Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 31. Oktober 2026
Das Sternbild Jungfrau – lateinisch Virgo – ist mit 1.294 Quadratgrad das zweitgrößte der 88 Sternbilder, nur die Wasserschlange ist größer. Es gehört zum Tierkreis und steht im Frühling am Abendhimmel. Sein hellster Stern Spica ist leicht zu finden, der Rest der Figur ist lichtschwach – dafür liegt in der Jungfrau der nächste große Galaxienhaufen.
⭐ Kurz gesagt: Du findest die Jungfrau über den Bogen der Wagendeichsel: vom Großen Wagen zu Arktur und weiter zur Spica. Am besten steht sie von April bis Juni am späten Abend im Süden, Spica dann 25 bis 31° hoch. Mit bloßem Auge siehst du Spica und die Figur, im Teleskop die Sombrero-Galaxie M 104 und die Galaxien des Virgo-Haufens.

Sternbild Jungfrau im Steckbrief
Die Jungfrau gehört zu den 48 klassischen Sternbildern des Ptolemäus. Sie ist das größte Sternbild des Tierkreises und reicht vom Löwen bis zur Waage.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lateinischer Name | Virgo (Genitiv Virginis, Kürzel Vir) |
| Fläche | 1.294 Quadratgrad – Rang 2 von 88 |
| Hellster Stern | Spica (α Vir), 1,0 mag |
| Weitere helle Sterne | Porrima (γ), Vindemiatrix (ε), Minelauva (δ), Zavijava (β) |
| Beste Beobachtungszeit | April bis Juni, am späten Abend im Süden |
| Sonne im Sternbild | etwa 16. September bis 30. Oktober |
| Sternzeichen Jungfrau | 24. August bis 23. September |
| Messier-Objekte | 11 Galaxien, darunter M 87 und M 104 |
| Besonderheit | Virgo-Galaxienhaufen, Herbstpunkt der Ekliptik |
| Nachbarn | Löwe, Haar der Berenike, Bärenhüter, Schlange, Waage, Rabe, Becher, Wasserschlange |
Durch die Jungfrau läuft die Ekliptik. In ihr liegt heute auch der Herbstpunkt, an dem die Sonne um den 22. September den Himmelsäquator von Nord nach Süd überquert.
Sternbild Jungfrau am Himmel finden: über Arktur zur Spica
Die Figur der Jungfrau ist groß und blass, ihr Hauptstern nicht. Der klassische Weg führt über zwei Sterne, die du ohnehin kennst: den Großen Wagen und den hellen Arktur.
Weg 1: der Bogen der Wagendeichsel
- Schritt 1: Such den Großen Wagen, im Frühling hoch über dir. Die Deichsel endet mit dem Stern Alkaid.
- Schritt 2: Verlängere den Bogen der Deichsel um 31° bis zum hellen, orangen Arktur im Bärenhüter.
- Schritt 3: Zieh den Bogen weitere 33° nach Süden. Der helle weiße Stern dort ist Spica. Die englische Merkhilfe dazu: „Arc to Arcturus, speed on to Spica“.
Weg 2: vom Löwen aus nach Osten
Denebola, der Schwanzstern des Löwen, steht im Frühling westlich der Jungfrau. Zwischen Denebola und Spica liegen 35°, und auf halbem Weg beginnt der Körper der Jungfrau mit Zavijava und Porrima. Genau in dieser Lücke liegt auch der Virgo-Galaxienhaufen.
| Peilung | Abstand | Was du dort findest |
|---|---|---|
| Alkaid → Arktur | 31° | erster Teil des Bogens |
| Arktur → Spica | 33° | Hauptpeilung |
| Spica → Porrima | 14,5° | Mitte der Figur |
| Porrima → Vindemiatrix | 13,4° | nördlicher Arm |
| Spica → M 104 | 11° | Sombrero-Galaxie, genau westlich |
| Vindemiatrix → M 87 | 8° | Herz des Virgo-Haufens |
| Denebola → Spica | 35° | quer durch das Galaxienfeld |
Achtung, Erwartungscheck: Spica siehst du auch aus der Stadt. Die übrigen Sterne der Jungfrau sind 3. und 4. Größe und gehen im Stadtlicht unter – und keine einzige Galaxie des Virgo-Haufens ist mit bloßem Auge sichtbar. Wie dunkel dein Himmel ist, verrät die Bortle-Skala.
Wann die Jungfrau zu sehen ist: Monat für Monat
Die Jungfrau ist das typische Sternbild der Frühlingsnacht. Im Mai steht Spica gegen 23 Uhr am höchsten, im Juni schon kurz nach neun – dann allerdings noch in der hellen Dämmerung.
| Monat | Höchststand Spica | Um 22 Uhr | Bewertung |
|---|---|---|---|
| März | 02:15 Uhr | 7°, Ostsüdost | nach Mitternacht |
| April | 01:14 Uhr | 15°, Südost | gut ab 23 Uhr |
| Mai | 23:12 Uhr | 26°, Südsüdost | beste Zeit |
| Juni | 21:10 Uhr | 27°, Südsüdwest | sehr gut, sobald es dunkel ist |
| Juli | 19:12 Uhr | 18°, Südwest | nur noch am frühen Abend |
| August | 17:10 Uhr | 2°, Westsüdwest | versinkt in der Dämmerung |
| September bis Februar | tagsüber | nicht sichtbar | Sonne in der Nähe |
So hoch steht die Jungfrau in deiner Stadt
Spica und die Sombrero-Galaxie stehen tief im Süden. Der Norden der Figur mit Vindemiatrix und dem Galaxienhaufen steigt dagegen bis auf rund 50° und ist damit gut zu beobachten.
| Stadt | Spica | Porrima | Vindemiatrix | M 104 |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 25° | 35° | 47° | 25° |
| Berlin | 26° | 36° | 48° | 26° |
| Köln | 28° | 38° | 50° | 27° |
| Frankfurt | 29° | 38° | 51° | 28° |
| München | 31° | 40° | 53° | 30° |
| Wien | 31° | 40° | 53° | 30° |
| Zürich | 31° | 41° | 54° | 31° |
Die hellsten Sterne der Jungfrau
Fünf Sterne bilden das Grundgerüst der Figur. Ihre Namen erzählen von Ernte und Wein: Spica ist die Kornähre in der Hand der Jungfrau, Vindemiatrix die Weinleserin.
| Stern | Helligkeit | Entfernung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Spica (α) | 1,0 mag | rund 250 Lichtjahre | enges Doppelsternsystem |
| Porrima (γ) | 2,7 mag | rund 38 Lichtjahre | Doppelstern, Umlauf 169 Jahre |
| Vindemiatrix (ε) | 2,8 mag | rund 110 Lichtjahre | gelber Riese, Wegweiser zum Haufen |
| Minelauva (δ) | 3,4 mag | rund 200 Lichtjahre | roter Riese |
| Zavijava (β) | 3,6 mag | rund 36 Lichtjahre | sonnenähnlicher Nachbar |
Spica: zwei heiße Sterne in vier Tagen
Spica sieht aus wie ein einzelner weißer Stern, besteht aber aus zwei heißen Sternen der Klasse B. Sie umkreisen sich so eng, dass sie sich gegenseitig zu Eiern verformen, und brauchen für einen Umlauf nur rund vier Tage. Trennen kann man sie mit keinem Teleskop – das Paar wurde aus dem Licht erschlossen.
Porrima: ein Doppelstern, der sich bewegt
Porrima besteht aus zwei fast gleich hellen Sternen, die sich in 169 Jahren umkreisen. 2005 standen sie so eng beieinander, dass kein Amateurteleskop sie trennen konnte; inzwischen sind sie wieder einige Bogensekunden auseinander. Ein Teleskop ab etwa 100 mm zeigt bei ruhiger Luft zwei gelbweiße Lichtpunkte.
Galaxien in der Jungfrau: Virgo-Haufen und Sombrero
Elf Messier-Objekte liegen in der Jungfrau, und alle elf sind Galaxien. Kein anderes Sternbild bietet so viele Galaxien für ein kleines Teleskop – allerdings als schwache, graue Flecken, nicht wie auf Fotos.
Der Virgo-Galaxienhaufen und M 87
Der Virgo-Haufen umfasst weit über tausend Galaxien in rund 55 Millionen Lichtjahren Entfernung. Sein Zentrum ist die Riesengalaxie M 87, rund 8° westlich von Vindemiatrix. Von ihrem Schwarzen Loch stammt das erste Bild eines Schwarzen Lochs überhaupt, 2019 vom Event Horizon Telescope veröffentlicht.
Im Teleskop ist M 87 ein runder, nach außen auslaufender Fleck von 8,6 mag. Gleich daneben beginnt die Markarjansche Kette, eine Reihe von Galaxien mit M 84 und M 86 an der Spitze. Mit 200 mm Öffnung siehst du unter dunklem Himmel ein halbes Dutzend davon in einem Gesichtsfeld. Mehr zum Thema erklärt unser Überblick über Galaxien.
M 104: die Sombrero-Galaxie
M 104 liegt 11° westlich von Spica, genau genommen schon an der Grenze zum Raben. Mit 8,0 mag ist sie die hellste Galaxie der Region und zeigt im Teleskop eine längliche Form mit hellem Kern. Ab 150 mm erahnst du das dunkle Staubband, das ihr den Namen gibt.
Fernglas oder Teleskop für die Jungfrau?
Für Spica und die Figur genügen deine Augen. Für die Galaxien brauchst du ein Teleskop – ein Fernglas zeigt höchstens M 104 und M 87 als winzige Nebelpünktchen.
Ein kompakter 130-mm-Dobson zeigt M 104, M 87, M 49 und die hellsten Galaxien der Markarjanschen Kette. Für Porrima als Doppelstern reicht er ebenfalls, wenn die Luft ruhig ist.
Für M 104, M 87 und Porrima: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

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Wer durch den Virgo-Haufen von Galaxie zu Galaxie springen will, profitiert von jedem Millimeter mehr Öffnung. Ein 200-mm-Dobson zeigt das Staubband der Sombrero-Galaxie und dutzende Galaxien im Haufen.
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Sternbild vs. Sternzeichen Jungfrau: warum die Daten abweichen
Das Sternzeichen Jungfrau gilt vom 24. August bis 23. September. Am Himmel steht die Sonne aber etwa vom 16. September bis 30. Oktober in der Jungfrau – länger als in jedem anderen Tierkreis-Sternbild, weil die Jungfrau so groß ist.
Der Versatz kommt von der Präzession der Erdachse, die den Herbstpunkt in rund 2.000 Jahren um fast ein ganzes Sternbild verschoben hat. Die Sternzeichen sind fest an den Kalender gebunden, die Sternbilder nicht.
Mythologie: Erntegöttin und Göttin der Gerechtigkeit
Schon in Mesopotamien hieß ein Teil der Sterne „Ackerfurche“, und Spica war die Kornähre einer Erntegöttin. Die Griechen sahen in der Jungfrau Demeter oder ihre Tochter Persephone, deren Rückkehr aus der Unterwelt jedes Jahr den Frühling bringt.
Eine zweite Deutung macht sie zu Astraea, der Göttin der Gerechtigkeit. Sie verließ als letzte Göttin die Erde und zog an den Himmel – die Waage gleich nebenan gilt als ihr Werkzeug.
Häufige Fragen zum Sternbild Jungfrau
Wie sieht das Sternbild Jungfrau aus?
Wie ein großes, liegendes Y: Spica unten, Porrima in der Mitte, von dort ein Arm über Minelauva zu Vindemiatrix und einer nach Westen zu Zavijava. Bis auf Spica sind alle Sterne lichtschwach, die ganze Figur siehst du nur abseits der Stadt.
Wann sieht man das Sternbild Jungfrau am Himmel?
Von April bis Juni am späten Abend im Süden, am besten im Mai gegen 23 Uhr. Im März geht sie erst am Abend auf, im Juli steht sie schon tief im Südwesten. Von September bis Februar ist sie abends nicht zu sehen.
Was ist der hellste Stern im Sternbild Jungfrau?
Spica (α Virginis) mit 1,0 mag, einer der 20 hellsten Sterne am Himmel. Sie ist rund 250 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei heißen Sternen, die sich in vier Tagen umkreisen.
Kann man Galaxien in der Jungfrau mit bloßem Auge sehen?
Nein. Die hellsten Galaxien der Jungfrau haben um 8 mag und liegen damit unter der Grenze des bloßen Auges. Im Fernglas sind M 104 und M 87 winzige Flecken, für den Galaxienhaufen brauchst du ein Teleskop.
Wann steht die Sonne im Sternbild Jungfrau?
Etwa vom 16. September bis 30. Oktober, rund 45 Tage – so lange wie in keinem anderen Tierkreis-Sternbild. Danach wechselt sie in die Waage. Das Sternzeichen Jungfrau (24. August bis 23. September) liegt wegen der Präzession davor.
Wie heißt das Sternbild Jungfrau auf Latein?
Virgo, im Genitiv Virginis, abgekürzt Vir. Daher heißt Spica auch α Virginis, und der große Galaxienhaufen trägt den Namen Virgo-Haufen.