Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Im beobachtbaren Universum gibt es nach heutigem Wissensstand einige hundert Milliarden bis rund zwei Billionen Galaxien. Gezählt hat sie niemand: Alle Zahlen sind Hochrechnungen aus winzigen, extrem lange belichteten Himmelsausschnitten.

Wie viele Galaxien gibt es: die Schätzungen seit 1995
Seit das Hubble-Teleskop 1995 zehn Tage lang auf ein scheinbar leeres Stück Himmel starrte, hat sich die Schätzung zweimal um den Faktor zehn verschoben – erst nach oben, dann wieder zurück. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Stationen.
| Jahr und Studie | Methode | Schätzung |
|---|---|---|
| 1995/2004: Hubble Deep Fields | Galaxien in winzigen Feldern gezählt und auf den ganzen Himmel hochgerechnet | 100–200 Mrd. |
| 2016: Conselice et al. | Galaxienzahlen bis Rotverschiebung 8 plus Modell für die zu schwachen | rund 2 Billionen |
| 2021: Lauer et al. (New Horizons) | Hintergrundlicht des Himmels jenseits von Pluto gemessen: höchstens doppelt so viel Licht wie alle bekannten Galaxien | Hunderte Mrd. |
| 2024: Postman et al. (New Horizons) | Neue, genauere Messung: Hintergrundlicht vollständig durch bekannte Galaxien erklärbar | Hunderte Mrd. |
| seit 2022: James Webb | Tiefer ins frühe Universum: rund zehnmal mehr helle Galaxien in den ersten 500 Mio. Jahren als erwartet | betrifft die Frühzeit, kaum die Gesamtzahl |
Am besten belegt ist heute die untere Hälfte der Spanne. Die zwei Billionen stammen aus einem Modell, das sehr viele sehr schwache Galaxien annimmt; deren Licht müsste im Hintergrundglühen des Himmels auftauchen, und genau das hat New Horizons nicht gefunden.
Quellen der Tabelle: NASA/ESA 2016, Conselice et al. 2016, Lauer et al. 2021, Postman et al. 2024, COSMOS-Web/JWST 2025.
Hochrechnung aus dem Deep Field: So entsteht die Zahl
Das Prinzip ist simpel: Man zählt die Galaxien in einem kleinen Feld und multipliziert mit der Zahl solcher Felder am ganzen Himmel. Das Hubble Ultra Deep Field von 2004 zeigt rund 10.000 Galaxien auf 11 Quadratbogenminuten – etwa ein Fünfzigstel der Fläche des Vollmonds.

Der ganze Himmel umfasst rund 148 Millionen Quadratbogenminuten, also etwa 13,5 Millionen solcher Felder. 13,5 Millionen mal 10.000 ergibt gut 130 Milliarden Galaxien – genau die Hausnummer, die jahrzehntelang in jedem Lexikon stand.
Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen: vier Gründe
Zwischen 130 Milliarden und zwei Billionen liegt ein Faktor 15. Das liegt nicht an schlampiger Arbeit, sondern an vier Grundproblemen beim Zählen.
Das beobachtbare Universum hat eine Grenze
Wir sehen nur Licht, das seit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren Zeit hatte, uns zu erreichen. Weil sich der Raum währenddessen ausgedehnt hat, misst diese Kugel heute rund 93 Milliarden Lichtjahre im Durchmesser. Was dahinter liegt, ist unbeobachtbar – alle Zahlen auf dieser Seite gelten nur für diese Kugel.
Die meisten Galaxien sind winzige Zwerge
Schon in unserer Nachbarschaft, der Lokalen Gruppe, sind nur drei von über 80 Galaxien große Spiralen, der Rest sind Zwerggalaxien. Viele davon haben nur einige Tausend bis Millionen Sterne und wären schon in wenigen Millionen Lichtjahren Entfernung unsichtbar.
Wie viele solcher Zwerge es im fernen Universum gibt, muss man aus den Zählungen der helleren Galaxien hochrechnen. Genau diese Hochrechnung macht den Unterschied zwischen hundert Milliarden und zwei Billionen.
Rotverschiebung und Nachweisgrenze
Je weiter eine Galaxie entfernt ist, desto stärker verschiebt die Ausdehnung des Raums ihr Licht ins Infrarote. Gleichzeitig sinkt ihre Flächenhelligkeit dramatisch – mit der vierten Potenz von (1 + Rotverschiebung), bei z = 8 also um den Faktor 6.500.
Hubble sieht deshalb ab einer gewissen Entfernung nur noch die hellsten Exemplare. James Webb reicht mit seinem Infrarotblick deutlich weiter, aber auch er hat eine Nachweisgrenze, unter der Galaxien einfach verschwinden.
Zählen über die Zeit: früher gab es mehr
Ein Deep Field zeigt ferne Galaxien so, wie sie vor Milliarden Jahren waren. Im frühen Universum gab es viel mehr, aber kleinere Galaxien, die seither zu großen verschmolzen sind.
Die zwei Billionen von Conselice zählen daher Galaxien aus allen Epochen entlang unserer Blickrichtung. Wie viele es „jetzt gerade“ gibt, ist eine andere Frage – und prinzipiell nicht beobachtbar, weil ihr heutiges Licht uns noch nicht erreicht hat.
Größenordnungen: von der Milchstraße bis zum Rand
Mit jeder Stufe der kosmischen Hierarchie wächst die Zahl der Galaxien um das Hundert- bis Tausendfache. Die Leiter zeigt, wo wir stehen.
Die Lokale Gruppe und der Virgo-Haufen sind Teil des Laniakea-Superhaufens mit rund 100.000 Galaxien. Selbst dessen 520 Millionen Lichtjahre sind nur gut ein halbes Prozent des beobachtbaren Universums.
Sterne pro Galaxie: von Tausenden bis Billionen
Galaxien unterscheiden sich in ihrer Sternzahl um rund zehn Zehnerpotenzen. Die Tabelle zeigt typische Vertreter; alle Werte sind Schätzungen mit großer Unsicherheit.
| Galaxie | Typ | Sterne (ca.) |
|---|---|---|
| Ultraschwache Zwerge (z. B. Segue 1) | Zwerggalaxie | einige Tausend |
| Kleine Magellansche Wolke | irreguläre Zwerggalaxie | mehrere hundert Mio. |
| Große Magellansche Wolke | irreguläre Zwerggalaxie | rund 30 Mrd. |
| Milchstraße | Balkenspirale | 100–400 Mrd. |
| Andromeda-Galaxie (M31) | Spiralgalaxie | rund 1 Billion |
| M87 im Virgo-Haufen | Riesenelliptische | mehrere Billionen |
Multipliziert mit einigen hundert Milliarden Galaxien ergibt das grob 1022 bis 1024 Sterne im beobachtbaren Universum. Wie diese Zahl zustande kommt und wie viele Sterne du selbst siehst, steht im Artikel Wie viele Sterne gibt es?.
Lokale Gruppe: über 80 Galaxien in der Nachbarschaft
Die Lokale Gruppe ist unsere galaktische Nachbarschaft: rund 10 Millionen Lichtjahre im Durchmesser, mit mehr als 80 bekannten Mitgliedern. Sie wird von drei Spiralen dominiert – der Milchstraße, der Andromeda-Galaxie und der Dreiecksgalaxie M33.
Fast alles andere sind Zwerggalaxien, darunter die Große Magellansche Wolke und die Kleine Magellansche Wolke. Die Liste wächst fast jedes Jahr, weil Himmelsdurchmusterungen immer lichtschwächere Begleiter aufspüren; seit dem Standardkatalog von McConnachie (2012) sind Dutzende hinzugekommen.
| Galaxie | Typ | Entfernung | Sichtbarkeit |
|---|---|---|---|
| Milchstraße | Balkenspirale | – (wir sind drin) | Lichtband, bloßes Auge |
| Große Magellansche Wolke | irreguläre Zwerggalaxie | 160.000 Lj | bloßes Auge, nur Südhimmel |
| Kleine Magellansche Wolke | irreguläre Zwerggalaxie | 200.000 Lj | bloßes Auge, nur Südhimmel |
| Andromeda-Galaxie (M31) | Spiralgalaxie | 2,5 Mio. Lj | bloßes Auge |
| Dreiecksgalaxie (M33) | Spiralgalaxie | 2,7 Mio. Lj | bloßes Auge nur unter sehr dunklem Himmel |
| M32 und M110 | Zwerg-Ellipsen | 2,5 Mio. Lj | Fernglas, Teleskop |
Galaxien selbst sehen: Auge, Fernglas, Teleskop
Von Hunderten Milliarden Galaxien siehst du von Deutschland aus mit bloßem Auge genau zwei: die Milchstraße, in der wir leben, und die Andromeda-Galaxie. Unter sehr dunklem Landhimmel kommt die Dreiecksgalaxie M33 dazu – ein Test für geübte Augen.
Die beiden Magellanschen Wolken sind hell und groß, stehen aber so weit südlich, dass sie aus Europa nie aufgehen. Sie werden erst in den Tropen knapp über dem Horizont sichtbar und stehen auf der Südhalbkugel richtig hoch.
| Instrument | Galaxien | Beispiele |
|---|---|---|
| Bloßes Auge | 2 bis 3 | Milchstraße, Andromeda, unter sehr dunklem Himmel M33 |
| Fernglas 10×50 | etwa 10 bis 20 | Andromeda mit M32, M33, M81 und M82, unter gutem Himmel M51 |
| Teleskop 130 mm | Dutzende | Großteil der rund 40 Messier-Galaxien, Leo-Triplett, Virgo-Haufen |
| Teleskop 200–250 mm | Hunderte | zusätzlich viele NGC-Galaxien, erste Spiralarme bei M51 |
Galaxien selbst sehen
Ehrlich vorweg: Im Teleskop sind Galaxien graue, unscharfe Nebelflecken, keine bunten Spiralen wie auf Hubble-Fotos. Farbe erkennt das Auge bei so wenig Licht nicht.
Der Reiz liegt woanders: Du siehst Licht, das Millionen Jahre unterwegs war, und mit 130 mm Öffnung unter dunklem Himmel Dutzende solcher Welten. Welche Öffnung was zeigt und wie du Galaxien findest, erklärt unser Ratgeber Teleskop für Galaxien.
Galaxientypen im Überblick: Spiralen, Ellipsen, Zwerge
Edwin Hubble ordnete Galaxien 1926 nach ihrer Form, und die Grundeinteilung gilt bis heute. Mehr zu Aufbau und Entstehung steht auf unserer Übersichtsseite Galaxie.
| Typ | Merkmal | Beispiel |
|---|---|---|
| Spiralgalaxie | Scheibe mit Spiralarmen, viele junge Sterne | Andromeda, M33 |
| Balkenspirale | Spiralarme setzen an einem Balken an | Milchstraße |
| Elliptische Galaxie | rund bis oval, alte Sterne, kaum Gas | M87 |
| Linsenförmige Galaxie | Scheibe ohne Spiralarme | NGC 5866 |
| Irreguläre Galaxie | ohne klare Form | Magellansche Wolken |
| Zwerggalaxie | klein und lichtschwach | M32, M110 |
Zwerggalaxien sind der mit Abstand häufigste Typ – sie tauchen nur in keiner Bildergalerie auf, weil sie so unscheinbar sind.
Häufige Fragen zur Anzahl der Galaxien
Wie viele Galaxien gibt es in der Milchstraße?
Keine – die Milchstraße ist selbst eine Galaxie. Gemeint sind meist ihre Begleiter: Um die Milchstraße kreisen mehr als 50 bekannte Zwerggalaxien, darunter die beiden Magellanschen Wolken.
Wie viele Galaxien sind bisher erfasst?
Eine exakte Gesamtzahl gibt es nicht, weil sich die Kataloge überschneiden. Allein das Weltraumteleskop Euclid hat in seiner ersten Datenveröffentlichung 2025 rund 26 Millionen Galaxien erfasst und soll bis zum Missionsende über 1,5 Milliarden abbilden (ESA).
Gibt es mehr Galaxien als Sterne in der Milchstraße?
Etwa gleich viele: Die Milchstraße hat 100 bis 400 Milliarden Sterne, das beobachtbare Universum einige hundert Milliarden Galaxien. Welche Zahl größer ist, lässt sich bei diesen Unsicherheiten nicht sagen.
Gibt es außerhalb des beobachtbaren Universums weitere Galaxien?
Sehr wahrscheinlich, denn nichts deutet darauf hin, dass der Raum an unserem Lichthorizont endet. Beobachten lässt sich das aber prinzipiell nicht, und wie groß das gesamte Universum ist, weiß niemand.
Wie weit ist die nächste Galaxie entfernt?
Die nächste große Galaxie ist Andromeda in 2,5 Millionen Lichtjahren. Noch näher sind Zwerggalaxien, die die Milchstraße umkreisen: Die Sagittarius-Zwerggalaxie liegt etwa 70.000 Lichtjahre entfernt, die Große Magellansche Wolke rund 160.000.
Kann man die Magellanschen Wolken von Deutschland aus sehen?
Nein. Beide stehen zu weit südlich: Sichtbar werden sie erst südlich von etwa 17 bis 20 Grad nördlicher Breite, richtig hoch stehen sie nur auf der Südhalbkugel.
Weiterlesen: Galaxie: Aufbau und Typen · Die Milchstraße · Wie viele Sterne gibt es? · Teleskop für Galaxien

