Sternbild Stier

Sternbild Stier
Foto: ESO, IAU and Sky & Telescope, CC BY 4.0 (via Wikimedia Commons)

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

Das Sternbild Stier (lateinisch Taurus) ist ein Tierkreissternbild am Winterhimmel, das man an seinem V-förmigen Gesicht aus den Hyaden mit dem rötlichen Aldebaran und an den Plejaden darüber erkennt. Von Mitteleuropa aus steht es von November bis März abends hoch im Süden.

Von Mitteleuropa aus kann das Sternbild Stier in den Wintermonaten am schönsten gesehen werden. Es gehört zu den Sternbildern der Ekliptik, wodurch es teilweise am südlichen, teilweise am nördlichen Sternenhimmel sichtbar ist. Berühmte Deep Sky-Objekte sind die Plejaden (Kopf des Sternbilds, offener Sternhaufen) und die viel älteren Hyaden, ein sehr sternenreicher offener Sternhaufen. Nebel und ein Asterismus sowie mehrere gut sichtbare Doppelsterne sind viel beschriebene Beobachtungsobjekte für Hobby- und Berufsastronomen. Am schnellsten findest du den Stier über den Orion: Die drei Gürtelsterne nach rechts oben verlängert treffen nach rund 21° auf den rötlichen Aldebaran, das Auge des Stiers.

Deep-Sky-Objekte und Doppelsterne im Stier

Der Stier ist für Einsteiger eines der dankbarsten Wintersternbilder: Zwei der berühmtesten offenen Sternhaufen überhaupt stehen hier, dazu eine ganze Reihe Doppelsterne, die schon ein kleines Teleskop trennt. Ein offener Sternhaufen ist eine Gruppe von Sternen, die gemeinsam aus derselben Gaswolke entstanden sind und noch locker zusammenbleiben.

Die Plejaden (M45, das Siebengestirn) bilden den auffälligen kleinen Sternhaufen über dem Rücken des Stiers – mit bloßem Auge sechs bis sieben Sterne, im Fernglas Dutzende. Die Hyaden formen das V-förmige Gesicht des Stiers und sind mit rund 600 Millionen Jahren deutlich älter und mit 150 Lichtjahren der uns nächste offene Sternhaufen überhaupt. Der rötliche Aldebaran scheint dazuzugehören, steht in Wirklichkeit aber nur halb so weit weg und zufällig in derselben Blickrichtung.

Theta und Sigma Tauri – Doppelsterne in den Hyaden

Theta Tauri ist der bekannteste Doppelstern der Hyaden und schon mit bloßem Auge in zwei Sterne zu trennen: Theta 1 und Theta 2 stehen 337 Bogensekunden auseinander. Räumlich liegen jedoch rund vier Lichtjahre zwischen ihnen – sie umkreisen einander nicht, sondern gehören beide zum Hyaden-Haufen und stehen zufällig fast in derselben Richtung. Spektroskopische Messungen zeigen allerdings, dass jede der beiden Komponenten für sich noch einmal ein enges Paar ist. Im Teleskop bleiben es zwei Punkte, physikalisch sind es vier Sterne.

Sigma Tauri steht mit 429 Bogensekunden Abstand noch weiter auseinander und ist ebenfalls leicht zu trennen. Auch hier gilt: zwei eigenständige Hyaden-Mitglieder in rund 155 Lichtjahren Entfernung, keine gravitativ gebundene Paarung. Beide Fälle zeigen anschaulich den Unterschied zwischen einem optischen und einem physischen Doppelstern – ein Unterschied, den man am Okular nicht sehen, sondern nur ausmessen kann.

Tau, Phi und Delta Tauri – drei Systeme für kleine Teleskope

Tau Tauri ist ein Dreifachsystem. Der Hauptstern Tau Tauri A leuchtet mit 4,3 mag und lässt sich vom blasseren Begleiter Tau Tauri C in 63 Bogensekunden Abstand gut trennen. Der Hauptstern selbst hat noch einen dritten Partner in so engem Umlauf, dass ihn kein Teleskop zeigt.

Phi Tauri gelingt noch leichter: 52,1 Bogensekunden Abstand, dabei ein deutlicher Helligkeitsunterschied von über 3 mag. Der Hauptstern ist ein oranger Riese und überstrahlt seinen Begleiter erheblich – gerade dieser Kontrast macht das Paar im Okular reizvoll.

Delta Tauri ist eher eine Familie als ein Doppelstern. Delta 1 trägt den traditionellen Namen Eudora, ist ein oranger Riese mit der 74-fachen Sonnenleuchtkraft und hat in 107 Bogensekunden einen nur optischen Begleiter – dafür aber einen echten, gravitativ gebundenen Partner, der ihn in 530 Tagen auf einer stark exzentrischen Bahn umläuft. Delta 3 Tauri, traditionell Cleeia, ist für sich genommen wieder ein Dreifachsystem. Alle gehören zu den Hyaden und tragen deshalb Namen aus der griechischen Sage vom Regengestirn.

NGC 1746 und NGC 1647 – ein Trugbild und ein echter Sternhaufen

NGC 1746 ist ein lehrreicher Fall. Der deutsch-dänische Astronom Heinrich Louis d’Arrest beschrieb 1863 an dieser Stelle einen offenen Sternhaufen und trug ihn in den New General Catalogue ein. Heute gilt er als Asterismus: eine zufällige Anordnung von Sternen, die einem Haufen ähnelt, ohne einer zu sein. Die Sterne stehen zwar in derselben Blickrichtung, liegen räumlich aber teils hunderte oder tausende Lichtjahre auseinander. Schön anzusehen ist die Gruppe trotzdem.

NGC 1647 dagegen ist echt: ein junger offener Sternhaufen in 1.800 Lichtjahren Entfernung, erst rund 150 Millionen Jahre alt und damit ein Viertel so alt wie die Hyaden. Er steht in der Nähe von Aldebaran und kommt mit 6,4 mag knapp unter die Sichtbarkeitsgrenze fürs bloße Auge – auch deshalb, weil interstellarer Staub auf dem Weg einen Teil seines Lichts schluckt. Im Fernglas ist er ein lohnendes Ziel. Forschungsinteressant ist er wegen eines Systems aus zwei Roten Zwergen, die sich gegenseitig bedecken: Aus dem Verlauf der Helligkeitsschwankung lassen sich Radius und Masse dieser sehr leichten Sterne direkt bestimmen.

NGC 1807 und NGC 1817 – das ungleiche Paar

Diese beiden stehen so dicht beieinander, dass man sie im Übersichtsokular gemeinsam ins Bild bekommt – ein dankbares Ziel, wenn die hellen Klassiker im Stier abgehakt sind.

NGC 1807 ist mit 17 Bogenminuten der ausgedehntere und lockerere der beiden: rund acht helle und sechs bis acht schwächere Sterne in einer unregelmäßigen Anordnung, die Beobachter gern mit ausgebreiteten Armen vergleichen. Im Zentrum sitzt ein enger Doppelstern. Bei etwa 100-facher Vergrößerung ist die Struktur gut aufgelöst. Ob NGC 1807 überhaupt ein echter Sternhaufen ist oder wie NGC 1746 nur eine zufällige Gruppierung, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

NGC 1817 liegt nur ein knappes Grad weiter östlich, ist kompakter, aber mit rund 70 Sternen deutlich reicher. Schon 50-fache Vergrößerung zeigt erste Einzelsterne, viele der schwächeren bleiben aber körnig-neblig. Am westlichen Rand fallen drei Sterne auf, die einen kleinen Bogen bilden; ansonsten wirkt der Haufen gleichmäßig oval und bis zum Rand hin gleich hell.

Welche Deep-Sky-Objekte in welcher Jahreszeit sichtbar sind und ab welcher Teleskopöffnung sich der Blick lohnt, steht gebündelt in unserer Übersicht Deep-Sky-Objekte: Katalog und Sichtbarkeit. Für den Einstieg reicht im Stier oft schon ein Fernglas – Plejaden und Hyaden sind sogar zu groß für die meisten Teleskope.

Deutungen des Sternbilds Stier in der Antike

Der bekannteste Mythos um das Sternbild Stier ist jener aus dem antiken Griechenland. Der Göttervater Zeus soll Europa, die Tochter des Königs Agenor (Phönizien), in Gestalt eines Stiers nach Kreta entführt und dort mit ihr unter einem Olivenbaum drei Kinder gezeugt haben. Der Kontinent Europa ist nach dieser Mythologie benannt. Teil jener antiken »Familiengeschichte« ist auch das Deep Sky-Objekt der Hyaden, die laut Legende Töchter von Atlas sind, welche als »Regengestirn« auf der Ekliptik noch immer ihren Bruder betrauern. Der offene Sternhaufen der Plejaden zeigt dagegen Atlas mit Gemahlin und weitere seiner Töchter am Sternenhimmel.

Andere Mythen um das geschichtsträchtige Sternbild Stier entspringen den Sumerern. Dort zeigen die Hauptsterne auf der Ekliptik den Kampf des Himmelsstiers gegen König Gilgamesch. Spätere Mythenforscher benennen das Zeichen des Tierkreises nach »Taurus« im ewigen Widerstreit gegen den Jäger »Orion«. Möglicherweise existiert auch ein mythologischer Zusammenhang des »Stiers« am nördlichen Sternenhimmel zum südlichen Sternbild »Zentaur«. Nachgewiesen wurde dies bislang nicht. Heute gebräuchliche Sternennamen sowie die Deutung einiger Deep SkyObjekte (z.B. der auffälligen, offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden) beziehen sich auf die jüngere, griechische Mythologie und werden von der modernen Astronomie so weitergeführt.

Bedeutsame historische Beobachtungen im Sternbild Stier

Wie die meisten Sternbilder, so nutzten frühere Hochkulturen auch das Sternbild Stier zur Wetter- und Schicksalsprognose. Der offene Sternhaufen der Hyaden trägt auch den Namen »Regengestirn« wegen seines Aufgangs allabendlich im Herbst zu Beginn von Regenzeiten. Die offenen Sternhaufen der Hyaden und Plejaden gelten außerdem als »Goldenes Tor der Ekliptik«. Die Entstehung des heutigen Deep Sky-Objektes »Krebsnebel« (Messier 1) ist Folge eines »Sternentods«. Die zugehörige Supernova wurde von chinesischen Astronomen 1054 mit bloßem Auge am Sternenhimmel beobachtet und niedergeschrieben.

🔭 Aktuell im Stier: Uranus erreicht am 26. November 2026 seine Opposition und steht dabei rund 5° südöstlich der Plejaden. Aufsuchkarte und alle Termine im Sternenhimmel im November 2026.