Reflect Orbital: Spiegel im All und die Folgen für den Nachthimmel

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 1. Oktober 2026

Reflect Orbital ist ein US-Start-up, das mit Spiegelsatelliten Sonnenlicht nachts gezielt auf die Erde lenken will: Der erste Testsatellit EARENDIL-1 trägt einen 18 × 18 m großen Folienspiegel in rund 625 km Höhe, bis 2035 plant die Firma mehr als 50.000 Spiegel – eine völlig neue Art von Satelliten am Himmel. Stand: September 2026.

⭐ Kurz gesagt: Die US-Behörde FCC hat im Juli 2026 den ersten Testspiegel genehmigt, im All ist aber noch kein Spiegel. Ein einzelner Testsatellit verändert deinen Nachthimmel kaum – kritisch wird es, wenn Tausende folgen. Für dich als Sterngucker gilt schon jetzt: Einen aktiven Spiegel nie durch Teleskop oder Fernglas anschauen, denn darin spiegelt sich die Sonne.
Sternenhimmel über der Kuppel des Gemini-North-Teleskops, links ziehen mehrere Satelliten als unterbrochene Lichtstreifen durchs Bild
Schon heute ziehen Satelliten Lichtspuren durch Langzeitaufnahmen, hier über dem Gemini-North-Observatorium auf Hawaii. Spiegelsatelliten wären um ein Vielfaches heller. Bild: International Gemini Observatory/NOIRLab/NSF/AURA/J. Warner, CC BY 4.0

Was Reflect Orbital plant: Sonnenlicht auf Bestellung

Die Idee: Ein Satellit entfaltet im All eine hauchdünne, verspiegelte Folie und kippt sie so, dass reflektiertes Sonnenlicht auf einen bestimmten Ort fällt. Dort, wo eigentlich schon Nacht ist, entsteht ein heller Fleck. Weil der Satellit mit rund 7,5 km pro Sekunde weiterzieht, muss er den Spiegel ständig nachdrehen.

Gegründet wurde Reflect Orbital im Oktober 2021 in Kalifornien von Ben Nowack und Tristan Semmelhack. Nowack arbeitete vorher als Ingenieur bei SpaceX. Geldgeber sind unter anderem die Risikokapitalfirmen Sequoia Capital und Lux Capital, dazu kommt ein kleiner Forschungsauftrag der US-Luftwaffe.

EARENDIL-1AngabeQuelle
Spiegel18 × 18 m, aluminisierte Kunststofffolie, aus vier DreieckenHersteller, Fachpresse
Bahnhöherund 625 km (Angaben 600–650 km)Hersteller, Fachpresse
Bahnneigung88° – fast über die PoleUniverse Today
Lichtfleck am Bodenetwa 5 km breitHersteller
Leuchtdauer je Überflugrund 5 MinutenHersteller
Helligkeit im Fleck0,1 Lux, „wie Vollmond“Hersteller (Behauptung)
Geplante Lebensdaueretwa 1 Jahr, danach Absturz und VerglühenAerospace America
StartMitfluggelegenheit auf einer Falcon 9, „später 2026“Hersteller, Fachpresse

Spiegel im All bis 2035: die Roadmap des Herstellers

Auf seiner Website zeigt Reflect Orbital einen Ausbauplan, der vom Test zur Tageshelligkeit in der Nacht führt. Die Zahlen sind reine Herstellerangaben, unabhängig geprüft ist davon nichts. Zum Vergleich: Eine Straße ist nachts mit einigen Lux beleuchtet, direkter Sonnenschein bringt rund 100.000 Lux.

JahrSatellitenLicht am Boden (Herstellerangabe)Vergleich laut Hersteller
202620,1 Lux für 5 MinutenVollmond
2027362 Lux für 2,5 StundenStraßenbeleuchtung
2028über 1.000bis 100 Lux für 2 StundenArbeitsraum
2030über 5.000bis 5.000 Lux für MinutenTageslicht
2035über 50.000bis 36.000 Lux für StundenTageslicht

Quelle: reflectorbital.com, abgerufen am 30.09.2026. Die späteren Satelliten sollen laut der Studie von Kocifaj u. a. deutlich größere Spiegel mit 54 × 54 m tragen.

Stand September 2026: FCC-Genehmigung, aber noch kein Start

Am 9. Juli 2026 hat die US-Kommunikationsbehörde FCC den Testsatelliten EARENDIL-1 genehmigt. Die Lizenz gilt für genau diesen einen, zeitlich befristeten Test, laut dem Magazin Astronomy für zwei Jahre. Über die geplante Flotte von 50.000 Spiegeln hat die FCC ausdrücklich noch nicht entschieden.

Genehmigt hat die FCC vor allem den Funkbetrieb – das Licht selbst regelt sie nicht. Lichtverschmutzung, Störungen von Teleskopen und Augensicherheit liegen nach eigener Aussage außerhalb ihrer Zuständigkeit, die sich auf Funkfrequenzen und Weltraumschrott beschränkt. Schäden hält die Behörde bei einem einzelnen Satelliten für unwahrscheinlich.

Gegen das Projekt gingen rund 1.800 bis 2.000 Stellungnahmen ein, die große Mehrheit ablehnend. Die American Astronomical Society (AAS) stellte als einzige einen formalen Antrag auf Ablehnung. Die Lizenz enthält laut dem American Institute of Physics die Zusage, sich mit NASA und der Forschungsförderung NSF abzustimmen und Sperrzonen um Observatorien einzurichten.

DatumEreignis
Oktober 2021Gründung in Kalifornien
März 2024Test mit 6 m² Spiegel an einem Heißluftballon
September 20246,5 Mio. US-Dollar Startkapital
Mai 202520 Mio. US-Dollar Finanzierungsrunde
Juni 2025Forschungsauftrag der US-Luftwaffe (1,25 Mio. US-Dollar)
Dezember 2025DarkSky International lehnt das Vorhaben öffentlich ab
9. Juli 2026FCC genehmigt den Test von EARENDIL-1
August 2026Zweiter Satellit laut Firma fertig gebaut
Ende September 2026Kein Start bekannt, angekündigt ist „später 2026“

Reflect Orbital Preis: was bekannt ist und was nicht

Eine offizielle Preisliste gibt es nicht. Auf der Website steht nur ein Kontaktformular, Buchen oder Kaufen kann man als Privatperson nichts. Laut Firma gingen bis Ende 2025 mehr als 260.000 Anfragen ein – von Baustellen über Veranstaltungen bis zur Katastrophenhilfe.

Die einzige öffentlich genannte Zahl sind 5.000 US-Dollar pro Stunde. So beschreibt das Fachmedium Payload Space im August 2026 das Modell „Sonnenlicht als Dienstleistung“. Nowack sagte dort, rund 200 Standorte weltweit würden reichen, damit sich das Geschäft rechnet.

Buchen, kaufen, Aktie? Reflect Orbital ist nicht an der Börse, eine Aktie gibt es nicht. Die Firma gehört Gründern und Risikokapitalgebern, insgesamt sind laut Wikipedia rund 35 Mio. US-Dollar geflossen. Wer Aktien oder „Licht-Gutscheine“ von Reflect Orbital anbietet, verkauft dir etwas, das es nicht gibt.

Geschäftsmodell Solarpark: warum die Physik bremst

Das Hauptversprechen: Solarparks sollen auch nach Sonnenuntergang Strom liefern. Dazu kommen Katastrophenhilfe, Landwirtschaft, Baustellen, Militär und Veranstaltungen. Für die Energie nennt der Hersteller selbst für 2030 nur ein Prozent mehr Auslastung eines Solarparks.

Ein einzelner 18-m-Spiegel liefert fast keine Leistung. Der Astrophysiker Ethan Siegel hat die Ballon-Messwerte auf die Bahnhöhe hochgerechnet und kommt auf rund 0,004 Watt pro Quadratmeter. Ein Solarpark braucht für nennenswerten Ertrag etwa 200 Watt pro Quadratmeter – das Fünfzigtausendfache.

Dazu kommt der Erdschatten: Mitten in der Nacht hat auch der Spiegel keine Sonne. Ein Spiegel in 625 km Höhe direkt über dir liegt nur im Sonnenlicht, solange die Sonne weniger als etwa 24° unter dem Horizont steht. In Deutschland ist das außerhalb des Hochsommers nur in den ersten gut 2,5 Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang der Fall.

HürdeWas sie bedeutet
ErdschattenBeleuchtung vor allem abends und morgens, nicht um Mitternacht (außer im Hochsommer)
WolkenBei Bewölkung kommt am Boden praktisch nichts an
Kurze ÜberflügeEin Satellit hält einen Ort nur wenige Minuten, für Stunden braucht es viele hintereinander
FleckgrößeEin größerer Spiegel macht den Fleck heller, aber nicht kleiner
Konkurrenz am BodenSolarstrom mit Batteriespeicher löst dasselbe Problem ohne Weltraum

Erdschatten-Zeiten selbst gerechnet für 50° nördlicher Breite. Das Argument mit Wolken und Batteriespeichern taucht auch in den Diskussionen auf forum.astronomie.de immer wieder auf.

Warum der Lichtfleck so groß ist: die Sonnenscheibe als Grenze

Ein ebener Spiegel kann Sonnenlicht nicht zu einem Punkt bündeln, weil die Sonne selbst kein Punkt ist. Ihre Scheibe ist am Himmel rund 0,53° groß. Genau diesen Winkel wirft der Spiegel wieder zurück, und über Hunderte Kilometer wird daraus ein Fleck von mehreren Kilometern.

Die Faustregel: Fleckgröße ≈ Entfernung × 0,0093. Aus 625 km direkt von oben sind das rund 5,8 km, aus 500 km 4,7 km. Steht der Spiegel schräg und ist 1.000 km entfernt, wächst der Fleck auf gut 9 km und wird am Boden zusätzlich in die Länge gezogen.

SonneSpiegel 18 × 18 mWinkel der Sonnenscheibe: 0,53°Höhe≈ 625 kmLichtfleck ≥ 5,8 kmFleck = Abstand × 0,0093500 km → 4,7 km625 km → 5,8 km1.000 km → 9,3 km(schräg, noch größer)Winkel stark übertrieben gezeichnet
Die Sonnenscheibe (0,53°) legt die kleinste mögliche Fleckgröße fest. Ein größerer Spiegel macht den Fleck heller, aber nicht kleiner. Eigene Rechnung, Grafik: sterngucker.de

Die Herstellerangabe „etwa 5 km“ ist damit knapp gerundet – kleiner wird der Fleck physikalisch nicht. Der Astrophysiker Ethan Siegel kommt für 625 km ebenfalls auf „knapp 6 km“. Auch ein gewölbter Spiegel ändert daran nichts: Er bildet die Sonne aus dieser Entfernung genauso mindestens 5,8 km groß ab.

So hell wird der Spiegel: Vollmond ist die Untergrenze

Wer im Lichtfleck steht, sieht im Spiegel ein kleines Abbild der Sonne. Die Helligkeit hängt nur davon ab, wie groß der Spiegel von unten wirkt: 18 m aus 625 km Entfernung sind rund 6 Bogensekunden, also mit bloßem Auge ein Punkt. Diesen Punkt haben wir nachgerechnet.

Ergebnis: Im Idealfall erscheint EARENDIL-1 als Lichtpunkt von etwa −13,4 bis −14,5 mag – zwei- bis fünfmal so hell wie der Vollmond. Die Magnitude (mag) ist das Helligkeitsmaß der Astronomie: Je kleiner die Zahl, desto heller, 5 mag Unterschied entsprechen dem Faktor 100. Der Astronom John Barentine kommt mit „viermal heller als der Vollmond“ auf dasselbe Ergebnis.

LichtquelleHelligkeitHerkunft der Zahl
Grenze bloßes Auge (dunkler Himmel)etwa +6 magFaustwert
Spiegel im „Aus“-Modusnicht heller als +7 magZusage des Herstellers
Heller Iridium-Flarebis −9,5 magWikipedia
Vollmond−12,7 magStandardwert
EARENDIL-1, im Lichtfleck−13,4 bis −14,5 mageigene Rechnung, Idealfall
Geplanter 54-m-Spiegel, im Lichtfleck−16,7 magKocifaj u. a. 2026

Rechenweg: Die Spiegelfläche übernimmt die Flächenhelligkeit der Sonne (−26,7 mag auf 0,53° Durchmesser). Annahmen: ebener Spiegel, 100 % Reflexion, keine Luftschicht, Abstand 625 bzw. 1.000 km. Echte Werte liegen etwas darunter.

Die Herstellerangabe von 0,1 Lux liegt unter unserer Rechnung. Ein idealer Spiegel direkt über dir käme auf gut 1 Lux, der Vollmond bringt höchstens etwa 0,25 Lux. Ob die Folie in der Praxis so eben bleibt, wird erst der Test zeigen.

So sieht man es am Himmel: ein Blitz wie früher bei Iridium

Außerhalb des Lichtflecks wirst du vom Spiegel selbst wenig sehen. Du bemerkst höchstens einen hellen Lichtkegel in der Luft, wenn du nicht weit von einem beleuchteten Ort entfernt bist. Stehst du dagegen im Fleck oder zieht der Strahl über dich hinweg, blitzt ein Lichtpunkt heller als der Mond auf.

Das Prinzip kennen ältere Sterngucker von den Iridium-Flares. Die flachen Antennen der ersten Iridium-Telefonsatelliten spiegelten die Sonne für ein paar Sekunden auf einen etwa 10 km großen Fleck, bis −9,5 mag hell. Seit dem 27. Dezember 2019 sind alle dieser Satelliten abgestürzt, die Nachfolger blitzen nicht mehr.

Heller, kurzer Lichtstreifen eines Iridium-Satelliten am Nachthimmel über der Kuppel des Very Large Telescope Yepun
Ein Iridium-Flare über dem Very Large Telescope: Für ein paar Sekunden spiegelte eine Satellitenantenne die Sonne zur Erde. Reflect Orbital will dasselbe Prinzip gezielt und minutenlang nutzen. Bild: ESO/F. Char, CC BY 4.0

Der Unterschied: Ein Iridium-Flare war ein Zufall, ein Reflect-Spiegel wird gezielt ausgerichtet und länger gehalten. Laut Hersteller leuchtet er einen Ort bis zu 5 Minuten an. Wie du andere helle Satelliten erkennst und wann sie zu sehen sind, zeigen unsere ISS-Überflugzeiten und die Übersicht Heute am Himmel.

Blendgefahr am Teleskop: der Spiegel wirkt wie die Sonne

Mit bloßem Auge ist der Spiegel ein greller Punkt, im Teleskop wird er zu einer Fläche mit der Flächenhelligkeit der Sonnenoberfläche. Das Teleskop sammelt viel mehr Licht als deine Pupille und vergrößert das winzige Sonnenabbild. Deshalb ist der Blick durch das Okular gefährlich, nicht der Blick mit bloßem Auge.

⚠️ Warnung: Schau nie mit Teleskop, Fernglas oder Sucherfernrohr auf einen aktiven Spiegelsatelliten. Nach Angaben der AAS räumt Reflect Orbital in den eigenen Unterlagen für die FCC dauerhafte Augenschäden beim Blick durch ein mittelgroßes Teleskop ein. DarkSky International vergleicht das Risiko mit dem Blick auf eine partielle Sonnenfinsternis. Das gilt besonders, wenn du Satelliten mit einer GoTo-Montierung (Motor-Montierung, die Objekte selbst anfährt) verfolgst. Die Sonne selbst beobachtest du ohnehin nur mit zertifiziertem Objektiv-Sonnenfilter vor der Öffnung.

Für Kameras gilt dasselbe in abgeschwächter Form. Ein Spiegelblitz kann Sensoren von Überwachungsteleskopen sättigen, die AAS warnt ausdrücklich vor Schäden an Forschungsgeräten. Dazu kommt die Blendung von Piloten und Autofahrern, die in fast allen Stellungnahmen genannt wird.

Folgen für Nachthimmel und Tiere: was Studien berechnen

Das Problem ist nicht nur der Fleck, sondern das Streulicht in der Luft. Der Lichtstrahl durchquert die Atmosphäre, und Luftmoleküle sowie Staub streuen einen Teil davon in alle Richtungen. So hellt ein Spiegel den Himmel weit über den beleuchteten Ort hinaus auf.

SzenarioBerechnete FolgeStudie
1 Spiegel (54 m), im StrahlHimmel so hell wie kurz nach Sonnenuntergang, keine Sterne mehrKocifaj u. a. 2026
1 Spiegel (54 m), 14 km entferntHimmel großflächig heller als bei VollmondKocifaj u. a. 2026
1 Spiegel (54 m), 34 km entferntRichtung Strahl noch heller als ein VollmondhimmelKocifaj u. a. 2026
400 Spiegel auf einen OrtLeuchten noch aus 80 km deutlich sichtbarKocifaj u. a. 2026
5.000 Spiegel weltweitHimmelshintergrund 20–30 % hellerHainaut 2026
50.000 Spiegel weltweitHimmelshintergrund 200–300 % hellerHainaut 2026

Beide Arbeiten sind 2026 als Vorabveröffentlichung (Preprint) auf arXiv erschienen und rechnen mit wolkenlosem Himmel.

Für Tiere ist schon wenig künstliches Licht in der Nacht ein Eingriff. Es stört nach Angaben von DarkSky International Orientierung, Vogelzug, Nahrungssuche und Fortpflanzung bei Hunderten Arten. Auch die American Bird Conservancy hat sich gegen das Projekt gestellt.

Für uns Hobbyastronomen käme eine neue Lichtquelle dazu, gegen die kein Standortwechsel hilft. Straßenlaternen kannst du entkommen, indem du aufs Land fährst – einem Strahl aus dem All nur, wenn er nicht in deiner Gegend landet. Wie Lichtverschmutzung heute schon wirkt, erklärt unser Artikel zur Lichtverschmutzung.

Vorbild Znamya aus dem Jahr 1993: der russische Weltraumspiegel

Die Idee ist über 30 Jahre alt: Am 4. Februar 1993 entfaltete Russland den Spiegel Znamya-2 im All. Er hatte 20 m Durchmesser und wurde von einem Progress-Frachter aus entfaltet, der gerade von der Raumstation Mir abgelegt hatte. Sein Lichtfleck war rund 5 km breit und etwa so hell wie der Vollmond.

Der Strahl raste mit rund 8 km pro Sekunde von Südfrankreich bis nach Westrussland über Europa. Weil viel Bewölkung herrschte, meldeten nur wenige Beobachter einen Lichtblitz. Nach einigen Stunden wurde der Spiegel zum Absturz gebracht und verglühte.

Der Nachfolger Znamya-2.5 mit 25 m Durchmesser scheiterte am 5. Februar 1999. Die Folie verfing sich an einer Antenne und riss. Danach gab Russland das Programm auf – EARENDIL-1 wäre der erste große Sonnenspiegel im All seitdem.

Reflect Orbital stoppen: was Regeln hergeben

Eine Behörde, die über die Helligkeit von Satelliten entscheidet, gibt es derzeit weder in den USA noch international. Die FCC hat ausdrücklich erklärt, das Licht nicht zu regeln. Nach dem Weltraumvertrag der Vereinten Nationen sind die USA für Aktivitäten ihrer Firmen im All verantwortlich – Deutschland oder die EU können eine US-Lizenz nicht aufheben.

StelleRolleStand September 2026
FCC (USA)Funkfrequenzen und WeltraumschrottTest genehmigt, Licht „nicht zuständig“
AAS (US-Astronomen)Antrag auf AblehnungAbgelehnt, weitere Einwände bei der Flotte möglich
IAU CPSSchutz des dunklen Himmels, EmpfehlungenRichtwert: Satelliten nicht heller als 7 mag – nicht bindend
Vereinte NationenWeltraumausschuss, Thema „Dark and Quiet Skies“Beratungen, keine verbindlichen Grenzwerte
Reflect OrbitalSelbstverpflichtungSperrzonen um Observatorien, Abstimmung mit NASA und NSF zugesagt

Der eigentliche Streit kommt erst mit dem Antrag für die große Flotte. Die AAS kritisiert, dass die FCC keine förmliche Vereinbarung zum Schutz staatlich finanzierter Sternwarten verlangt hat. Beim Flottenantrag wird die FCC erneut entscheiden müssen, auch über das, was sie bisher ausklammert.

Reflect Orbital und Starlink: zwei verschiedene Probleme

Starlink stört durch Masse, Reflect Orbital durch Helligkeit. Tausende Starlink-Satelliten ziehen als schwache Punkte über den Himmel und hinterlassen Strichspuren in Langzeitaufnahmen. Was es mit den Lichterketten nach einem Start auf sich hat, steht in unserem Artikel Lichterkette am Himmel.

MerkmalStarlinkReflect Orbital
ZweckInternetLicht und Energie
Stand 2026Tausende im Orbit0 im Orbit, 1 Test genehmigt
Einzelner Satellitschwacher Punkt, oft nur knapp sichtbarim Lichtfleck heller als der Vollmond
Folge für BeobachterSpuren in Fotos, mehr LichtpunkteHimmelsaufhellung, Blendung, Gefahr am Okular
Sichtbar wann?in der Dämmerung, wenn noch Sonne oben istebenfalls nur, solange der Spiegel Sonne hat

Gemeinsam ist beiden das Dämmerungsfenster. Satelliten leuchten nur, solange sie selbst noch im Sonnenlicht stehen, während es bei dir schon dunkel ist. Das begrenzt auch Reflect Orbital – und genau deshalb setzt die Firma auf so viele Satelliten.

Häufige Fragen zu Reflect Orbital

Ist Reflect Orbital ein Fake?

Nein. Die Firma existiert seit 2021, hat Millionen an Risikokapital eingesammelt und von der FCC eine echte Lizenz für ihren Testsatelliten bekommen. Erfahrungsberichte von Kunden kann es aber noch nicht geben, denn bis Ende September 2026 ist kein Spiegel im All. Ob die Technik hält, was die Firma verspricht, ist offen.

Kann man Reflect Orbital Aktien kaufen?

Nein. Reflect Orbital ist ein privates Start-up und nicht börsennotiert. Anteile halten die Gründer und Investoren wie Sequoia Capital und Lux Capital. Angebote für „Reflect-Orbital-Aktien“ solltest du als unseriös betrachten.

Was kostet eine Stunde Sonnenlicht aus dem All?

Öffentlich genannt wurden 5.000 US-Dollar pro Stunde, eine offizielle Preisliste gibt es nicht. Privatpersonen können derzeit nichts buchen. Geplant ist der Dienst für Firmen, Behörden und Solarparks.

Wann startet der erste Spiegelsatellit?

Angekündigt ist der Start von EARENDIL-1 für „später 2026“ als Mitflieger auf einer Falcon-9-Rakete. Ein fester Termin war Ende September 2026 nicht öffentlich bekannt. Nach dem Start soll der Spiegel etwa ein Jahr getestet werden.

Kann ich den Spiegel von Deutschland aus sehen?

Die Bahn mit 88° Neigung führt über fast alle Regionen der Erde, also auch über Deutschland. Hell aufblitzen sieht man den Spiegel aber nur, wenn der Strahl gerade auf dich oder in deine Nähe zeigt. Im „Aus“-Modus soll er laut Hersteller höchstens 7 mag hell sein – dann ist er mit bloßem Auge nicht zu sehen.

Ist das reflektierte Licht gefährlich?

Mit bloßem Auge ist ein Spiegel in der Größe von EARENDIL-1 ein sehr heller Punkt, aber keine zweite Sonne. Das Hauptrisiko sehen Astronomen beim Blick durch optische Geräte, weil sie das Sonnenabbild im Spiegel verstärken. Deshalb gilt: Teleskop und Fernglas nie auf einen aktiven Spiegel richten.