Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 14. September 2026
⭐ Kurz gesagt: Darks sind Aufnahmen mit geschlossenem Deckel – gleiche Belichtungszeit, gleicher Gain bzw. ISO und dieselbe Sensortemperatur wie deine echten Bilder. Sie zeigen nur das, was die Kamera selbst produziert: Dunkelstrom, Hot Pixels und Amp-Glow. Beim Stacken wird dieses Eigensignal von jedem Rohbild abgezogen. 20 bis 30 Stück reichen, und mit einer gekühlten Kamera nimmst du sie einmal je Einstellung auf und nutzt sie ein Jahr lang.

Was Darks wegrechnen
Ein Kamerasensor liefert auch dann ein Signal, wenn überhaupt kein Licht auf ihn fällt. Wärme löst im Silizium Elektronen aus, und die Kamera kann diese Elektronen nicht von Sternenlicht unterscheiden. Dieses Eigensignal heißt Dunkelstrom.
Der Dunkelstrom ist zum Glück kein Zufall, sondern ein Muster. Dieselbe Kamera zeigt bei gleicher Temperatur und gleicher Belichtungszeit immer wieder dieselben hellen Pixel an denselben Stellen. Genau deshalb lässt er sich herausrechnen.
Ein Dark ist nichts anderes als eine Aufnahme dieses Musters: Deckel drauf, gleiche Einstellungen, belichten. Am Ende hast du ein Bild, das nur aus dem Eigensignal der Kamera besteht – und das zieht die Stacking-Software später von jedem Rohbild ab.
- Dunkelstrom – das flächige Grundrauschen, das mit Belichtungszeit und Wärme wächst.
- Hot Pixels – einzelne Pixel, die dauerhaft zu hell auslesen. Im fertigen Bild sind das bunte Punkte, bei nachgeführten Aufnahmen kurze farbige Striche.
- Amp-Glow – ein Helligkeitsschleier in einer Bildecke, verursacht von der Ausleseelektronik. Dagegen hilft nichts außer Darks.
Faustregel: Der Dunkelstrom verdoppelt sich grob alle 6 °C. Eine Nacht, die von 18 auf 6 °C abkühlt, viertelt ihn also – und deshalb passen Darks vom frühen Abend meistens nicht zu den Aufnahmen vom Morgen.
Darks, Bias und Flats
Darks sind nur einer von drei Kalibrierframes, und die drei werden regelmäßig verwechselt. Jeder korrigiert einen anderen Fehler, und keiner ersetzt einen anderen. Deine eigentlichen Aufnahmen vom Himmel heißen dabei Lights.
| Kriterium | Darks | Bias | Flats |
|---|---|---|---|
| Korrigiert | Dunkelstrom, Hot Pixels, Amp-Glow | Ausleserauschen der Elektronik | Vignettierung, Staub auf dem Sensor |
| Belichtungszeit | genau wie die Lights | so kurz wie die Kamera kann | so lang, dass das Histogramm mittig sitzt |
| Licht nötig | nein, Deckel drauf | nein, Deckel drauf | ja, gleichmäßig helle Fläche |
| Temperatur wichtig | ja, entscheidend | nein | nein |
Der Unterschied zwischen Dark und Bias ist die Zeit. Ein Bias misst, was die Kamera allein beim Auslesen dazudichtet – das passiert in Sekundenbruchteilen. Ein Dark sammelt zusätzlich über die volle Belichtungszeit Wärme-Elektronen ein. Jedes Dark enthält deshalb bereits ein Bias.
Darks richtig aufnehmen
Der ganze Vorgang dauert bei 120-Sekunden-Aufnahmen rund eine Stunde, und du musst dabei nicht danebenstehen. Fünf Punkte entscheiden, ob die Darks am Ende etwas taugen.
- Komplett abdunkeln. Deckel auf Teleskop oder Objektiv, und bei einer DSLR zusätzlich den Sucher abkleben. Auch das Display eines Laptops reicht für einen sichtbaren Lichteintrag.
- Einstellungen exakt übernehmen: Belichtungszeit, Gain bzw. ISO und – bei Astrokameras – den Offset. Ein einziger abweichender Wert macht das Dark wertlos.
- Temperatur treffen. Ohne Kühlung nimmst du die Darks direkt im Anschluss an die Session auf, solange die Kamera noch draußen und gleich warm ist. Nicht erst im Wohnzimmer.
- 20 bis 30 Aufnahmen. Weniger rauscht sichtbar, deutlich mehr bringt kaum noch etwas.
- Sauber ablegen. Ordnername mit Belichtungszeit, Gain und Temperatur, zum Beispiel darks_120s_gain100_-10C. Spätestens beim zweiten Projekt weißt du sonst nicht mehr, was wozu gehört.
Tipp: Schau dir ein einzelnes Dark direkt nach der Aufnahme stark aufgehellt an. Ein Helligkeitsverlauf, der nicht in der bekannten Amp-Glow-Ecke deiner Kamera sitzt, ist Streulicht – dann ist irgendwo noch eine Ritze offen.
Die Darks-Bibliothek
Hier liegt der eigentliche Vorteil einer gekühlten Kamera, und er wird beim Kauf meistens unterschätzt. Eine gekühlte Astrokamera hält den Sensor auf einem festen Sollwert, zum Beispiel −10 °C, egal ob die Nacht mild oder frostig ist.
Damit sind deine Darks reproduzierbar. Du nimmst einmal je Kombination aus Belichtungszeit und Gain rund 50 Stück auf und verwendest sie ein Jahr lang weiter. Statt einer Stunde Darks in jeder klaren Nacht fotografierst du einfach den Himmel.
Ohne Kühlung geht das nicht. Die Sensortemperatur folgt dann der Außenluft, und die ist im Juli eine andere als im Januar – eine Bibliothek wäre nach der ersten Wetteränderung falsch.
Günstigster Einstieg in die Kühlung: ZWO Kamera ASI 585 MC Pro Color

Gekühlte Farbkamera mit IMX585-Sensor: kein Amp-Glow, rauscharm und mit fest einstellbarer Sensortemperatur – die Voraussetzung für eine Darks-Bibliothek, die du dauerhaft weiterverwenden kannst.
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Master-Dark bauen
Ein einzelnes Dark bringt dir nichts, im Gegenteil: Es enthält selbst Rauschen und würde dieses Rauschen in jedes deiner Bilder hineinrechnen. Deshalb werden alle Darks zu einem Master-Dark gestapelt.
Die Software mittelt dabei Pixel für Pixel und wirft Ausreißer weg. Übrig bleibt das feste Muster – sauber und praktisch rauschfrei. In Siril (kostenlos) legst du die Dateien nur in die vorgesehenen Ordner und startest das passende Skript; DeepSkyStacker, Astro Pixel Processor und PixInsight machen dasselbe über ihre Kalibrier-Dialoge.
Häufigster Fehler: das Bias zweimal abziehen. Dein Dark enthält es bereits – wenn du zusätzlich ein Master-Bias von den Lights abziehst, fehlt es am Ende doppelt und die dunklen Bildteile laufen zu. Das Bias brauchst du für die Flats, nicht noch einmal für die Lights. Eine Ausnahme gibt es: Wer die Dark-Optimierung in Siril oder PixInsight nutzt, also das Dark auf eine andere Belichtungszeit skalieren lässt, braucht das Master-Bias doch – es wird dann vorher aus dem Dark herausgerechnet.
Die häufigsten Fehler
Wenn Darks nicht wirken oder das Bild sogar schlechter machen, steckt fast immer einer dieser vier Punkte dahinter.
| Fehler | Woran du es siehst | Lösung |
|---|---|---|
| Darks zu warm | Aus hellen Hot Pixels werden dunkle Punkte | Darks bei der Temperatur der Lights wiederholen |
| Darks zu kalt | Hot Pixels bleiben sichtbar | Darks bei der Temperatur der Lights wiederholen |
| Zu wenige Darks | Das Bild rauscht nach der Kalibrierung stärker als vorher | mindestens 20 Aufnahmen stapeln |
| Licht im Dark | Heller Verlauf von einer Bildkante her | Sucher und Ritzen abdecken, neu aufnehmen |
Wann Darks unnötig sind
Ehrlich gesagt: Nicht jeder braucht Darks. Es gibt zwei Situationen, in denen du dir die Stunde sparen kannst – und eine, in der nichts anderes hilft.
Der erste Fall ist Dithering. Dabei verschiebt die Nachführung das Teleskop zwischen den Einzelaufnahmen um ein paar Pixel. Ein Hot Pixel sitzt dann in jedem Bild an einer anderen Stelle des Motivs und fliegt beim Stapeln automatisch raus. Gegen Hot Pixels ist Dithering sogar zuverlässiger als Darks.
Der zweite Fall sind kurze Belichtungen bei kühler Luft mit einem modernen Sensor ohne Amp-Glow. Unter 30 Sekunden ist der Dunkelstrom oft so klein, dass du den Unterschied im fertigen Bild nicht findest.
Was Dithering dagegen nicht kann: Amp-Glow entfernen. Wenn deine Kamera eine leuchtende Ecke produziert, führt kein Weg an Darks vorbei – das ist ein flächiges Signal und kein einzelner Pixel.
Der ehrlichste Test ist der eigene: Rechne dein nächstes Projekt einmal mit und einmal ohne Darks durch und vergleiche die beiden Ergebnisse nebeneinander. Das kostet dich eine halbe Stunde und beantwortet die Frage für deine Kamera besser als jede allgemeine Empfehlung.
Wie Darks in den kompletten Ablauf einer Deep-Sky-Nacht passen, steht im Ratgeber zur Deep-Sky-Astrofotografie.
Häufige Fragen zu Darks
Wie viele Darks brauche ich?
20 bis 30 Darks sind der sinnvolle Standard für eine einzelne Session. Für eine Bibliothek, die du über Monate weiterverwendest, lohnen sich 50, weil das Master-Dark dann noch etwas sauberer wird. Über 50 hinaus ist der Gewinn so klein, dass er im fertigen Bild nicht mehr auffällt.
Jede Nacht neue Darks?
Mit einer ungekühlten Kamera ja, weil die Sensortemperatur von der Außenluft abhängt und sich von Nacht zu Nacht ändert. Mit einer gekühlten Kamera nein: Solange Belichtungszeit, Gain und Solltemperatur gleich bleiben, greifst du einfach auf deine Bibliothek zurück.
Kann ich Darks tagsüber machen?
Ja, Darks haben mit Tageslicht nichts zu tun, solange kein Licht an den Sensor kommt. Entscheidend ist die Temperatur: Mit gekühlter Kamera ist das problemlos, ohne Kühlung müsstest du im Zimmer die Nachttemperatur treffen, was in der Praxis selten klappt.
Was passiert ohne Darks?
Hot Pixels bleiben als bunte Punkte oder Striche im Bild stehen, ein eventueller Amp-Glow als heller Schleier in der Ecke. Wenn du gedithert hast, verschwinden die Punkte trotzdem weitgehend – der Amp-Glow nicht.
Brauchen CMOS-Kameras Darks?
Das hängt vom Sensor ab, nicht von der Technologie. Moderne CMOS-Sensoren ohne Amp-Glow kommen bei kurzen Belichtungen und kühler Luft oft ohne aus. Zeigt deine Kamera dagegen eine leuchtende Ecke oder belichtest du mehrere Minuten am Stück, sind Darks weiterhin die einfachste Lösung.
Darks beim Smart-Teleskop?
Darum musst du dich nicht kümmern. Geräte wie Seestar und DWARF nehmen ihre Kalibrierbilder selbst auf und rechnen sie direkt im Gerät heraus. Wie der Ablauf dort aussieht, steht in der Seestar-Anleitung.
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