Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Die Leier auf einen Blick: ein kleines, aber markantes Sommersternbild, das an Sommerabenden fast senkrecht über Deutschland steht. Ihr Hauptstern Wega ist einer der hellsten Sterne des Himmels – und mitten in der Leier verbirgt sich mit dem Ringnebel M57 das wohl schönste Teleskop-Ziel für Einsteiger.
Die Leier (lateinisch Lyra) ist zwar eines der kleinsten Sternbilder am Himmel – aber eines der lohnendsten. Auf engem Raum drängen sich hier ein Stern der Superlative, ein berühmter Vierfachstern zum Austesten deines Teleskops und ein sterbender Stern, der als leuchtender Rauchring durchs All treibt.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Leier findest, welche Schätze in ihr stecken und mit welcher Ausrüstung du sie am besten beobachtest.
Steckbrief: Das Sternbild Leier
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Lateinischer Name | Lyra (Lyr) |
| Hauptstern | Wega (α Lyrae), 0,03 mag |
| Bekannteste Objekte | Ringnebel M57, Doppeldoppelstern ε Lyrae |
| Größe | 286 Quadratgrad (Rang 52 von 88) |
| Beste Sichtbarkeit | Juni bis Oktober, im Hochsommer im Zenit |
| Sichtbar von | ganz Deutschland, Österreich, Schweiz |
| Nachbarsternbilder | Schwan, Herkules, Drache, Füchschen |
Wo und wann finde ich die Leier?

Die Leier ist ein klassisches Sommersternbild. Schon ab April klettert sie am späten Abend über den Osthorizont, den ganzen Sommer über steht sie hoch im Zenit – du musst also fast senkrecht nach oben schauen.
Der einfachste Weg führt über ihren Hauptstern: Wega ist so hell, dass du sie sofort erkennst. Sie bildet gemeinsam mit Deneb im Schwan und Atair im Adler das auffällige Sommerdreieck – die drei hellsten Sterne des Sommerhimmels. Wega ist dabei die hellste und westlichste der drei.
Direkt unterhalb von Wega erkennst du ein kleines, schiefes Parallelogramm aus vier schwächeren Sternen. Das ist der Körper der Leier – die Form prägt sich schnell ein.
| Monat | Sichtbarkeit der Leier |
|---|---|
| April/Mai | spätnachts tief im Osten |
| Juni–August | die ganze Nacht, im Hochsommer im Zenit |
| September/Oktober | abends hoch im Westen |
| Winter | nicht sichtbar (Tagsonne) |
Zum ersten Erkunden reicht das bloße Auge. Wer die Umgebung von Wega absuchen und die Milchstraße gleich mitgenießen will, greift zum Fernglas – das perfekte Einstiegswerkzeug:
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Die Sterne der Leier
Wega (α Lyrae) ist der Star des Sternbilds – im wörtlichen Sinn. Mit 0,03 mag ist sie der fünfthellste Stern des gesamten Nachthimmels und nur rund 25 Lichtjahre entfernt. Ihr bläulich-weißes Licht diente Astronomen lange als Nullpunkt der Helligkeitsskala. Alles über diesen Ausnahmestern liest du im Porträt zu Wega.
Sheliak (β Lyrae) ist ein faszinierender Bedeckungsveränderlicher: Zwei Sterne umkreisen sich so eng, dass sie sich gegenseitig verdecken – alle 12,9 Tage schwankt die Helligkeit sichtbar. Vergleiche Sheliak über ein, zwei Wochen mit dem benachbarten Sulafat, und du siehst den Unterschied mit bloßem Auge.
Sulafat (γ Lyrae) markiert die untere Ecke des Parallelogramms und leuchtet konstant bei 3,3 mag. Zusammen mit Sheliak bildet sie die „Basis“ der Leier. Die weiteren Ecksterne Delta und Zeta vervollständigen die charakteristische Form.
Epsilon Lyrae: der berühmte Doppeldoppelstern
Direkt neben Wega steht mit Epsilon Lyrae eines der beliebtesten Testobjekte der Amateurastronomie. Schon im Fernglas zerfällt der Stern in zwei Lichtpunkte. Das eigentliche Wunder zeigt aber erst das Teleskop: Jeder der beiden Sterne ist selbst wieder ein Doppelstern – ein Vierfachsystem, der „Double Double“.
Genau deshalb lieben Sternfreunde Epsilon Lyrae: Ob dein Teleskop alle vier Sterne sauber trennt, ist der klassische Test für seine optische Schärfe und ruhige Luft. Ab etwa 60 mm Öffnung und 100-facher Vergrößerung gelingt die Trennung in einer ruhigen Nacht.
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Zum AngebotRingnebel M57 – das Juwel der Leier

Genau in der Mitte zwischen den beiden unteren Parallelogramm-Sternen Sheliak und Sulafat liegt das Highlight der Leier: der Ringnebel M57. Es ist ein planetarischer Nebel – die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns, der einst unserer Sonne ähnelte.
Von der Erde aus blicken wir genau durch die Röhre dieser Hülle und sehen sie deshalb als perfekten, leuchtenden Rauchring. In etwa 5 bis 6 Milliarden Jahren wird auch unsere Sonne ein solches Schauspiel bieten.
Wichtig vorab: Mit bloßem Auge oder Fernglas bleibt M57 unsichtbar – der Nebel ist dafür zu klein und zu lichtschwach. Um den Ring zu sehen, führt kein Weg am Teleskop vorbei.
So siehst du M57 selbst: Der Ringnebel ist zwar klein, aber schon in einem Teleskop ab etwa 100 mm Öffnung als winziges, graues Rauchringlein erkennbar. Je größer die Öffnung, desto deutlicher tritt die Ringform hervor. Wichtig ist ein möglichst dunkler Himmel abseits der Stadtlichter. Fotografisch entfaltet M57 dann seine ganze Farbenpracht – ein dankbares Ziel für die Deep-Sky-Fotografie.
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Noch mehr Schätze in der Leier
Kugelsternhaufen M56: Zwischen der Leier und dem Schwan versteckt sich dieser dichte Ball aus hunderttausenden Sternen – im Teleskop ein neblig-körniger Fleck, ein schöner Kontrast zum Ringnebel.
RR Lyrae: Dieser unscheinbare Stern ist der Namensgeber einer ganzen Sternklasse. RR-Lyrae-Sterne pulsieren mit extrem regelmäßigem Takt und dienen Astronomen als „Standardkerzen“, um Entfernungen im Universum zu messen.
Die Lyriden: Jedes Jahr um den 22. April scheinen Sternschnuppen aus der Leier zu strömen – die Lyriden, einer der ältesten bekannten Meteorströme überhaupt.
Die Mythologie: Orpheus und seine Leier
Der Legende nach gehörte die Leier dem begnadeten Sänger Orpheus. Sein Spiel war so betörend, dass es wilde Tiere zähmte und sogar Steine zum Weinen brachte.
Als seine Frau Eurydike an einem Schlangenbiss starb, stieg Orpheus mit seiner Leier in die Unterwelt hinab. Seine Musik rührte selbst den Totengott Hades – er durfte Eurydike zurück ins Leben führen, unter einer Bedingung: sich auf dem Weg nach oben kein einziges Mal umzudrehen. Im letzten Moment siegte der Zweifel, Orpheus blickte zurück – und verlor Eurydike für immer. Zum Andenken versetzten die Götter seine Leier als Sternbild an den Himmel.
Beobachtungstipps: So holst du das Meiste aus der Leier
Gib deinen Augen Zeit. Erst nach 20 bis 30 Minuten in der Dunkelheit erreichen deine Augen die volle Empfindlichkeit (Dunkeladaption). Meide in dieser Zeit helles Licht – und nutze für die Sternkarte am Handy den Nachtmodus oder eine rote Folie über der Taschenlampe.
Nutze das indirekte Sehen. Lichtschwache Objekte wie der Ringnebel M57 erscheinen deutlicher, wenn du nicht direkt draufschaust, sondern leicht daneben. Diese Technik des „averted vision” nutzt die empfindlicheren Randbereiche der Netzhaut – ein echter Geheimtipp für Nebel und Galaxien.
Wähle die richtige Nacht. Am besten beobachtest du bei Neumond und klarer, ruhiger Luft. Vollmondnächte hellen den Himmel auf und lassen M57 fast verschwinden. Und je weiter du der Lichtverschmutzung der Stadt entkommst, desto mehr Sterne und Details zeigt dir die Leier.
Leier fotografieren. Schon mit Kamera und Stativ fängst du Wega und das Sommerdreieck über der Landschaft ein. Für den Ringnebel selbst brauchst du eine Nachführung und etwas Übung – wie du einsteigst, zeigt unser Guide zur Deep-Sky-Fotografie. Auch die Technik der Mondfotografie hilft dir, das Zusammenspiel von Brennweite und Belichtung zu verstehen.
Häufige Fragen zur Leier
Wie heißt der hellste Stern im Sternbild Leier?
Der hellste Stern ist Wega (α Lyrae) mit 0,03 mag – zugleich der fünfthellste Stern des gesamten Nachthimmels und nur rund 25 Lichtjahre entfernt.
Wann und wo sieht man die Leier in Deutschland?
Von Juni bis Oktober. Im Hochsommer steht sie nachts fast senkrecht über uns (im Zenit). Du findest sie über den hellen Stern Wega, den westlichsten Punkt des Sommerdreiecks.
Was ist der Ringnebel M57?
Ein planetarischer Nebel – die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns. Wir blicken genau durch die Röhre der Hülle und sehen sie als leuchtenden Ring. Er liegt mittig zwischen den beiden unteren Sternen der Leier und ist ab ca. 100 mm Teleskopöffnung erkennbar.
Warum ist Epsilon Lyrae so besonders?
Es ist ein Vierfachsystem – der „Double Double“. Schon im Fernglas trennt sich der Stern in zwei Punkte, im Teleskop wird jeder davon nochmals zum Doppelstern. Ein klassischer Test für die Schärfe deiner Optik.
Welches Teleskop brauche ich für die Leier?
Für Wega und das Sommerdreieck reicht das bloße Auge oder ein Fernglas. Um Epsilon Lyrae aufzuspalten, genügt ein kleines Teleskop ab 60–70 mm. Für den Ringnebel M57 als deutlichen Ring empfehlen sich ab 100–130 mm Öffnung.
