Scorpiiden im Juni/Juli

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

⚡ Die schnelle Antwort: Juni und Juli sind die schwächsten Sternschnuppen-Monate des Jahres. Die Ströme dieser Wochen bringen meist nur rund fünf Meteore pro Stunde, die stärksten laufen tagsüber ab – und in Norddeutschland wird es zwischen Mitte Mai und Ende Juli überhaupt nicht mehr richtig dunkel. Erst die Perseiden Mitte August liefern wieder eine echte Sternschnuppen-Nacht. Der erste lohnende Strom davor sind die Südlichen Delta-Aquariiden Ende Juli.

📅 Alle Meteorströme des Jahres mit Mond-Bewertung stehen im Sternschnuppen-Kalender.

Die Nächte im Juni sind kurz, oft klar – und für Sternschnuppen trotzdem die schlechtesten des Jahres. Wer in dieser Zeit einen Meteorstrom beobachten will, sucht konzentriert nach Einzelexemplaren. Die Fallraten sind niedrig, die stärksten Maxima fallen in die Tagesstunden, und von manchen Strömen ist der Mutterkörper bis heute nicht sicher identifiziert.

Warum im Juni kaum Sternschnuppen zu sehen sind

Der wichtigste Grund hat nichts mit den Meteorströmen zu tun, sondern mit dem Sonnenstand. Von echter Dunkelheit spricht man erst, wenn die Sonne mindestens 18 Grad unter dem Horizont steht – das ist die astronomische Nacht. Im Hochsommer erreicht sie diesen Wert in weiten Teilen Deutschlands gar nicht mehr.

OrtTiefster Sonnenstand am 21. JuniAstronomische Nacht?
Hamburg−13,0°nein
Berlin−14,1°nein
München−18,4°ja, für wenige Minuten
Berechnet für den 21. Juni mit dem JPL-Ephemeriden-Kernel DE421.

In Berlin dauert diese Phase ohne astronomische Nacht vom 17. Mai bis zum 24. Juli, also 69 Tage am Stück. Der Himmel bleibt die ganze Nacht in einer Restdämmerung, und lichtschwache Meteore – und das sind die allermeisten – gehen darin schlicht unter. Je weiter nördlich du wohnst, desto ausgeprägter ist der Effekt. Wer im Juni oder Juli beobachten will, fährt für dieselbe Ausbeute also besser in den Süden Deutschlands.

Die Meteorströme im Juni und Juli auf einen Blick

StromMaximumMeteore pro StundeSichtbar?
Arietiden7./8. Junibis 54nein – Tagstrom, nur per Radar
Zeta-Perseiden13./14. Junibis 40nein – Tagstrom
Juni-Lyriden15./16. Juniunter 5ja, schwach
Juni-Bootiden27. Juni0 bis Ausbruchja, sehr unregelmäßig
Beta-Tauriden29./30. Junibis 30nein – Tagstrom
Südliche Delta-Aquariiden29./30. Julibis 25ja – der stärkste des Zeitraums
Alpha-Capricorniden30. Julietwa 5ja – wenige, aber sehr helle Boliden
Perseiden (Beginn)ab 17. Julianfangs einzelneja, Maximum erst im August

Tagaktive Ströme: Arietiden und Zeta-Perseiden

Die Arietiden hätten mit bis zu 54 Meteoren pro Stunde im Maximum am 7./8. Juni mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie laufen aber ausschließlich tagsüber ab: Ihr Radiant im Sternbild Widder steht nur knapp von der Sonne entfernt, sodass allein Radardetektoren die Spur verfolgen. Als Mutterkörper gilt der periodische Komet 96P/Machholz, sicher belegt ist das nicht.

Die Zeta-Perseiden aus dem Sternbild Perseus (Maximum 13./14. Juni) waren bis nach dem Zweiten Weltkrieg völlig unbekannt. Ein britischer Funkanlagen-Betreiber entdeckte den Strom durch Zufall. Daraufhin achtete das Observatorium Jodrell Bank gezielt auf solche Signale und fand im selben Sommer die Beta-Tauriden aus dem Sternbild Stier, die im Maximum vom 29./30. Juni immerhin bis zu 30 Meteore pro Stunde erreichen. Auch sie sieht man nicht – sie sind ebenfalls tagaktiv.

Fast jede Nacht ein Maximum – und trotzdem leerer Himmel

Im Juni reiht sich Maximum an Maximum, nur eben auf sehr niedrigem Niveau: Kein nachtaktiver Strom kommt über etwa fünf Meteore pro Stunde hinaus. Den Anfang machen die langsamen Chi-Scorpiiden (28. Mai bis 5. Juni), die Omega-Scorpiiden (3. bis 6. Juni) und nach kurzer Pause die Tau-Herculiden (9./10. Juni). Von den weiteren schwachen Juni-Strömen ist der Mutterkörper überwiegend unbekannt.

Ein vergleichsweise junger Fund sind die Juni-Lyriden. 1966 wurden sie im Maximum vom 15. auf den 16. Juni erstmals beobachtet, mit weniger als fünf Meteoren pro Stunde. Die Bahn ihres Mutterkörpers kreuzt die Erdbahn in Richtung des Sternbilds Leier. Seit der Entdeckung stieg die Fallrate gelegentlich an, zuletzt 1996.

Der einzige Strom im Juni, bei dem sich Aufbleiben gelegentlich lohnt, sind die Juni-Bootiden um den 27. Juni. Normalerweise zeigen sie praktisch nichts – 1998 und 2004 gab es aber unerwartete Ausbrüche mit über 50 Meteoren pro Stunde. Vorhersagen lässt sich das nicht.

Sternschnuppen im Juli

Hochsommerabende sind erst spät und nur wenige Stunden lang für die Beobachtung geeignet. Dafür wird es im Lauf des Monats messbar besser: Ab dem 24. Juli gibt es in Berlin wieder astronomische Nacht, und zum Monatsende laufen gleich zwei Ströme zusammen.

Südliche Delta-Aquariiden: der stärkste Strom des Zeitraums

Die Südlichen Delta-Aquariiden sind mit bis zu 25 Meteoren pro Stunde der stärkste Strom zwischen den Lyriden im April und den Perseiden im August. Ihr Maximum liegt um den 29./30. Juli, die Aktivität zieht sich aber breit über mehrere Wochen. Ihr Radiant liegt im Sternbild Wassermann und damit von Deutschland aus recht tief im Süden – ein freier Südhorizont bringt hier mehr als jede Ausrüstung. Als Ursprung gilt kein klassischer Komet, sondern der Kometenkomplex um 96P/Machholz.

Häufig verwechselt werden sie mit den Nördlichen Delta-Aquariiden: Das ist ein eigener, deutlich schwächerer Strom, dessen Maximum erst Mitte August liegt. Wer Ende Juli beobachtet, sieht die südliche Komponente.

Fast zeitgleich, am 30. Juli, kulminieren die Alpha-Capricorniden. Ihre Fallrate ist mit rund fünf Meteoren pro Stunde niedrig, dafür sind sie berühmt für langsame, sehr helle Boliden – einzelne davon gehören zu den eindrucksvollsten Erscheinungen des ganzen Sommers. Dazwischen liegen die schwachen Sigma- und Tau-Capricorniden (ab 10. bzw. 12. Juli), die Alpha-Lyriden in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli und die Omicron-Draconiden vom 17. auf den 18. Juli, alle unter fünf Meteoren pro Stunde.

Wann sich das Warten 2027 lohnt

Weil die Fallraten so niedrig sind, entscheidet in diesen Wochen fast allein der Mond darüber, ob eine Nacht etwas bringt. Für 2027 sieht es zum Monatsende Juli ausgesprochen gut aus:

Termin 2027StromMond beleuchtetBewertung
7. JuniArietiden13 %dunkel – nützt nur nichts, Tagstrom
27. JuniJuni-Bootiden43 %brauchbar, falls es einen Ausbruch gibt
17. JuliPerseiden-Beginn100 %Vollmond – aussichtslos
30. JuliDelta-Aquariiden & Alpha-Capricorniden9 %sehr gut – die beste Nacht des Zeitraums
Mondbeleuchtung jeweils für die Nachtmitte, berechnet mit dem JPL-Ephemeriden-Kernel DE421.

Zum Vergleich: 2026 fiel genau dieses Doppel-Maximum am 30. Juli auf einen zu 98 Prozent beleuchteten Mond, einen Tag nach Vollmond – die Nacht war praktisch verloren. 2027 steht der Mond drei Tage vor Neumond und stört überhaupt nicht.

So beobachtest du richtig

Für Sternschnuppen brauchst du kein Teleskop und kein Fernglas – beides schadet sogar, weil es das Gesichtsfeld auf einen winzigen Ausschnitt verengt. Meteore können überall am Himmel aufleuchten. Was tatsächlich hilft: eine liegende Position, damit du eine halbe Stunde lang bequem nach oben schauen kannst, ein möglichst freier Blick nach Süden, und Geduld. Die günstigste Zeit liegt zwischen Mitternacht und Dämmerungsbeginn, weil die Erde dann der Bewegungsrichtung entgegen durch den Staubstrom läuft.

Rechne mindestens 20 Minuten für die Dunkeladaption ein und lass das Handydisplay in dieser Zeit aus. Ein Ort abseits der Ortsbeleuchtung bringt bei diesen schwachen Strömen mehr als bei jedem anderen Ereignis des Jahres – siehe Lichtverschmutzung.

🌠 Was in einer Sommernacht wirklich hilft

Ein Teleskop brauchst du hier ausdrücklich nicht. Wenn du ohnehin eins suchst, hilft der Teleskop-Ratgeber weiter.

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Wie es danach weitergeht

Ab Mitte Juli laufen die Perseiden an und lösen die Flaute ab: Ihr Maximum um den 12./13. August bringt unter guten Bedingungen bis zu 100 Meteore pro Stunde. Alle weiteren Termine des Jahres samt Mondbewertung stehen im Sternschnuppen-Kalender; wie Meteorströme überhaupt entstehen, erklärt die Seite Meteorstrom.