Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Die Große Magellansche Wolke ist eine irreguläre Zwerggalaxie in unmittelbarer Nachbarschaft der Milchstraße und gehört wie diese zur Lokalen Gruppe. Schriftlich erwähnt wurde sie erstmals im Jahr 964, im „Buch der Fixsterne“ des persischen Astronomen Al Sufi.
Viele Erscheinungen im Weltall stehen rein zufällig in nachbarschaftlichen Positionen. Andere beeinflussen sich so stark gravitativ, dass sie zu astronomischen Haufen oder Gruppen zusammen gefasst werden. Eines der früh entdeckten Mitglieder ist die »Große Magellansche Wolke«, im englischen »Large Magellanic Cloud« genannt – eine Zwerggalaxie in relativer Nähe zu unserer Milchstraße. Sie gehört wie unsere Galaxie zu den Mitgliedern der »Lokalen Gruppe«.
Die Große Magellansche Wolke – eine irreguläre Zwerggalaxie

Erste schriftliche Erwähnungen unserer »Nachbarin« finden sich im »Buch der Fixsterne« des persischen Astronomen Al Sufi aus dem Jahr 964. Demnach konnte die Große Magellansche Wolke auf der Südhalbkugel schon zu frühen Menschheitszeiten mit bloßem Auge gesehen werden.
Ferdinand Magellan umsegelte 1519 die Welt und entdeckte die nach ihm benannte Zwerggalaxie. Schon damals erkannte er ihre Zusammensetzung aus Sternen, Sternhaufen, Nebeln und weiteren Objekten.
Die Große Magellansche Wolke ist eine kleine Galaxie. Sie dehnt sich innerhalb der »Lokalen Gruppe« auf 14.000 Lichtjahre und ist nur 10 % so »schwer« wie die Objektmasse der Milchstraße. Dennoch lohnt ihre Beobachtung, weil sowohl junge Sterne als auch alte Sternhaufen dort sehr aktiv sind. Am berühmtesten ist bisher das Ereignis »Supernova 1987A«, ein Sternentod im Jahr 1987, dessen Neutrinoausstöße lange vor den messbaren Daten der Schockwelle in verschiedenen Erdobservatorien registriert wurden. Doch auch vorher wurde diese Zwerggalaxie wegen ihrer relativen Nähe zur Erde (»nur« 160.000 Lichtjahre) gründlich erforscht. Ein langer Katalog an NGC-Objekten beschreibt Sternhaufen, viele leuchtende Gaswolken und unterschiedlich alte Kugelsternhaufen.
Neues von der Begleiterrolle der Großen Magellanschen Wolke
Bisher errechneten Astronomen aus den Bewegungen der Großen Magellanschen Wolke in der »Lokalen Gruppe« eine starke gravitative Verbindung. Ein Forscherteam zweier Institute untersuchte nun dreidimensional die Geschwindigkeit beider Zwerggalaxien. Dabei zeigte sich, dass beide Magellanschen Wolken sich fast doppelt so schnell entlang der Sichtlinie bewegen wie vorher angenommen.
Nach Auswertung dieser Daten erklärt sich die größere Radialgeschwindigkeit entweder dadurch, dass unsere Milchstraße größer ist, als wir bisher annahmen und durch die höheren Bindungskräfte beide Begleitgalaxien beschleunigt. Möglicherweise ist unsere Milchstraße aber auch zu leicht, um die Große Magellansche Wolke und KMW festzuhalten. Nach dieser Erklärung begleiten die Zwerggalaxien uns nur zufällig und befinden sich, in galaktischen Dimensionen betrachtet, mal eben auf der Durchreise.
Die Kleine Magellansche Wolke
Die Kleine Magellansche Wolke (KMW) ist die zweite der beiden Begleitgalaxien am Südhimmel: eine irreguläre Zwerggalaxie in rund 200.000 Lichtjahren Entfernung, die etwa 25-mal schwächer leuchtet als unsere Milchstraße. Von Mitteleuropa aus ist sie – wie ihre große Schwester – nie zu sehen; man braucht dafür die Südhalbkugel.
Was sie von der Großen Magellanschen Wolke unterscheidet, ist nicht nur die Größe. Ihre Sternhaufen liegen lockerer verteilt, und sie enthält auffällig viele junge Sternentstehungsgebiete. Der bekannteste ist NGC 602, den das Hubble-Teleskop als regelrechte Kinderstube abgebildet hat: Junge, massereiche Sterne haben dort eine Höhle in die Gaswolke geblasen, an deren Rändern gerade die nächste Sterngeneration entsteht. Weil die KMW deutlich weniger schwere Elemente enthält als unsere Milchstraße, ähneln die Bedingungen dort denen im frühen Universum – das macht sie für die Forschung besonders wertvoll.
Wird die KMW gerade auseinandergerissen?
2025 kam eine Untersuchung zu einem überraschenden Ergebnis. Ein japanisches Team wertete die Bewegung von rund 4.200 Cepheiden in der KMW aus – das sind pulsierende Sterne, deren Entfernung sich sehr genau bestimmen lässt – und stützte sich dabei auf Daten des Astrometrie-Satelliten Gaia. Erwartet hatten sie eine Rotation, wie man sie von Galaxien kennt. Gefunden haben sie etwas anderes: Die KMW rotiert offenbar gar nicht, sondern wird gleichzeitig entlang zweier Achsen auseinandergezogen.
Woher die Zugkräfte stammen, ist offen. In Frage kommen die Große Magellansche Wolke, die Milchstraße selbst oder die Nachwirkungen einer früheren nahen Begegnung der beiden Wolken. Sicher ist nur die Richtung der Reise: Die Magellanschen Wolken bewegen sich auf die Milchstraße zu und werden in ferner Zukunft mit ihr verschmelzen.
Quellen
- NASA/Ames Research Center, Large.mc.arp.750pix, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons, entnommen 06.01.2020