Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. September 2026
Der Drache (lateinisch Draco) ist ein großes, lang gewundenes Sternbild des Nordhimmels, das sich zwischen Großem und Kleinem Wagen hindurchschlängelt. Mit 1.083 Quadratgrad ist er das achtgrößte der 88 Sternbilder und geht von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus nie unter. Sein hellster Stern Eltanin erreicht 2,2 mag.

Auf einen Blick
| Lateinischer Name | Draco (Abkürzung Dra) |
| Fläche | 1.083 Quadratgrad (Rang 8 von 88) |
| Hellster Stern | Eltanin (auch Etamin), γ Draconis, 2,23 mag |
| Bekanntester Stern | Thuban (α Draconis), nur 3,68 mag, Polarstern um 2800 v. Chr. |
| Sichtbarkeit | ganzjährig (zirkumpolar), am besten Juli bis September abends |
| Höchster Stand Eltanin | 89 bis 90° in Berlin, Dresden und Köln, 87° in München, 86° in Zürich – fast im Zenit |
| Nachbarn | Großer Bär, Kleiner Bär, Giraffe, Kepheus, Schwan, Leier, Herkules, Bärenhüter |
| Deep-Sky-Highlight | Katzenaugennebel NGC 6543, planetarischer Nebel, 8,1 mag |
| Meteorstrom | Draconiden, Maximum 8./9. Oktober |
Das Sternbild Drache finden
Der Drache hat keinen einzigen richtig hellen Stern. Deshalb suchst du ihn am besten über zwei Nachbarn, die du sicher kennst: Wega und den Großen Wagen. Ein dunkler Himmel abseits der Stadt hilft sehr, denn viele Körpersterne sind nur 3. bis 4. Größenklasse.
Der Kopf: das kleine Viereck neben Wega
Wega in der Leier ist im Sommer der hellste Stern hoch am Himmel. Gehst du von ihr 14,5 Grad nach Nordnordwest, triffst du auf Eltanin – das ist gut eine Handbreite bei ausgestrecktem Arm. Eltanin bildet mit Rastaban, Grumium und dem lichtschwachen Kuma ein kleines, schiefes Viereck: den Kopf.
Die beiden hellen Kopfsterne Eltanin und Rastaban stehen nur 4,1 Grad auseinander. Sie wirken wie ein Augenpaar, das nach Süden in Richtung Herkules blickt.
Der Schwanz: Thuban zwischen den Wagen
Für den Schwanz nimmst du Mizar, den mittleren Deichselstern des Großen Wagens, und Kochab, den hellen Kastenstern des Kleinen Wagens. Die beiden trennen 21 Grad, und fast genau in der Mitte steht Thuban – je 10,6 bis 10,7 Grad von beiden entfernt.
Von Thuban aus windet sich der Schwanz über κ bis zu Giausar. Die Schwanzspitze liegt nur 8 Grad von Dubhe entfernt, dem oberen Kastenstern des Großen Wagens.
Weil der Drache um den Himmelspol kreist, steht er je nach Uhrzeit und Jahreszeit mal aufrecht, mal kopfüber. Unsere Karte zeigt ihn so, wie du ihn an einem Hochsommerabend über dir siehst – wie du solche Karten drehst, erklärt unsere Anleitung Sternbilder erkennen.
Die Sterne im Sternbild Drache
| Stern | Helligkeit | Entfernung | Typ |
|---|---|---|---|
| Eltanin / Etamin (γ Dra) | 2,23 mag | 154 Lichtjahre | orangefarbener Riese K5 III |
| Athebyne (η Dra) | 2,74 mag | 91 Lichtjahre | gelber Riese G8 III |
| Rastaban (β Dra) | 2,81 mag | rund 380 Lichtjahre | gelber Überriese G2 Ib-II |
| Altais (δ Dra) | 3,07 mag | 98 Lichtjahre | gelber Riese G9 III |
| Aldhibah (ζ Dra) | 3,17 mag | rund 420 Lichtjahre | blauweißer Riese B8 III |
| Edasich (ι Dra) | 3,29 mag | 100 Lichtjahre | orangefarbener Riese K2 III |
| Thuban (α Dra) | 3,68 mag | rund 260 Lichtjahre | weißer Riese A0 III |
| Grumium (ξ Dra) | 3,75 mag | 112 Lichtjahre | orangefarbener Riese K2 III |
| Kuma (ν Dra) | 2 × 4,9 mag | 98 Lichtjahre | Doppelstern, 62″ Abstand |
Kuma: ein Doppelstern schon fürs Fernglas
Kuma (ν Draconis) ist einer der schönsten leichten Doppelsterne am Himmel. Zwei gleich helle, weiße Sterne mit 4,9 mag stehen 62 Bogensekunden auseinander – das trennt schon ein ruhig gehaltenes 10×50-Fernglas.
Thuban: der Polarstern der Pyramidenzeit
Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und beschreibt in rund 26.000 Jahren einen großen Kreis – das nennt man Präzession. Dadurch wandert der Himmelsnordpol langsam zwischen den Sternen.
Am nächsten kam Thuban dem Pol um 2800 v. Chr., bis auf etwa 6 Bogenminuten – das ist nur ein Fünftel des Vollmonddurchmessers und näher, als unser heutiger Polarstern je kommen wird.
Weniger als ein Grad trennte ihn etwa von 2970 bis 2620 v. Chr. vom Pol. Zur Bauzeit der Cheops-Pyramide um 2560 v. Chr. stand er bereits gut 1,3 Grad daneben, war aber immer noch der beste Polstern weit und breit.
Heute steht Thuban knapp 26 Grad vom Pol entfernt. Unser aktueller Polarstern kommt dem Pol um das Jahr 2100 am nächsten, bleibt aber rund 28 Bogenminuten daneben.
Wann der Drache zu sehen ist
Der Drache ist ein zirkumpolares Sternbild: Er kreist um den Pol und taucht nie unter den Horizont. Selbst sein südlichster Zipfel bleibt in Bern noch gut 4 Grad, in Hamburg 11 Grad über dem Horizont.

Am schönsten ist er im Sommer. Im August steht Eltanin um 22 Uhr 87 Grad hoch – praktisch senkrecht über deinem Kopf. Im Winter dagegen kriecht der Kopf abends nur 12 bis 17 Grad über den Nordhorizont.
| Monat (jeweils 15.) | Eltanin (Kopf) um 22 Uhr | Thuban (Schwanz) um 22 Uhr | Kopf am höchsten |
|---|---|---|---|
| Januar | 12°, tief im Norden | 30° | 10:43 Uhr (tagsüber) |
| März | 19° | 50° | 06:51 Uhr |
| Mai | 38° | 69° | 03:51 Uhr |
| Juni | 55° | 76° | 01:49 Uhr |
| Juli | 73° | 68° | 23:48 Uhr |
| August | 87° | 55° | 21:46 Uhr |
| September | 69° | 43° | 19:44 Uhr |
| Oktober | 51° | 33° | 17:46 Uhr |
| November | 28° | 25° | 14:44 Uhr (tagsüber) |
Der Kopf geht dabei fast genau durch den Zenit, den Punkt senkrecht über dir. In Berlin erreicht Eltanin 89,0 Grad, in Köln sogar 89,5 Grad. In München und Wien sind es 86,7, in Bern 85,5 Grad.
Die Sonne kommt nie durch den Drachen, denn das ganze Sternbild liegt mindestens 53 Grad nördlich der Ekliptik, ihrer scheinbaren Jahresbahn. Dafür liegt hier der Pol dieser Bahn, der ekliptikale Nordpol.
Der Katzenaugennebel NGC 6543
Der Katzenaugennebel ist ein planetarischer Nebel: die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns, der seinen Brennstoff verbraucht hat. Er ist mit 8,1 mag einer der hellsten seiner Art, aber winzig – der helle Kern misst nur rund 20 Bogensekunden.
Du findest ihn auf der gedachten Linie von Aldhibah (ζ) nach Altais (δ). Etwa 5 Grad hinter Aldhibah, gut zwei Fünftel des Weges, sitzt das Katzenauge – nur 0,17 Grad vom ekliptikalen Nordpol entfernt.
Der typische Anfängerfehler ist, ihn zu übersehen. Bei niedriger Vergrößerung wirkt der Nebel wie ein etwas unscharfer Stern; erst ab etwa 100-fach wird daraus ein kleines, blaugrünes Scheibchen. Die Katzenaugen-Struktur der Hubble-Bilder siehst du visuell nicht – dafür braucht es große Öffnung, sehr ruhige Luft oder Fotografie.
Am Katzenauge bewies William Huggins 1864, dass solche Nebel aus leuchtendem Gas bestehen. Seine Entfernung ist unsicher; je nach Methode liegen die Werte bei 3.000 bis 4.500 Lichtjahren.
Galaxien für größere Teleskope
Rund 3 bis 4 Grad südwestlich von Edasich (ι) liegen NGC 5866, oft als das rätselhafte M 102 gedeutet, und die Kantengalaxie NGC 5907. Beide lohnen sich erst ab etwa 150 bis 200 mm Öffnung unter dunklem Himmel.
Die Draconiden im Oktober
Aus dem Kopf des Drachen scheinen Anfang Oktober die Draconiden zu kommen, ein Meteorstrom des Kometen 21P/Giacobini-Zinner. Ihr Maximum fällt auf die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober. In normalen Jahren sind es nur wenige Sternschnuppen pro Stunde.
Ihr Ruf stammt von seltenen Ausbrüchen. 1933 und 1946 regnete es Tausende Meteore pro Stunde, 2011 immerhin rund 250. Für 2026 wird kein Sturm erwartet, aber der Mond stört kaum: Neumond ist am 10. Oktober.
Hier lohnt sich der frühe Abend. Der Ausstrahlungspunkt steht am 8. Oktober um 20 Uhr 69 Grad hoch, um 2 Uhr nachts nur noch 24 Grad – schau also gleich nach Einbruch der Dunkelheit.
Mythologie: was der Drache bedeutet
In der bekanntesten griechischen Sage ist der Drache Ladon, der Wächter der goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden. Herakles tötete ihn bei einer seiner zwölf Arbeiten, und Hera setzte ihn an den Himmel. Passend dazu kniet das Sternbild Herkules direkt neben dem Drachenkopf.
Fernglas oder Teleskop
Für den Drachen gewinnt das Teleskop. Seine Highlights sind klein: Der Katzenaugennebel und die Galaxien brauchen Vergrößerung, weite Sternfelder wie im Winter gibt es hier nicht. Kuma trennt zwar schon das Fernglas, im Teleskop ist das Paar aber viel schöner.
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Häufige Fragen zum Sternbild Drache
Wie heißt der hellste Stern im Sternbild Drache? (Rätsel)
Der hellste Stern heißt ELTANIN (7 Buchstaben), in älteren Büchern und Rätseln auch ETAMIN (6 Buchstaben). Wird nach dem ehemaligen Polarstern gefragt, lautet die Lösung THUBAN (6 Buchstaben). Weitere Sternnamen im Drachen sind ALTAIS (6), EDASICH (7), GRUMIUM (7) und RASTABAN (8).
Wie heißt das Sternbild Drache auf Lateinisch?
DRACO, 5 Buchstaben. Die offizielle Abkürzung der Internationalen Astronomischen Union ist Dra, die Sterne heißen etwa Alpha Draconis.
Wie finde ich das Sternbild Drache am Himmel?
Geh von Wega gut eine Handbreite (14,5 Grad) nach Nordnordwest zum Viereck des Drachenkopfs. Thuban im Schwanz steht fast genau in der Mitte zwischen Mizar im Großen Wagen und Kochab im Kleinen Wagen.
Welche Bedeutung hat das Sternbild Drache?
In der griechischen Mythologie steht es meist für Ladon, den Drachen, der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewachte und von Herakles getötet wurde. Astronomisch bedeutsam ist es wegen Thuban, dem Polarstern vor rund 4.800 Jahren, und weil der ekliptikale Nordpol darin liegt.
Kann man den Drachen das ganze Jahr sehen?
Ja, in Deutschland, Österreich und der Schweiz geht er nie unter. Am besten steht er von Juli bis September abends, dann steht der Kopf hoch über dir, im August fast im Zenit. Im Winter liegt der Kopf abends tief im Norden, Thuban steht aber noch 25 bis 30 Grad hoch.
Wann sind die Draconiden 2026 am besten zu sehen?
Am Abend des 8. Oktober, gleich nach Einbruch der Dunkelheit, denn dann steht der Ausstrahlungspunkt am höchsten. Mit Neumond am 10. Oktober sind die Bedingungen gut. Erwarte aber nur einige Meteore pro Stunde, Ausbrüche sind selten.
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- Großer Wagen – der Wegweiser zum Drachenschwanz
- Kleiner Wagen – um ihn windet sich der Drache
- Wega – der helle Nachbar am Drachenkopf
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