Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Pluto ist seit 2006 offiziell kein Planet mehr, sondern ein Zwergplanet – er konnte seine Bahn nicht von anderen Objekten „freiräumen”. Mit 2.377 km Durchmesser ist er kleiner als unser Mond. Im Teleskop bleibt er selbst bei 200 mm Öffnung ein winziger Lichtpunkt – die „Pluto-Jagd” gilt als Königsdisziplin für Amateur-Astronomen.
Ehrlich vorweg: Für Pluto lohnt keine Anschaffung – bei rund 14 mag braucht es mindestens 250 mm Öffnung und einen sehr dunklen Himmel, und selbst dann bleibt er ein Lichtpunkt unter vielen. Mehr Freude machen die hellen Planeten; welches Gerät sie zeigt, steht im Ratgeber Welches Teleskop für Planeten?, fotografisch führen Smart-Teleskope am schnellsten zum Ziel.
Der rasante Fortschritt der Astronomie machte im Lauf weniger Jahrzehnte aus ursprünglich sinnvollen Katalogen kaum noch überschaubare Sammelsurien. Nachfolgende Wissenschaftsgremien regten zu einer weiteren Untergliederung an. Die berühmteste dieser Diskussionen ist jene über den Status als Planet des Sonnensystems. 2006 fand sie einen vorläufigen Höhepunkt in der »Planetendefinition«, die bis heute umstritten bleibt. Seitdem gilt Pluto nicht länger als Planet.
Pluto im Steckbrief: alle Daten auf einen Blick
Pluto ist seit 2006 offiziell ein Zwergplanet – klein, exzentrisch und weit draußen. Die Daten stammen überwiegend aus dem Vorbeiflug der Sonde New Horizons im Juli 2015.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Status | Zwergplanet – seit der IAU-Definition vom 24. August 2006 |
| Entdeckung | 18. Februar 1930 durch Clyde Tombaugh am Lowell-Observatorium |
| Durchmesser | 2.377 km – kleiner als der Erdmond (3.474 km) |
| Masse | 1,303 · 1022 kg = 0,0022 Erdmassen |
| Mittlere Dichte | 1,85 g/cm³ – etwa zwei Drittel Gestein, ein Drittel Eis |
| Schwerebeschleunigung | 0,62 m/s² – rund 6 % der Erdschwere |
| Mittlerer Sonnenabstand | 5,91 Milliarden km = 39,5 AE |
| Sonnennächster / -fernster Punkt | 4,44 / 7,38 Milliarden km – zeitweise näher als Neptun |
| Umlaufzeit | 247,9 Jahre |
| Rotationsdauer | 6 Tage 9 Stunden – rückläufig |
| Achsneigung | 119,6° – Pluto liegt wie Uranus fast auf der Seite |
| Bahnneigung | 17,2° gegen die Ekliptik – ungewöhnlich stark geneigt |
| Mittlere Temperatur | −229 °C (44 K) |
| Atmosphäre | dünn, aus Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid – gefriert zeitweise aus |
| Monde | 5 – Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx |
| Scheinbare Helligkeit | 13,7 bis 16,3 mag – nur im größeren Teleskop erreichbar |
| Raumsonden-Besuch | nur New Horizons am 14. Juli 2015 |
Planeten des Sonnensystems – Zwergplanet als Diskussionsopfer
Dieser fernste (ehemalige) Planet des Sonnensystems ist klein, umläuft die Sonne stark elliptisch und mit großer Neigung. Ein Jahr auf Pluto dauert ganze 247,68 Jahre und verläuft exzentrischer als die meisten anderen Planetenbahnen. Für einen Plutotag braucht er nicht nur 6,387 unserer Erdetage, sondern dreht sich auch rückläufig um seine Achse.
Dieser »verlorene« Planet des Sonnensystems stellt eine Besonderheit dar. Trotz seiner geringen Größe gilt seine Rotationsperiode als groß. Daran ist der Mond »Charon« schuld, dessen Gezeitenkräfte auf Pluto einwirken, ebenso, wie der Zwergplanet diesen Mond beeinflusst.
Außer diesen beiden wurden im Sonnensystem bisher keine weiteren Körper mit doppelt gebundener Rotation gefunden. Vor der entstandenen modernen Zuordnung galt Pluto als ein Mond, den Neptun vermutlich beim Einfangen des Neptunmondes »Triton« aus seinem ursprünglichen Monde-System heraus katapultierte. Zwei Tatsachen scheinen diese Theorie zu untermauern: Erstens bewegt sich Triton rückläufig um Neptun, und ein anderer Neptunbegleiter, Nereid, erhielt seine heutige starke Bahnexzentrität. Der Zwergplanet Pluto bewegt sich ebenfalls mit einer 17° starken Bahnneigung.
Entdeckungssensation Transneptun
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte die Teleskopforschung der Planeten des Sonnensystems nicht länger in diskreten Fachkreisen von Astronomen, Physikern und »Himmelsphilosophen«. Die weltweit aufstrebenden Medien wollten ebenso ihr Häppchen Sensation von der Planetenforschung verbreiten, schon damals möglichst als erste. So geschah es, dass der kleine Pluto lange vor seiner Entdeckung für Hypothesen und Mutmaßungen sorgte und eine Zeit lang mehr über ihn geschrieben und gerätselt als an ihm entdeckt und nachgewiesen wurde.
25 Jahre lang hatte das Lowell-Observatorium (Arizona) den Himmel nach einem vermuteten neunten Planeten des Sonnensystems abgesucht. Dann endlich enthüllten Himmelsaufnahmen ein entsprechendes Objekt, jedoch nicht an der vorhergesagten Stelle. Die Öffentlichkeit erfuhr vom Ergebnis der Planetenforschung exakt am 149. Entdeckungstag des Planeten Uranus. Seinen Namen »Pluto« erhielt er aus einer Flut von Namensvorschlägen. Eine Elfjährige aus Oxford hatte den richtigen mythologischen »Riecher« und empfahl, das Objekt in der Finsternis ebenso düster nach dem gleichnamigen Gott der Unterwelt zu benennen. Der ehemals neunte »Wandelstern« unseres Sonnensystems wurde 1930 entdeckt.
Die Frage nach Größe und Charakter Plutos
Kurz nach seiner Entdeckung schätzte man aus angenommener Albedo und scheinbarer Helligkeit den kleinen Planeten des Sonnensystems auf Erdgröße ein. Nach einigen wissenschaftlichen Minuskorrekturen witzelten die Medien, weitere Planetenforschung könnte am Ende den offensichtlich schrumpfenden Zwergplaneten ganz verschwinden lassen. Erst weitere Vergleiche der Himmelsaufnahmen von Pluto und die Entdeckung von Charon, des großen Plutomondes, erlaubten Ende der 1970er Jahre die heute gültige Größenangabe für den Sonnenbegleiter.
Pluto: zu klein als Planet und trotzdem eine »große Nummer«
Als beim astronomischen »Run« auf transneptunische Objekte 1992 mehrere plutoähnliche Himmelskörper entdeckt wurden, sollte unter den Planeten des Sonnensystems der kleine Pluto den Doppelstatus eines Asteroiden erhalten. Brian Marsdens Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.
Immer mehr Himmelskörper von der Größe des Pluto und größere wurden im Kuiper-Gürtel entdeckt. Am 23.08.2006 wurde schließlich die neue Gruppe der »Zwergplaneten« gebildet, in der nun »unser« neunter Planet unter Nummer 134340 aufgelistet bleibt. Er ist einer von insgesamt fünf definierten Zwergplaneten in unserem Sonnensystem neben Ceres, Makemake, Haumea und Eris.
Selbst unser Mond ist größer als der ehemalige äußerste Planet des Sonnensystems. Der geplante Flug zum fernen Planeten des Sonnensystems verschlang Unsummen an Forschungsgeldern. Nach einigem Tauziehen war es dennoch möglich, die Raumsonde »New Horizons« zum Zwecke der Planetenforschung auf die knapp zehnjährige Reise zu schicken. Seit Anfang 2006 ist die Raumsonde auf der Reise zum Kuiper-Gürtel und flog am 14. Juli 2015 12.500 km nah an Pluto und 28.800 km weit am Pluto-Mond Charon vorüber.
Nahaufnahmen und Messdaten sollten die Wissenschaftler besser über den Zwergplaneten, seine »Doppelrolle« um Charon und die Plutomonde Nix und Hydra aufklären.
Plutos großer Mond Charon
Die Konstellation des Pluto gilt als außergewöhnlich zwischen Zwergplaneten und ihren Monden des Sonnensystems. Die Astronomen vermuten, dass sie nicht zusammen entstanden, sondern Charon möglicherweise bei einer gewaltigen Kollision aus dem einst viel größeren Mutterkörper abgesprengt wurde. Die entdeckten Spuren von Kryovulkanismus und der 2007 nachgewiesene geringe Verwitterungszustand des Oberflächeneises werden als Beweise dieser Theorie angesehen. Nach bisherigen Erkenntnissen besitzt Charon allerdings keine messbare Atmosphäre.
Unter den Monden des Sonnensystems ist Charon noch aus weiteren Gründen einzigartig. Pluto und der verhältnismäßig große Begleiter Charon gelten als einziges bisher bekanntes Zwergplaneten-Doppelsystem unseres Sonnensystems. Charons Gesteinskern ist viel kleiner als Plutos, während seine Eiskruste mindestens 10 – 15 % dicker ist. Um den Kryovulkanismus genauer zu untersuchen, müssen Spuren von Verformungen und Ablagerungen auf der Mondoberfläche ausgewertet werden. Genauere Erkenntnisse erhofften sich die Wissenschaftler hierzu von der Mission »New Horizons«, die im Jahr 2015 detaillierte Aufnahmen von Charon zur Erde sendete.
Beste Wahl für Einsteiger: Omegon AC 70/700 AZ-2

Die Einsteiger-Linse ohne Fallstricke: Mond, Saturnringe und Jupitermonde ab dem ersten Abend. Keine Justage.
Preis: 119 €
Auf Lager · versandfertig in 24 h
Für Fortgeschrittene: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung — das Maximum an Himmel fürs Budget. Auf den Boden stellen, von Hand zeigen: Nebel, Sternhaufen und Galaxien über Jahre.
Preis: 479 €
Auf Lager · versandfertig in 3-7 Tagen
* Affiliate-Link: Wenn du über diesen Link bestellst, erhalten wir eine kleine Provision von Astroshop. Der Preis ändert sich für dich nicht.
Kann man Pluto selbst sehen?
Pluto ist mit einer Helligkeit von nur etwa +14,4 mag eines der anspruchsvollsten Ziele der Amateurastronomie. Mit Fernglas oder Einsteigerteleskop ist er unsichtbar – nötig sind mindestens 20 bis 25 cm Teleskopöffnung, ein dunkler Landhimmel und eine präzise Sternkarte. Selbst dann erscheint Pluto nur als winziger Lichtpunkt, der sich erst über mehrere Nächte durch seine Bewegung verrät.
Tipp: Deutlich realistischer gelingt der Nachweis fotografisch: Moderne Smart-Teleskope und die Astrofotografie mit längeren Belichtungszeiten machen Pluto auch für Amateure erreichbar.
Pluto selbst ist ein Fall für große Geräte – Mond, Jupiter und Saturn gelingen schon mit Einsteiger-Teleskopen.
Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per Mail.
Häufige Fragen
Warum ist Pluto kein Planet mehr?
Seit 2006 gilt die IAU-Definition: Ein Planet muss seine Bahn von anderen Objekten freigeräumt haben. Pluto teilt seine Region mit vielen Kuipergürtel-Objekten und wurde deshalb als Zwergplanet eingestuft.
Wie lange braucht Pluto um die Sonne?
Rund 248 Jahre. Seit seiner Entdeckung 1930 hat er nicht einmal die Hälfte einer Umrundung geschafft.
Wie groß ist Pluto?
Mit etwa 2.377 km Durchmesser ist Pluto kleiner als unser Erdmond (3.474 km).
Kann man Pluto mit einem normalen Teleskop sehen?
Visuell erst ab ca. 20–25 cm Öffnung unter sehr dunklem Himmel – fotografisch gelingt es auch mit kleinerer Ausrüstung.
Warum Pluto in keinem Merksatz der acht Planeten mehr auftaucht – und in welchen er noch steht – zeigt unsere Seite Merksatz Planeten.

