Lochkamera für die Sonnenfinsternis basteln: Anleitung, Maße und Formel

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 22. September 2026

Eine Lochkamera für die Sonnenfinsternis (Camera obscura) ist ein dunkler Karton oder eine Röhre mit einem winzigen Loch, durch das die Sonne ihr eigenes Bild auf einen weißen Schirm wirft. Du schaust auf das Bild, nie in die Sonne – und das Sonnenbild ist rund 1/108 so groß wie der Abstand zwischen Loch und Schirm.

⭐ Kurz gesagt
Für die partielle Sonnenfinsternis am 2. August 2027 reicht eine Lochkamera, um die Sichel sicher zu sehen – aber nur, wenn sie lang genug ist. Im Schuhkarton wird die Sonne gerade 3 mm groß; eine 1-Meter-Röhre, ein Nudelsieb oder ein Spiegel an der Hauswand zeigen deutlich mehr. Eine „selbst gebaute Sonnenfinsternis-Brille“ gibt es dagegen nicht: Wer direkt hinschauen will, braucht eine Brille nach ISO 12312-2.
Schatten eines Nudelsiebs auf weißem Karton während der Sonnenfinsternis: jedes Loch projiziert eine kleine Sonnensichel
Jedes Loch eines Nudelsiebs ist eine eigene Lochkamera: Dutzende Sonnensicheln bei der Finsternis am 12. August 2026. Foto: Andy Li, CC0 (via Wikimedia Commons).

Sonnenfinsternis-Brille selber bauen: Warum das gefährlich ist

„Sonnenfinsternis-Brille selber bauen“ ist eine der häufigsten Suchen vor jeder Finsternis. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt kein Haushaltsmaterial, das die Sonne ausreichend und gleichmäßig abschwächt. Eine zertifizierte Brille lässt nur etwa ein Hunderttausendstel des Lichts durch und blockt zugleich Infrarot und UV.

🔴 Diese „Sofi-Brillen“ sind ungeeignet – ohne Ausnahme
  • Rettungsdecke: Die Folie ist ungleichmäßig bedampft, hat Knicke und Mikrorisse und lässt Infrarot durch.
  • Sonnenbrille, auch mehrere übereinander: rund zehntausendfach zu hell.
  • CD oder DVD: Die Beschichtung ist hauchdünn und nicht für Sonnenlicht gemacht.
  • Röntgenfilm, belichteter Film, Negativstreifen: Schwärzung unbekannt, Infrarot kommt durch.
  • Berußtes oder geschwärztes Glas: Der Ruß ist nie gleichmäßig, und er wischt sich ab.
  • Schweißerglas: nur Schutzstufe 14 wäre ausreichend, übliche Hobby-Schweißschirme liegen darunter.
Und: Niemals durch das Loch einer Lochkamera in die Sonne schauen – das Loch ist kein Filter. Netzhautschäden durch die Sonne tun nicht weh und zeigen sich oft erst Stunden später.

Sicher sind genau zwei Wege: eine Brille nach EN ISO 12312-2 für den direkten Blick oder eine Projektion, bei der du mit dem Rücken zur Sonne auf ein Bild schaust. Die Lochkamera ist die einfachste Projektion, die es gibt – und sie kostet nichts.

So funktioniert die Lochkamera: Strahlengang und Formel

Jeder Punkt der Sonnenscheibe schickt ein dünnes Lichtbündel durch das Loch. Auf dem Schirm dahinter setzen sich diese Bündel zu einem Bild der Sonne zusammen – auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt.

Bildgröße ≈ f ÷ 108 weil die Sonne 0,53° groß ist Loch (≈ 1 mm) Sonne (teilweise vom Mond bedeckt) Schirm: Bild steht Kopf Abstand f
Strahlengang der Lochkamera (nicht maßstäblich). Die Sichel erscheint auf dem Schirm um 180° gedreht. Grafik: Sterngucker.de

Die Sonne erscheint uns unter einem Winkel von etwa 0,53 Grad. Daraus folgt eine einfache Faustformel: Bildgröße = Abstand Loch–Schirm ÷ 108.

Das Loch selbst darf nicht zu groß sein, sonst verschwimmt die Sichel. Der ideale Lochdurchmesser liegt bei ungefähr 0,037 × √Abstand (beides in Millimetern) – bei einem Meter also gut 1 mm.

BauformAbstandSonnenbildIdeales Loch
Chipsdose23 cm2,1 mm0,6 mm
Schuhkarton33 cm3,1 mm0,7 mm
Umzugskarton60 cm5,6 mm0,9 mm
Karton-Röhre1 m9,3 mm1,2 mm
Lange Röhre2 m18,5 mm1,6 mm
Spiegel an Hauswand5 m4,6 cmSpiegel 1–2 cm
Spiegel im Klassenzimmer10 m9,3 cmSpiegel 1–2 cm
Von uns gerechnet: Bildgröße = Abstand ÷ 108, ideales Loch = 0,037 × √Abstand (mm). Hervorgehoben ist das beste Verhältnis aus Aufwand und Bildgröße.
Tipp: Der Lochrand verschmiert das Bild ungefähr um den Lochdurchmesser. Ein 1-mm-Nadelloch im Schuhkarton macht aus der 3-mm-Sonne einen unscharfen Fleck – deshalb lohnt sich jeder Zentimeter mehr Abstand.

Schuhkarton-Lochkamera bauen: Anleitung in 7 Schritten

Der Schuhkarton ist der Klassiker, weil ihn jeder zu Hause hat. Nimm den längsten Karton, den du findest – ein Stiefelkarton ist besser als ein Kinderschuhkarton.

MaterialWofürErsatz
Schuhkarton mit DeckelDunkelkammerUmzugskarton, Versandkarton
Alufolie (ca. 5×5 cm)Lochblendedünner Karton, Getränkedose
Stecknadel oder Reißzweckedas Lochdünne Nähnadel
Weißes PapierProjektionsschirmDruckerpapier, Backpapier
Klebeband, Schere/CutterZusammenbauPaketband
Schwarzes Papier oder FilzstiftStreulicht schlucken (optional)dunkle Farbe
  1. Schirm einkleben: Weißes Papier innen auf eine der schmalen Stirnseiten kleben.
  2. Fenster schneiden: In die gegenüberliegende Stirnseite ein Quadrat von etwa 3×3 cm schneiden, möglichst am Rand.
  3. Blende aufkleben: Alufolie glatt über das Fenster spannen und rundum festkleben.
  4. Loch stechen: Mit der Nadel ein einziges, rundes Loch mitten in die Folie drücken – nicht bohren, nicht weiten. Ziel: 0,5 bis 1 mm.
  5. Guckloch schneiden: Neben der Blende (auf derselben Seite oder seitlich) ein Loch von etwa 2×3 cm für ein Auge schneiden.
  6. Abdichten: Deckel drauf und alle Ritzen mit Klebeband schließen. Je dunkler der Innenraum, desto kontrastreicher die Sichel.
  7. Ausrichten: Stell dich mit dem Rücken zur Sonne, halte die Blende Richtung Sonne und kipp den Karton, bis der Schatten des Kartons am kleinsten ist. Dann schau durchs Guckloch auf den Schirm.
Häufiger Fehler: Wer das Sonnenbild nicht findet, schaut zur Sonne, um nachzuzielen. Zielen geht über den Schatten des Kartons, nie über den Blick nach oben – der kleinste Schatten heißt: Die Kamera zeigt genau auf die Sonne.

Am 2. August 2027 steht die Sonne zur Finsternismitte zwischen 45 und 53 Grad hoch (von uns gerechnet für Köln bis Wien). Du musst den Karton also steil nach oben halten – ein Stativ, ein Stuhl oder eine Hauswand zum Anlehnen nimmt dir die Arbeit ab.

Karton-Röhre oder Chipsdose: Lochkamera mit größerem Bild

Mehr Abstand bedeutet ein größeres Bild. Die beste Bastelvariante ist deshalb eine lange Röhre: ein Versandrohr für Poster, zwei zusammengeklebte Küchenpapierrollen-Stapel oder ein aus Karton gerolltes Rohr.

  • Röhre (1–2 m): Vorne Alufolie mit Loch (1–1,5 mm), hinten ein Deckel mit weißem Papier. Seitlich kurz vor dem Ende ein Guckfenster schneiden. Ergebnis: 9 bis 18 mm Sonne, groß genug für eine klare Sichel.
  • Chipsdose: Boden mit Nadel lochen, Backpapier als Schirm unter den Plastikdeckel klemmen, Dose mit Alufolie umwickeln. Du schaust von hinten auf das durchscheinende Backpapier. Ergebnis: rund 2 mm – als Bastelspaß gut, als Beobachtungsgerät knapp.
  • Klorolle: Funktioniert nach demselben Prinzip, zeigt bei 10 cm Länge aber nur einen Millimeter Sonne. Für Kinder als Einstieg, nicht für die Finsternis selbst.

Bei einer Röhre stört Tageslicht, das neben dem Kopf auf den Schirm fällt. Ein dunkles Tuch über Kopf und Guckfenster wirkt wie beim alten Großformat-Fotografen und verdoppelt gefühlt den Kontrast.

Nudelsieb, Lochblech und Blätterschatten: Lochkamera ohne Basteln

Jedes kleine Loch ist eine Lochkamera. Ein Nudelsieb, eine Schaumkelle oder ein Lochblech projiziert Dutzende Sicheln auf einmal – ganz ohne Karton.

Frau hält einen Siebeinsatz in die Sonne und fängt die projizierten Sonnensicheln auf einem weißen Karton auf
Der Nudelsieb-Trick: Sieb in die Sonne halten, 50 bis 100 cm darunter einen weißen Karton. Foto: Andy Li, CC0 (via Wikimedia Commons).
  • Nudelsieb: Karton oder Papier etwa einen Meter unter das Sieb halten. Je weiter weg, desto größer und blasser die Sicheln.
  • Selbst gestanzte Botschaft: Mit einer Nadel ein Muster oder einen Namen in einen Karton stechen – bei der Finsternis besteht jeder Buchstabe aus kleinen Sicheln. Ein schönes Foto für die Schule.
  • Blätterschatten: Die Lücken zwischen Blättern wirken wie Lochblenden. Unter einem Laubbaum erscheinen am Boden Hunderte Sicheln, am besten auf hellem Pflaster.
  • Fingergitter: Die Finger beider Hände über Kreuz legen – die Lücken projizieren kleine Sicheln auf den Boden.
Tipp: Schau vor der Finsternis an einem normalen Sonnentag unter einen Baum. Die runden Lichtflecken im Schatten sind lauter Sonnenbilder – bei der Finsternis werden genau sie zu Sicheln.

Spiegel-Projektion: das größte Sonnenbild für Gruppen

Die Spiegel-Projektion dreht das Prinzip um. Ein kleiner Spiegel wirft ein Sonnenbild an eine schattige Wand, und der Spiegel wirkt dabei wie das Loch: Je weiter die Wand, desto größer das Bild.

  1. Spiegel abkleben: Einen Taschen- oder Kosmetikspiegel mit Papier abdecken, sodass nur ein Kreis von 1 bis 2 cm frei bleibt.
  2. Aufstellen: Den Spiegel in die Sonne legen, etwa auf eine Fensterbank oder in Knete gesteckt, und den Lichtfleck auf eine schattige, helle Wand lenken.
  3. Abstand wählen: Bei 5 m wird die Sonne gut 4,5 cm groß, bei 10 m über 9 cm – genug, dass eine ganze Klasse gleichzeitig zuschaut.
Achtung: Der Lichtstrahl eines Spiegels blendet. Richte ihn nie auf Gesichter, Fenster von Nachbarn oder die Straße, und schau selbst nicht in den Spiegel.

Lochkamera mit Kindern und in der Schule: Projekt zum 2. August 2027

Die Lochkamera ist das ideale Kinderprojekt, weil niemand in die Sonne schauen muss. Der 2. August 2027 ist ein Montag und fällt je nach Bundesland in die Sommerferien – bauen lässt sich die Kamera aber schon vorher im Unterricht.

  • Formel nachmessen: Kinder bauen Kameras mit 30, 60 und 100 cm Länge, messen das Sonnenbild und prüfen, ob Abstand ÷ 108 stimmt.
  • Sichel zeichnen: Alle zehn Minuten die Sichel auf dem Schirm nachzeichnen – so entsteht ein Protokoll der ganzen Finsternis.
  • Kopfstand erklären: Warum steht die Sichel auf dem Schirm verkehrt herum? Die Grafik oben liefert die Antwort.

Wer danach mehr basteln will, findet bei uns ein Sonnensystem-Modell zum Ausdrucken und Basteln. Die Aufsicht bleibt Pflicht: Kleine Kinder schauen gern „mal kurz“ durch das Loch nach oben.

Für Schulklasse und Familie: Omegon Sonnenfinsternis-Brille Sofi Solar Safe, 5er-Pack

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Fünf zertifizierte Brillen nach ISO 12312-2: Die Lochkamera zeigt das Bild, die Brille den direkten Blick. Bei einer Gruppe braucht jedes Kind seine eigene – geteilte Brillen verleiten zum Blick ohne Schutz.

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Wann du die Lochkamera 2027 brauchst: Zeiten und Bedeckung

Die Finsternis läuft am Vormittag des 2. August 2027 zwischen etwa 10 und 12:15 Uhr MESZ. Je weiter südwestlich du bist, desto schmaler wird die Sichel.

OrtBeginnMaximumEndeBedeckungSonnenhöhe
Freiburg im Breisgau10:0511:0712:1252,8 %47°
München10:0911:1112:1650,5 %50°
Köln10:0911:0712:0742,3 %45°
Berlin10:1811:1412:1134,0 %48°
Hamburg10:1711:1112:0632,2 %46°
Zeiten in MESZ, von uns gerechnet (Skyfield/DE421, Genauigkeit rund eine Minute). Weitere Orte auf der Seite zur Sonnenfinsternis 2027.

Bei rund einem Drittel Bedeckung in Norddeutschland ist die Sichel in der Lochkamera gut zu erkennen, im Südwesten fehlt der Sonne sogar über die Hälfte. Alle Orte, die Totalitätszone in Südspanien und Nordafrika stehen auf unserer Seite zur Sonnenfinsternis am 2. August 2027.

Lochkamera oder Sofi-Brille: was du wirklich brauchst

Die Lochkamera zeigt die Finsternis, die Brille zeigt den Himmel. Am schönsten ist beides zusammen: Die Kamera für das gemeinsame Bild und die Messung, die Brille für den Blick auf die echte Sonne.

MethodeWas du siehstKostenFür wen
Lochkamera, Nudelsiebkleines Sonnenbild, Sichel erkennbar0 €Kinder, Schule, spontan
Spiegel-Projektiongroßes Bild an der Wand0 €Gruppen, Klassenzimmer
Sofi-Brille ISO 12312-2⭐ Unsere Empfehlungdie echte Sonne mit bloßem Auge5 €jeden, der hinschauen will
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Wie du Fernglas oder Teleskop mit Folie sicher auf die Sonne richtest, steht in unserem Ratgeber Sonne sicher beobachten. Wichtig: Der Filter gehört immer vorn auf die Öffnung, und eine Lochkamera lässt sich nie mit einem Fernglas kombinieren.

Noch mehr Optik zum Anfassen: Welche Präparate sich für zu Hause eignen und was du bei 40- bis 400-fach wirklich siehst, steht in Mikroskopieren für Einsteiger.

Häufige Fragen zur Lochkamera bei der Sonnenfinsternis

Wie groß muss das Loch in der Lochkamera sein?

Für einen Schuhkarton reichen 0,5 bis 0,7 mm, also ein sauberer Stecknadelstich. Bei einer Röhre von einem Meter sind gut 1 mm ideal, bei zwei Metern etwa 1,6 mm. Ein zu großes Loch macht das Bild hell, aber unscharf.

Darf ich durch das Loch direkt zur Sonne schauen?

Nein, niemals. Das Loch schwächt das Sonnenlicht nicht ab, es bündelt es nur zu einem Bild. Du schaust ausschließlich auf den Schirm im Karton, mit dem Rücken zur Sonne.

Warum sehe ich in der Lochkamera nur einen winzigen Punkt?

Weil das Sonnenbild nur ein Hundertachtel des Abstands misst. In einem 30-cm-Karton sind das 3 mm. Abhilfe schaffen eine längere Röhre, ein Nudelsieb mit einem Meter Abstand oder die Spiegel-Projektion.

Funktioniert eine Camera obscura auch bei Wolken?

Nur, wenn die Sonne einen Schatten wirft. Bei dünnen Schleierwolken wird das Bild blasser, bei geschlossener Bewölkung ist nichts zu sehen. Dann hilft nur ein Livestream.

Kann ich die Sichel in der Lochkamera fotografieren?

Ja: Fotografiere den Schirm durch das Guckloch oder das Siebmuster auf dem Karton. Richte das Handy dabei nicht auf die Sonne selbst, das schadet dem Sensor.

Ist Schweißerglas als Sonnenfinsternis-Brille geeignet?

Nur mit Schutzstufe 14, und die haben die wenigsten zu Hause. Übliche Schweißschirme für Heimwerker liegen darunter und sind zu hell. Eine zertifizierte Sofi-Brille kostet wenige Euro und ist die sicherere Wahl.

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