, Merope, Alkyone62 %, tief im Westen
Eigene Berechnung (Skyfield, DE421), Zeitraum vom ersten Verschwinden bis zum letzten Wiederauftauchen; MEZ, im August MESZ. Mondangabe: beleuchteter Anteil.

In Hamburg, Berlin oder München verschieben sich die Zeiten um wenige Minuten, und nicht jeder Stern wird überall bedeckt. Im Oktober 2026 etwa zieht der Mond in München, Wien und Zürich nur über Taygeta und Asterope. Die Bedeckung von Alkyone am 24. November 2026 fällt leider auf den Mittag.

Der schönste Termin ist der 13. März 2027: Die schmale Sichel schiebt ihren dunklen Rand vor die Sterne, und sie verschwinden schlagartig. Bei fast vollem Mond wie im Oktober 2026 hilft ein Fernglas, die schwächeren Plejaden neben dem grellen Mondrand überhaupt zu sehen.

Und Aldebaran? Seine letzte Bedeckungsserie endete 2018. Die nächste beginnt am 18. August 2033, die erste bei Nacht von Deutschland aus sichtbare Bedeckung haben wir für den 25. Februar 2034 berechnet. Alle Details stehen auf unserer Aldebaran-Seite.

Tauriden aus dem Stier: Sternschnuppen im Herbst

Die Tauriden sind ein langer, ruhiger Meteorstrom. Ihr Radiant, der Punkt, aus dem die Sternschnuppen zu kommen scheinen, wandert durch Widder und Stier und liegt Anfang bis Mitte November knapp südlich der Plejaden. Es gibt zwei Äste: Die Südlichen Tauriden stammen vom Kometen 2P/Encke, die Nördlichen vermutlich vom Asteroiden 2004 TG10.

StromAktivMaximumRate (ZHR)Mond zum Maximum 2026
Südliche Tauridenca. 10. September bis 20. Novemberum den 10. Oktober, sehr breitca. 5Neumond
Nördliche Tauridenca. 20. Oktober bis 10. Dezemberum den 12. Novemberca. 57 % beleuchtet
Zeiträume nach dem Kalender der International Meteor Organization (IMO), andere Quellen nennen leicht abweichende Daten; Mondphase eigene Berechnung.

Mit rund fünf Meteoren pro Stunde sind die Tauriden kein Spektakel; die ZHR gibt die Rate unter idealem Himmel mit dem Radianten im Zenit an. Ihr Ruf beruht auf Feuerkugeln: Die Teilchen sind vergleichsweise groß und mit 27 bis 29 km/s langsam, deshalb entstehen besonders helle, gemächliche Meteore.

2026 passt alles: Am 9. November ist Neumond, das Maximum der Nördlichen Tauriden fällt in eine dunkle Woche. 2027 stört dagegen der Vollmond am 14. November; alle Ströme mit Mondprognose findest du im Sternschnuppen-Kalender.

Sternzeichen Stier und Sternbild Stier: warum die Daten abweichen

Das Sternzeichen Stier reicht in der Astrologie etwa vom 20. April bis 20. Mai. Astronomisch steht die Sonne aber vom 14. Mai bis 21. Juni im Sternbild Stier, also mehr als drei Wochen später.

Sternzeichen (Astrologie)WidderStier (20.4.–20.5.)ZwillingeKr.Sonne im Sternbild (IAU)Fi.WidderStier (14.5.–21.6.)Zw.1.4.14.5.21.6.
Sternzeichen sind feste 30°-Abschnitte, Sternbilder unterschiedlich breit. Wer zwischen 20. April und 13. Mai geboren ist, hat das Sternzeichen Stier, die Sonne stand aber im Widder. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Der Grund ist die Präzession: Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und verschiebt den Frühlingspunkt, den Startpunkt des Tierkreises, etwa ein Grad in 72 Jahren. Seit der Antike sind so knapp 30 Grad zusammengekommen, ein ganzes Zeichen. Dazu kommt, dass Tierkreiszeichen gleich große 30-Grad-Abschnitte sind, Sternbilder aber unterschiedlich breite Himmelsfelder.

JahrSonne tritt in den StierSonne tritt in die ZwillingeDauer
202614.05.2026, 15:39 Uhr21.06.2026, 22:59 Uhr38,3 Tage
202714.05.2027, 21:36 Uhr22.06.2027, 05:08 Uhr38,3 Tage
202814.05.2028, 03:53 Uhr21.06.2028, 11:21 Uhr38,3 Tage
Eigene Berechnung (Skyfield, DE421, IAU-Sternbildgrenzen via Astropy), Zeiten in MESZ.

Mit gut 38 Tagen gehört der Stier zu den Sternbildern, in denen die Sonne am längsten verweilt – nur in der Jungfrau bleibt sie länger. Seit 1990 liegt außerdem der Sommersonnenwendpunkt im Stier: Am längsten Tag des Jahres steht die Sonne vor seinen Sternen und nicht mehr in den Zwillingen. Die vollständige Gegenüberstellung aller Zeichen findest du in unserer Übersicht Sternzeichen und Sternbilder.

Achtung: Wenn die Sonne im Stier steht, sind Plejaden und Aldebaran im Tageslicht unsichtbar. Richte nie ein Fernglas oder Teleskop in die Nähe der Sonne – ohne zertifizierten Objektiv-Sonnenfilter drohen in Sekundenbruchteilen bleibende Augenschäden.

Mythologie des Sternbilds Stier: Zeus, Europa und der Himmelsstier

In der griechischen Sage verwandelte sich Zeus in einen schneeweißen Stier, um die phönizische Königstochter Europa zu entführen. Er trug sie auf seinem Rücken übers Meer nach Kreta, wo sie den späteren König Minos gebar. Der Kontinent Europa trägt bis heute ihren Namen.

Am Himmel ist nur die vordere Hälfte des Stiers zu sehen. Eine verbreitete Deutung: Der Rest steckt noch im Meer, durch das er mit Europa schwimmt.

Hyaden und Plejaden gelten als Töchter des Titanen Atlas. Die Hyaden, das „Regengestirn“, weinen der Sage nach um ihren toten Bruder Hyas; ihr Erscheinen am Herbsthimmel fiel in Griechenland mit der Regenzeit zusammen.

Viel älter ist der Himmelsstier der Sumerer: Im Gilgamesch-Epos schickt die Göttin Ischtar ihn auf die Erde, wo Gilgamesch und Enkidu ihn töten. Nach heutigen Sternbildgrenzen lag zudem von etwa 4500 bis 1900 v. Chr. der Frühlingspunkt im Stier, das Sternbild kündigte also den Frühling an.

Auch die Himmelsscheibe von Nebra zeigt sehr wahrscheinlich die Plejaden: sieben goldene Punkte neben Sonne und Mondsichel, rund 3.600 Jahre alt.

Tipp fürs Kreuzworträtsel: Stern im Stier mit 6 Buchstaben: Elnath, mit 7: Alkyone, mit 9: Aldebaran. Der lateinische Name des Sternbilds ist Taurus (6 Buchstaben), der heilige Stier der Ägypter heißt Apis.

Häufige Fragen zum Sternbild Stier

Wo ist das Sternbild Stier am Himmel?

Der Stier steht rechts oberhalb des Orion. Verlängere die drei Gürtelsterne nach rechts oben, dann triffst du nach rund 22° auf das V der Hyaden mit dem orangen Aldebaran. Im Januar steht er um 22 Uhr hoch im Süden.

Wann ist das Sternbild Stier zu sehen?

Am Abendhimmel von Oktober bis April, am besten im Dezember und Januar. Von Mitte Mai bis Anfang Juli ist er unsichtbar, weil die Sonne in ihm steht.

Welcher ist der hellste Stern im Sternbild Stier?

Aldebaran (α Tauri) mit 0,9 mag, ein Roter Riese in 67 Lichtjahren Entfernung. Er bildet das Auge des Stiers und gehört nicht zu den Hyaden, obwohl er mitten in ihrem V zu stehen scheint.

Wie heißt das Sternbild Stier auf Latein?

Der lateinische Name ist Taurus, der Genitiv Tauri – daher Sternnamen wie Alpha Tauri. Die offizielle Abkürzung der IAU lautet Tau.

Wie viele Sterne hat das Sternbild Stier?

Unter sehr dunklem Himmel siehst du rund 140 Sterne bis zur 6. Größe innerhalb der Sternbildgrenzen. Heller als 3. Größe sind nur vier: Aldebaran, Elnath, Alkyone und ζ Tauri.

Ist das Sternzeichen Stier dasselbe wie das Sternbild Stier?

Nein. Das Sternzeichen ist ein fester 30-Grad-Abschnitt der Ekliptik und gilt etwa vom 20. April bis 20. Mai. Im Sternbild Stier steht die Sonne vom 14. Mai bis 21. Juni.

Was bedeutet das Sternbild Stier in der Mythologie?

In der griechischen Sage ist es Zeus in Stiergestalt, der die Königstochter Europa nach Kreta entführte. Die Sumerer sahen darin schon Jahrtausende früher den Himmelsstier aus dem Gilgamesch-Epos.

Welche Sternhaufen gibt es im Sternbild Stier?

Die beiden großen sind die Hyaden und die Plejaden, beide mit bloßem Auge sichtbar. Dazu kommen NGC 1647 fürs Fernglas, das Paar NGC 1807/1817 fürs Teleskop und der Asterismus NGC 1746, der nur wie ein Haufen aussieht.

Kann man den Krebsnebel mit dem Fernglas sehen?

Kaum. Unter sehr dunklem Himmel zeigt ein 10×50 bestenfalls einen winzigen, schwachen Fleck neben ζ Tauri. Zuverlässig gelingt M 1 erst im Teleskop ab etwa 130 mm, und auch dann nur als blasser Nebel.

Links mit Sternchen (*) sind Partnerlinks. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich der Preis nicht.

Weiterlesen auf Sterngucker