Zodiakallicht: Was es ist und wann du es 2027 siehst

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. Oktober 2026

Das Zodiakallicht ist Sonnenlicht, das an feinem Staub in der Ebene des Sonnensystems gestreut wird. Es erscheint als schwacher, schräger Lichtkegel, der vom Horizont entlang der Ekliptik aufsteigt – in Deutschland abends von Februar bis April im Westen, morgens von August bis Oktober im Osten (NASA).

Mehr dazu im Überblick: Astronomie-Wissen.

⭐ Kurz gesagt: Sehen kannst du es nur mit Planung: mondlose Nacht, dunkler Ort ohne Stadt am Horizont, 90 bis 120 Minuten nach Sonnenuntergang im Frühjahr oder ebenso lange vor Sonnenaufgang im Herbst. Ein Teleskop brauchst du nicht – das bloße Auge ist das beste Instrument.

Heller, schräg aufsteigender Lichtkegel des Zodiakallichts über dem Wüstenhorizont am Paranal-Observatorium, darüber Sterne
Zodiakallicht über dem Paranal in Chile – so deutlich wie unter dem Wüstenhimmel siehst du es in Deutschland nicht, die Form ist aber dieselbe. Foto: ESO/Y. Beletsky, CC BY 4.0

Zodiakallicht 2027: die besten Termine

Wir haben für Deutschlands Mitte berechnet, an welchen Tagen nach Ende der Dämmerung mindestens eine Stunde lang kein Mond am Himmel steht. Die besten Chancen liegen um die Neumonde im März und im September, weil die Ekliptik dann am steilsten steht.

Zeitraum 2027Wann und woDunkel ab / bis
bis 8. Februarabends, Westenab ca. 19:10 Uhr
23. Februar – 9. Märzabends, Westenab ca. 19:40–20:00 Uhr
⭐ Beste Chance25. März – 8. Aprilabends, Westenab ca. 20:30 MEZ bzw. 21:40–22:00 Uhr MESZ
24. – 30. Aprilabends, Westenab ca. 22:40 Uhr
1. – 13. Augustmorgens, Ostenbis ca. 03:10–03:50 Uhr
⭐ Beste Chance30. August – 12. Septembermorgens, Ostenbis ca. 04:30–05:00 Uhr
29. September – 12. Oktobermorgens, Ostenbis ca. 05:30–05:50 Uhr
ab 28. Oktobermorgens, Ostenbis ca. 06:15 Uhr MESZ, ab 31.10. 05:15 Uhr MEZ
Ende bzw. Beginn der astronomischen Dämmerung (Sonne 18° unter dem Horizont) für 50° Nord, 10° Ost; im Norden Deutschlands etwas später, im Süden früher. Danach die nächsten 60 bis 120 Minuten nutzen. Quelle: sterngucker.de, eigene Berechnung (Skyfield, DE421); Neumond-Termine geprüft gegen USNO

Tipp: Lege dir zwei, drei Ausweichtermine fest, denn schon leichter Dunst am Horizont verschluckt den Lichtkegel. Wähle einen Ort mit freier Sicht nach Westen (Frühjahr) oder Osten (Herbst) und ohne Ortschaft in dieser Richtung.

Warum das Zodiakallicht nur im Frühling und Herbst gut steht

Der Staub liegt in der Ebene, in der auch die Planeten kreisen, und die zeichnet sich am Himmel als Ekliptik ab. Steht diese Linie nach Sonnenuntergang steil über dem Horizont, ragt der Lichtkegel hoch in den dunklen Himmel; liegt sie flach, verschwindet er im Horizontdunst.

Von Mitteleuropa aus steht die Ekliptik abends im Frühjahr und morgens im Herbst am steilsten. Den Winkel für jeden Monat haben wir auf der Seite zur Ekliptik berechnet – dort siehst du auch, warum Merkur und die junge Mondsichel denselben Jahresrhythmus haben.

Wie dunkel muss der Himmel sein?

Das Zodiakallicht ist so lichtschwach, dass schon eine Stadt in Blickrichtung es auslöscht. Unter einem echten Dunkelhimmel der Bortle-Klasse 1 oder 2 wirkt es gelblich bis farbig, in Vorstadtlagen der Klasse 5 ist es kaum noch zu sehen (Bortle-Skala, siehe unsere Seite zur Lichtverschmutzung).

Ganz unmöglich ist es auch an mäßigen Orten nicht. Ein Beobachter meldete seine erste Sichtung von einem Berg bei Nürnberg unter einem Bortle-6-Himmel – die Reaktion im Forum: Man hätte nicht gedacht, dass das in Mitteleuropa geht (forum.astronomie.de).

Drei Bedingungen aus der Praxis: Erfahrene Beobachter im Forum fassen es so zusammen: keine Dämmerung mehr, kein Mond, abseits von Siedlungen – abends am besten im März, morgens im September und Oktober (forum.astronomie.de). Dunkle Orte in deiner Nähe findest du bei den Sternenparks in Deutschland.

Zodiakallicht erkennen: Verwechslungen ausschließen

Die meisten vermeintlichen Sichtungen sind etwas anderes. Im Forum entpuppte sich ein „Lichtkegel im Abendrot“ als Wolkenschatten in der Dämmerung – hübsch, aber kein Zodiakallicht (forum.astronomie.de).

ErscheinungForm und LageWann
ZodiakallichtSchräger, nach oben spitz zulaufender Kegel entlang der EkliptikErst nach Ende der Dämmerung
DämmerungFlacher, waagerechter Lichtsaum über dem ganzen HorizontBis zum Ende der astronomischen Dämmerung
Lichtglocke einer StadtHalbkugel über einem festen Horizontpunkt, oft orangeDie ganze Nacht, gleiche Stelle
Wolken- und DämmerungsstrahlenHelle und dunkle Streifen, die von der Sonne ausstrahlenBei noch hellem Himmel
MilchstraßeBreites Band mit Struktur, quer zur EkliptikGanze Nacht, je nach Jahreszeit
Merkmale zur Unterscheidung. Quellen: NASA (Form), forum.astronomie.de (Verwechslungen), eigene Beobachtungspraxis
Nachthimmel mit dem schräg aufsteigenden Zodiakallicht und dem quer dazu verlaufenden Band der Milchstraße
Zodiakallicht und Milchstraße auf einem Bild: Der Kegel folgt der Ekliptik, das Milchstraßenband kreuzt ihn. Foto: ESO, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Woher der Staub kommt: neue Spur zum Mars

Lange galt Staub von Kometen und Asteroiden als Quelle. 2021 schlug ein Team der NASA-Sonde Juno den Mars als Hauptlieferanten vor: Die Staubverteilung, die Juno auf dem Weg zum Jupiter gemessen hatte, passt zur Marsbahn (NASA, 9. März 2021).

Die Staubwolke reicht demnach von der Sonne bis etwa zur doppelten Erdentfernung und endet knapp außerhalb der Marsbahn. Wie der Staub der Schwerkraft des Mars entkommen sein soll, kann das Team noch nicht erklären – die Frage ist also offen.

Kurioses: Queen-Gitarrist Brian May hat über das Zodiakallicht promoviert. Die Messungen machte er 1971 und 1972 auf Teneriffa, die Doktorarbeit reichte er erst 2007 am Imperial College London ein (Imperial College, Spiral).

Gegenschein: das Gegenstück auf der anderen Himmelsseite

Genau gegenüber der Sonne, 180° von ihr entfernt, wirft derselbe Staub einen noch schwächeren Schimmer zurück: den Gegenschein. Eine sehr schwache Lichtbrücke entlang der Ekliptik verbindet ihn mit dem Zodiakallicht (Wikipedia). Laut Bortle-Skala ist er erst unter idealem Dunkelhimmel der Klasse 1 sicher zu sehen.

Auf forum.astronomie.de gibt es trotzdem Sichtungsberichte aus Mitteleuropa, etwa aus dem Voralpenraum und von Teleskoptreffen in den Bergen (Beispiel). Suche ihn um Mitternacht in der Ekliptik, möglichst weit weg von der Milchstraße.

Zodiakallicht fotografieren

Eine Langzeitbelichtung sammelt mehr Licht als dein Auge und hebt den Kegel deshalb besser hervor. Du brauchst ein Weitwinkelobjektiv, ein stabiles Stativ und Belichtungen von einigen Sekunden – wie bei Milchstraßenfotos, nur tiefer am Horizont. Die passenden Einstellungen findest du im Ratgeber Sterne fotografieren.

Für Weitwinkel: Omegon MiniTrack LX3 Essentials

Omegon MiniTrack LX3 Essentials

Rein mechanische Reisenachführung ohne Strom: Sie folgt der Himmelsdrehung und erlaubt längere Belichtungen für den schwachen Lichtkegel.

Preis: 159 €

Auf Lager · versandfertig in 24 h

Verfügbarkeit prüfen* →

Häufige Fragen zum Zodiakallicht

Kann man das Zodiakallicht in Deutschland sehen?

Ja, aber nur an dunklen Orten, ohne Mond und zur richtigen Jahreszeit: abends Februar bis April im Westen, morgens August bis Oktober im Osten. Aus Städten und Vororten gelingt es praktisch nicht.

Warum heißt es Zodiakallicht?

Der Name kommt vom griechischen „zodiakós“ für Tierkreis, deshalb heißt es auch Tierkreislicht (Wikipedia). Die Tierkreis-Sternbilder liegen an der Ekliptik, und genau dort liegt auch der Staub.

Brauche ich ein Fernglas oder Teleskop?

Nein. Der Lichtkegel ist viel größer als das Gesichtsfeld jedes Fernglases. Am besten siehst du ihn mit bloßem Auge, nachdem sich deine Augen eine Weile an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Was ist die „falsche Dämmerung“?

So beschreiben schon islamische Quellen aus dem 9. Jahrhundert das senkrecht aufsteigende Zodiakallicht vor Sonnenaufgang, im Unterschied zur waagerechten echten Morgendämmerung (Wikipedia).

Links mit Sternchen (*) sind Partnerlinks. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich der Preis nicht.

Quellen: NASA (Juno, 2021) · Imperial College: Dissertation Brian May · USNO Mondphasen · ESO · forum.astronomie.de (oben verlinkt) · Termintabelle: eigene Berechnung. Abgerufen am 28.10.2026.

Weiterlesen auf Sterngucker