Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 20. September 2026
⭐ Kurz gesagt: Ein Achromat bringt zwei Farben des Lichts in denselben Brennpunkt, ein Apochromat drei. Praktisch heißt das: Der Achromat zeichnet um helle Objekte einen blauvioletten Saum, der Apochromat nicht. Für Mond, Planeten und den Einstieg ist ein Achromat völlig ausreichend — vorausgesetzt, er ist lang gebaut. Der Apochromat lohnt vor allem für Astrofotografie und kurze Reisegeräte. Der Aufpreis liegt beim Fünf- bis Zehnfachen.
Zwischen einem Achromaten für 120 Euro und einem Apochromaten für 1.200 Euro liegt derselbe Grundaufbau: Licht fällt durch Linsen und wird gebündelt. Der Unterschied liegt in einem einzigen Fehler, den jede Linse zwangsläufig macht — und darin, wie viel Aufwand der Hersteller treibt, ihn zu beseitigen.
Warum jede Linse Farbfehler macht
Glas bricht blaues Licht stärker als rotes. Das ist derselbe Effekt, der ein Prisma einen Regenbogen erzeugen lässt — und in einem Teleskop ist er ein Problem: Blau wird kürzer fokussiert als Rot, es gibt also gar keinen gemeinsamen Brennpunkt für alle Farben.
Der Fachbegriff dafür ist chromatische Aberration oder Farblängsfehler. Sichtbar wird sie als violetter Halo um helle Objekte: um den Mondrand, um Venus, um Jupiter, um Wega. Bei schwachen Objekten spielt sie keine Rolle, weil dort schlicht zu wenig Licht für einen sichtbaren Saum ankommt.
Der Achromat: zwei Linsen, zwei Farben im Fokus
Ein Achromat besteht aus zwei verkitteten oder mit Luftspalt montierten Linsen aus zwei Glassorten — meist Kronglas und Flintglas. Sie brechen das Licht unterschiedlich stark, und das nutzt der Optiker aus: Was die erste Linse an Farbaufspaltung erzeugt, holt die zweite größtenteils zurück.
Das Ergebnis: Rot und Blau treffen sich in einem gemeinsamen Brennpunkt. Grün bleibt außen vor und liegt etwas davor. Dieser Rest heißt sekundäres Spektrum und ist genau der violette Saum, den man an hellen Objekten sieht.
Der Name kommt aus dem Griechischen und heißt „ohne Farbe” — eine Übertreibung, die seit 1729 im Umlauf ist. Achromaten sind farbärmer, nicht farbfrei.
Was für Achromaten spricht: Sie sind robust, brauchen keine Justage, kühlen schnell aus und kosten wenig. Ein 70-mm-Achromat für 120 Euro zeigt Mondkrater, Saturnringe, Jupitermonde und Venusphasen — alles, was ein Einsteiger in der ersten Saison sehen will.
Der Apochromat: drei Farben, drei Glassorten
Ein Apochromat treibt dasselbe Prinzip eine Stufe weiter. Er verwendet mindestens drei Linsen aus mindestens drei verschiedenen Glassorten — oder zwei Linsen, von denen eine aus einem besonders exotischen Sondermaterial besteht. Damit fallen drei Wellenlängen in denselben Brennpunkt.
Das sekundäre Spektrum schrumpft dadurch so weit, dass es an keinem Objekt mehr sichtbar ist. Ein Apochromat zeigt einen Stern als weißen Punkt, ohne jeden farbigen Rand. Das ist der ganze Unterschied — und er kostet, weil die verwendeten Gläser teuer sind, sich schwer schleifen lassen und empfindlich auf Temperatur reagieren.
Was „apochromatische Korrektur” genau bedeutet
Der Begriff ist leider nicht geschützt. Streng genommen verlangt eine apochromatische Korrektur, dass drei Wellenlängen exakt zusammenfallen und die sphärische Aberration für zwei davon korrigiert ist. In der Praxis nennen Hersteller aber auch zweilinsige ED-Geräte „Apo”, die diesen Anspruch nicht ganz erfüllen.
Das ist kein Betrug, aber es heißt: „Apo” auf dem Tubus sagt weniger über die Qualität aus als die Angabe des verwendeten Glases. Danach lohnt es sich zu fragen.
ED, FPL-53, Fluorit: was auf dem Tubus steht
ED steht für „Extra-low Dispersion” — Glas, das Licht besonders wenig in seine Farben aufspaltet. Es ist der Sammelbegriff, unter dem fast alle bezahlbaren Apochromaten laufen.
FPL-51 und FPL-53 sind konkrete Glassorten des japanischen Herstellers Ohara. FPL-53 ist das bessere und teurere der beiden. Ein zweilinsiger Apo mit FPL-53 kann optisch mit einem dreilinsigen mit einfacherem Glas mithalten.
Fluorit (Calciumfluorid-Kristall) ist die Referenz und entsprechend selten. Es ist mechanisch empfindlich und temperaturabhängig, liefert aber die beste Farbkorrektur, die im Amateurbereich zu haben ist.
Petzval, Quadruplet, Quintuplet bezeichnen keine bessere Farbkorrektur, sondern eingebaute Bildfeldebnung: Diese Geräte sind für Kamerasensoren gerechnet und brauchen keinen zusätzlichen Flattener. Für rein visuelle Nutzung ist der Aufpreis überflüssig.
Achromat und Apochromat im direkten Vergleich
| Achromat | Apochromat | |
|---|---|---|
| Linsen / Glassorten | 2 Linsen, 2 Sorten | 2–5 Linsen, ED- oder Fluoritglas |
| Farben im Brennpunkt | zwei | drei |
| Sichtbarer Farbsaum | ja, an hellen Objekten | praktisch keiner |
| Übliche Bauform | lang (f/10 bis f/15) | kurz (f/5 bis f/7) |
| Astrofotografie | kaum brauchbar | die erste Wahl |
| Mond und Planeten visuell | gut bis sehr gut | hervorragend |
| Auskühlzeit | kurz | länger (dickeres Glas) |
| Preis für 80 mm Öffnung | rund 150 € | ab rund 800 € |
Wie stark stört der Farbfehler wirklich?
Das ist die Frage, um die sich Kaufberatungen meist herumdrücken — und die Antwort ist erfreulich konkret: Der Farbfehler eines Achromaten hängt fast ausschließlich vom Öffnungsverhältnis ab, nicht vom Preis.
Je länger der Tubus im Verhältnis zur Öffnung, desto flacher die Winkel im Glas und desto kleiner das sekundäre Spektrum. Ein alter Daumenwert aus der Fachliteratur (das Sidgwick-Kriterium) sagt: Ein Achromat gilt als praktisch farbrein, wenn sein Öffnungsverhältnis mindestens dem Dreifachen der Öffnung in Zoll entspricht.
| Öffnung | Dafür nötig | In der Praxis |
|---|---|---|
| 60 mm | ab f/7 | jeder handelsübliche Achromat erfüllt das |
| 70–80 mm | ab f/9 | 70/700 und 80/900 liegen genau richtig |
| 90–100 mm | ab f/11 | 90/1000 passt, 102/500 keinesfalls |
| 120 mm | ab f/14 | wird selten gebaut — Tubus über 1,7 m |
| 150 mm | ab f/18 | nur noch als Spezialgerät für Planetenfans |
Daraus folgt die praktisch wichtigste Regel dieser Seite: Ein kurzer, dicker Achromat ist ein schlechtes Geschäft. Die vielbeworbenen „Reise-Refraktoren” mit 102 mm bei f/5 zeigen an Jupiter einen Farbsaum, den man nicht mehr ignorieren kann. Wenn du kurz und groß willst, führt kein Weg am Apochromaten vorbei — oder an einem Spiegelteleskop, das gar keinen Farbfehler kennt.
Zum Nachrechnen: Öffnungsverhältnis = Brennweite ÷ Öffnung. Ein 90/1000 hat also f/11,1 — bei 90 mm (3,5 Zoll) wären rund f/10,5 gefordert, das Gerät liegt knapp darüber. Ein 102/500 kommt auf f/4,9 statt der geforderten f/12. Diese Rechnung dauert zehn Sekunden und verhindert den häufigsten Fehlkauf bei Linsenteleskopen.
Wann lohnt der Aufpreis für einen Apochromaten?
Er lohnt sich, wenn du fotografieren willst. Das ist der klarste Fall. Eine Kamera zeichnet den Farbsaum gnadenlos auf, und ein Achromat produziert bei Langzeitbelichtung aufgeblähte blaue Sterne, die sich in keiner Bildbearbeitung retten lassen. Kurze Apochromaten mit 60 bis 90 mm sind das Standardwerkzeug der Deep-Sky-Fotografie.
Er lohnt sich, wenn der Tubus kurz sein muss. Ein Apo mit 80 mm ist keine 50 cm lang und passt in einen Rucksack. Ein farbreiner Achromat gleicher Öffnung wäre fast einen Meter lang.
Er lohnt sich nicht, wenn du visuell Mond und Planeten beobachtest und Platz für einen langen Tubus hast. Ein 90/1000-Achromat für 275 € zeigt am Saturn fast dasselbe wie ein Apo für das Fünffache — nur mit einem hauchdünnen blauen Rand am Planetenscheibchen.
Er lohnt sich nicht als Ersatz für Öffnung. Für den Preis eines 80-mm-Apochromaten bekommst du einen 250-mm-Dobson, der zehnmal so viel Licht sammelt. Wenn dein Ziel Galaxien und Nebel sind, ist das keine knappe Entscheidung.
Empfohlene Achromaten und Apochromaten
Vier Geräte, die die sinnvollen Stufen abdecken — vom Einstiegs-Achromaten bis zum Foto-Apochromaten:
Linsenteleskope (Refraktoren)
Omegon AC 70/700 AZ-2Der günstigste sinnvolle Einstieg. Mond, Saturnringe und Jupitermonde — in zwei Minuten aufgebaut.
Preis: 119 €
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Omegon AC 90/1000 EQ-2 (Achromat)Klassischer Achromat mit 90 mm und langer Brennweite: wartungsfrei, gut für Mond und Planeten, mit dem typischen leichten Farbsaum.
Preis: 275 €
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Sky-Watcher EvoStar 80ED Apo-RefraktorED-Apochromat mit 80 mm: deutlich weniger Farbfehler als ein Achromat — die übliche Wahl, wenn Astrofotografie dazukommen soll.
Preis: 795 €
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Omegon Pro APO 96/575 Triplet EDDreilinser mit 96 mm Öffnung: deutlich mehr Licht als der 80ED, farbrein am Planeten und fotografisch brauchbar.
Preis: 1.290 €
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Welches der vier Geräte passt zu deinem Fall?
Visuell Mond und Planeten, und du hast Platz für einen langen Tubus: Nimm den Achromaten — der Aufpreis für einen Apochromaten bringt dir in dieser Rolle fast nichts. Für den ersten Blick auf Mondkrater und Saturnringe reicht Omegon AC 70/700 AZ-2 für 119 €. Wer absehbar länger dabeibleibt, nimmt Omegon AC 90/1000 EQ-2 (Achromat) für 275 €: 90 statt 70 Millimeter Öffnung, und die lange Brennweite hält den Farbsaum von sich aus klein.
Fotografieren, jetzt oder absehbar: Hier ist der Apochromat keine Geschmacksfrage, sondern Bedingung. Sky-Watcher EvoStar 80ED Apo-Refraktor für 795 € ist die übliche Einstiegsstufe — 80 Millimeter, kurzer Tubus, ED-Glas. Damit bleiben Sterne am Bildrand punktförmig, statt blau aufzuquellen.
Beides, und der Tubus soll nicht nach zwei Jahren wieder ersetzt werden: Omegon Pro APO 96/575 Triplet ED für 1.290 €. Der Dreilinser mit 96 Millimetern sammelt gut 40 Prozent mehr Licht als der 80ED und ist am Planeten farbrein. Das ist die Stufe, ab der ein Apochromat auch visuell einen sichtbaren Vorsprung hat und nicht nur vor der Kamera.
Noch unsicher, ob es überhaupt ein Linsenteleskop werden soll? Dann ist die Frage Achromat oder Apochromat die falsche Abzweigung. Für das Geld eines Apochromaten bekommst du als Spiegelteleskop ein Vielfaches an Öffnung, und für Galaxien und Nebel ist genau die entscheidend. Der Ratgeber für Einsteiger stellt die Bauarten nebeneinander, bevor du dich festlegst.
Häufige Fragen zu Achromaten und Apochromaten
Kann man den Farbfehler eines Achromaten mit einem Filter beheben?
Nur teilweise. Ein Minus-Violett-Filter (auch Fringe-Killer oder Semi-Apo genannt) blockt den störendsten Teil des Spektrums und macht den Saum deutlich unauffälliger. Der Preis dafür ist ein leichter Farbstich im Bild und etwas weniger Licht. Für 50 bis 80 Euro ist das an einem vorhandenen Achromaten ein sinnvoller Kompromiss — ein Apochromat wird daraus nicht.
Ist ein ED-Refraktor ein Apochromat?
Meistens ja, im weiteren Sinne. Zweilinsige ED-Geräte erreichen eine Farbkorrektur, die visuell nicht mehr von einer echten apochromatischen zu unterscheiden ist. Bei sehr kurzen Brennweiten oder in der Fotografie zeigt sich der Unterschied zu einem dreilinsigen Apo dann doch — dort bleibt bei manchen Zweilinsern ein Rest Blau.
Warum werden Achromaten überhaupt noch gebaut?
Weil sie in ihrer Nische unschlagbar sind. Ein langer Achromat liefert bei Mond und Planeten ein Bild, für das ein Spiegelteleskop deutlich mehr Öffnung bräuchte — er ist wartungsfrei, hat keine Abschattung im Strahlengang und kostet einen Bruchteil eines Apochromaten. Für Einsteiger, die einfach nur nachts rausgehen und schauen wollen, ist er nach wie vor die vernünftigste Linsen-Bauart.
Wie erkenne ich beim Beobachten, ob mein Teleskop einen Farbfehler hat?
Stelle den Mond bei hoher Vergrößerung scharf und schau auf den Rand zum dunklen Himmel. Ein Achromat zeichnet dort einen blauvioletten Streifen, der beim Durchfokussieren die Farbe wechselt — erst blau, dann gelblich. Ein Apochromat zeigt einen sauber weißen Rand in beiden Richtungen.
Gibt es Farbfehler auch bei Spiegelteleskopen?
Nein. Ein Spiegel lenkt alle Wellenlängen exakt gleich um, chromatische Aberration ist dort physikalisch ausgeschlossen. Dafür handelt man sich andere Themen ein — Justage beim Newton, Auskühlzeit beim Maksutov und Schmidt-Cassegrain. Die Abwägung steht ausführlich im Vergleich Spiegelteleskop oder Linsenteleskop.
Lohnt sich ein gebrauchter Apochromat?
Ja, das ist einer der wenigen Bereiche, in denen der Gebrauchtmarkt sinnvoll ist. Eine Apo-Optik altert praktisch nicht, solange sie nicht gestoßen wurde. Prüfen solltest du den Okularauszug auf Spiel und die Linsen auf Beschlag zwischen den Elementen — beides sind die typischen Schwachstellen, nicht das Glas selbst.
Weiterlesen:
- Spiegelteleskop oder Linsenteleskop? – die Grundsatzentscheidung vor dem Kauf
- Newton-Teleskop – ganz ohne Farbfehler, dafür mit Justage
- Maksutov oder Schmidt-Cassegrain? – kompakt und farbrein durch Spiegel
- Teleskop kaufen: der große Ratgeber – alle Bauarten und Empfehlungen
