Sternbild Waage (Libra): Sterne finden, beste Zeit und NGC 5897

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 31. Oktober 2026

Das Sternbild Waage – lateinisch Libra – ist ein Tierkreis-Sternbild des Frühsommerhimmels zwischen der Jungfrau und dem Skorpion. Mit 538 Quadratgrad liegt es auf Rang 29 der 88 Sternbilder, hat aber keinen Stern erster Größe. Seine beiden hellsten Sterne tragen bis heute arabische Namen, die an seine Vergangenheit als Scheren des Skorpions erinnern.

⭐ Kurz gesagt: Du findest die Waage auf halbem Weg zwischen Spica und Antares – 21° östlich von Spica steht Zubenelgenubi, 9° darüber Zubeneschamali. Am besten siehst du sie von Mai bis Juli gegen 23 Uhr tief im Süden, in Deutschland nur 20 bis 33° hoch. Zubenelgenubi ist ein Doppelstern fürs Fernglas, der Kugelsternhaufen NGC 5897 ein Ziel fürs Teleskop.

Aufsuchkarte Sternbild Waage: zwischen Spica und Antares, Zubenelgenubi 21 Grad östlich von Spica, Zubeneschamali auf der Linie von Arktur, dazu Brachium, Zubenelhakrabi und der Kugelsternhaufen NGC 5897, Blick nach Süden
Aufsuchkarte mit Blick nach Süden im Juni gegen 23 Uhr: Die Waage füllt die Lücke zwischen Spica und Antares. Grafik: sterngucker.de, Winkel eigene Berechnung (Hipparcos-Positionen)

Sternbild Waage im Steckbrief

Die Waage gehört zu den 48 klassischen Sternbildern des Ptolemäus. Sie ist das einzige Tierkreis-Sternbild, das einen Gegenstand darstellt – alle anderen sind Tiere oder Menschen.

MerkmalWert
Lateinischer NameLibra (Genitiv Librae, Kürzel Lib)
Fläche538 Quadratgrad – Rang 29 von 88
Hellster SternZubeneschamali (β Lib), 2,6 mag
Zweithellster SternZubenelgenubi (α Lib), 2,8 mag, Doppelstern
Beste BeobachtungszeitMai bis Juli, gegen 23 Uhr tief im Süden
Sonne im Sternbildetwa 31. Oktober bis 22. November
Sternzeichen Waage23. September bis 23. Oktober
Deep-Sky-ObjektNGC 5897 (Kugelsternhaufen), kein Messier-Objekt
Bekanntes SternsystemGliese 581 mit drei gesicherten Planeten
NachbarnJungfrau, Schlangenträger, Schlange, Skorpion, Wolf, Wasserschlange, Zentaur
Fläche nach IAU, Helligkeiten nach Hipparcos; Sonnendaten gerundet, sie verschieben sich je nach Jahr um einen Tag.

Mitten durch die Waage läuft die Ekliptik, die scheinbare Bahn der Sonne. Deshalb ziehen Mond und Planeten regelmäßig durch das Sternbild und stehen dort genauso tief wie die Waage selbst.

Sternbild Waage am Himmel finden: zwischen Spica und Antares

Die Waage ist unscheinbar, ihre Nachbarn sind es nicht. Der sicherste Weg führt über zwei helle Sterne links und rechts von ihr, die du auch aus der Stadt siehst.

Weg 1: von Spica zu Antares

  • Schritt 1: Such im Süden den weißen Spica in der Jungfrau, rechts, und den rötlichen Antares im Skorpion, links unten knapp über dem Horizont.
  • Schritt 2: Geh von Spica 21° nach links, also gut zwei Fäuste bei ausgestrecktem Arm. Dort steht Zubenelgenubi, der erste Waagestern.
  • Schritt 3: 9° links oberhalb von Zubenelgenubi findest du den etwas helleren Zubeneschamali. Von dort sind es noch 24° bis Antares.

Weg 2: vom Arktur senkrecht nach unten

Der orange Arktur im Bärenhüter steht im Frühsommer hoch im Süden. Gehst du von ihm 32° fast senkrecht nach unten, landest du bei Zubeneschamali – Arktur, Spica und Zubeneschamali bilden dabei ein langgestrecktes Dreieck.

PeilungAbstandWas du dort findest
Spica → Zubenelgenubi21°erster Waagestern, Hauptpeilung
Zubenelgenubi → Zubeneschamali9°der Waagebalken
Zubeneschamali → Antares24°Herz des Skorpions
Arktur → Zubeneschamali32°fast senkrecht nach unten
Zubeneschamali → Zubenelhakrabi7°dritter Stern des Dreiecks
Zubenelgenubi → Brachium10°südlichster heller Waagestern
Brachium → NGC 58975°Kugelsternhaufen, nur im Teleskop
Winkelabstände: eigene Berechnung aus Hipparcos-Positionen. Die ausgestreckte Faust deckt etwa 10° ab.

Achtung, Erwartungscheck: Die Waage steht in Deutschland höchstens 20 bis 33° hoch. Bäume, Häuser und der Dunst über dem Südhorizont schlucken ihre Sterne schnell – such dir einen Platz mit freier Sicht nach Süden. Wie dunkel dein Himmel ist, verrät die Bortle-Skala.

Wann die Waage zu sehen ist: Monat für Monat

Die Waage ist ein Sternbild der kurzen Nächte. Im Mai steht sie um Mitternacht am höchsten, im Juni schon gegen halb elf. Ab September verschwindet sie in der Abenddämmerung, im November steht die Sonne selbst in ihr.

MonatHöchststand ZubenelgenubiUm 22 UhrBewertung
März03:41 Uhrunter dem Horizontnur am frühen Morgen
April02:39 Uhrgeht gerade aufnach Mitternacht
Mai00:41 Uhr15°, Südostgut
Juni22:35 Uhr23°, Südbeste Zeit
Juli20:37 Uhr21°, Südsüdwestgut, bald nach Dämmerungsende
August18:35 Uhr9°, Südwestnur noch tief am Abend
September bis Februartagsübernicht sichtbarSonne in der Nähe
Eigene Berechnung für den 15. des Monats, Mitte Deutschlands (51° N, 10° O), Sommerzeit von April bis Oktober.

So hoch steht die Waage in deiner Stadt

Je weiter südlich du wohnst, desto höher steigt die Waage. Zwischen Hamburg und Zürich liegen gut sechs Grad – das entscheidet, ob Brachium und NGC 5897 über den Dunst kommen.

StadtZubeneschamaliZubenelgenubiBrachiumNGC 5897
Hamburg27°20°11°15°
Berlin28°21°12°16°
Köln30°23°14°18°
Frankfurt31°24°15°19°
München32°26°17°21°
Wien32°26°17°21°
Zürich33°27°17°22°
Höhe im Meridian (höchster Stand), eigene Berechnung: 90° minus Breite plus Deklination.

Die hellsten Sterne der Waage

Die Namen stammen aus dem Arabischen und beschreiben die alte Rolle der Sterne. Zuben el Genubi heißt „südliche Schere“, Zuben el Schemali „nördliche Schere“ – gemeint sind die Scheren des Skorpions.

SternHelligkeitEntfernungBesonderheit
Zubeneschamali (β)2,6 magrund 185 Lichtjahrehellster Stern, obwohl β
Zubenelgenubi (α)2,8 magrund 76 Lichtjahreweiter Doppelstern
Brachium (σ)3,3 magrund 290 Lichtjahreroter Riese, früher γ Scorpii
Zubenelhakrabi (γ)3,9 magrund 150 Lichtjahreoranger Riese mit Planeten
Helligkeiten und Entfernungen nach Hipparcos, gerundet.

Zubenelgenubi: ein Doppelstern fürs Fernglas

Zubenelgenubi besteht aus zwei Sternen im Abstand von knapp 4 Bogenminuten. Scharfe Augen trennen sie unter dunklem Himmel schon ohne Hilfsmittel, jedes Fernglas zeigt sie sicher: links der hellere weiße Stern, rechts ein schwächerer gelblicher Begleiter mit 5,2 mag.

Zubeneschamali: der „grüne“ Stern

In älteren Himmelsbüchern liest du, Zubeneschamali sei der einzige grünliche Stern mit bloßem Auge. Messbar ist das nicht – er ist ein bläulich-weißer Stern der Klasse B, und das Grün entsteht vermutlich im Auge, wenn er tief im Dunst flackert. Prüf es selbst mit dem Fernglas.

NGC 5897 und Gliese 581: Ziele fürs Teleskop

Die Waage hat kein einziges Messier-Objekt. Ihr bekanntestes Deep-Sky-Ziel ist der Kugelsternhaufen NGC 5897, etwa 8 Grad südöstlich von Zubenelgenubi.

NGC 5897: ein lockerer Kugelsternhaufen

NGC 5897 hat eine Gesamthelligkeit von etwa 8,5 mag und ist rund 11 Bogenminuten groß – ein Drittel des Vollmonds. Weil sich das Licht auf eine große Fläche verteilt, wirkt er im Fernglas nur wie ein blasser Fleck. Mit rund 40.000 Lichtjahren Entfernung gehört er zu den lockersten Kugelsternhaufen überhaupt.

Ab 130 mm Öffnung zeigt sich ein runder Schimmer ohne den dichten Kern, den man von M 13 im Herkules kennt. Einzelne Sterne löst erst ein 200-mm-Teleskop unter dunklem Himmel auf, und das nur, wenn er im Juni hoch genug über dem Dunst steht.

Gliese 581: Planeten um einen roten Zwerg

Knapp 2° nordöstlich von Zubeneschamali liegt der rote Zwerg Gliese 581, nur rund 20 Lichtjahre entfernt. Gesichert sind drei Exoplaneten (b, c und e). Die früher gemeldeten Planeten d und g gelten heute als Fehlsignale, die von der Aktivität des Sterns stammen.

Den Stern selbst siehst du mit 10,6 mag nur im Teleskop, als unscheinbares rötliches Pünktchen. Spannend ist weniger der Anblick als das Wissen, dass du auf eines der ersten Systeme schaust, bei dem man nach erdähnlichen Planeten gesucht hat.

Fernglas oder Teleskop für die Waage?

Für die Figur brauchst du nur deine Augen und freie Sicht nach Süden. Für den Doppelstern Zubenelgenubi und die Farbe von Zubeneschamali genügt ein 10×50-Fernglas, das auch die Sternfelder Richtung Skorpion schön zeigt.

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Für NGC 5897 und Gliese 581 brauchst du ein Teleskop. Ein kompakter 130-mm-Dobson zeigt den Kugelsternhaufen als Schimmer, mehr Öffnung löst ihn auf – und beide Geräte haben im Frühsommer mit dem Skorpion und dem Schlangenträger lohnendere Ziele direkt nebenan.

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Sternbild vs. Sternzeichen Waage: warum die Daten abweichen

Das Sternzeichen Waage gilt vom 23. September bis 23. Oktober. Am Himmel steht die Sonne aber erst etwa vom 31. Oktober bis 22. November im Sternbild Waage – über einen Monat später.

Der Grund ist die Präzession: Die Erdachse taumelt in rund 26.000 Jahren einmal im Kreis. Vor rund 3.000 bis 4.000 Jahren lag der Herbstpunkt in der Waage, Tag und Nacht waren gleich lang, als die Sonne dort stand – daher das Bild des Gleichgewichts. Heute liegt der Herbstpunkt in der Jungfrau, die Sternzeichen sind aber an den Kalender gebunden geblieben.

Mythologie: von den Scheren des Skorpions zur Waage

Die Babylonier nannten die Sterne „zibanitu“, die Waage, und verbanden sie mit Gerechtigkeit und dem Sonnengott. Die Griechen sahen in ihnen dagegen die „Chelai“, die Scheren des Skorpions – deshalb die arabischen Sternnamen.

Erst die Römer machten die Waage wieder zu einem eigenen Sternbild. Sie verbanden sie mit der Jungfrau nebenan als Göttin der Gerechtigkeit, die die Waage in der Hand hält. Die heutigen Grenzen legte die Internationale Astronomische Union 1930 fest; dabei wanderte Brachium, früher γ Scorpii, endgültig in die Waage.

Häufige Fragen zum Sternbild Waage

Wie sieht das Sternbild Waage aus?

Wie ein schiefes Viereck aus vier mittelhellen Sternen: Zubeneschamali oben, Zubenelgenubi rechts, Zubenelhakrabi links und Brachium unten. Mit etwas Fantasie ergibt sich ein Waagebalken mit zwei Schalen. Die Figur ist deutlich schwächer als die Nachbarn Jungfrau und Skorpion.

Wann sieht man das Sternbild Waage am Himmel?

Von Mai bis Juli am späten Abend tief im Süden, am besten im Juni gegen 23 Uhr. Im April geht sie gegen 22 Uhr auf und steht erst nach Mitternacht günstig, im August steht sie abends schon tief im Südwesten. Von September bis Februar ist sie abends nicht zu sehen.

Was ist der hellste Stern im Sternbild Waage?

Zubeneschamali (β Librae) mit 2,6 mag, knapp vor Zubenelgenubi (α Librae) mit 2,8 mag. Dass der hellste Stern nur Beta heißt, liegt an Johann Bayer, der die Buchstaben 1603 nicht streng nach Helligkeit vergab.

Wann steht die Sonne im Sternbild Waage?

Etwa vom 31. Oktober bis 22. November, je nach Jahr einen Tag früher oder später. Danach wechselt sie in den Skorpion. Das Sternzeichen Waage (23. September bis 23. Oktober) liegt wegen der Präzession über einen Monat davor.

Welche Deep-Sky-Objekte gibt es in der Waage?

Das bekannteste ist der Kugelsternhaufen NGC 5897 mit 8,5 mag, dazu einige schwache Galaxien für große Teleskope. Messier-Objekte hat die Waage keine. Lohnender für Einsteiger ist der Doppelstern Zubenelgenubi im Fernglas.

Wie heißt das Sternbild Waage auf Latein?

Libra, im Genitiv Librae, abgekürzt Lib. Daher heißen die Sterne α Librae, β Librae und so weiter. Auch im Englischen heißt das Sternbild Libra.