Lyriden im April

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026

Die Lyriden sind ein alter, zuverlässiger Meteorstrom aus dem Sternbild Leier und der einzige im April, für den sich das Aufbleiben lohnt. Beschrieben wurden sie schon 687 v. Chr. in China.

📅 Lyriden: nächstes Maximum in der Nacht vom 22. auf den 23. April 2027 – leider bei fast vollem Mond. Alle Meteorströme mit Mond-Bewertung: Sternschnuppen-Kalender 2026/2027.

Im April ist der Nordhimmel für Sternschnuppen-Jäger eine magere Gegend – mit einer Ausnahme. Die Lyriden sind der einzige Meteorstrom des Monats, für den sich das Aufbleiben lohnt: ein alter, zuverlässiger Strom aus dem Sternbild Leier, der schon 687 v. Chr. in China beschrieben wurde. Alle anderen April-Ströme bleiben unter 3 bis 5 Meteoren pro Stunde.

Lyriden im April: Sternschnuppen aus dem Radianten im Sternbild Leier

⚡ Die schnelle Antwort: Die Lyriden sind vom 14. bis zum 30. April aktiv. Das Maximum fällt auf die Nacht vom 22. auf den 23. April – 2027 gegen 3:40 Uhr (01:40 UTC).

Unter dunklem Himmel sind rund 18 Meteore pro Stunde zu erwarten (ZHR, Prognose der International Meteor Organization für 2027). 2027 stört allerdings der Mond: Er ist am 20. April voll und in der Maximumsnacht noch zu rund 96 % beleuchtet. Beste Zeit: der dunkle Abend vor Mondaufgang – und danach mit bloßem Auge weiter, an einem möglichst dunklen Platz.

Wann die Lyriden 2027 zu sehen sind

Die Lyriden laufen von Mitte bis Ende April, aber nur die Maximumsnacht ist eine Beobachtung wert. Der Radiant im Sternbild Leier steht in der ersten Nachthälfte noch tief im Nordosten und klettert erst nach Mitternacht in Richtung Zenit – normalerweise ist die zweite Nachthälfte deshalb die bessere.

2027 ist genau das das Problem: Der fast volle Mond geht am Abend des 22. April gegen 23 Uhr auf und hellt anschließend den ganzen restlichen Himmel auf. Damit hast du zwei brauchbare Fenster, und beide sind Kompromisse.

In der Abenddämmerung bis etwa 23 Uhr ist der Himmel dunkel, der Radiant aber niedrig. Genau dann entstehen die sogenannten Erdstreifer: wenige, dafür sehr lange und flache Meteore, die den halben Himmel queren. Nach Mitternacht steht der Radiant hoch, doch der Mond schluckt alles außer den hellsten Spuren. Wer nur eine Stunde hat, nimmt 2027 den späten Abend.

MerkmalWert
Aktivitätszeitraum14. – 30. April
MaximumNacht 22./23. April (2027: 3:40 Uhr / 01:40 UTC)
Fallrate (ZHR)rund 18 Meteore/h (IMO-Prognose 2027)
RadiantSternbild Leier, nahe der Wega
Bestes Zeitfenster2027: dunkler Abend bis Mondaufgang gegen 23 Uhr
MutterkörperKomet C/1861 G1 (Thatcher)
Mond 2027stört stark (Vollmond am 20. April, noch ~96 %)

So beobachtest du einen Meteorstrom richtig

Sternschnuppen sind eine Sache für das bloße Auge. Sie queren den Himmel in Sekundenbruchteilen – jedes Fernglas und jedes Teleskop verkleinert dein Blickfeld und lässt dich Meteore verpassen. Technik brauchst du für die Lyriden also keine.

Was du brauchst, ist Dunkelheit und Geduld: raus aus dem Stadtlicht, 20 bis 30 Minuten Zeit für die Dunkeladaption der Augen, und dann flach liegend einen möglichst großen Himmelsausschnitt im Blick. Schau nicht direkt auf den Radianten – die längsten Spuren erscheinen 30 bis 60 Grad daneben.

Und plane in einer Aprilnacht mit mehr Kälte, als das Datum vermuten lässt: Wer zwei Stunden still liegt, friert auch bei zehn Grad. Decke, Mütze und etwas Warmes zu trinken entscheiden darüber, wie lange du durchhältst.

🌠 Sinnvolle Ausrüstung für die Lyriden-Nacht

Für die Meteore selbst brauchst du kein Gerät – das ist keine Bescheidenheit, sondern Physik: Meteore sind zu schnell und zu groß im Bild für Optik.

Zwei Dinge helfen trotzdem, und 2027 mehr als sonst: Bei hellem Mond kommen zwischen den Meteoren lange Pausen, und der Frühlingshimmel ist für Anfänger schwerer zu lesen als der Winterhimmel.

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Antiker Meteorstrom: die Geschichte der Lyriden

Schon 687 v. Chr. beschrieben Beobachter in China einen »Sternenregen« aus dem Radianten des Sternbilds Leier. Damit sind die Lyriden der am längsten dokumentierte Meteorstrom überhaupt – älter als jede schriftliche Erwähnung der Perseiden oder Geminiden.

Heute fällt der Strom deutlich bescheidener aus, überrascht aber gelegentlich mit Ausbrüchen. Die jüngsten Sensationsberichte stammen aus dem Jahr 1922 mit rund 100 Meteoren pro Stunde und aus dem Jahr 1982 mit 90 pro Stunde. Warum diese Spitzen auftreten, ist nicht abschließend geklärt – vorhersagen lassen sie sich nicht.

Die Staubspur, welche die Erdbahn alljährlich kreuzt, hinterlässt der Komet »Thatcher« (C/1861 G1) während seines 415 Jahre dauernden Sonnenumlaufs. Er war zuletzt 1861 in Sonnennähe und kehrt erst um das Jahr 2283 zurück – der Strom, den wir sehen, ist also älteres Material.

Die schwachen Meteorströme im April

Zwischen dem 31. März und dem 2. April sind die »Tau Draconiden« am Nordhimmel aktiv. Der schwache Strom stammt aus dem Radianten des Sternbilds Drache und verglimmt nahezu unbeobachtet: Selbst im Maximum liegt die Fallrate unter 3 Meteoren pro Stunde. Ihr Mutterkörper ist der kurzperiodische Komet 21P/Giacobini-Zinner.

Aus dem Radianten des Sternbilds Jungfrau schwärmen die »April-Virginiden« (Maximum 7./8. April), die »Alpha-Virginiden« und die »Gamma-Virginiden« (beide 14./15. April) über den Himmel. Selbst wenn sich ihre Fallraten überlappen, bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung gering.

Tiefer am Himmel, mit Blickrichtung zur Ekliptik, erglimmen die »Libriden« aus dem Sternbild Waage; ihr stärkstes von mehreren Maxima liegt in der Nacht vom 17. auf den 18. April. Aus dem Sternbild Fische tauchen die »April-Pisciden« vom 20. auf den 21. April auf – allerdings tagsüber, also unbeobachtbar. Die »April-Ursiden« schließlich (Maximum 19./20. April) kommen aus dem Kleinen Bären und erreichen höchstens 2 bis 3 Meteore pro Stunde.

Häufige Fragen zu den Lyriden

Wann sind die Lyriden 2027 zu sehen?

Das Maximum fällt auf die Nacht vom 22. auf den 23. April 2027, rechnerisch gegen 3:40 Uhr (01:40 UTC). Aktiv ist der Strom vom 14. bis zum 30. April, nennenswert aber nur in der Maximumsnacht.

Wie viele Sternschnuppen pro Stunde sind realistisch?

Die IMO-Prognose für 2027 liegt bei einer ZHR von 18 – das ist der Wert für einen ideal dunklen Himmel mit dem Radianten im Zenit. Real siehst du weniger, 2027 wegen des fast vollen Mondes deutlich weniger. Eine Handvoll heller Lyriden in zwei Stunden ist eine gute Bilanz.

Stört der Mond die Lyriden 2027?

Ja, erheblich. Der Vollmond fällt auf den 20. April, in der Maximumsnacht ist der Mond noch zu rund 96 % beleuchtet und geht gegen 23 Uhr auf. Nutze deshalb den dunklen Abend davor, auch wenn der Radiant da noch tief steht.

Brauche ich ein Teleskop für die Lyriden?

Nein. Meteore beobachtest du mit bloßem Auge über einen großen Himmelsausschnitt. Fernglas und Teleskop sind für die Objekte des Frühlingshimmels zwischen den Meteoren gedacht, nicht für die Sternschnuppen selbst.

Woher kommt der Name »Lyriden«?

Vom Sternbild Leier (lateinisch Lyra), in dem der Radiant liegt – der Punkt, aus dem die Meteore perspektivisch alle zu kommen scheinen. Er steht nahe der hellen Wega und ist deshalb leicht zu finden.

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